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The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub al Khali

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen: Reiseberichte zum Informieren und Träumen...

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The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub al Khali

Beitragvon Alexander » 23.11.2014 14:50

Vor einigen Monaten ereignete sich ein Zwischenfall, der es mir nicht mehr erlaubte in meine Traumdestination Ägypten zu reisen. Aufgrund der aktuellen Sicherheitslage in den verschiedenen Ländern gab es kaum noch Alternativen, die eine Reise in die Wüste ermöglichten. Ich fand mich schon damit ab, einen Urlaub im Grünen zu verbringen. Indien oder Nepal standen schon immer auf meiner Agenda. Früher oder später würde ich diese Länder besuchen. Von verschiedenen Seiten wurde ich gefragt: Warum fährst du nicht in den Oman? Es gibt dort Dünen ohne Ende und die Menschen sind so freundlich wie kaum in einem anderen Land. Also warum nicht in den Oman?

Hier im Forum hatte ich schon viel über die Rub al Khali, dem "Leeren Viertel" gelesen. Die Wüstenbilder überzeugten mich dann vollkommen. Ich buchte einen Flug in den Oman. Und das ist die Geschichte dieser Reise...


The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub al Khali

Die Rub al Khali, das leere Viertel. Schon der Name könnte am Anfang eines Gedichts stehen. Er verspricht Ruhe, Stille und Einsamkeit. Genau das, was ich suche. Eine kurze Zeit mit mir allein sein. Natürlich begleitet mich wieder meine Wüstenkarre, die mir in Ägypten schon hervorragende Dienste geleistet hatte. Kein Handy und kein MP3 Player werden mich stören. Ich werde mich 16 Tage nur mit der Wüste und mit mir beschäftigen, den Weg zum Ziel machen und die Eindrücke aufnehmen und genießen, welche die Stille in der Wüste ausmachen. Zumindest war das der Plan. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass es dieses Mal Probleme geben würde die mich veranlassen würden, die Reißleine zu ziehen. Aber alles der Reihenfolge nach…


Am Samstag, um 2:30 Uhr stand ich immer noch an der Gepäckausgabe in der Arrival Hall am Muscat Airport. Irgendwann stand ich dort alleine, bis das Karussell aufhörte sich zu drehen. Mein Rucksack und meine Wüstenkarre waren nicht angekommen. Sie standen wohl noch irgendwo in Istanbul und hatten, im Gegensatz zu mir, den Anschluss verpasst.

Ich gebe kurz per Mobiltelefon Jochen bescheid, bevor ich mich frustriert ins Büro der Luggage Investigation begebe, um mich nach meinem Gepäck zu erkundigen. Jochen, der u.a. einige Wasserdepots für mich in der Rub angelegt hatte, stand wohl schon vor der Halle und wartete auf mich.

Wie schon vermutet stand mein Gepäck noch in Istanbul. In 24 Stunden sollte mein Equipment ankommen und ich würde eine SMS erhalten. Jochen und ich nutzen den Tag, um uns kennenzulernen. Jochen arbeitet im Oman als Tour Guide und ist bei uns im Wüstenschiff unter Sindbad bekannt. Er macht mich schon mal mit Muscat und den lokalen Gepflogenheiten vertraut und wir kaufen Verpflegung für Jochens nächste Tour ein. Dann heißt es abwarten.
Um 01:41 Uhr trifft von Worldtracker die ersehnte SMS ein: Please be advised that your luggage is ready for collection.

Am Morgen fährt mich Jochen zum Flughafen. Das Gepäck ist komplett und er übergibt mich seinem Fahrer Issam, der mich ins 1080 Kilometer entfernte Al Hashman fährt. Es geht endlich los. :)
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Alexander » 25.11.2014 20:20

Der lange Weg in die Wüste

Schon am Vortag hatte ich irgendwie das Gefühl, dass die Omanis es mit der Einhaltung der Verkehrsvorschriften nicht so genau nehmen ;) Da die Verkehrsteilnehmer die Verkehrsvorschrift und Verkehrszeichen mehr als Empfehlung betrachten und nicht als ultimative Anweisung des Verkehrsministeriums, hat dieses wohl das dichteste Radaranlagennetz, dass ich kenne installiert. In Bereichen mit großer Verkehrsdichte findet man im Umkreis von 100 Metern gut und gerne 10 dieser Fotosäulen. Selbst auf dem einsamen Weg in den Westen stehen alle paar Kilometer Radarsäulen, die sich irgendwann mit den guten alten Starenkästen abwechseln. Damit versuchen die Verkehrsbehörden ihrer Gesetzgebung etwas Nachdruck zu verleihen. :)

Trotz der eigenwilligen Auslegung der Verkehrsregeln gibt es auf den Strassen Muscats kein Gedränge oder Gehupe, wie man es z.B. aus den Ländern Nordafrikas kennt. Die Omanis nehmen ihre Freiheit, sie übertreiben es aber nicht.

