Flüchtlingswelle nach Europa

Nachrichten zu und aus den Sahara- und Wüstenregionen.

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landcruiser.
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Re: Flüchtlingswelle nach Europa

Beitrag von landcruiser. »

Turi hat geschrieben:Hallo Robert
Warum subventionert die EU die Exporte/Lieferungen von europäischer Milch und Milchprodukten nach Afrika??
1.)Die Wirtschaft muss florieren und der Status Quo der Bauern erhalten werden :wink:
2.)Haben die meisten Länder in Afrika keine oder nur rudimentäre, für die Eigenversorgung der Familie, Milchproduktion, daher müssen sie hin wie her Milch oder Milchprodukte einführen.
Du übersiehst dabei leider die Ursachen.

Es ist aufgrund der EU-Subventionen billiger Milch und Milchpulver zum importieren als selbst zu erzeugen.

Und das bei den Gestehungskosten für die Produkte in den betroffenen Ländern.

Und genau das macht die Wirtschaft in diesen Ländern kaputt und erstickt die Entwicklung im Keim.

Und nicht nur bei Milch.

Entstanden nicht durch die EU an sich, sondern durch Partikularinteressen von einzelnen Ländern der EU.

Letztlich gehts wieder mal nur um die schnelle Mark und nicht um langfristige gemeinsame weltweite Entwicklung im Sinne der Teilhabe aller.

Die Konsequenzen der hierdurch entstehenden "Unzufriedenheit" werden wir in den nächsten Jahren weiter zu spüren bekommen.
lukas1980
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Re: Flüchtlingswelle nach Europa

Beitrag von lukas1980 »

Hallo Robert

Ich kann das mit der Milch und Fleischschwemme nicht nachvollziehen. Ich reise ca. 6 Monate im Jahr in hauptsächlich Ostafrika und südliches Afrika. Bisher habe ich noch nie Tierprodukte aus der EU hier gesehen, ausser vielleicht in exklusiven Shops für Importwaren. Die sind dann aber alles andere als günstig, also keine Konkurrenz zu den lokal produzierten Waren. Wenn, dann kommen die Waren eher aus Südafrika. Aber in den meisten Ländern ist Milch, Käse, Fleisch und Joghurt durchaus lokal produziert. Gilt die EU-Schwemme vielleicht in anderen Teilen Afrikas?
Egal ob es so ist oder nicht, ich glaube sowieso nicht, dass es einen Unterschied machen würde, da viele hier unten sowieso nur für den Eigenbedarf produzieren, nehmen am Markt also gar nicht teil.
Ich bin der Meinung, dass selbst bei einem totalen Importstop jeglicher Güter die Einheimischen nicht plötzlich vom Selbstversorger zum Unternehmer und Produzenten mutieren würden.

Dass es die Afrikaner (kann man eigentlich gar nicht pauschalisieren) auf die Reihe kriegen, glaube ich im übrigen nicht. Ohne Fleiss kein Preis, so heissts doch so schön. Und da happerts meiner Meinung nach gewaltig. Egal um welche Uhrzeit und Wochentag man durchs Dorf fährt: ein Grossteil der Bevölkerung sitzt herum, nur wenige arbeiten. Auch wenn es sicher zuwenig Arbeitsplätze gibt könnte man durch kollektives Zupacken so manche Infrastruktur verbessern, was dann auch eine bessere Grundlage für die (wenigen) fleissigen Unternehmer wäre.

Lg aus Botswana
Lukas



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RobertL
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Re: Flüchtlingswelle nach Europa

Beitrag von RobertL »

lukas1980 hat geschrieben:Ich bin der Meinung, dass selbst bei einem totalen Importstop jeglicher Güter die Einheimischen nicht plötzlich vom Selbstversorger zum Unternehmer und Produzenten mutieren würden.
Natürlich nicht! Wie denn auch wenn es Jahrzehntelang anders läuft!

Ich kenne diese Situationen natürlich nicht aus eigener Erfahrung! Kann schon sein dass die "lokale Wahrheit" anders aussieht! Keine Ahnung!! Aber es spricht ja niemand von "Schwemme" sondern dass unbestritten subventionierte Lebensmittel aus der EU nach Afrika verkauft werden und andererseits afrikanische Produzenten keine Chancen am europäischen Markt haben.

