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Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmuggler

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen: Reiseberichte zum Informieren und Träumen...

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Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmuggler

Beitragvon Alexander » 28.11.2013 17:02

Liebe Wüstenfreunde,

vor einigen Jahren habe ich eine neue Leidenschaft entdeckt: das Wüstenwandern. Mit jeder Wanderung entstand der Wunsch weiter in die Wüste vorzudringen. Als Wanderer reduzieren sich allerdings die Möglichkeiten, da ein Mensch, je nach körperlicher Konstitution nur ein bestimmtes Gewicht mit sich tragen kann. Letztes Jahr bot mir Stefanie hier aus dem Forum und wohnhaft in der Oase Baharia liebenswerterweise an, Wasserdepots entlang meiner Wanderroute anzulegen, was meinen Aktionsradios erheblich erweiterte.

Ich wollte aber noch einen Schritt weiter. Ich wollte unabhängig sein. Welche Möglichkeiten hätte ich, um ausreichend Versorgungsmöglichkeiten zu haben, ohne dass mich das Gewicht belastet? Es entstand die Idee ein Gefährt zu konstruieren, das die Last für mich transportieren konnte und sich durch die Wüste schieben und ziehen lässt. Es wurde geplant, getüftelt, gebastelt und geschweißt und schließlich getestet, bis die Wüstenkarre aus der Taufe gehoben werden konnte.

Im November 2013 war es dann endlich soweit. Mit der Karre im Flieger flog ich nach Ägypten, um das Wüstenwägelchen unter einsatzmäßigen Bedingungen in der Wüste zu testen. Ich erlebte ein ganz besonderes Abenteuer. Doch lest selbst…



in 11 Tagen…
alleine…
zu Fuß…
220 Kilometer durch die Wüste…
Mit 87 Kilo Gepäck…


Wüstenwandern auf den Spuren libyscher Schmuggler

Die Sonne stand schon dicht im Westen, als wir den letzten Militärcheckpoint vor Siwa erreichten. Ein Maschinengewehr war auf den Bus gerichtet. Zwei Soldaten überprüften die ID Karten jedes einzelnen Passagiers. Ich wurde außen vor gelassen, da ich als Tourist vermutlich als harmlos und ungefährlich eingestuft wurde. Ein Soldat zeigt auf fünf Ägypter und fordert sie auf, aus dem Bus auszusteigen. Sie werden einer genaueren Kontrolle unterzogen. Auch das Gepäck wird aus dem Bus ausgeladen, um es sorgfältig zu durchsuchen. Nach 20 Minuten ist die Kontrolle abgeschlossen und wir setzen die Fahrt in Richtung Siwa fort.

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Endstation! Endlich kann ich meine Karre wieder in Empfang nehmen. Ich kenne noch aus den letzten Jahren einen jungen Siwi, der mit seinem Dreiradmoped seine Taxidienste anbietet und mich mit Gepäck zum Palmtree Hotel fährt. Mohamed, der Hotelmanager erkennt mich sofort. Etwas Smalltalk, er fragt, ob ich dieses mal wieder eine Wüstenwanderung unternehme. Ich erkläre ihm mein Vorhaben, das er ohne Skepsis zur Kenntnis nimmt. Er kennt schon diesen verrückten Almani.

Auf dem Zimmer packe ich die Karre sofort aus und prüfe, ob auch noch alle Teile vorhanden sind und keine "Schwund" unterwegs entstanden ist. In 15 Minuten ist die Karre zusammengebaut. Die Deichseln werden mit vier Schrauben und Muttern befestigt. Die Räder auf die Achse gesteckt und mit Schrauben festgezogen, mit denen man auch gleichzeitig die Spur optimal einstellen kann, um so den Rollwiderstand im Sand zu minimieren.

Ohne Wasserkanister keine Wüstenwanderung. Mohamed zeigt mir, in welcher Richtung der Laden liegt, in dem ich drei 20 Liter Wasserkanister erstehen kann. Der Laden hat nur einen Kanister auf Lager. Der Sohn des Ladenbesitzers besorgt den Rest aber innerhalb von 10 Minuten. Zusammen mit einem Pfropfen, der in die Einfüllöffnung gesteckt wird, um den Kanister wirklich dicht zu bekommen und dem Schraubverschluss bezahle ich 37 LE pro Kanister.

