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Abenteuer in den Strassen von Kairo

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen: Reiseberichte zum Informieren und Träumen...

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Abenteuer in den Strassen von Kairo

Beitragvon Alexander » 27.04.2014 14:42

Abenteuer in den Strassen von Kairo

Was will ich hier in Deutschland? Ich hasse den Feiertagstrubel. Ostereiersuchen und Osterbraten? Nein, das ist nicht meins. Ich muss fort.

Bei meinen Reisen nach Ägypten habe ich Kairo immer nur kurz gestreift. Immer nur ein zwei Tage. Mehr nicht. Dabei hat die ägyptische Metropole so viel zu bieten für den, der offen ist für das Fremde, dem es egal ist, ob er in den Strassen an einem Schnellimbiss ein würziges Lebersandwich isst und keinen Wert auf drei Sterne Hotels legt.

Wer das Ungewöhnliche liebt und dem etwas Abenteuerblut durch die Adern fließt, der sollte sich durch Kairo treiben lassen. Nicht mit einem Reisebus oder einer veranstalteten Tour. Nein, zu Fuß sollte man es tun, mit dem Micro Bus, zusammengedrängt mit den Ägyptern, mit der Metro, deren Sauberkeit und Organisation mich überrascht hat oder mit einem Taxi, wo der Smalltalk mit dem Fahrer mehr Einblick in das Leben dieser lebendigen Großstadt gibt als jeder Reiseführer.

Ich suche nicht Moscheen und Museen, wenn sie mir nicht zufällig über den Weg laufen. Mich interessieren nicht die touristischen Highlights, die Points of Interest, welche in jedem Reiseführer zu finden sind und welche die Europäer so gerne besuchen. Ich möchte das Leben in Kairo spüren, auf den Plätzen, auf den Märkten, dort wohin sich normalerweise kein Tourist verirrt. Mich interessieren die Menschen, die engen Gassen, die zahllosen Restaurants und Geschäfte, das Tages- und vor allem das Nachtleben. Mich interessiert, wie die Menschen leben, besonders nach der Revolution und was sie von ihrer Metropole erwarten. Ich möchte eins sein mit den Strassen, dem Verkehr, dem Smog, dem Straßenstaub, dem Charme und dem Flair, dass diese Stadt ausstrahlt.

Ich bin angekommen und ich habe eine Woche Zeit…
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Alexander
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Re: Abenteuer in den Strassen von Kairo

Beitragvon Alexander » 27.04.2014 14:42

Tarifgestaltung des Transportgewerbes

Nach meiner Ankunft marschierte ich nach der Gepäckausgabe in Richtung Ausgang. Andere Touristen gab es kaum. Ein alleine reisender Amerikaner, von dem ich nicht weiß, ob er als Tourist oder Geschäftsmann unterwegs ist. Alle anderen machen nicht den Eindruck, als wären sie zum Urlaub hier. Zumindest keine „Westler“.

In der Ankunftshalle treffe ich auf den ersten Schlepper.
Taxi?

How much?

100 Pound

Ich lasse ihn stehen und verlasse das Flughafengebäude, vor dem schon mehrere Taxifahrer warten.

Taxi? Taxi?

How much?

Hinter mir der Schlepper, der mich als erster angesprochen hatte. In Gegenwart der anderen Taxifahrer beschwert er sich, warum ich nun mit anderen Taxifahrern verhandle. Ich versuche ihm kurz die Grundsätze der Markwirtschaft zu erklären und dass es so etwas wie Angebot und Nachfrage gäbe.

Als mir einer der Taxifahrer 80 ägyptische Pfund bietet, reduziert sich auch der Preis des Schleppers. Ein anderer Taxifahrer bietet 60 LE. Der Preisverfall nimmt deflationäre Tendenzen an. 100 – 80 – 60 …

Ich wähle den preisgünstigsten Anbieter und wir beginnen die Fahrt in Richtung Tahrir Square.
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Re: Abenteuer in den Strassen von Kairo

Beitragvon Alexander » 27.04.2014 14:42

Zimmersuche

Von dort aus suche ich mir ein Hotel, das möglichst nahe am Square liegt.

Das erstbeste Etablissement wird meine Bleibe werden. Bewusst suche ich mir kein gutes Hotel, da ich fast das ganze Jahr in Sternehotels verbringe. Auch hier suche ich mir etwas Ungewöhnliches aus. Dass dieses Hotel aber seit der Revolution so heruntergekommen war, erstaunte sogar mich. Seit längerer Zeit scheint hier schon kein Gast mehr angeklopft zu haben. Einige Ägypter leben hier, da das Leben in diesem Hotel günstiger ist, als ein eigenes Appartement zu unterhalten.

Zunächst muss ich einen Stacheldrahtverhau umgehen, der vermutlich als Absperrung für den Fall von Demonstrationen hier deponiert wurde.