Ob das "afrikanische Individuum" im Schnitt lieber in der Hängematte liegt und im Internet surft oder lieber einer Erwerbstätigkeit nachgeht kann ich nicht sagen! Aber die Bewertung wäre, so wie jede andere auch, mit der Brille der westlichen Leistungsgesellschaft gemacht, die man da möglicherweise nicht zu 100% nutzen kann.
Liebe Grüße aus Wien - Robert
RobertL
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Re: Flüchtlingswelle nach Europa

Beitrag von RobertL »

Huehner fuer Afrika - Vom Unsinn des globalen Handels

Liebe Grüße aus Wien - Robert
lukas1980
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Re: Flüchtlingswelle nach Europa

Beitrag von lukas1980 »

RobertL hat geschrieben:Aber die Bewertung wäre, so wie jede andere auch, mit der Brille der westlichen Leistungsgesellschaft gemacht, die man da möglicherweise nicht zu 100% nutzen kann.
Selbstverständlich ist sie durch die westliche Leistungsbrille gemacht und trifft hier unten keineswegs zu. Wer glücklich mit einer Stohhütte, zweimal Maisbrei am Tag und drei paar geflickten Hosen ist, darf gerne den ganzen Zag rumsitzen.
Wer aber von einem besseren Leben mit westlichem Wohlstand träumt oder sich sogar Gedanken macht, an der "Flüchtlingswelle nach Europa" teilzunehmen, muss seine Leistung anpassen und für den trifft die Betrachtung durch die westliche Wohlstandsbrille zu 100% zu.
Nur sehe ich gerade hier die Diskrepanz! Fast jeder will einen TV, ein Smartphone und ein Auto. Jeder will den "Luxus" der Weissen. Dasselbe dafür zu leisten (arbeiten) wie wir aus dem Westen, das wollen aber die wenigsten. Viel lieber leistet man nix und wartet bis der nächste Weisse vorbeikommt, den zockt man dann dafür richtig ab mit einem mehrfach höheren Preis (nach Preisliste), denn dem aus dem Westen ist das Geld ja von der Natur gegeben.
lehencountry
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Re: Flüchtlingswelle nach Europa

Beitrag von lehencountry »

Der Grüne Bad Boy
Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer hat etwas gesagt, was nicht viele Grüne sagen würden. Linke kritisieren ihn und stellen ihn auf eine Stufe mit Pegida.
... "nicht rechts oder rassistisch, sondern einfach nur realistisch,
http://www.n-tv.de/politik/politik_komm ... 80616.html
Guido3

Re: Flüchtlingswelle nach Europa

Beitrag von Guido3 »

lehencountry hat geschrieben:... "nicht rechts oder rassistisch, sondern einfach nur realistisch,
einfach nur undurchdacht.

Er widerspricht sich in dem Interview selbst. "Hätten diese Übergriffe auch stattgefunden, wenn die rund 1000 Täter gar nicht erst im Schutz einer großen Fluchtbewegung nach Deutschland gekommen wären? Die Antwort ist: Nein." An anderer Stelle sagt er, dass laut BKA die Hälfte der tatverdächtigen 1.000 Männer mit der Flüchtlingswelle im letzten Jahr kam. Bedeutet die andere Hälfte nicht. Das waren Männer, die hier schon länger leben und die Vorfälle hätten dementsprechend wahrscheinlich auch ohne die neuen Flüchtlinge statt gefunden. Dann nur in halbem Umfang.

"Die gesamte Gesellschaft war nicht darauf eingestellt, dass die großzügige Hilfe, die wir zurecht im vergangenen Herbst geleistet haben, in einem solchen Ausmaß missbraucht werden könnte."
Das ist einfach Stimmungsmache. Köln war schlimm, kriminell, verurteilungswürdig. Wenn ich eine Million Menschen habe, dann ist da eine bestimmte Quote an Idioten dabei. Immer. Wenn ich eine Million Deutsche nehme, dann habe ich da auch 5% Idioten dabei: Rechtsradikale, Linksradikale, Kriminelle, Hardcore-Islamisten, ... Sind wir da auch "nicht darauf eingestellt" und völlig überrascht, wie die die Freiheiten hier mißbrauchen oder gehört das zur normalen Lebenswirklichkeit? Während die staatlichen Organe bei Rechtsradikalen, Islamisten usw. sehr aufmerksam sind und das Problem so eindämmen, haben sie in der Silvesternacht in Köln versagt. Das ist mittlerweile hinreichend geklärt. Das macht sie nicht zu Schuldigen, schuld sind die Täter, aber es hat Vorfälle in diesem Umfang erst ermöglicht. Bei nachfolgenden Großfeierlichkeiten wie Karneval, Oktoberfest, wo es schlimmste Befürchtungen gab, ist nichts mehr passiert.