Meine Wasserreserven möchte ich auf 36 Liter beschränken. Mein Ziel war es, weit über den 100 Kilometer im Süden von Siwa liegenden Bir Russia oder Bir Russi, wie die Siwi sagen zu wandern. Voraussetzung dafür war, dass der Bir ausreichend Wasser in entsprechender Trinkwasserqualität liefern konnte und ich pro Tag mindest 25 Kilometer zurücklegen würde. Sollte ich am Bir Russia kein Wasser bekommen, könnte ich mit 36 Liter Wasser wieder zurück nach Siwa laufen. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich allerdings noch nicht, dass meine Rechnung nicht aufgehen würde und mir die Wasserversorgung fast zum Verhängnis werden würde.

Die Logistik und Versorgung waren komplett. Jetzt war es Zeit, alte Freunde zu besuchen. Leider hatten einige Freunde Siwa verlassen. Daha zog nach dem Tot seines Vaters zurück nach Kairo und Mohamed hatte sich nach Marsa Matruh zurückgezogen, nachdem aufgrund der ausbleibenden Touristen die Geschäfte in seinem Teehaus immer schlechter liefen. Nur Abdul traf ich noch in Siwa an. Ich erkläre ihm mein Vorhaben und frage ihn nach der Sicherheitslage. Abdul schüttelt nur den Kopf und meint, dass mein Vorhaben viel zu gefährlich sei. Es gäbe viele Schmuggler aus Libyen und aus dem Sudan, die nachts unbeleuchtet durch die Wüste fuhren. Mit einigen wäre nicht zu spaßen und würden mit auf ihren Pick Ups montierten Maschinengewehren durch die Dunkelheit fahren. Es könnte gut sein, dass ich plötzlich von Schmuggler oder Banditen umstellt sei und im günstigsten Falle mein Leben behalten würde. Selbst die Guides würden mit den Touristen nicht mehr draußen in der Wüste übernachten, da es zu gefährlich sei. Zusätzlich fährt das Militär Patrolien in der Wüste und es besteht die Gefahr, dass ich ihnen in die Hände laufen könnte. Abdul empfiehlt mir nur Tagesausflüge in unmittelbarer Nähe der Oase und fern von der libyschen Grenze zu unternehmen.

Die Nachrichten waren enttäuschend, ja sie waren niederschmetternd. Was sollte ich tun? Die ganze Vorbereitung umsonst? All die Mühen für nichts?

Ich hatte seit dem Flug nichts Vernünftiges mehr gegessen und suchte erst einmal Mahmuts Restaurant auf, das sich im zweiten Stock auf dem Dach befindet und freie Sicht auf die Oase bietet. Mit gesättigtem Magen lässt es sich wesentlich leichter nachdenken.

Die Entscheidung ist relativ schnell getroffen. Ich habe nicht den Kontinent gewechselt, um so einfach aufzugeben. Ich beschließe, das Risiko einzugehen. Zuviel Herzblut hatte ich in diese Reise investiert. Es gab kein zurück mehr.


Der Verlauf der Wanderung:

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04:30 Uhr: Ich belade die Karre. Den Verpackungskarton als Unterlage, darauf die Wasserkanister und Rucksack. Durch die Deichselenden und die Schlaufen meiner Jeans fädele ich den Gurt, spanne in straff und verknote in vor meinem Bauch. Und los geht es in Richtung Süden.

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Die ersten 3,5 Kilometer auf Teerstrasse, die dann in eine in die Wüste geschobene Piste übergeht sind einfach. Ich versuche verschiedene Schub- und Ziehtechniken. Irgendwann stoße ich auf den ersten Sand, der dann immer weicher wird. Es wird immer schwieriger, die Karre zu ziehen und entschließe mich, den Rucksack selbst zu tragen, was zunächst das Laufen erleichtert. Die Weichsandebene steigt nun etwas an und die Anstrengungen werden immer größer. Ich bin froh, dass die Sonne noch nicht am Horizont steht und ich noch den Vorteil der kühlen Nacht auf meiner Seite habe.

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Als es durch die Doppelbelastung Rucksack tragen und Karre ziehen immer anstrengender wird, lege ich eine kurze Pause ein und überlege, was ich verbessern könnte, um die Anstrengung zu reduzieren. Ich begann, das Gewicht auf der Karre anders zu verteilen. Das meiste Gewicht legte ich hinter bzw. auf die Achse. Gleich dahinter wieder den Rucksack. Ich hatte nun weniger Gewicht auf den Deichseln, was meine Anstrengungen, besonders im Hüft- und Rückenbereich deutlich reduzierte.