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Die Appartements liegen in der achten Etage, in die ein alter Holzaufzug hinaufführt. Manchmal öffnen sich die Türen während der Fahrt. Dann bleibt der Aufzug stecken. Manchmal schießt der Aufzug auch über sein Ziel hinaus und steckt dann zwischen zwei Etagen fest.

Es scheinen noch einige Travel Agenturen und eine Fluggesellschaft in dem Gebäude ihre Büros zu haben. Es macht aber den Eindruck, als wären sie längst aufgegeben.

Die siebte Etage ist bereits zum Katzenklo verkommen...

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... und aus dem Fenster meines Zimmers habe ich keinen Blick auf den Square sondern in einen Teil des Gebäudes, der wohl seit hundert Jahren nicht mehr verwendet wurde. Offensichtlich eine Art Nottreppe. Ich kann mir den Zweck dieses Bereichs nicht erklären.

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Re: Abenteuer in den Strassen von Kairo

Beitragvon Alexander » 27.04.2014 15:07

Erste Eindrücke

Seit meinem letzten Besuch am Tahrir Square hat sich einiges verändert. Die Panzer, welche die Ein- und Ausfallstrassen gesichert hatten sind verschwunden. Eine Absperrmauer wich einer Stahlabsperrung, die im Falle einer Demonstration verschlossen werden kann. In den Seitenstrassen liegt Stacheldraht bereit. Die Panzer verschwanden aber nur aus den Augen der Öffentlichkeit. In der Nähe stehen sie in einer Seitenstrasse einsatzbereit.

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Die meisten Geschäfte haben wieder geöffnet. Manche Ladenbesitzer sorgten gegen gewalttätige Demonstrationen vor und vergitterten ihre Fenster oder sicherten sie sonst irgendwie.

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Der Platz der Revolution ist heute allerdings nicht so frequentiert. Es steht das Osterfest bevor, dass in den nächsten Tagen gefeiert wird.

Ich überquere den Tahrir, um auf die andere Seite zu gelangen. Das Vorhaben sieht lebensgefährlich aus. Als Fußgänger ist man das schwächste Glied in der Verkehrskette und entsprechend wenig Beachtung wird einem geschenkt. Wenn es aber die Ägypter schaffen unbeschadet einen Platz zu überqueren, dann sollte es auch mir gelingen.

Die ersten Versuche sind noch recht zaghaft. Ich schaue einige Tricks meinen laufenden Leidensgenossen ab. Sie schlängeln sich durch den Verkehr, sie winken, um ein Fahrzeug davon abzuhalten, ihn zu überfahren, beschleunigen ihren Schritt, um ihn dann wieder zu verzögern. Irgendwann gelingt es auch mir und es fängt an Spaß zu machen, sich durch den hupenden Blechstrom zu bewegen.

Ampeln interessieren niemanden, es sei denn, es steht ein Polizist davor. Doch selbst in diesem Fall werden Rotlicht der Signalanlage mehr als Empfehlung gesehen als ein Gebot stehen zu bleiben.

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Re: Abenteuer in den Strassen von Kairo

Beitragvon Kuno » 27.04.2014 16:32

Interessant - bitte gleich weitermachen und bittebittebitte nicht ueber Monate hinauszoegern :wink:
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Re: Abenteuer in den Strassen von Kairo

Beitragvon Alexander » 27.04.2014 16:33

Kuno hat geschrieben:Interessant - bitte gleich weitermachen und bittebittebitte nicht ueber Monate hinauszoegern :wink:


Kuno, ich verspreche dir, den Reisebericht zügig durchzuziehen ;-)
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Re: Abenteuer in den Strassen von Kairo

Beitragvon martin1101 » 27.04.2014 16:44

Danke Alexander,
es ist schön, mit Dir in die Gassen Kairos einzutauchen.........
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Re: Abenteuer in den Strassen von Kairo

Beitragvon Alexander » 27.04.2014 17:39

Nepper, Schlepper, Touristenfänger

Mein erstes Ziel an diesem Abend war der Kairo Tower. Nachdem ich erfolgreich den Tahrir überquert hatte treffe ich zu Beginn der Tahrir Brücke auf einen Teestand.

Chai? Fragte mich der Teeverkäufer. Ich nicke und er schenkt mir ein Glas ein. Zwischen einigen jungen Ägypter suche ich mir einen Platz. Kaum einer traut sich mich anzusprechen, lächeln aber alle freundlich. Einer fragt sogar, wo ich herkomme.

English?

No, Almani, antworte ich ihm.

Während ich meinen Tee trinke spricht mich ein weiterer Ägypter an. Er fragt mich, wo ich hin möchte und ich entgegne ihm zum Kairo Tower. Der junge Mann stellt sich als Kunststudent vor und meint, er könnte mir einen kürzeren Weg zeigen. Das machte mich stutzig, denn ich befand mich bereits auf dem kürzesten Weg.