Die rechtslastigen Freunde suchen nun natürlich nur die Passagen aus dem Palmer-Interview, die ihnen passen. Das er auch sagt, wir haben zurecht geholfen und wir helfen noch zu wenig, das wird geflissentlich überlesen.

Ansonsten machen die staatlichen Organe Integration zum Teil nach wie vor sehr schwer. Es ist kaum möglich heraus zu finden, unter welchen Bedingungen Studienabschlüsse aus Syrien oder Ägypten hier anerkannt werden. Häufig gibt es da Huhn-Ei-Probleme. Man braucht A um B zu bekommen und man braucht B um A zu bekommen.

2 junge Männer aus Syrien. Beide unter 30. Beide studiert. Der eine Solo. Der andere verheiratet (Frau noch in Syrien). Beide haben nun ihren Bescheid zum Asylantrag bekommen. Der Solist darf erst mal 3 Jahre bleiben. Der Verheiratete erst mal nur 1 Jahr. Logik? Letzterer fragt sich, inwieweit er weiter so intensiv versuchen soll, sich hier etwas aufzubauen, zumal es so wahrscheinlich schwierig wird, seine Frau nachzuholen.

Beste Grüße

Guido
Alexander
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Re: Flüchtlingswelle nach Europa

Beitrag von Alexander »

Die EU beabsichtigt für jeden aufgenommen Flüchtling dem entsprechenden Land 10.000 Euro zu zahlen. Verweigerer sollen nicht bestraft werden. Man bevorzuge den Weg der Verhandlungen.

Migrants: 10,000 euro for each resettled person from EU

BRUSSELS - The EU will pledge 10,000 euros to the host country for each migrant it resettles, according to a proposal Wednesday by the European Commission.

Under the plan, a resettlement system would be set up on an annual basis, with member States deciding how many refugees will be legally hosted and countries of provenance.

''It is a genuine legal window to close the door on irregular arrivals'', said Commissioner Avramopoulos.

Avramopoulos added that ''member states will decide how many people to resettle each year'' and the ''numbers will be communicated'' by the EU Council after consulting and receiving the availability communicated by governments ''based on a proposal'' of the European Commission. mehr...

Grüsse
Alexander
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doncarlos
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Re: Flüchtlingswelle nach Europa

Beitrag von doncarlos »

Hi liebe Streithähne,
sorry dass ich diesen thread nicht regelmäßig verfolge aber was ich so sporadisch lese lässt mir schon die Haare manchmal zu Berge stehen.

Was die Wirtschaftsflüchtige erzeugt ist in einem hohen Maß die Wirtschaftpolitik der EU bzw. von Europa und anderer westliecher Staaten! Man lässt den Menschen keine Lebensgrundlagen, macht völlig verfehlte "Entwicklungshilfe", beutet Afrika massiv aus und wundert sich dann darüber, dass die zu uns kommen wollen.