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Die ersten Gehversuche hatte ich nun hinter mir. Die Sonne versuchte im Osten den Horizont zu erglimmen. Zeit für ein erstes Frühstück, das aus einem "Powerriegel", einem Riegel aus Nahrungskonzentrat und einer Portion Peronin, dass ich im Wasser aufgelöst hatte.

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Der weiche Sandboden weicht nun einem etwas härteren Untergrund, was mir als Zugpferd gut entgegenkommt. Die Räder sinken nicht mehr ein und ich komme ohne mühe schneller vorwärts. Allerdings nur für einige Kilometer, da mir dann die ersten kleinen Dünen den Weg versperren.

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Den ersten Schatten nutze ich für eine kurze Pause.

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Obwohl ich konditionell keine Probleme bemerke setzten gegen Mittag Krämpfe im linken Oberschenkel ein. Dazu an gleicher Stelle Knochenschmerzen. Die Krämpfe entwickeln eine Heftigkeit, die mich zu einer Zwangspause veranlassen. Die Sonne steht eh schon fast am höchsten Punkt und es gibt wieder verschiedene Nahrungskonzentrate und Magnesium gegen die Krämpfe. Es waren die einzigen während dieser Wanderung. Anscheinend musste sich mein Körper erst auf die ungewohnten Bewegungsabläufe einstellen.

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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Achim Vogt » 28.11.2013 17:12

na endlich, lieber Alexander - wurde ja auch Zeit! 8)

Ich freue mich, über Dein jüngstes Abenteuer zu lesen und bin jetzt schon gespannt, wie es weitergeht.

Viele Grüße aus Beirut
Achim
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Kuno » 29.11.2013 22:03

Etz habe ich extra eine Dose Nuesse aufgemacht und wollte die waehrend dem Bericht lesen. Die Haelfte der Nuesse ist noch da - aber der Bericht schon fertig :cry:
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Alexander » 29.11.2013 22:20

Kuno, teile dir deine Nüsse gut ein. Ich schreibe gerade an der Fortsetzung des Reiseberichts.
Nur noch etwas Geduld. Hol dir schon mal ein Bierchen. Das passt ganz gut zu den Nüssen. 8)

Grüsse
Alexander
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Kuno » 29.11.2013 22:28

Ach nein. Etz habe ich die Nuesse alle trocken runtergeschlungen :evil:
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Alexander » 29.11.2013 22:36

Etz Kuno. Sei doch nicht so ungeduldig. Ich bemühe mich ja. Wirklich.
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Alexander » 29.11.2013 22:40

Die ersten Dünen
Kurz nach der Mittagspause tauchen die ersten größeren Dünen auf. Das wäre im Prinzip kein Problem, würden sie sich mir nicht in den Weg stellen. Die Dünenkette zieht sich von Ost in Richtung Westen. Mein Weg führt direkt in den Süden. Es könnte die erste große Herausforderung für Wüstenkarre und Zugpferd werden.

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Der Aufstieg erweist sich aber als unproblematisch da die flach ansteigende Luv – Seite relativ solide beschaffen ist. Auf dem Gipfel angekommen ergibt sich mir eine ganz andere Herausforderung. Auf der Wind abgewanden Seite fällt die Düne etwas 20 Meter steil ab. Etwas zu Steil für mein Empfinden. Unter normalen Umständen würde mir die steil abfallende Weichsandwand keine Probleme bereiten. Aber wie würde die Karre mit ihrem Gewicht reagieren? Wird sie sich überschlagen oder mich gar überrollen? Es wäre das Aus schon nach knapp 12 Kilometern. Zurück kann ich auch nicht mehr, da ich mich schon zu weit unterhalb des Dünenkammes befinde. Ein Zurück im abfallenden Weichsand mit dem Gewicht wäre unmöglich. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als den Abstieg zu wagen.

Mit der Karre hinter mir setze ich mich kurz vor der steilen Sandwand auf den Boden. Kaum sitze ich drückt mich die Wüstenkarre schon Düne abwärts. Ich werde immer schneller. Das Gewicht schiebt, ohne dass ich es abbremsen kann. Auf halber Höhe nimmt die Fahrt langsam ab, da sich zwischen meinen gespreizten Beinen schon soviel Sand angesammelt hat und die Rutschpartie dadurch an Fahrt verliert. Jetzt kann ich durch Schwimmbewegungen mit den Beinen die Geschwindigkeit steuern. Mit den Beinen schiebe ich den Sand zur Seite, wodurch das Gewicht wieder die Oberhand bekommt und ich wieder beschleunige. Erst weiter unten, als die Düne flacher wird, komme ich fast zum Stehen. Ich versuche aufzustehen doch das Wüstenwägelchen drückt mich weiter nach unten. Also schiebe ich mich weiter im Sand mit den Händen wie eine Riesenschildkröte, die am Strand einen Ablageplatz für ihre Eier sucht weiter nach unten, bis Mann und Gefährt sich wieder auf ebenem Boden befinden. Was zunächst horrormäßig aussah, entwickelte sich zu einer abwechslungsreichen Rutschpartie.