Als er dann meinte, dass wir den Weg durch die Metro nehmen werden, wurde ich noch hellhöriger. Ich wusste, dass die Metrozugänge am Tharir Square von den Sicherheitsbehörden geschlossen wurden, um Demonstranten die Anreise zu erschweren. Dennoch wurde ich neugierig und mich interessierte, was der Hintergrund dieser kleinen Unwahrheiten waren. Ich ging mit ihm mit…

Den Weg, den wir nahmen führte vermutlich überall hin, aber nicht zum Kairo Tower. Er führte in seinen Laden, in dem er Parfüm und Papyrus verkauft. Der junge Mann sprach von "ägyptischer Hospitality" und wollte mir deshalb einen Tee anbieten. Während einem zwanglosen Gespräch fing plötzlich jemand an Papyruswerke auf dem Boden zu verteilen und zwar so, dass ich den Laden nicht mehr verlassen konnte.

Ich schenke dir eins, meinte der Verkäufer, du zahlst mir dann, was du willst. Ok, jetzt kam er mit den Tatsachen langsam auf den Tisch. Und dann sollte ich ihm noch ein Stück Papyrus abkaufen und meinte, ob ich schon das ägyptische Parfüm kenne.

Ich erklärte dem "gastfreundlichen" Herrn, dass ich kein Interesse an seiner Ware habe, was ich von seinem Geschäftsgebaren halte und verlasse seinen Shop in Richtung Tahrir Brücke.

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Diese Art von Verkaufskontakten werde ich noch häufiger erleben. Meistens fängt es mit harmlosen Fragen an. Irgendwann wird dir mitgeteilt, dass du es mit einem "Geschäftsmann" zu tun hast und du nur mit ihm mitkommen sollst, damit er dir seine Business Card überreichen kann. Wer darauf eingeht sitzt in der Falle. :mrgreen: Hier sollte man sehr konsequent sein. Will ich tatsächlich etwas kaufen, ok. Wenn nicht, dann sollte man klar sein Desinteresse zum Ausdruck bringen ;)
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Re: Abenteuer in den Strassen von Kairo

Beitragvon Kuno » 27.04.2014 17:48

Alexander hat geschrieben:Ich schenke dir eins, meinte der Verkäufer, du zahlst mir dann, was du willst. Ok, jetzt kam er mit den Tatsachen langsam auf den Tisch. Und dann sollte ich ihm noch ein Stück Papyrus abkaufen und meinte, ob ich schon das ägyptische Parfüm kenne.


Ich glaub, bei dem hab' ich auch schon eingekauft :oops:
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Re: Abenteuer in den Strassen von Kairo

Beitragvon Alexander » 27.04.2014 18:06

Insel Gezira

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Weiter über die Brücke erreiche ich die Insel Gezira (Gezira arab. Insel). Auf der linken Seite nach der Brücke gibt es einen schönen Park der mit Statuen, Palmen und eigenartigen Bäumen geschmückt ist, die ich vorher noch nicht gesehen hatte.

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Auf den zahlreichen Parkbänken sitzen die jungen Pärchen verliebt und Händchen haltend. Ich bezahle die 3 £E und betrete den Park. Einige Palmen machen einen sehr künstlichen Eindruck. Sie dienen als Antennen und man versucht diese durch ihren künstlichen Anstrich besser in die Landschaft zu integrieren.

Weiter geht es zum Kairo Tower, auf dessen Spitze man gegen Eintritt mit dem Aufzug hochfahren kann. Leider ist der Turm derzeit wegen Renovierung geschlossen. So bleibt mir nur der Blick aus der Ferne.

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Ich nutze nun die gewonnene Zeit, um die Insel genauer zu erforschen.

In einer Seitenstraße höre ich hinter mir lautes Gehupe. Ich drehe mich um: ein Hochzeitskonvoi mit Stretchlimousine.

Ich frage einen Polizisten, ob ich diese fotografieren darf, was mir genehmigt wird.

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Als ich weiter nachfrage, ob ich auch den Innenhof mit dem feudalen Gebäude fotografieren darf meinte er nur kurz: Police Club

An der Aussenmauer, die den Blick auf den Police Club versperrt sieht man immer wieder in wenigen Abständen Totenköpfe mit arabischen Schriftzeichen.

So schnell, wie ich meine Kamera ausgepackt habe, verschwindet sie wieder in meiner Tasche.

Wenn ich sehe, wie die Menschen mit dem Wenigen auskommen müssen, das sie haben, oder auch nicht und welches Leben sich die "Staatsdiener" gönnen, frage ich mich schon, ob das so alles richtig sein kann.
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Re: Abenteuer in den Strassen von Kairo

Beitragvon Alexander » 27.04.2014 18:23

Zurück über die Nilbrücke

Noch kurz vor der Nilbrücke trifft man auf die Oper, die dieses Jahr ihr Jubiläum feiert. Allerdings konnte ich nicht herausfinden welches.