Zu dieser These von Robert, die in etwa die Geisteshaltung einer meinungsstarken Fraktion der Afrikafahrer wiedergibt nun auch meine Meinung.
Die unverhohlen kapitalistische Wirtschaftspolitik der EU -sowohl gegenüber Afrika aber auch gegenüber dem Rest der Welt- hat natürlich einen Anteil an der konstanten Unterentwicklung des Kontinents. Aber dieses Argument ist doch geschenkt, d.h. es wird ja wohl von niemanden infrage gestellt, dass der Kapitalismus mit Ausbeutung von Ressourcen und Arbeitskraft einhergeht. Seit Marx sollten wir aber über Moralismus hinaus sein und etwas mehr Analytisches und faktenorientiertes Denken versuchen.
Genauso unbestritten dürfte sein, dass die EU-Entwicklungshilfe in weiten Teilen verfehlt ist, jedoch nicht völlig da viele Hilfen für die Infrastruktur (z.B. Wasserleitung vom Senegalfluß nach NKC etc.) durchaus sinnvoll sind.
Die Lebensgrundlagen für die afrikanische Bevölkerung wird aber nicht durch Europa (ob nun seine Wirtschaftspolitik oder seine Entwicklungshilfe) vernichtet und die EU ist auch nicht deswegen verantwortlich für die veritable Völkerwanderung aus diesem Kontinent an unsere europäischen Fleischtöpfe. M.E. sind es auch nicht so sehr die vielerorts tatsächlich repressiven politischen Systeme afrikanischer Staaten die ihre junge Bewohnerschaft vertreiben.
Was mich sehr wundert ist das völlige Fehlen solider ethnologischer Argumente in dieser ganzen "Flüchtlingsdebatte". Vielleicht gibt es ja doch auch Studien über die Sozialstrukturen der afrikanischen Stammesgesellschaften welche womöglich auch ihren Anteil an der Auslösung dieser Afrikaflucht, gerade der jungen Leute haben. Vor Jahren habe ich mich etwas mit der "Altenherrschaft" der afrikanischen Patriarchen beschäftigt, d.h. die von der Staatsspitze bis hinunter in die Großfamilien durchgehende Diktatur der "alten Männer" , welche dem Jungvolk kaum Chancen zur eigenen Lebensplanung lassen. Dies und dann auch noch die kollektivistische afrikanische Mentalität (seine individuellen Interessen dem größeren Gemeinwohl der Familie zu opfern) scheint mir ein recht vielversprechender Ansatz zu einem vertieften Verständnis der afrikanischen Misere und zur Erklärung der Fluchtmotive zu sein als das wohlfeile Europa-bashing.
unserer "Selbstankläger"-Fraktion.
Mal schauen ob sich die Debatte nicht doch noch auf ein etwas wissenschaftlicheres Niveau heben lässt.
Dies wünscht sehnlichst Doncarlos
"Man entdeckt keine neuen Welten ohne den Mut zu haben, alte Küsten aus den Augen zu verlieren" (frei nach A.Gide)
RobertL
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Re: Flüchtlingswelle nach Europa

Beitrag von RobertL »

doncarlos hat geschrieben:Mal schauen ob sich die Debatte nicht doch noch auf ein etwas wissenschaftlicheres Niveau heben lässt.
Dies wünscht sehnlichst Doncarlos
Da solltest du dir zu allererst die Wissenschaft vom artgerechten Zitieren in einem Forum aneignen! :mrgreen: Sonst wird es verwirrend!

Im Ernst: wissenschafliches Niveau hier einzufordern?!?!? Ähmm - wie soll das gehen??

Ich fasse für mich völlig unwissenschaftlich die Kernaussage(n) von ein paar der vorgängigen Beiträge zusammen: weder die EU noch sonst ein westlicher Staat haben eine Mitschuld an der gegenwärtigen wirtschaflich motivierten Fluchtbewegung aus Afrika!
Liebe Grüße aus Wien - Robert
landcruiser.
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Re: Flüchtlingswelle nach Europa

Beitrag von landcruiser. »

doncarlos hat geschrieben:Seit Marx sollten wir aber über Moralismus hinaus sein und etwas mehr Analytisches und faktenorientiertes Denken versuchen.
Was mich sehr wundert ist das völlige Fehlen solider ethnologischer Argumente in dieser ganzen "Flüchtlingsdebatte".
Einerseits Marx zu erwähnen und Analyse zu fordern und im übernächsten Satz ethnologische Argumente einzufordern, erscheint angesichts dieser Stellungnahme zu solchen Fragestellungen mindestens widersprüchlich?

Es ist nicht die EU allein oder die USA oder die Russen.

Und es ist auch nicht allein die Ethnologie der Flüchtlinge i.S. ihrer Herkunft.

Wie denn auch, wenn wir Flüchtlinge aus Syrien, Tunesien, Marokko, Ghana, Kenia und dem Somalia (um nur einige Länder zu nennen) haben. Oder stammen die jetzt alle aus der gleichen Ethnie nur weil sie "hinterm Mittelmeer herkommen"?

Übrigens dürfte die Frage nach "ethnologischen Argumenten", die du explizit in Richtung afrikanischer Stammesgesellschaften stellst angesichts der verschwindend geringen Anzahl an Flüchtlingen dieser Ethnie wenig bis nichts zur Lösung der Flüchtlingsproblematik beitragen?

Ich denke es gibt von Bürgerkriegen incl. deren Ursachen, Verfolgung, Not, Armut, Hunger bis hin zu reinen Wirtschaftsflüchtlingen sehr viele Ursachen für die Flüchtlingsbewegungen.