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Am Fuße der Düne geht der Sand in harten Kalkboden über der mit hunderten von versteinerten Seeigelskeletten übersäht ist. Der ausgetrocknete Boden, auf dem ich laufe, befand sich vor 60 bis 130 Millionen Jahren unter Wasser und bildete den Meeresboden, auf dem Korallen, Muscheln, Seeigel und Muschel beheimatet waren. Irgendwann hob sich der Meeresboden aus dem Wasser und die noch heute gut erhaltenen Meeresbewohner blieben zurück.

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Die Wüste beginnt ihre Vielfalt zu offenbaren. Dünen, weite Stein- und Sandebenen, Berge und Felsen wechseln sich immer wieder ab.

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Ein letzter Blick zurück auf die grünen Palmenhaine Siwas, bevor es endgültig in die große weite Sandsee geht.

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Unbekanntes Land
In den letzten drei Jahren hatte ich immer wieder versucht, den Bir Russia per Rucksack zu erreichen. Immer wieder musste ich aufgeben. Einmal war es zu heiß, das nächste Jahr warfen mich Schmerzen zurück. Alleine, nur mit einem Rucksack waren die Strapazen nicht zu bewältigen. Bis hierher hatte ich es schon einmal geschafft. Doch nun begann Neuland. Hier hatte ich meinen Fuß noch nicht hingesetzt. Wie weit würde ich es dieses Mal schaffen? Meine Erwartungen waren groß.

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Um meine Kräfte zu schonen halte ich immer wieder nach Stellen mit hartem Untergrund Ausschau. Je härter der Boden, umso weniger sinken die Räder ein. Der Wagen ließ sich dann wesentlich leichter ziehen und ich schaffte dann teilweise über vier km/h.

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Gegen 10:30 Uhr hatte ich bereits 11 Kilometer zurückgelegt. Bis zum späten Vormittag läuft es immer relativ gut. Die Kräfte sind bis dahin noch nicht erschöpft. Doch dann verlangt der Körper eine Rast. Ich drehe die Karre so in die Sonne, so dass sie mit den Kanister einen möglichst langen Schatten werfen. Nachdem ich einen Powerriegel und ein Gelkonzentrat gegessen habe, lege ich mich in den Schatten, um etwas auszuruhen. Bei extrem anstrengenden Teiletappen kann es schon mal passieren, dass mir die Augen zu fallen und ich für eine halbe Stunde ins Land der Träume entschwinde.

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Die Sonne steht bereits tief im Westen und der erste Tag neigt sich dem Ende zu. Ich suche mir an einem Berg ein windgeschütztes Plätzchen und errichte mein erstes Nachtlager.

Der Verlauf meiner Wanderung hängt von einigen wichtigen Faktoren ab. Am Bir Russia muss es Wasser in ausreichender Menge und Qualität geben. Ohne Wasser müsste ich wieder zurückkehren. Um die geplante Strecke in der mir zur Verfügung stehenden Zeit bewältigen zu können, müsste ich jeden Tag mindestens 25 Kilometer zurücklegen. Heute hatte ich gerade einmal 18,8 Kilometer geschafft. Dennoch bin ich zufrieden mit dem ersten Tag. Ich hatte ihn mir schwieriger und anstrengender vorgestellt. Vor allem hatte ich Befürchtungen, dass sich mein Wüstenwagen zu einem Sandanker entwickeln würde. Doch das Gegenteil war der Fall. Aus dieser Sicht war der erste Tag schon ein schöner Erfolg. Mit diesen Gedanken zähle ich noch einige Sternschnuppen, bevor ich erschöpft in Tiefschlaf falle.

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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Kuno » 30.11.2013 07:58

Um die bisher zurueckgelegte Wuestenstrecke zu durchfahren brauch man mit dem Auto nur wenige Minuten. Meistens ist man da auf dem Weg nach Siwa und schaut gar nicht mehr richtig aus dem Fenster. Unglaublich, wie unterschiedlich das Erleben der Wueste, abhaengig vom Transportmittle, doch sein kann.
Kuno
 
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Alexander » 30.11.2013 08:58

Genau das ist einer der Reize beim Wüstenwandern, Kuno. Du rast nicht durch die Landschaft und hast viel mehr Zeit für das Detail. Mit dem Auto würdest du diese Details niemals erkennen bzw. entdecken. Und diese sind häufig hochinteressant.