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Es gibt free Pepsi and Fries :-) Was passiert, wenn ich nur die Gratisportion bestelle und auf den kostenpflichtigen Hamburger verzichte? :mrgreen:

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Auf der Nilbrücke stehen einige Angler, die ihr Glück versuchen. Einer der Petrijünger hat schon einige schöne Fische gefangen. Die werden entweder verkauft oder sie landen auf dem eigenen Speisezettel.

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Ich mache noch einen kurzen Abstecher in die Stadt. Esse noch zwei würzige Leber Sandwichs und ein Glas erfrischendes Supia, das weiße Getränk in der Mitte auf dem Bild. Es handelt sich dabei um ein Cocosgetränk, das als Zusatz nur mit Zuckerrohrsaft hergestellt wird. Es gibt einige dieser Läden in Kairo und man erkennt sie an den Zuckerrohbündeln, die vor dem Laden stehen.

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Re: Abenteuer in den Strassen von Kairo

Beitragvon Alexander » 27.04.2014 18:51

Politische Diskussionen

Auf dem Weg zurück zum Hotel spricht mich am Tahrir ein Veranstalter an. Ob ich nicht Interesse an einer Tour hätte. Als er erkennt, dass ich nicht zum ersten Mal zu Gast in Ägypten bin, wechselt das Thema auf Politik.

Er meint, dass die Muslim Brüder für Unruhe sorgen und für die Bombenanschläge verantwortlich sind und hofft, dass nach den Wahlen alles besser werden wird. Ich hoffe, dass der Mann nicht enttäuscht werden wird.

Am gleichen Abend treffe ich noch einen jungen Mann und diskutiere mit Kim bei einem Tee über die aktuelle Lage in Ägypten. Ich erwähne, dass nun demnächst Wahlen sein werden und frage, wer seiner Meinung Präsident werden sollte. Er antwortet ausweichend, es gäbe nur einen Kandidaten. Ich hake nach und frage, ob Sisi ein guter Präsident sein wird. Kim entgegnet, dass die Muslim Brüder nicht gut für das Land wären aber auch Sisi vertritt nicht wirklich das Volk. Es wäre besser, wenn es einen Präsidenten gäbe, der die Interessen aller vertreten würde.

Nun mache ich mich endgültig zurück auf den Weg zum Hotel. Ich muss durch einige enge Gassen. Man verläuft sich in Kairo sehr schnell. Irgendwie merke ich, dass ich an dieser Stelle schon mal vorbeigekommen bin. Ich frage einen Polizisten nach der Richtung zum Tahrir und er meint, ich stehe in der Tahrir Street. :oops:

Auf dem Weg zurück genehmige ich mir noch eine ägyptische Pizza. Sie besteht aus einer Art Blätterteig und ist mit Gemüse manchmal auch Wurst oder Hackfleisch belegt. Sie wird zusammengerollt und man beißt einfach rein. Sie schmeckt köstlich. :)

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Re: Abenteuer in den Strassen von Kairo

Beitragvon Alexander » 27.04.2014 19:05

Eine unruhige Nacht

In diesem Hotel scheint nie Ruhe einzukehren. Sogar nach Mitternacht werden Türen ins Schloss gefeuert und lauthals geschrien.

Einige Männer unterhalten sich lautstark. Nein, sie beginnen zu schreien. Irgendwann kehrt wieder Ruhe ein.

Eine halbe Stunde später schreien sich die Männer wieder an. Dieses mal noch lauter und es kommt zu Handgreiflichkeiten. Eine Frau geht kreischend dazwischen. Es ist schlagartig ruhig. Türen fallen ins Schloss.

Ich bin gerade dabei, diese Schwelle zu überschreiten, wo man die Augenlider nicht mehr offenhalten kann und die Sinne sich langsam aber sicher in einen Ruhezustand begeben.

Genau in diesem Augenblick fangen Katzen an es ihren zweibeinigen Vorbildern gleichzutun. Sie kreischen auf Teufel komm raus. Ich weiß nicht, wie viele der 30 oder 40 Katzen, die in diesem Haus wohnen an diesem Streit beteiligt sind. Ich verfluche sie nur, egal ob ich jetzt eine unschuldige damit treffe. Aber auch hier kehrt irgendwann wieder Ruhe ein.

Erschöpft von der unruhigen Nacht wache ich am nächsten Tag auf…

Das war der erste Tag in Kairo :wink:

Fortsetzung folgt
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Re: Abenteuer in den Strassen von Kairo

Beitragvon philipp aka fipsicola » 27.04.2014 21:48

nur so am rande:
mach dich selbstständig, da hast du ein volles leben, keine langeweile....
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Re: Abenteuer in den Strassen von Kairo

Beitragvon Alexander » 28.04.2014 16:30

philipp aka fipsicola hat geschrieben:nur so am rande:
mach dich selbstständig, da hast du ein volles leben, keine langeweile....