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Aber die Verkehrsbehörden sind fair und kündigen Radarkontrollen an.

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Anfänglich zeigt die Landschaft ihre abwechslungsreiche Seite. Scharf geschnittene Gebirgsketten werden durch die Strasse in Richtung Salalah geteilt.

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Nachdem wir den gebirgigen Teil unserer Strecke passiert haben, erhält man immer mehr den Eindruck, als wäre die Erde doch eine Scheibe. Wir erkennen am Montag schon, wer uns am Mittwoch entgegen kommt. ;)

Im Oman scheint nicht nur die Sonne zu scheinen. Hier wird eine klare Warnung ausgesprochen die Strasse nicht zu passieren, wenn das Wasser die rote Marke erreicht.

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Abwechslung bietet das Fussballstadion, dass mehr oder weniger mitten in die karge Landschaft gebaut wurde…

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…und eine der Sultansresidenzen bei Husn al Shumukh.

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Man sollte nicht vergessen, gelegentlich vollzutanken. Es gibt Gegenden mit geringerer Tankstellendichte. Die Benzinpreise liegen aber in einem durchaus akzeptablen Rahmen. Im Oman gibt es kaum Steuern :)

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Und es gibt klare Anweisungen. Selbst getankt wird nicht. :)

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Auch Issam und ich fühlen, dass die Mittagszeit gekommen ist und wir starten eine Nachforschung in der Küche des kleinen Restaurants. Wir bestellen Reis und Hühnchen, dass auf einer Platte serviert wird. Zuerst werden aber die Hände gewaschen. Denn gegessen wird mit den Fingern. ;)

Mit der rechten Hand zupft man sich etwas Fleisch aus dem Huhn. Zusammen mit einer handvoll Reis, dass man mit den Fingern zu einer Wurst oder Kugel presst schiebt man sich den Ballen in den Mund. Nach dem Essen das Händewaschen nicht vergessen!

Danach geht es weiter auf der Straße. In welche Richtung wollten wir gleich wieder?

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Irgendwann biegen wir in nördliche Richtung ab und die Straßen nehmen immer mehr einen pistenähnlichen Zustand an.

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Kamele wechseln gerne, ohne es vorher anzukündigen die Straßenseite. Hier hilft es nicht zu Hupen und auf sein Recht zu pochen. Kamele haben Vorfahrt…

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Irgendwann taucht die erste Düne auf. Aber wir sind noch lange nicht am Ziel.

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Die Dunkelheit ist schon hereingebrochen und ich merke, wie Issam langsam die Augen zufallen. Er meint auch, dass es in der Dunkelheit gefährlicher wäre. Ich biete Issam an, das Steuer zu übernehmen. Nach etwas Zögern nimmt er an, verzieht sich auf die Beifahrerseite und betreibt etwas Augenpflege. Und mir macht es Spaß mit 120 Sachen in der Dunkelheit über die Piste zu brettern. :)

Die Nacht ist schon ein Stück vorgerückt, als wir an dem Punkt ankommen, an dem Issam und ich uns trennen werden. Issam hilft mir noch beim Zusammenbau der Karre und meint zum Abschied noch: Alex, pass auf dich auf! Kurze Zeit später waren die Lichter des Toyotas in der Dunkelheit verschwunden.

Ich steuere auf die erstbeste Düne zu, um abseits der Piste mein erstes Nachtlager aufzuschlagen. Es liegt verstreut etwas Holz herum, das ich zu einem kleinen Lagerfeuer entfache. Die Ruhe ist ungewohnt. Ich muss mich erst wieder daran gewöhnen…
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Sauer » 26.11.2014 14:09

Super Bilder Alexander! Wohin geht es denn als nächstes?
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Regula St. » 26.11.2014 16:47

Sauer hat geschrieben:Super Bilder Alexander! Wohin geht es denn als nächstes?