Grüsse
Alexander
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon martin1101 » 30.11.2013 09:24

@Alexander
DANKE dass wir ein wenig daran teilhaben können
Martin
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Alexander » 01.12.2013 09:51

Land ohne Schatten
Wer durch die Sahara reist wird schnell erkennen, dass es häufig an einem fehlt: Schatten. Der Erfrischung spendende Ort, an dem man vor der heißen Sonne geschützt ist und sich von den Strapazen ausruhen kann. In den nächsten Tagen würde es keinen dieser Plätze geben, welche die Kälte der Nacht speichern und dem Wüstenwanderer Kühlung und Entspannung bieten.

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Die Nächte waren immer kühl und frisch, aber es war nicht so kalt, dass man fror und man sich am Morgen überlegen musste, ob man den Schlafsack verlässt oder nicht. Tagsüber bewegten sich die Temperaturen zwischen 38 und 44 Grad, wobei die Temperaturen am Höchsten stiegen, wenn um die Mittagszeit der erfrischende Wind eine Pause einlegte. Wenn es Zeit für die Mittagspause wurde, da Erschöpfung und Hitze sich gegen mich verbündeten, legte ich mich in den Schatten meines Desert Cruisers und wartetet ab, bis die Windmaschine wieder einsetzte. Eine halbe Stunde reichte in der Regel aus. Es kam aber auch vor, dass ich so Tief ins Land der Träume eintauchte und ich erst einige Stunden später wieder aufwachte :)

Im Grossen und Ganzen ist der November für Wüstenwanderungen sehr gut geeignet. Nachts ist es in der Regel nicht zu kalt und tagsüber ist die trockene Hitze selbst bei körperlicher Belastung gut zu ertragen.

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Links und rechts von mir erstrecken sich lange Bänder von Dünen parallel zu meinem Kurs und geben mir eine gute Orientierungshilfe. Doch irgendwann ändert eine der beiden Dünen ihre Richtung und sie vereinigen sich in einer kaum überwindbaren Barriere. In den meisten Fällen habe ich keine Alternative und ich muss diese Sandbarriere mit der Aluminiumkarre überwinden. An welcher Stelle ich die Sperre überwinde ist nicht immer eine Sache kühler Überlegungen. Häufig sieht eine Stelle besonders verlocken aus und irgendwann entwickelt sie sich zum Kraft fressenden Weichsandfeld, vielleicht noch mit einem tiefen Dünentrichter als Zugabe. Umkehren musste ich nie. Wenn ich einmal eine Richtung eingeschlagen hatte, dann verfolgte ich diese Richtung bis zum bitteren Ende.

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Und wenn es bergab gar nicht mehr weiter geht, dann gibt es wieder eine Rutschpartie ;-)

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Gelegentlich kontrolliere ich die Reifen und den Luftdruck. Ich habe keine Erfahrungswerte, wie stabil und belastbar die Pneus sind. Ein Manometer zur Messung des Luftdrucks habe ich nicht dabei, da die Skalen sich unterhalb des 0,5 Bar Bereiches befinden und der Reifendruck irgendwo darunter liegt. Ich prüfe daher den Reifendruck in dem ich mich etwas auf das Rad stütze. Solange die Felge nicht auf den Boden schlägt und die Gefahr besteht, dass Schlauch oder Reifen beschädigt werden, brauche ich mich nicht um den Luftdruck zu sorgen.

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Der letzte Schatten für die nächsten Tage. Dennoch bin ich vorsichtige. Schlangenspuren führen in einen Spalt unterhalb des Felsens. Ist die Bewohnerin zu hause oder ist sie unterwegs, um ihre Beute zu jagen?

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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon schnorr » 01.12.2013 09:59

danke und bitte weiter so.

luftdruckprüfer für niedrige drücke findest du im quadsektor, da dort die reifendrücke im normbereich bei 0,25 bis 0,7 bar liegen.
Viele Grüße
Jörg

meine Reisen unter http://www.quadridesafrica.de
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Alexander » 01.12.2013 10:28

Hallo Jörg,

danke für den Tipp. Ich wusste nicht, dass Quads mit so wenig Luftdruck fahren.