Diesen Vorschlag höre ich seit einigen Tagen öffter ;-)
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Re: Abenteuer in den Strassen von Kairo

Beitragvon Alexander » 01.05.2014 11:26

Morgendliche Ruhestörung

Gegen 6:00 Uhr wache ich durch Schreie auf. Kurze heftige Schreie. Keine Schreie, die Schmerz oder Panik verursachen. Es muss sich draußen in der Nähe meines Zimmers etwas anderes abspielen.

Auf dem Weg zur morgendlichen Dusche entdecke ich einen älteren Herrn, der einem jungen Mädchen Kung Fu Verteidigungstechniken lehrt. Der Herr, vermutlich der Vater oder Großvater des jungen Mädchens, trainiert Bewegungsabläufe, die dem Mädchen vermutlich helfen sollen, sich gegen Angriffe zu verteidigen. Sind es die Sorgen des Mannes, dass das Mädchen Angriffen von Männern ausgesetzt werden sein könnte? Angriffe, besonders sexueller Natur, von denen man in der Presse immer wieder liest?

Eigentlich steht heute der Besuch des Khan al Kallili Marktes auf meinem Programm. Ich mache mich also auf in Richtung Nord Osten. Die Straßen sind noch relativ leer. In der nähe des Talaat Harb Square spricht mich ein älterer Herr vor seinem Lebensmittelladen an.

Hello, where are you going?

Khan al Kallili Market, lautet meine Antwort.

Der Herr meint, dass am Markt heute nicht viel los sei, da heute und morgen Feiertag ist. Auch in Kairo wird das Osterfest gefeiert. Said, so stellt sich der 68jährige vor, bietet mir an, auf einem Stuhl vor seinem Laden platz zu nehmen und mit ihm einen Tee zu trinken. Said erzählt mir, dass er viele Jahre für die Security gearbeitet hat und jetzt diesen Laden betreibt. Er öffnet ihn morgens um 6:00 und wartet dann, bis ein Angestellter den Tagesbetrieb übernimmt. Gegen 8:00 macht sich Said dann wieder nach hause nach Giza. Zum Tee knabbern wir einige Plätzchen. Das Alter sieht man Said nicht an. Er ist gut durchtrainiert, nur die Knie machen ihm zu schaffen meint Said. Der alte Geschäftsmann klagt auch über die derzeitige Situation in Ägypten. Ich frage ihn, was die Revolution gebracht hat. Er meint nur: hör auf von Revolution zu sprechen. Nach einer Revolution sollte eigentlich alles besser werden. Tatsächlich wurde danach alles viel schlechter und zwar in einer Geschwindigkeit, wie wir es nicht erwartet haben. Auch Said hofft auf die Wahlen und dass Sisi der starke Mann sein wird, der in Kürze alles richten wird. Die Muslimbrüder hätten viele Versprechen gemacht, aber nichts davon gehalten.

Said stellt mir einen pensionierten Polizeigeneral vor, der mit seinen zwei Enkelinnen an Saids Laden vorbeikommt. Der General betreibt immer noch eine Securityfirma.

Gegen 8:00 Uhr trifft Saids Angestellter ein. Said übergibt ihm den Laden und fragt mich, ob ich ihn ein Stück in Richtung Giza begleite. Ich nehme gerne an und wir machen uns zu Fuß auf zum nahegelegenen Midan Abdel Monheim Riyad, dem Busbahnhof, von dem Busse in alle Richtungen bis zum Flughafen abgehen. Wir bezahlen 1 £E pro Person und schon sind wir unterwegs in Richtung Pyramiden.

Said hat drei Töchter und zwei Söhne und freut sich immer wieder zu seiner Familie nach hause kehren zu können. Zunächst zeigt er mir noch die Umgebung. Im staatlichen Reitstall (wenn ich das so richtig verstanden habe) nehmen wir noch einen Tee und sprechen mit einem Tourenveranstalter, der klagt, dass die Touristen ausbleiben. Die Pferde und Kamele stehen in den Ställen, ohne dass sie für ihre eigentliche Aufgabe, Touristen durch die Landschaft zu tragen eingesetzt werden können. Nach der Revolution, als sich die Angriffe und Diebstähle auf dem Gelände der Pyramiden häuften, wurden hohe Eisenzäune um das Gelände errichtet, sagt der Tourguide, um zu verhindern, dass Diebe über die Mauern klettern. Ich war schon einmal vor einigen Jahren hier. Heute, ohne Touristenbetrieb ist es hier totenstille.

Said und ich gehen gemeinsam zurück zur Bushaltestelle, wo wir uns voneinander verabschieden.

Ich beschließe, auf den Bus zu verzichten und laufe die knapp 14 Kilometer über den Giza Square zurück zum Nil.

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Re: Abenteuer in den Strassen von Kairo

Beitragvon Alexander » 01.05.2014 12:41

Märkte und das Leben in Giza

Um sicher zu gehen, auch den richtigen Weg eingeschlagen zu haben, bemühe ich mein GPS. Ich muss zunächst nach Links, um später die Straße nach rechts in Richtung Giza Square einzuschlagen.