Jetzt lass ihn doch erst mal heimkommen :shock:

Die Bilder finde ich auch ganz fantastisch, aber ebenso freue ich mich über und auf den Bericht. Danke Alexander!

Übrigens bin ich der Ansicht, dass unser Kapitän erst dann wieder von Bord gehen darf, wenn er seinen Bericht beendet hat. Wir möchten uns schliesslich doch alle in seine Wüstenbilder hineinträumen können, odrrr? 8)

LG Regula
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Alexander » 26.11.2014 19:03

Sauer hat geschrieben:Super Bilder Alexander! Wohin geht es denn als nächstes?


Danke Sauer! Als nächstes wird es vermutlich wieder in die Rub al Khali gehen. Ich habe dort noch "unfinished business" wie aus dem Bericht später noch hervorgehen wird ;-)

Grüsse
Alexander
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Alexander » 26.11.2014 19:50

Erste Orientierungsversuche

Der Morgen dämmert und ich versuche erst einmal festzustellen, in welche Richtung ich gestern noch gelaufen bin. So wie für unsere Bundeskanzlerin das Internet noch Neuland ist ;) stellt sich für mich der Oman mit seinen Wüsten als neues Terrain dar, in dem ich mich erst einmal neu orientieren muss.

Mit dem GPS im Anschlag peile ich erst einmal die Richtung, aber der Weg ist noch der falsche. Ich gehe also zum Ausgangspunkt zurück und versuche einen Neuanfang.

Nein, hier waren keine drei Wüstenkarren unterwegs. Das war nur eine mit Orientierungsproblemen :oops:

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Verdammt, wo war sie denn gleich wieder...

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Hmmmmmm....

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Ahhhhhh! Da ist sie ja die gute Piste :) Jetzt kann es endlich losgehen.

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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Alexander » 29.11.2014 18:45

Die Rub al Khali wird durch zwei geologische Formationen dominiert: Sterndünen und die Sebkhas, die sich zwischen den Dünen ausbreiten. Als Wüstenwanderer besteht die Kunst der Routenplanung darin, möglichst lange und zusammenhängende Sebkhagebiete zu finden. In diesen Ebenen läuft es sich sehr gut, da der Boden relativ hart ist und anstrengende Dünenüberquerungen vermieden werden können.

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Eine große Hilfe für die Routenplanung ist Google Earth. Tief reingezoomt findet man auch kleine Dünenbarrieren, die sich später als zu überquerendes Hindernis herausstellen könnten. Nicht immer kann man sie umgehen und häufig findet man erst vor Ort den richtigen Übergang.

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In den Sebkhas findet man gelegentlich diese blumenkohlähnlichen Steine. Sie sind leicht und …

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… innen hohl. Am Innenrand haben sich Kristalle abgelagert. Mir fällt verdammt noch mal nicht ein, wie diese Dinger heißen :)

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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Alexander » 29.11.2014 19:24

Hitze und Probleme

Während nachts und am Morgen die Temperaturen mit 17 – 20 Grad noch angenehm waren, steigen die Temperaturen am Vormittag bereits spürbar an. Ich bekomme Schluckbeschwerden und Fieberschübe. Eine Angina kündigt sich an, etwas, was ich hier draußen absolut nicht gebrauchen kann. Gegen 10:30 Uhr lege ich die erste Pause ein, die gewöhnlich 30 Minuten dauert.

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Ich drehe die Karre so in die Sonne, dass sie maximalen Schatten wirft in den ich mich mehr oder weniger bequem legen kann. Mit Wasser und Nahrungsextrakt fülle ich meinen Energiehaushalt wieder auf. Ich versuche aufzustehen, aber das Fieber ist weiter angestiegen und das Schwindelgefühl läßt mich gleich wieder in den Schatten fallen.

Der Wind weht aus dem Norden von Saudi Arabien kommend. Der Nordwind ist heiß, aber trocken. Der Südwind wäre wesentlich kühler, aber da der Oman am Meer liegt, wäre die Luft dann auch wesentlich feuchter und schwühler.

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Die Hitze wird immer stärker. Zunächst schiebe ich die Hitzeentwicklung alleine auf das Fieber. Halb im Liegen suche ich das Termometer aus dem Rucksack und lege es zunächst in die Sonne. Nach 10 Minuten werfe ich einen Blick auf die Skala und mir fallen fast die Augen aus dem Kopf: Das Temperatur zeigt 60 Grad an. Im späteren Verlauf zeigt das Termometer noch etwas mehr an. Aber die Skala hört bei 60 auf. Im Schatten meiner Karre klettert das Termometer auf knapp 45 Grad.