Der "manuelle" Test hat sich als ganz praktikabel herausgestellt. Bei meiner Karre ist es nicht so wichtig, ob der Druck auf ein zehntel stimmt oder nicht. Wichtig ist viel mehr, dass sich zwischen Felge und Reifen noch gerügend Raum zum "Ausfedern" befindet, um Reifen und Schlauchschäden zu vermeiden. Auf Geröllstrecken habe ich vorsichtshalber immer etwas Luft nachgepumpt.

Grüsse
Alexander
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Alexander » 01.12.2013 18:21

Hier noch ein Bild zum obigen Beitrag. Ich dachte schon, dass ich das Bild nicht mehr von der SD Karte retten kann.
Es zeigt, wie es unter dem Felsen aussah. Anscheinend war dort die Schlange auf der Jagd nach Beute.

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Grüsse
Alexander
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon grenzenlos » 02.12.2013 11:01

Hallo Alexander,
einfach super genial! Ich bin ständig dabei, auch wenn die Geschichte schon Geschichte ist. Freue mich weiterhin dabei sein zu dürfen. Danke! :h:
Gruß Wi grenzenlos
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Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmuggler

Beitragvon Alexander » 05.12.2013 21:51

Vorzeichen
Irgendetwas war anders als sonst. Die Luft war trübe, das Licht grell. Es war schwer in der Ferne die Linie zwischen Wüste und Horizont zu erkennen. Der Wind frischte immer mehr auf. Beschweren konnte ich mich nicht. Es war angenehmer als diese Hitze, es war erfrischend, wenn der Wind um meinen Körper strich und die aufziehenden Wolken die Sonne verdeckten. Ich ahnte noch nicht, welche Folgen diese Veränderungen haben würden.

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Gelegentlich stoße ich auf verschiedene Skulpturen, die Wind und Sand aus dem weichen Sandstein modelliert haben. Kleine Tische, Säulen oder Pilze, die aus dem Boden schießen.

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Meistens folge ich den großen Dünenriegeln, die fast in gleicher Richtung verlaufen, wie mein Kurs. Wenn ich das Gefühl habe, dass die Dünen ihre Richtung ändern, oder sie plötzlich aufhören, prüfe ich mit meinem GPS die Richtung. Ich lasse meinen Wagen stehen und laufe einige Schritte, bis das GPS die richtige Richtung anzeigt.

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Bisher hat sich die Wüstenkarre tapfer geschlagen. Es zeigen sich keine Materialprobleme oder Ermüdungserscheinungen. Die Räder und Achsen leisten ihren Dienst und die Karre trägt ohne Ausfallerscheinungen das nicht unerhebliche Gewicht, das ich alleine niemals tragen könnte. Die einzigen Wartungsarbeiten, die ich durchführe beschränken sich auf die Überprüfung des Luftdrucks und der, eigentlich überflüssigen oberflächlichen Reinigung der Achslager.

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Der zweite Tag geht zu Ende. Ich errichte mein Nachtlager und notiere in meinem Tagebuch die zurückgelegten 18,1 Kilometer, den Wasserverbrauch von 4,2 Liter und mache noch einige Notizen. Es ist schon dunkel, als ich die Notizen in mein Tagebuch eintrage. Es war ein langer Tag….

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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Uwe Schmitz » 06.12.2013 14:12

Alexander hat geschrieben:Vorzeichen
.
Irgendetwas war anders als sonst.
.
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hallo alexander,
ja, der himmel ist so komisch gefärbt, ...
bis zum abend hattest du noch kein ereignis erwähnt, was ist geschehen, ... was wird geschehen ... :?: :?: :?:
nu' spann' uns nicht so lange auf die folter, wir wollen wissen, wie's dir weiter ergangen ist!

besten dank für bisherige berichte und bilder
grüsse
uwe
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Wolfgang K » 06.12.2013 17:55

Alex, das klingt alles sehr spannend.
Und ich bin sehr froh, dass ich meine Skepsis was das Ziehen einer Karre mit so dünnen Rädern im Sand angeht ein wenig verborgen habe. :mrgreen:

Ich bin wirklich überrascht, dass man den Bewegungsradius tatsächlich damit ausdehnen kann. Ich hatte unterschwellig befürchtet, dass Du das Gefährt als Pistenmarkierung irgendwo lassen musst.

Bin begeistert, beeindruckt und noch viel mehr gespannt wie es weitergeht.

Klasse Aktion! :!:

Grüße
Wolfgang
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Alexander » 06.12.2013 19:29

Uwe Schmitz hat geschrieben:nu' spann' uns nicht so lange auf die folter, wir wollen wissen, wie's dir weiter ergangen ist!

Tut mir leid, dass ihr so lange auf den nächsten Teil warten müsst :mrgreen:
Ich verspreche in Kürze die Fortsetzung zu schreiben ;-)

Viele Grüsse
Alexander
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Alexander » 06.12.2013 19:31

Wolfgang K hat geschrieben:Ich hatte unterschwellig befürchtet, dass Du das Gefährt als Pistenmarkierung irgendwo lassen musst.

Ich hatte ähnliche Befürchtungen und habe schon überlegt, welches Schild ich an der Karre anbringe, wenn ich sie im Sand versenken muss. 8)

Wolfgang K hat geschrieben:Klasse Aktion! :!:

Danke :!: :!: :!:

Viele Grüsse
Alex
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Beitragvon Alexander » 06.12.2013 20:23

Wie Feuer brannte das Morgenrot am Himmel. Es verblasste, je höher die Sonne sich über den Horizont schob. Dieser Morgen erschien mir wärmer als die anderen. Die Wolken verhindern, dass die Wärme wieder in den Weltraum verschwindet und die Nacht abkühlt.

Im Gegensatz zu Tunesien oder Algerien, wo der Sand am Morgen nur so von Spuren von Käfern, Skorpionen und anderem Getier übersäht ist, hat sich der Sand in dieser Gegend über Nacht kaum verändert. Es scheint mir, als wäre ich der Einzige, neben ein paar Schlangen und einem Wüstenfuchs, der Spuren im Sand hinterlässt. Den einzigen Skorpion, den ich bisher in Ägypten sah, hatte sich in mein Hotelzimmer verirrt. :shock:

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Immer wieder Stößt man auf die Überreste aus maritimen Zeiten. Bruchstücke einer Korallenbank, Muscheln und Seeigel.

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Wie lange mag diese Ölsardinendose)ich vermute, dass es sich um eine Ölsardinendose handelt) hier schon liegen? Sollte sie nicht vom Sand blank poliert sein?

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Das Wetter scheint schlechte Laune zu haben. Es ist unverändert trüb und es fällt schwer, die Konturen des entfernten Geländes zu erkennen.

Betont vorsichtig ziehe ich meine Karre über den felsigen, teilweise scharfen Untergrund. Ich will auf jeden Fall Reifenschäden vermeiden. Eine Reparatur würde doch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Der Aufwand würde zusätzliche Kräfte, Energie und Wasser kosten. Ich schalte lieber einen Gang zurück, um den Wüstenwagen zu schonen.

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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Kuno » 06.12.2013 20:27

Uwe Schmitz hat geschrieben:
Alexander hat geschrieben:Vorzeichen
.
Irgendetwas war anders als sonst.
.
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hallo alexander,
ja, der himmel ist so komisch gefärbt, ...
bis zum abend hattest du noch kein ereignis erwähnt, was ist geschehen, ... was wird geschehen ... :?: :?: :?:
nu' spann' uns nicht so lange auf die folter, wir wollen wissen, wie's dir weiter ergangen ist!

besten dank für bisherige berichte und bilder
grüsse
uwe


Uwe - ein Sturm bricht los. Zuerst weht es ihm den Handkarren weg, dann wird Alexander vom Sand zugedeckt. Und man wird nie mehr eine Spur von ihm finden. So wird es ausgehen.
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Alexander » 06.12.2013 21:07

Kuno hat geschrieben:Uwe - ein Sturm bricht los. Zuerst weht es ihm den Handkarren weg, dann wird Alexander vom Sand zugedeckt. Und man wird nie mehr eine Spur von ihm finden. So wird es ausgehen.

Kuno, du nimmst wieder die ganze Spannung aus der Erzählung.
Aber wenn ich vom Winde verweht werde, wer schreibt dann diesen Reisebericht? Ein Ghostwriter? :shock:
Vieleicht bin ich gar nicht ich. Das wird bestimmt noch spannend.
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Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmuggler

Beitragvon Alexander » 06.12.2013 21:49

Wasserverlust

Jeder Wüstenreisende weiß, Wasser ist das Wichtigste in der Wüste. Es heißt, dass man drei Wochen ohne Nahrung auskommen kann, aber nur drei Tage ohne Wasser. Wer zu wenige Wasser mitführt, oder sich bei der Berechnung des Wasserverbrauchs verkalkuliert, der läuft Gefahr mit lebensgefährlichen Problemen konfrontiert zu werden.

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Dieser Tag führt mich durch weite Ebenen. Der harte Boden bietet kaum Rollwiderstand und ich sollte an diesem Tag 21,5 Kilometer schaffen. Ein neuer Rekord auf dieser Reise, nachdem ich bisher weit unter 20 Kilometer lag.

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Problematisch zeigen sich Anstiege mit riffeligem Sanduntergrund, besonders wenn der Sand vorübergehen weicher wird. Auch wenn ich die Karre noch so heftig in die von mir eingeschlagene Richtung ziehe, will sie einfach in eine andere Richtung, was sie mit leichten Bocksprüngen zur Seite anzeigt. Verdammt! Ich bin hier der Steuermann und gebe die Richtung an. Die Karre quittiert mir meine Unnachgiebigkeit mit einem eigenartigen knarrenden Geräusch, dem ich zunächst keine Bedeutung schenke. Erst als diese Geräusche immer deutlicher werden entschließe ich mich, dem Geräusch auf den Grund zu gehen. An beiden Seiten hatten sich die Achsmuttern gelöst. Vermutlich hatte ich sie nicht fest genug angezogen und die Vibrationen hatten die Muttern dann soweit gelöst, dass sie fast von der Achse gefallen wären. Mit einem 17er Ringschlüssel ziehe ich die Muttern an, dieses Mal allerdings etwas fester.

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Scharfer steiniger Untergrund. Ich behandle meine Karre wie ein rohes Ei. Nur keinen Reifenschaden…

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Spät am Nachmittag lege ich noch mal eine Pause ein. Ich bin heute gut vorangekommen und ich fühle mich etwas erschöpft. Ich lege mich neben meinem Wüstenwagen in den Schatten und döse vor mich hin.

Plötzlich höre ich ein Geräusch. Ich kann es nicht identifizieren. Vielleicht weil dieses Geräusch so unwahrscheinlich ist, ein Geräusch, dass ich nicht erwarten würde. Es hört sich an, als würde etwas tropfen. Tropf, tropf, tropf…. Trotz Müdigkeit schieße ich wie von einer Tarantel gebissen hoch. Meine Kanister verlieren Wasser!

Jedes Mal, wenn ich meine Karre abstelle, neigt sie sich nach Vorne und mit ihr die Kanister. Dadurch hebt sich der Wasserstand in den Kanister über den Einfüllstutzen. Und diese waren nicht dicht. Wie viel Wasser hatte ich schon verloren? Einen Liter, zehn Liter, oder mehr? Ich stelle eine leere 0,5 Liter Flasche unter die Tropfen und warte. Nach 20 Minuten das Ergebnis. In der Flasche hatten sich ca. 150 ml Wasser angesammelt. Das entspricht fast einem halber Liter pro Stunde. Bei jeder Pause hatte ich die Karre so stehen. Und zweimal die ganze Nacht. Vermutlich hatte ich mehr als 10 Liter Wasser verloren. Eine ganze neue Situation. Das Wasser sollte reichen, um von Siwa zum Bir Russia und wieder zurückkommen zu können. Das war nun ausgeschlossen. Was würde passieren, wenn es am Bir kein Wasser gibt oder das Wasser nicht genießbar ist? Am Bir hätte ich noch für 1,5 Tage Wasser. Die Strecke zurück würde aber mindestens fünf bis sechs Tage in Anspruch nehmen. Was tun? Zunächst dichte ich die Kanister ab. Ich lege ein Stück Plastikfolie über den Einfüllstutzen und drehe den Deckel fest zu. Dicht!

Jetzt blieb immer noch die Frage offen, was ich tun sollte. Ich hatte noch genügend Wasser, um die bisher zurückgelegte Strecke nach Siwa zurückzulaufen. Das Wasser würde auch noch bis Bir Russia reichen. Aber nicht wieder zurück. Ich schiebe die Entscheidung bis zum Abend auf. Am Nachtlager hätte ich genügend Zeit, um darüber nachzudenken.

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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon schnorr » 06.12.2013 22:12

ich will ja kein spielverderbe sein :mrgreen:
aber du wirst entweder gutes wasser finden, oder per satphone hilfe holen, die dann in zwei stunden vor ort ist. 8)
also in der heutgen zeit der technik kein problem mehr, oder? (ist der satellit abgestürzt oder von aliens entführt, hättest du allerdings ein problem)
Viele Grüße
Jörg

meine Reisen unter http://www.quadridesafrica.de
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