Architektonisch werden viele Teile Kairos durch schöne Moscheen bestimmt. Einige kann man sogar als Nichtmoslem außerhalb der üblichen Gebetszeiten besuchen.

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Es gibt kaum ein Plakat, Bushaltestelle oder sonstige Einrichtungen, die nicht mit dem typischen CC besprüht oder bemalt sind. Die Buchstaben repräsentieren den vermutlich künftigen Präsidenten al Sisi. Kann man den Graffitis Glauben schenken, dann scheint Sisi wirklich der große Hoffnungsträger des Landes zu sein. Die Zukunft wird es zeigen, ob Sisi die in ihn gesteckten hohen Erwartungen erfüllen kann.

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Knotenpunkte wie Bushaltestellen oder Brücken eignen sich besonders für Märkte.

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Die Fahrer schreien lauthals das Ziel ihrer Fahrt in die Menge und erleichtern so dem potentiellen Mitfahrer die richtige Wahl seines Transportmittels. Als Tourist fragt man am besten einen der Fahrer, welcher Minibus in die gewünschte Richtung fährt. Für ein paar ägyptische Pfund kann man fast jedes Ziel erreichen. Der Fahrpreis wird im Bus bezahlt. Sitzt man ganz hinten, wird das Geld einfach über die anderen Fahrgäste nach vorne gereicht. Das Wechselgeld erhält man auf die gleiche Weise wieder zurück.


Eine kleine Unstimmigkeit über die geltenden Vorfahrtrichtlinien verursachen einen kurzen Streit auf der Kreuzung und natürlich einen noch längeren Stau, in welchem die Fahrer lautstark mittels Hupen den Unmut über die Verzögerung zum Ausdruck bringen. Nach kurzer Zeit haben sich die Streithähne geeinigt und der Stau löst sich langsam aber sicher wieder auf.

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Diese Gefährte dürften wohl die Kleinstausgabe öffentlicher Verkehrsmittel darstellen.

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Der Coma Club. Wie dieser Club zu seinem Namen kam, konnte ich leider nicht herausfinden :)

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Der nächste Stau kündigt den nächsten Verkehrsknotenpunkt an: den Giza Square.
Teilweise kommt der Verkehr vollkommen zum Stillstand.

Ein älterer Herr versucht mir auf eine sehr aufdringliche Art und Weise klarzumachen, dass es für mich extrem wichtig wäre, mit ihm als Guide eine Rundreise zu den ägyptischen Sehenswürdigkeiten zu unternehmen. Der Mann ist so penetrant, dass sich gleich ein zweiter Herr einschaltet und meint, er sollte mich gefälligst in Ruhe lassen. Ich bedanke mich bei meinem Verteidiger mit einem freundlichen shukran und folge weiter dem Stau. Ich glaube, an diesem Tag habe ich alle möglichen Töne, Akkorde, alle möglichen Oktaven und Dissonanzen kennengelernt, die Hupen in der Lage sind von sich abzugeben. ;)


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Der Markt am Giza Square

Hochbrücken eignen sich besonders für Märkte. Unter den Brücken ist es schattig und etwas kühler als außerhalb ihres Sonnenschutzes. Hier drängen sich die Verkäufer und bieten nahezu alles an. Viele Käufer machen von dem reichhaltigen Angebot gebrauch.

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Ob Brot…

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… Fisch …

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… Obst und Gemüse …

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Während ich so durch den Markt schlendere, bettelt mich eine Frau mit einem Kind auf dem Arm um Geld an, in dem sie ihre Hand zum Mund führt und andeutet, dass sie und ihr Kind etwas zu essen benötigen. Ich gebe ihr einen Schein. Noch ehe ich es verhindern kann ergreift sie meine Hand und küsst sie. Ich ziehe meine Hand wieder zaghaft zurück und tauche in der Menge wieder unter.

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Re: Abenteuer in den Strassen von Kairo

Beitragvon Heinrich » 01.05.2014 13:26

Alexander hat geschrieben:
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Als ich weiter nachfrage, ob ich auch den Innenhof mit dem feudalen Gebäude fotografieren darf meinte er nur kurz: Police Club
(...)
Wenn ich sehe, wie die Menschen mit dem Wenigen auskommen müssen, das sie haben, oder auch nicht und welches Leben sich die "Staatsdiener" gönnen, frage ich mich schon, ob das so alles richtig sein kann.


Bemerkenswert ist auch, dass das Fahrzeug Zollkennzeichen (Salum) trägt. Gleiche Schilder hat man als Tourist bei der Einreise bekommen. Es ist allerdings wohl kaum anzunehmen, dass das Fahrzeug aus Libyen kam...

Herzlichen Dank für deine Beiträge.

Gruss

Heinrich
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Re: Abenteuer in den Strassen von Kairo

Beitragvon Alexander » 01.05.2014 15:03

Danke Heinrich.

Kann es vieleicht sein, dass das Fahrzeug nur für diese Festlichkeit "Importiert" wurde? Was bedeutet Zollkennzeichen in diese Zusammenhang? Kann man das Fahrzeug damit nur einführen oder berechtigt es auch wieder zur Ausfuhr?

Grüsse
Alexander
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Re: Abenteuer in den Strassen von Kairo

Beitragvon Heinrich » 01.05.2014 15:40

Hallo Alexander

Ich habe seinerzeit diese Schilder (wie vergleichbare in Libyen) an der Grenze erhalten und montieren müssen. Dazu gabs auch den entsprechenden Fahrzeugausweis. Auf dem Schild steht arabisch جمرك = Zoll und Salum + die Nummer. Links daneben alles identisch in Englisch. Bei der Ausreise z.B. in Nuwaiba musste alles in stundenlanger Prozedur wieder abgegeben werden.

Gruss

Heinrich
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Re: Abenteuer in den Strassen von Kairo

Beitragvon Alexander » 01.05.2014 19:16

Zurück zum Nil

Irgendwie schaffe ich es, dass ich zwei Brücken zu weit südlich von der Kasr al Nile Bridge, die zum Tahrir Square führt den Nil erreiche.

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Also geht es am Westufer des Nils entlang Richtung Ahmed Morsi Street …

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… über den Giza Zoo. Von Außen erkenne ich einige Tiere. Der Zoo scheint gut besucht zu sein. In einer Seitenstraße stehen Panzer in Bereitschaft, die vermutlich eingesetzt werden, wenn es wieder zu Unruhen am Tahrir Square kommt.

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Der Wegweiser nach El Dokki zeigt mir an, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde.

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Auf Höhe der Al Gaama Bridge befindet sich der …

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… Eingang zum Zoo, der offensichtlich gut besucht ist.

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Gestrandete Boote und alte Wracks findet man gelegentlich am Nilufer.

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Der weithin sichtbare Cairo Tower zeigt mir an, dass ich es bald geschafft habe.

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Es gibt einige interessante Museen für den Liebhaber von Kultur und Geschichte.

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Dieses Gebäude war einst im Besitz einer der Mubarak Söhne. Während der Revolution ging es in Flammen auf. Seitdem steht es als Erinnerung an die Revolution am Nil. Ob es eines Tages abgerissen wird und das zerstörte Gebäude einem anderen weichen wird konnte mir niemand sagen.

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Auf der Nilbrücke spricht mich wieder ein älterer Herr an. Er sei Künstler und möchte mir seine Visitenkarte geben, die er natürlich in seinem Shop bereitliegen hat. :mrgreen: Kennen wir diese Masche nicht schon? Ich bin aber zu erschöpft von dem Fußmarsch und der Hitze des Tages und gehe zurück ins Hotel. Ich genehmige mir einen kurzen Nachmittagsschlaf und eine Dusche, bevor ich mich am Abend in das Nachtleben Kairos stürze.

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Re: Abenteuer in den Strassen von Kairo

Beitragvon Alexander » 01.05.2014 20:07

Das Nachtleben in Kairo

Frisch gestärkt geht es zunächst auf einen Tee in einer der Teestuben am Square. Der Teeladen entwickelte sich in dieser Woche zu meinem Lieblingsplatz. Von dort aus kann man das Treiben am Tahrir gut beobachten. Man kommt ins Gespräch mit anderen Menschen, die sich für den Fremden interessieren und die gerne Neuigkeiten aus der Fremde erfahren wollen. Ebenso bin ich neugierig auf alles, was die Menschen hier betrifft. So kommt es häufig zu interessanten Begegnungen und Gesprächen.

Mittlerweile ist der Abend hereingebrochen und die Lichter der Geschäfte beleuchten die Straßen. Ich mache mich wieder auf den Weg Richtung Nordosten zum Taalat Harb Square. Die Strassen sind voller Menschen. Ich habe den Eindruck, dass heute ausnahmsweise die Fußgänger Priorität vor den Autos haben.

Die Gehwege sind ausgefüllt mit Verkaufständen. Ich kann mich nur langsam durch die Menschenmenge bewegen. Grosse Lautsprecher wurden aufgestellt, aus denen in maximaler Lautstärke orientalische Musik dröhnt. Die Qualität der Lautsprecheranlagen bringt aber die Musik trotz der Lautstärke gut zur Geltung.

An einem Verkaufsstand gibt es Tumulte mit Handgreiflichkeiten. Ein junger Mann hat sich an einem Stand bedient, ohne dafür zu bezahlen. Das sollte man natürlich nicht tun. Die Geschädigten verstehen da keinen Spaß.

Am Taalat Harb Square überquere ich die Strasse, wo ein anderer Stand aufgebaut wurde. Dort preist ein Verkäufer auf ungewöhnlich Weise seine Waren an. Er steht auf einem Tisch mit einem Schild in der Hand und schreit in die Menge.

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Mich spricht ein Mann mittleren Alters an.

Hey, were are you from?

Ich erkläre, dass ich aus Deutschland komme und ich mir hier einige Tage Kairo anschauen möchte. Der Mann stellt sich als Omar vor und erklärt mir, was gegenüber der Straße abgeht. Der Marktschreier ist ein Verkäufer vom Land und bietet seine Waren an. Die Art und Weise des Verkaufs, erklärt mir Omar, ist hier sehr ungewöhnlich und die Passanten bleiben stehen und sehen dem bunten Treiben eher belustigt zu, als dass sie für die Waren des Verkäufers Interesse zeigen.

Omar kennt einen ruhigen Platz, wo man einen Tee trinken könnte. Wir machen uns auf den Weg in eine enge Gasse in der es einen kleinen Platz mit Stühlen gibt. Wir nehmen Platz und bestellen Tee.

Omar erzählt mir aus seinem Leben. Er hat zehn Jahre bei der Armee als Panzerfahrer gedient. Er erzählt mir alle Einzelheiten eines russischen T55. Seit dem er den Dienst quittierte ist Omar arbeitslos. Er lebt alleine, bekommt etwas Unterstützung vom Staat und von seinem Vater. Es reicht aber mehr schlecht als recht. Omar spielt mit dem Gedanken wieder zurück zum Militär zu gehen. Die Aussichten sind aber schlecht.

Omar wünscht sich eine Partnerin, mit der er das Leben verbringen kann. Er hat das Alleinsein satt.

Das Gespräch schwenkt auf das Thema Politik. Omar meint, dass es derzeit nur einen chancenreichen Kandidaten gibt und dass wäre Sisi. Auf ihn bauen die Erwartungen und die Hoffnung ist groß, dass der neue Präsident die Probleme schnell beseitigen wird, alles besser werden wird.

Wir sprechen über den Einfluss der Russen und der Amerikaner auf das Land und die Probleme in Syrien. Irgendwann fragt Omar: Hast du Lust? Lass uns eine Bar besuchen.

Die Bedienung, eine bildhübsche Ägypterin serviert uns die Getränke. Sehr bald zeigt sie Interesse für den Fremden. Sie erzählt mir, dass sie Katzen liebt und fragt mich, ob ich verheiratet bin. Sie lässt mich nicht mehr aus den Augen und ihre Intentionen werden mir bald klar.

Nach einigen Drinks wechseln wir die Lokalität, nicht ohne das mir die 30jährige das Versprechen abnimmt bald wieder zu kommen.

Dieses Mal landen wir in einer Bar. Wenn ich mich recht erinnere hieß die Bar Africana. Omar erklärt mir, dass sich hier vor allem Afrikaner treffen. Vor allem Äthiopier, Sudanesen und Somalis trifft man hier an, aber auch Gäste aus anderen afrikanischen Ländern. Omar berichtet, dass man hier leicht weibliche Bekanntschaften knüpfen könnte. Ich habe aber kein Interesse. Ägypten zählt zu den Ländern mit der höchsten Hepatitis Rate und die AIDS Quoten stiegen auch in den letzten Jahren. Man sollte daher bei "Abenteuer" dieser Art sehr vorsichtig sein oder besser ganz auf sie verzichten.

Die Musik hört auf zu spielen. Wir bezahlen und machen uns auf den Nachhauseweg.

So voll und laut die Strassen vor einigen Stunden noch waren, umso ruhiger und dunkler sind sie nun nach Mitternacht. Kairo ist in einen kurzen Tiefschlaf verfallen, von dem die Stadt in einigen Stunden wieder erwachen wird.
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Re: Abenteuer in den Strassen von Kairo

Beitragvon Alexander » 01.05.2014 20:08

Kann mir bitte jemand sagen, was auf diesem Schild steht?

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Danke ;-)

Grüsse
Alexander
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Re: Abenteuer in den Strassen von Kairo

Beitragvon birgit » 01.05.2014 20:29

He, Leute (untere Zeile), ich bin ein Bandit! :lol:

Diese Angabe aber ohne Gewähr...
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Re: Abenteuer in den Strassen von Kairo

Beitragvon Alexander » 01.05.2014 20:57

Hallo Zusammen,

noch eine Anmerkung zu den CC Grafitis. Ich wurde gerade im Zickes Forum daraufhingewiesen, dass diese Grafitis nicht unbedingt von Sisi Supportern sondern auch von Gegner stammen können. Teilweise wird CC und dann zusätzlich z.B. Verräter geschrieben, dies dann aber übermalt. Evlt. kann jemand die arabischen Schriftzeichen entziffern. Evtl. habe ich die Grafitis falsch interpretiert.

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Danke

Grüsse
Alexander
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