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Es macht keinen Sinn jetzt weiterzulaufen. Ich bleibe noch im Schatten liegen. Der Wasserbedarf steigt und das nächste Wasserdepot ist weit...

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Gegen 16:00 Uhr wache ich wieder auf. Ich kann aber nicht sagen, ob ich geschlafen oder nur vor mich hingedöst habe. Ich hatte an diesem Tag noch nicht viel Strecke zurückgelegt und muß also weiter. Sollte sich mein Zustand nicht bessern und die Temperaturen nicht deutlich zurückgehen, müsste ich die Tour abbrechen.

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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Regula St. » 29.11.2014 19:26

Alexander hat geschrieben:… innen hohl. Am Innenrand haben sich Kristalle abgelagert. Mir fällt verdammt noch mal nicht ein, wie diese Dinger heißen :)

Versuch's mal mit Druse :wink:

Habe ich auch noch nie gesehen, dass die einfach so auf dem Boden herumliegen...

LG Regula
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Alexander » 30.11.2014 08:42

Danke Regula! Genau danach hatte ich gesucht. :)

Ich hatte noch den Begriff "Geode" im Ohr, was ja anscheinend mehr oder weniger das Gleiche ist.

Viele Grüsse
Alexander
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Alexander » 30.11.2014 08:42

Hindernisse und wie man sie bewältigt

Nach dem ausgiebigen Mittagsschlaf fühlte ich mich nicht unbedingt besser, aber der Kreislauf hatte sich wieder etwas beruhigt und die Temperaturen sich von 60 auf knapp unter 50 Grad abgekühlt. Ich versuche einfach noch ein paar Kilometer zurückzulegen.

Auch bei noch so sorgfältiger Tourenplanung lässt es sich nicht vermeiden, dass man plötzlich vor einer Barriere in Form einer Düne steht. Auch wenn sie nur zwei oder drei Meter hoch ist, kann sie zu einem mit der Wüstenkarre nur schwer zu überwindende Hindernis werden.

In der Richtung, in der ich lief, waren die Dünen weich und daher steil. Die Karre einfach über die Düne zu ziehen war unmöglich. Wer zieht schon einfach mal 80 Kilo auf eine Düne.

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Zunächst brauche ich einen Punkt, von dem ich mir einen guten Überblick über das Gelände verschaffen kann. Also rauf auf die nächste Düne. Zumindest so weit, bis ich das Gelände überblicken kann.

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Verdammt! Diese kleine Düne versperrt mir den kompletten Weg. Es gibt keine Möglichkeit das Hindernis einfach zu umlaufen.

Es gibt nur eine Möglichkeit: die Karre abladen und Rucksack und Wasserkanister einzeln über die Düne tragen. Eigentlich wollte ich diese Extraanstrengung in meinem fiebrigen Zustand vermeiden. Es gibt aber keine andere Möglichkeit. Also löse ich den Spanngurt, greife mir den Rucksack und werfe ihn in hohem Bogen auf die Düne. Mit den Wasserkanistern gehe ich etwas vorsichtiger um. Danach die Karre. Oben auf der Düne wieder alles sauber auf die Karre verladen. Ich muss darauf achten, dass das Gewicht richtig auf der Achse verteilt ist. Liegt zu viel Gewicht hinter der Achse, muss ich die Führungsdeichseln mit viel Kraftaufwand permanent nach unten drücken. Liegt zu viel Gewicht vor der Achse, muss ich das Gewicht tragen. Mit den Deichseln sollte ich aber nur die Karre führen ohne mit dem Gewicht belastet zu werden. Bei richtiger Beladung lässt sich die Karre so leicht durch den festen Sand ziehen und man merkt das Gewicht kaum.

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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon fordfahrer » 30.11.2014 19:14

ach Alexander,
Du bist verrückt, hätte's die Wahiba nicht erst mal getan?
Wo wolltest Du eigentlich hin? Burkanah?
Schreib doch mal für den zufälligen Leser, dass man das nur tun sollte, wenn man genau weiss, was man tut und, wie Du, viel Erfahrungen hat. Und schreib, dass Du einen Backup Plan hattest, wenn was schief geht, Sat Phone oder was auch immer.

Wir hatten das Thema schon mal früher, aber wenn da im Oman mal jemand einfach drauf los läuft und was passiert, dann macht der Sultan die Rub auch ganz schnell für alle zu, der hat da die Sache besser in der Hand, als die Jungs in Nordafrika und wenn das Militär dann auf Tourisuche geht, und im Oman würden die das machen, dann ist das alles ganz schnell vorbei und das wäre soooo was von Schade.

Du warst Dir aber schon über die Temperaturen im Klaren oder? Die Jungs mit den Karawanen sind früher nie am Tage unterwegs gewesen. Für den interessierten Leser kann ich empfehlen Wilfried Thesiger - Arabian Sands mal zu lesen, das Standardwerk für die Rub.

Nun wieder zurück, schöne Bilder, vielen Dank für's Mitnehmen und, natürlich, Hochachtung für den Mut, wie immer.

Gruss
Christian
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Guido3 » 30.11.2014 20:42

Mit den Temperaturen hast Du wohl Pech gehabt und Tage erwischt, die deutlich wärmer als der Klimadurchschnitt zu der Jahreszeit ausfielen. Aber wo kommen wir denn da auch hin, wenn die Leute einfach mit einer Jeans durch die Wüste laufen - so ohne Funktionskleidung mit weltraumerprobten Hightech-Fasern und Schutzfunktion gegen Regen, Moskitos und Bärenangriffe.
:mrgreen:

Für den kühle Rübe natürlich auch unverzichtbar (und ökologisch voll korrekt):
ventilator.jpg
:lol:

Ich nehme sonst gern auch noch den einen oder anderen Kartenausschnitt zum Reisebericht. Am Anfang warst Du auf der Nebenpiste Richtung Burkanah unterwegs. Auf der sind wir 2012 von Burkanah zurück gefahren. Aber dann bist Du ja offensichtlich davon abgebogen?

Für die Planung jeglicher Touren in der Ecke (zu Fuss oder per Auto) kann ich allgemein nur noch mal empfehlen, auch einen Blick auf Bing oder Here.com (Nokia) zu werfen. Der hochaufgelöste Bereich endet bei Google ungefähr am Ende der einzeichneten Straße 43 - da wo in Deinem Kartenausschnitt die Kante zu sehen ist. Nördlich davon bietet Bing eine sehr deutlich bessere Auflösung, was eventuell die Findung einer gehbaren/fahrbaren Route erleichtert. Wenn man ein Benutzerkonto bei Microsoft anlegt, kann man da auch im KML-Format im- und exportieren. Mal zum Vergleich ein Detailausschnitt. Das ist am obersten Ende Deines Kartenausschnittes die Spur ein paar Meter westlich der blauen Linie.
google.jpg

bing.jpg


Beste Grüße

Guido
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Alexander » 30.11.2014 20:57

Hallo Christian,

fordfahrer hat geschrieben:Schreib doch mal für den zufälligen Leser, dass man das nur tun sollte, wenn man genau weiss, was man tut und, wie Du, viel Erfahrungen hat. Und schreib, dass Du einen Backup Plan hattest, wenn was schief geht, Sat Phone oder was auch immer.


Immer schön der Reihenfolge nach ;-) Die Geschichte ist ja noch nicht zu Ende.

Worüber ich mir aber wirklich Gedanken machen würde ist das Umweltbewustsein manch eines Wüstenreisenden.

Von dem Ort, auf den man diesen wunderschönen Ausblick genießen kann...

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...findet man auch dieses Häufchen Elend.

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Unter diesem Haufen ruht der Müll eines Wüstenschiffers. Nicht dass er seinen Müll schön mit Sand bedeckt hätte. Das hat ein anderer Wüstenschiffer erledigt. Der Müll lag auf einem Haufen und der Versuch, den Abfall zu verbrennen scheiterte. Es gibt einfach Materialien, die brennen nicht.

Vor nicht allzulanger Zeit war die Rub al Khali für die meisten Reisenden noch ein unbekanntes Land. Es hat nicht lange gedauert, bis der erste Müll abgeladen wurde.

Nehmt euren Müll wieder mit. Er hat in der Wüste nichts verloren.

Grüsse
Alexander
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Chrigu » 01.12.2014 19:10

Hochinteressant! Ich bin dabei!
>>>Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden!<<<
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Alexander » 01.12.2014 20:38

Die Götter müssen verrückt sein

Ich bin schon unterwegs, als der Morgen anbricht. