LY / Nach Libyen zum Sonne tanken (Juni 2013)

Kultur, Natur, Unterkunft, Reiserouten, Sehenswürdigkeiten, Tourismus Staaten: Marokko/Sahara, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten.

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Kuno
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LY / Nach Libyen zum Sonne tanken (Juni 2013)

Beitrag von Kuno »

Dies wird jetzt bestimmt nicht einer der "schönsten Reiseberichte". Aber das Forum bietet ja keine Alternative und somit muss ich halt hier was schreiben. Obwohl; ein 'Müssen' ist es ja nicht. Ich wurde von einem Forumsmitglied gebeten halt was zu schreiben, wenn ich schon mal in der Gegend bin.

Also.

Nach dem trotz globaler Erwärmung ausgefallen Frühling und den regnerischen Tagen in Bad Kissingen abe ich mich entschlossen, dass es mal wieder an der Zeit ist, einen Städteflug in den Süden zu unternehmen. Ab nach Libyen für ein paar Tage, denn da hat's bestimmt noch Platz am Strand.

Da man ab Zürich nicht mehr direkt nach LY fliegen kann, die Schergen in Frankfurt meistens Aerger machen und die Kollegen in Rom vorletztes Mal mein Gepäck verhühnert haben bin ich diesmal über Wien geflogen. Es ist ein Austrian-Flug im Codeshare mit der Swiss, welcher jedoch von der Tyrolean durchgeführt wird. Oder umgekehrt. Airbus A320. Zum Frühstück gibt es brühend heissen Filterkaffee und ein kühlschrankkaltes Gipfeli (auf Schriftdeutsch heisst das glaub ich "Kroissant"). Das Gipfeli macht mich etz grad unsicher, ob der Flug am Ende nicht doch von der Swiss durchgeführt wird, welche jedoch wiederum - wie auch die Austrian- der Lufthansa gehört.

Wichtig war am Ende, dass das Flugzeug erstmal nach Wien flog - und das tat es auch. Schön über den Wolken, so dass man trotz Fensterplatz gar nichts sehen konnte.

Der Flughafen Wien ist an und für sich auch etwas recht spezielles. Wenn man nämlich ganz hinten am Terminal aus dem Flugzeug ausgestiegen ist, so muss man zuerst ganz nach vorne laufen, dann zwei Treppen hochsteigen um einer mehr oder weniger nett dreinschauenden uniformierten Dame seinen Pass zu zeigen und danach im oberen Stock des selben Terminals wieder ganz nach hinten laufen um in den Anschlussflieger zu steigen. Das war nicht nur jetzt so sondern iegentlich immer, wenn ich in Wien umsteigen musste - auch wenn das Ziel nicht Libyen hiess.
Ricca
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Re: LY / Nach Libyen zum Sonne tanken (Juni 2013)

Beitrag von Ricca »

Das machen wir Wiener so, um unseren hochgeschätzten, jedoch selten kommenden Durchreisenden die Reisethrombose zu ersparen.
Bin neugierig was du Über LY berichtest. Ich will dort auch endlich hin.
Kuno
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Re: LY / Nach Libyen zum Sonne tanken (Juni 2013)

Beitrag von Kuno »

Ich hatte bereits mehr vermutet als nur gehofft, dass diese Situation in Wien einen vernuenftigen und berechtigten Hintergrund haben muss. Dass dieser sogar mediziniescher Natur ist, hätte ich jedoch niemals geahnt. Und offensichtlich wirkt die Massnahme - denn ich habe auf dem Anschlussflug keine Reisethrombose bekommen.

Beim Einsteigen in die Austrian Maschine von Tyrolean (Die Swiss war nun nicht mehr involviert) war ich im ersten Moment etwas unsicher - man kontrollierte nur die Boardingkarte jedoch nicht, ob sich auch ein Visum im Pass befindet. Das habe ich seit vielen Jahren nicht mehr erlebt. Vielleicht habe ich der Kontrolleurin auch bereits zu südländisch ausgeschaut und sie dachte, dass ich einer von denen sei, die gar kein Visum brauchen um nach LY hineinzukommen? Falls letzteres der Fall sein würde, dann begänne ich mir langsam Sorgen zu machen. Ich werde die Situation beim Rückflug prüfen können - wenn man dann in Wien bei mir ein Visum sucht, dann weiss ich, woran ich bin :roll:

Wir setzten uns in eine Fokker 100. Die Firma Fokker ist ja leider 1996 in den Konkurs gekommen und von den bis dahin rund dreihundert produzierten Einheiten fliegen 150 noch bei verschiedenen Airlines. Die enge Bestuhlung in der Holzklasse hat das ältere Flugzeug aber durchaus mit den ganz modernen gemeinsam. Vor mich setzte sich ein Herr aus meinem Reisezielland ächzend in den alten Stuhl. Und was meint ihr, machte er sooooofort? Es muss bei diesem Volk wohl irgendwie in den Genen liegen - denn kaum sitzen sie, werden alle beweglichen Teile in Reichweite der Finger ausprobiert und vor allem... die Sitzlehne wird voll nach hinten gedrückt.

Natürlich wurde der Herr vom Servierpersonal dann freundlich darauf hingewiesen, die Sitzlehne für den Start wieder waagrecht zu stellen. Das konnte er aber entweder nicht hören oder nicht verstehen und erst bei zweiten Versuch der netten Dame hat er sich dann an der Lehne zu schaffen gemacht. Allerdings nur so lange, bis sie weiterging. Zack. Schon war die Lehne wieder ganz hinten. Die für das Ueberwachen der aufrechtzustellenden Sitzlehnen zuständige Dame lief dann noch zweimal hin und her, dreht den Kopf aber immer so zur Seite, dass sie die gefährliche Situation nicht sehen musste. Das Flugzeug hat den Start trotzdem anstandslos geschafft.

Wie schon vor langer Zeit in der Schule hatte ich im Flugzeug wieder einen Fensterplatz. Leider über dem Flügel. Es war aber nicht so schlimm, denn erstens war das Fenster aussen verschmiert und zweitens befanden wir uns schon kurz nach dem Start über einer konsequent geschlossenen Wolkendecke.
Die geschlossene Wolkendecke zwischen Wien und Tripoli... :-(
Die geschlossene Wolkendecke zwischen Wien und Tripoli... :-(
Kuno
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Re: LY / Nach Libyen zum Sonne tanken (Juni 2013)

Beitrag von Kuno »

So. Und etz kommen wir mal zum Essen. Mir ist nach wie vor nicht klar, warum sich die Airlines immer einen abbrechen um irgend eine Art warmes Essen zu servieren. Ein anständiges Käse- oder Salamibrot würde es auf jeden Fall auch tun, man hätte weniger Abfall und schmecken würde es eventuell auch besser als die im Umluftofen überhitzten Minimenues (es sei denn, die Sandwiches kämen ebenfalls weich und kühlschrankkalt wie die Gipfeli am Morgen. Also:
Das Tyrolean-menue im ansprechenden Dreiecksdesign. Ich hätte zum Grössenvergleich ein Feuerzeug daneben legen sollen. Unter der verkochten Karotten-Rahmsauce befanden sich eine Art Gnocchi. Das, was sich im runden Becherchen befindet ist das Dessert. Man beachte, dass der Salat hier fehlt - das hat den Vorteil, dass man sich nicht mit der Sauce einsauen kann.
Das Tyrolean-menue im ansprechenden Dreiecksdesign. Ich hätte zum Grössenvergleich ein Feuerzeug daneben legen sollen. Unter der verkochten Karotten-Rahmsauce befanden sich eine Art Gnocchi. Das, was sich im runden Becherchen befindet ist das Dessert. Man beachte, dass der Salat hier fehlt - das hat den Vorteil, dass man sich nicht mit der Sauce einsauen kann.
Das Dessert. Eine Art Vanillecreme. Hat eigentlich noch gut geschmeckt. Was mir noch nicht ganz klar ist, wie die Herstellerfirma den Begriff "hausgemacht" verwendet - ich gehe nicht davon aus, dass in kleinen Oesterreicheischen Häusern in den Alpen die leckere Creme angerührt und dann mit kleinen Kaffelöffelchen in die Puppenstubenbecherchen eingefüllt wird. Gilt "hausgemacht" auch dann, wenn man die Creme in einem Industriebetrieb anruehrt? Wenn man das gleichzeitig verwendete "homemade" berücksichtigt, dann dürfte es eigentlich nicht in einem Lebensmittelbetrieb hergestellt worden sein.... Etikettenschwindel oder gute alte währschafte Oesterreichische Handarbeit?
Das Dessert. Eine Art Vanillecreme. Hat eigentlich noch gut geschmeckt. Was mir noch nicht ganz klar ist, wie die Herstellerfirma den Begriff "hausgemacht" verwendet - ich gehe nicht davon aus, dass in kleinen Oesterreicheischen Häusern in den Alpen die leckere Creme angerührt und dann mit kleinen Kaffelöffelchen in die Puppenstubenbecherchen eingefüllt wird. Gilt "hausgemacht" auch dann, wenn man die Creme in einem Industriebetrieb anruehrt? Wenn man das gleichzeitig verwendete "homemade" berücksichtigt, dann dürfte es eigentlich nicht in einem Lebensmittelbetrieb hergestellt worden sein.... Etikettenschwindel oder gute alte währschafte Oesterreichische Handarbeit?
Was nach dem Essen übrigbleibt ist vom Volumen her ziemlich identisch mit dem, was zuvor aufgetischt worden ist. Zu erwähnen ist auch noch, dass die Cola sehr umweltfreundlich aus Dosen eingeschenkt wird und nicht aus Flaschen...
Was nach dem Essen übrigbleibt ist vom Volumen her ziemlich identisch mit dem, was zuvor aufgetischt worden ist. Zu erwähnen ist auch noch, dass die Cola sehr umweltfreundlich aus Dosen eingeschenkt wird und nicht aus Flaschen...
Kuno
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Re: LY / Nach Libyen zum Sonne tanken (Juni 2013)

Beitrag von Kuno »

Immer noch über den Wolken überflog die Fokker die Küstenlinie zu LY. Erst als das Flugzeug schon kurz vor dem Aufsetzen war, konnte man die Landschaft am Boden erkennen. Die angesagte Temparatur sollte 35 Grad sein. Ein oder zwei Tage zuvor waren es im Raum Tripoli noch 44 Grad - es war also wieder angenehm kühl geworden.

Das ehemalige Farmland rund um Tripoli wird immer schneller immer mehr zersiedelt. Ueberall entstehen im wildwuchs neue Wohngebaeude, Lagerhallen und was weiss ich. Es gibt im sehr weiten Umkreis kaum mehr einen kleinen Fleck der der ursprünglichen Landschaft noch ein wenig gleicht. Das Abwasserproblem ist eigentlich noch kein grosses, weil der Grundwasserspiegel durch das viele Pumpen schnell absinkt. Dafür sickert vom Meer her Salzwasser nach, welches sich dann mit dem Grundwasser mischt, hochgepumpt und auf die Felder gespritzt wird - das Salz wird man nicht mehr los. Noch geht es und noch werden taeglich neue Brunne gebohrt, immer tiefer zwar, und es wird gepumpt, was die Pumpe hergibt.
Ueber dem Hinterland von Tripoli
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Anflug auf Bengashir - oder Castel Benito, wie es früher mal hiess...
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Wolfgang K
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Re: LY / Nach Libyen zum Sonne tanken (Juni 2013)

Beitrag von Wolfgang K »

..."hausgemacht" ..?
Ich würde mich in diesem Falle bei der Deutung dieser Begrifflichkeit mit "in geschlossenen Räumen hergestellt" begnügen :mrgreen:
Alexander
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Re: LY / Nach Libyen zum Sonne tanken (Juni 2013)

Beitrag von Alexander »

Wolfgang K hat geschrieben:
..."hausgemacht" ..?
Ich würde mich in diesem Falle bei der Deutung dieser Begrifflichkeit mit "in geschlossenen Räumen hergestellt" begnügen :mrgreen:
Und "hand made" auch noch. Ich habe da so meine Zweifel daran. :mrgreen:
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Kuno
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Re: LY / Nach Libyen zum Sonne tanken (Juni 2013)

Beitrag von Kuno »

....super. Ich hätte es also nicht essen sollen :roll:
Guido3

Re: LY / Nach Libyen zum Sonne tanken (Juni 2013)

Beitrag von Guido3 »

Do&Co dürfte so grob 50 Millionen Flugzeugessen pro Jahr auswerfen. Da kann man sich doch gut vorstellen, wie der Chef mit Handquirl in der Küche steht und liebevoll jede einzelne Vanillecreme anrührt und abfüllt. Aber wenn der Hilfsarbeiter das künstliche Aroma manuell in die Rührmaschine am 500-Liter-Bottich geworfen hat, ist es ja auch irgendwie "handgemacht".

Do&Co. macht ansonsten vor allem das x-fach preisgekrönte Catering bei Turkish Airlines. Mir hat sich bei Flügen mit Turkish allerdings noch nicht erschlossen, was daran so überragend sein soll. Liegt wahrscheinlich an degenerierten Geschmacksknospen, eigenartigen Vorstellungen zu Essenszeiten oder sonstigen Defekten meinerseits.

Und nun schreib endlich wieder was zu Libyen.

Beste Grüße

Guido
Kuno
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Re: LY / Nach Libyen zum Sonne tanken (Juni 2013)

Beitrag von Kuno »

Guido3 hat geschrieben:...oder sonstigen Defekten meinerseits.
Zum Beispiel?
Der Drang, immer wieder in die Wüste zu fahren?

Also. Zurück nach LY:

Gleich nach der Landung erklärte die kratzige Stimme vom Bordlautsprecher, dass am Internationalen Flughafen von Tripoli das fotografieren und filmen verboten sei.
Ist das jetzt neu?
Oder hat man die alte Regel aus Gaddies Zeiten wieder eingeführt?
Oder hat die Ansagendame vielleicht noch eine alte Textkarte, die sie immer noch herunterliest?
Lust zum fotografieren hatte ich sowiso keine.

Die Flugplatzbaustelle sah auch noch genauso aus, wie beim letzten Mal. Und wie beim vorletzten Mal als ich da gelandet bin. Seit zwei Jahren hat sich da nichts mehr bewegt. Die Firma Odebrecht (klingt Deutsch, stammt aber aus Brasilien) hatte ihr Personal während des Umsturzes abgezogen und ist wie die meisten Firmen bisher nicht ins Land zurückgekehrt.

Die Ankunftshalle. Normalerweise stehen da lange Schlangen und eher träge Beamte blättern lustlos in den Pässen bevor sie am Ende den Stempel doch noch reinhauen. Diesmal war die Halle praktisch leer - ausser die eine Ecke. Da sassen gut hundert Aegypter am Boden und telefonierten wie wild. Da war wohl etwas bei der Einreise schiefgegangen... leider war auch nur eine der "Kontrollkabinen für Ausländer" besetzt, so dass wir alle in eine Schlange stehen mussten. Drei Positionen vor mir war grad so ein geschniegelter Business-Bubi dran, der den Fehler gemacht hatte, den Beamten etwas zur Eile aufzufordern... aber im Grossen und Ganzen verlief alles zügig und nach nur 25 Minuten seit der Landung hatte ich bereits mein Gepäck und sass schon im Auto auf der Airport Road Richtung Stadt. Alles war locker am Fluighafen, keine Bewaffneten lungerten herum und niemand machte einen auf unnötige Verzögerung. So muss das sein.

Die Airport Road war auch wie immer - jeder gegen jeden und so schnell es geht stadteinwärts bis zur Ampel bei der querstrasse zur Suani Road, wo sich dann alles von drei auf 6 (improvisierte) Spuren aufteilt und sich wieder jeder die bestmögliche Startposition zu ergattern versucht. Auch hier fiel auf, dass der Militärposten abgezogen wurde und die Verkehrspolizei in ihren weissen Sommeruniformen ihre Position wieder eingenommen hatte.
Früher waren LKW auf der Airport Road nicht gestattet. Heute schert sich niemand mehr um dieses Verbot - vielleicht ist es jedoch auch aufgehoben worden um die Suani-Road etwas zu entlasten.
Früher waren LKW auf der Airport Road nicht gestattet. Heute schert sich niemand mehr um dieses Verbot - vielleicht ist es jedoch auch aufgehoben worden um die Suani-Road etwas zu entlasten.
Die Verkehrsolizei hat ihre Positionen wieder eingenommen und die Militärposten weitestgehend abgelöst. Allerdings muss man sagen, dass nicht alle Autofahrer die Anordnungen der Polizisten befolgen (das war schon früher so, ist jetzt aber schlimmer).
Die Verkehrsolizei hat ihre Positionen wieder eingenommen und die Militärposten weitestgehend abgelöst. Allerdings muss man sagen, dass nicht alle Autofahrer die Anordnungen der Polizisten befolgen (das war schon früher so, ist jetzt aber schlimmer).
Kuno
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Re: LY / Nach Libyen zum Sonne tanken (Juni 2013)

Beitrag von Kuno »

Nochmal zum Flughafenneubau: Die Baufirma hat erst küzlich ihre grossen Portalkräne abbauen lassen und wieder aus dem Land herausgenommen - nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass sie bald neu mobilisieren und weitermachen wollen.

Airport Road, Suani Road... Richtgung Gargaresh. Währenddem alle grossen Baustellen nach wie vor eingestellt sind und darin schon wieder mehrere Meter hohe Sträucher gewachsen sind hat sich ansonsten entlang der Strassen alles wieder normalisiert. Die Läden und Werkstätten sind offen und es wird gebaut wie wild - qreuz und quer und meist offensichtlich ohne viel Planung (und wahrscheinlich auch ohne eine behördliche Genehmigung). Der Verkehr ist ebenfalls viel dichter geweorden. Nebenstrassen, die man vor wenigen Jahre noch nutzen konnte, um die Staus zu umfahren haben nun ihre eigenen Staus. Das gefällt mir nicht....
Die grossen Baustellen stehen alle still. Seit der Revolution... und es ist zu bezweifeln, dass sich da bald wieder etwas regt...
Die grossen Baustellen stehen alle still. Seit der Revolution... und es ist zu bezweifeln, dass sich da bald wieder etwas regt...
Die kleinen Werkstätten und Shops spriessen überall aus dem Boden und hir brummt das Geschäft - vor allem auch mit Baumaterialien.
Die kleinen Werkstätten und Shops spriessen überall aus dem Boden und hir brummt das Geschäft - vor allem auch mit Baumaterialien.
Früher hat hier ein Riesenplakat das Portrait des "Leaders" präsentiert.... heute bewirbt man einen Multifruchtsaft (welcher wahrscheinlich mit Früchten soviel zu tun hat, wie das Dessert im Flugzeug "hausgemacht" war...
Früher hat hier ein Riesenplakat das Portrait des "Leaders" präsentiert.... heute bewirbt man einen Multifruchtsaft (welcher wahrscheinlich mit Früchten soviel zu tun hat, wie das Dessert im Flugzeug "hausgemacht" war...
Etwas zum Schmunzeln gibt es auch immer wieder: Hier ien alter Zügelwagen aus der Schweiz, der seinen Weg nach LY gefunden hat...
Etwas zum Schmunzeln gibt es auch immer wieder: Hier ien alter Zügelwagen aus der Schweiz, der seinen Weg nach LY gefunden hat...
Kuno
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Re: LY / Nach Libyen zum Sonne tanken (Juni 2013)

Beitrag von Kuno »

Gargaresh. Das UN HQ wirkt von aussen wie eine Burg. Es ist irgendwie auch eine Burg - alles ist auf Autarkie ausgelegt, so dass man zB. nicht von der immer wieder etwas wackelingen Stronmversorgung abhängt. Früher war die Anlage irgendwas anderes - ich kann mich gar nicht mehr erinnern was. Jetzt ist alles weiss übertüncht und man könnte meinen, die UN hätte schon immer da gewohnt:
Libya, Tripoli, 2013-06 (1030).JPG
Libya, Tripoli, 2013-06 (1031).JPG
Am nächsten Tag fahren wir in Richtung Osten. Schön brav entlang der Küstenstrasse. Die UN verwendet wenn es geht wohl immer diese schönen eckigen Land-Cruiser. Das gefällt mir gut - sie könnten es nur noch toppen, wenn sie LR Defender verwenden würden 8). Wenn man am Morgen in Richtung Osten fährt, dann hat man halt das Licht irgendwie immer gegen sich...
Libya, Tripoli, 2013-06 (1036).JPG
Libya, Tripoli, 2013-06 (1037).JPG
Libya, Tripoli, 2013-06 (1039).JPG
Unterwegs musste ich dann doch mal halten lassen, um mir das wohl verdrehteste Baugerüst anzusehen, welches mir in letzter Zeit begegnet ist:
Libya, Tripoli, 2013-06 (1033).JPG
Kuno
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Re: LY / Nach Libyen zum Sonne tanken (Juni 2013)

Beitrag von Kuno »

Nun, die Strasse nach Osten liess sich gut und bequem befahren und ausser dem einen waren alle Checkpoints unbesetzt. Obwohl das Waffenembargo gegen Libyen erst seit dem März (teilweise) aufgehoben wurde, steht dort schon seit Februar ein neuer Italienischer Pazerwagen. Ich gehe davon aus, dass das Teil zusammen mit einer Erste Hilfe Box geliefert wurde und somit von Italien als Sanitätsfahrzeug deklariert werden konnte...

Eigentlich wollten wir, nachdem wir uns in Leptis Magna umgeschaut hatten, auch noch die Gegend um Cirene besuchen.
Wollten.
Eigentlich.

Aufgrund der Unruhen (sagt man dem so?) in Benghazi kamen allerdings kurzfristig ernsthafte Sicherheitsbedenken auf und die "Reiseleitung" stand auf die Bremse. Müssig darüber zu diskutieren, denn ich konnte nicht für mich selber entscheiden und musste mich somit fügen - was in diesem Moment sicher auch vernünftig war. Die Cirenaica war also vorläufig gestrichen und wir machten uns wieder auf den Weg nach Tripolis.

Damit die fahrt nicht ganz umsonst war, nutzte ich die Gelegenheit, mich etwas mit dem Thema "Italienische Kolonistenhäuser" zu beschäftigen. Immerhin etwas und ich war mit der Lage wieder versöhnt :)
eines der vielen genormten Italienischen Kolonistenhäuser aus den 1930er Jahren.
eines der vielen genormten Italienischen Kolonistenhäuser aus den 1930er Jahren.
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Re: LY / Nach Libyen zum Sonne tanken (Juni 2013)

Beitrag von Kuno »

In zügiger Fahrt geht es zurück nach Tripoli. Westlich von Garabuli fällt mir auf, dass das ziemlich viel Wald fehlt. Es war natürlich kein richtiger Wald sondern es handelte sich um angepflanzte Eukalypten. Die Böume waren richtig gross und jetzt sind riesengrosse Parzellen von ihnen "befreit"... die Gegend sieht bereits wieder sehr wüst aus. Man hat die Bäume offensichtlich nicht gefällt sondern einfach mal mit dem Bulldozer weggeschoben. Ob das Land zum Anpflanzen genutzt werden soll? Auf jeden Fall ist es sehr schade um die vielen Bäume - Libyen ist ja sonst nicht gerade bekannt für seinen Waldreichtum.

Wenn man von Tagiora auf Tripoli zufährt, dann entgehen einem die grossen Baustellen nicht. Es sollten alles einmal Hotels, Büros und Luxusappartements werden. Seit zwei Jahren rührt sich da nichts mehr...
Libya, Tripoli, 2013-06 (1066).JPG
Und währenddem man sich im Osten des Landes umbringt, die Leute von Taorga bis heute nicht in ihren Heimatort zurückkommen, man jeden Tag neue Meldungen von illegalen Verhaftungen und auch Folterungen vernimmt und die meisten Leute nicht mehr den Enthusiasmus von vor 12 Monaten zeigen... haben andere offenbar den Spass am Leben absolut nicht verloren und vergnügen sich am Strand:
Libya, Tripoli, 2013-06 (2008).JPG

Ganz positiv ist mir aufgefallen, dass die Ampeln wieder als solche wahrgenommen und beachtet werden. Vor nicht allzu langer Zeit noch galt es als Ausdruck der neugewonnenen Freiheit, die Ampeln zu ignorieren und bei rote über die Kreuzung zu fahren. Offensichtlich ist ein Lernprozess im Gange.
Libya, Tripoli, 2013-06 (1067).JPG
Kuno
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Re: LY / Nach Libyen zum Sonne tanken (Juni 2013)

Beitrag von Kuno »

Nur kurz dazwischen:

Ob es die Touristenpolizei und die "Führer" noch gibt kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich gibt es sie schon noch, jedoch sind sie wohl mangels Touristen zur Zeit nicht aktiv / sichtbar. In der heutigen Situation würde ich aber niemandem empfehlen, ohne kompetente einheimische Begleitung zu reisen.

Benzin- / Diesel-Preise. Die sind immer noch unverändert extrem niedrig. Vorkriegspreise also. Allerdings kann sich da bald etwas ändern. Es soll teuerer werden: Bis zu 1 LYD / Liter. Dieser Schritt ist gar nicht unvernünftig, denn LY importiert mehr als die Hälfte seiner Treibstoffe aus dem Ausland (da die eigenen Raffinierien nicht genügend Kapazität haben). Dieser Treibstoff wird an den Zapfsäulen dann extrem subventioniert ausgegeben - was dazu führt, dass sich der Schmuggel ins ausland lohnt und sich kaum ein Libyer wirklich Gedanken um seinen Benzinverbrauch machen muss.
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