Und es gibt genau so viele Ansätze für Änderungen und Fehler, die gemacht wurden und noch gemacht werden.

Wirklich durchgreifende Maßnahmen die Fluchtgründe im jeweiligen Land an der Wurzel zu beseitigen, so dass die Leute dort gar nicht an Flucht denken, wird es selbst mittelfristig nicht geben.

Siehe z.B. Syrien, Afghanistan, Somalia.

Was bleibt, um die Flüchtlingsproblematik zunächst zu regeln (nicht abschließend zu lösen)?

Unterbringung der Flüchtlinge in Heimatnähe unterstützen.
Flüchtlinge ohne Fluchtgrund nach Genfer Konvention sofort zurückschieben.
Potentiellen Flüchtlingen im Herkunftsland klar machen, dass sie hier nicht das Paradies vorfinden, was ihnen von den Schleppern vorgegaukelt wird.
Schlepper radikal bekämpfen.
Den Flüchtlingen hier klar machen, dass sie sich nach Genfer Konvention an die hiesigen Gesetze und Regeln zu halten haben.
Einhaltung des Schengener Abkommens und der Dubliner Übereinkommens.
Und solche administrativen Kleinigkeiten wie lückenlose Registrierung jedes Flüchtlings mit Bild und Fingerabdruck.

Fände ich so rein pragmatisch als Ansatz zielführender als ethnische Fragen zu stellen oder sich darüber auszulassen, dass die Schwarzafrikaner es eh nie gebacken bekommen ohne dafür einen Lösungsansatz zu haben?
Guido3

Re: Flüchtlingswelle nach Europa

Beitrag von Guido3 »

Hallo,

es wurde ja schon geschrieben und ich sehe das genau so: Es gibt nicht die eine Ursache oder auch nur die Hauptursache, die man nur bearbeiten müsste und dann wird alles gut. Es gibt eine enorme Vielzahl an Ursachen, zu denen auch noch Aids, feudale Stammesstrukturen, Religiöses und Spirituelles, fehlende Bildung, fehlende demokratische Traditionen, Wassermangel, Bevölkerungswachstum uvm. gehören. Alles hängt mit allem zusammen. Jede Maßnahme, um eine Ursache zu bearbeiten, hat Neben- und Wechselwirkungen. Baut man einen Brunnen, damit die Menschen endlich sicheren Zugang zu sauberen Wasser haben, dann führt das teilweise zu einem explosionsartigem Anstieg der Viehherden im Umkreis und zu völliger Zerstörung der Vegetation, usw.

Selbst so ein Thema wie die hier angesprochenen EU-Hühnchenfleisch-Exporte, wo die Wirkung zunächst klar scheint, hat ein paar mehr Facetten. Wie ineffizient ist die Produktion vor Ort, wenn von weit her heran gekarrtes und mit Importzöllen belegtes Fleisch aus der EU billiger ist, als vor Ort (bei Billigstlöhnen) erzeugtes Fleisch? Wie sehr hilft man Afrika am Ende wirklich, wenn man völlig ineffiziente Produktionsweisen schützt, in dem man Exporte aus der EU einstellt? Es gibt nicht nur die Fleischproduzenten in Afrika sondern auch die Fleischkonsumenten. Die sind wohl die Mehrheit. Die müssen dann mehr für Fleisch zahlen und haben weniger Geld für anderes, z.B. Bildungsausgaben. Ist das dann volkswirtschaftlich/gesellschaftlich wirklich ein Gewinn? Sollte man sich dafür einsetzen, das kein EU-Hühnchenfleisch-Matsch mehr nach Afrika exportiert werden darf? Keine rhetorischen Fragen. Ich kenne die Antworten nicht. Vermutlich gibt es die pauschal richtigen Antworten nicht und man kann immer nur den konkreten Einzelfall beurteilen, was die Lösung all der Probleme so mühselig und komplex macht.

Man kann übrigens versuchen, die Probleme Afrikas und der Afrikaner mit deren Sozialisierung, kulturellen Traditionen, Bildung, Historie uvm. zu erklären. Wenn man es auf die Gene zurück führt, wie hier auch geschehen, ist es purer Rassismus. Gleichzeitig wären die Probleme dann auf ewig unlösbar.

Beste Grüße

Guido
doncarlos
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Re: Flüchtlingswelle nach Europa

Beitrag von doncarlos »

Hi RobertL,
sorry dass ich noch nicht die korrekte Zitiertechnik drauf habe, kommt aber bestimmt noch, versprochen.
Du schreibst: "Im Ernst: wissenschafliches Niveau hier einzufordern?!?!? Ähmm - wie soll das gehen??

Ich fasse für mich völlig unwissenschaftlich die Kernaussage(n) von ein paar der vorgängigen Beiträge zusammen: weder die EU noch sonst ein westlicher Staat haben eine Mitschuld an der gegenwärtigen wirtschaflich motivierten Fluchtbewegung aus Afrika!"

Sorry auch dass ich von wissenschaftlichem Niveau gesprochen habe, denn eigentlich bin ich kein Niveauhuber und auch kein Wissenschaftsfetischist. Dennoch darf ich etwas Motivationsforschung hinsichtlich der "Flüchtlingswelle" bzw. wie ich eher sagen würde "Massenwanderungsbewegung" versuchen. Und da sagt mir jedes psychologische Lehrbuch, dass man dabei zwischen Pull-Faktoren und Push-Faktoren unterscheidet. Mit dieser Methodik vor Augen würde ich durchaus sagen, dass Europa an den die Immigration mit-bewirkenden Pull-Faktoren die Hauptverantwortung hat. Dazu gehört z.B. die Sogwirkung der rosaroten Selbstdarstellungen der angekommenen Afrikaner in ihren mails und sms, Telefonaten etc. an die Zuhausegebliebenen. Aber auch die Medien, denn schließlich sind die meisten Fernsehfilme die Afrika konsumiert amerikanische oder europäische Produktionen. Das schreiben ja auch sehr viele der vorigen beiträge mit denen ich insoweit auch d' accord bin.
Was die Push-Faktoren angeht sollte man die katastrophale wirtschaftliche Situation in den Heimatländer der "Flüchtenden" untersuchen. Und da plädiere ich nachdrücklich dafür, doch von diesem Ökonomismus vieler "Pro-Flüchtlings-Beiträge" etwas Abstand zu nehmen, als ob Hunger und Elend allein die Leute aus dem lande treiben. Dass dieser Zusammenhang nicht so direkt sein kann zeigt ja schon eine einfache soziologische Betrachtung der sozialen Herkunft unserer "Flüchtling" die ganz überwiegend zur Mittelschicht gehören und so gut wie gar nicht zu den Ärmsten der Armen. Ich würde halt auch gerne auch ethnologische Ansätze und studien heranziehen und da muss ich mich schon über manches Mißverständnis wundern, denn Ethnologie hat nun überhaupt nichts mit Genetik oder Rassismus zu tun und ist auch keine Kolonialwissenschaft.
Ich raufe mir bei der Diskussion auch deswegen die Haare, weil hier immer wieder von "Schuld" an der Flüchtlingsbewegung etc. gesprochen wird, als ob wir es hier mit einem juristischen Verfahren zu tun hätten. Diese Wortwahl legt aber schon den Verdacht nahe, als wollte die "Pro-flüchtlings-Fraktion" anhand dieses realen Wanderungselends nun aber mit Vehemenz dem sowieso ganz schlimmen Kapitalismus den Prozess machen.

Was die weiteren Beiträge, insbesondere der von Guido angeht, so bin ich damit zu 90 % einverstanden. Ich präzisiere auch gerne, dass ich bestimmt nicht die "afrikanischen Strukturen" ganz allgemein an den Pranger stellen will. Ich sollte hinzufügen, dass ich hier nur von Mali, Guinea, Gambia und Senegal also Westafrika rede, das ich seit 25 Jahren ständig bereise und insoweit leidlich kenne. Und auch da müsste man in einer Feinanalyse die jeweils länderspezifischen Unterschiede gesondert herausarbeiten. Ehrlich gesagt kenne ich mich mit Erythrea nicht so gut aus, obwohl ich jetzt bei den hiesigen Afrikatagen dazu tolle Vorträge von Landeskennern gehört habe. Danach sieht es aber so aus als wären die dortigen Fluchtursachen weitgehend hausgemacht.
Und natürlich ist mir auch glasklar, dass man die vorderorientalischen Länder ganz separat betrachten müsste. In Hinblick auf diese Herkunftsregion eines Großteils unserer Flüchtlinge würde ich auch mit Fug und recht den Terminus Flucht gebrauchen. Aber wie gesagt, auch ich will die differenzierte Untersuchung der verschiedenen Herkunftsländer und ihrer entsprechend unterschiedlichen fluchtursachen.
So das wars erst mal und bis zu meiner nächsten Wortmeldung kann ich dann bestimmt auch korrekt zitieren.
Ciao Doncarlos
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Re: Flüchtlingswelle nach Europa

Beitrag von landcruiser. »

doncarlos hat geschrieben:...von diesem Ökonomismus vieler "Pro-Flüchtlings-Beiträge" ...
Irgendwie scheinen wir die Beiträge hier stark unterschiedlich zu lesen.

Mir sind bislang keine "Pro Flüchtlingsbeiträge" in signifikanter Anzahl aufgefallen.
Und natürlich ist mir auch glasklar, dass man die vorderorientalischen Länder ganz separat betrachten müsste. In Hinblick auf diese Herkunftsregion eines Großteils unserer Flüchtlinge würde ich auch mit Fug und recht den Terminus Flucht gebrauchen. Aber wie gesagt, auch ich will die differenzierte Untersuchung der verschiedenen Herkunftsländer und ihrer entsprechend unterschiedlichen fluchtursachen.

Ciao Doncarlos
Zunächst mal sollte man einfach die Fakten wahrnehmen.

Ich hatte es schon erwähnt, aber du bist nicht darauf eingegangen.

Schau dir die Zahlen der Flüchtlinge nach Herkunftsländern an.

Wo ist da die Menge der Flüchtlinge aus Westafrika?

Ich sehe sie nicht, ev. kannst du das ja mal aufklären?

Und hast eine Idee wie man deine Ansätze auf Länder wie Syrien oder Afghanistan anwenden kann?
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Re: Flüchtlingswelle nach Europa

Beitrag von doncarlos »

Hi Landcruiser,
dann haben wir beide vielleicht selektive Wahrnehmungsprobleme aber ich bleibe dabei: man kann bei diesem thread ganz gut 2 - 3 Lager ausmachen: solche die eine Grenzöffnung für alle Flüchtlinge grundsätzlich befürworten und solche die so etwas prinzipiell befürchten bzw. ablehnen. Und dann gibt es natürlich auch (vielleicht sogar mehrheitlich) Mischformen dieser 2 Positionen. Wenn ich die Zeit dazu hätte könnte man gerne nach einer Inhaltsanalyse der über 3000 Beiträge mal eine clusteranalyse rechnen lassen. Vielleicht nimmt sich in einiger Zeit einmal ein ehrgeiziger Soziologe oder Psychologe dieses exemplarische (für das breite Spektrum der bundesdeutschen Meinungen zu diesem heißen Thema) Kaleidoskop von Äußerungen zur brust und untersucht es tatsächlich methodisch sauber.
Zu deiner 2. nachfrage wg. Herkunftsländer der Flüchtlinge. Nach der Schließung der balkanroute kommen hier bei uns in Heidelberg täglich deutlich unter 100 Asylsuchende im bd.-wttbg. Erstaufnahmelager an, davon 70 % aus Gambia. Auch im letzten Quartal 15 war m.E. ca. 1 Viertel der hier Eingetroffenen Asylsucher Westafrikaner. Gerne kann ich demnächst die genauen Zahlen nachliefern, bin allerdings jetzt für 14 Tage weg vom fenster.
Was die Herkunftsländer in Nah- und Mittelost angeht so bringt auch hier eine genauere Motivanalyse klarere Erkenntnisse. Aus eigener direkter Befassung mit Stichproben aus diesem Personenkreis (Einsteigerkurse Deutsch) würde ich grob Clustern: 25 % Flüchtlinge direkt aus den Kampfgebieten, die in erster Linie ihre Haut retten mussten. 75 % aus den eigentlich sicheren aber ökonomisch unheimlich prekären Flüchtlingslagern in den Nachbarländern der
eigentlichen Konfliktgebiete. Aber auch da müssen wir für jedes Herkunftsland getrennte Motivanalysen durchführen, d.h. zwischen Iranern und Syrern gibt es wohl stark unterschiedliche Ausgangsbedingungen bzw. fluchtursachen.
Gerne können wir aber auf einer mehr analytischen und hoffentlich nicht übermäßig polemischen Diskussionsebene-demnächst hier weitermachen. Bin dazu bereit Doncarlos-
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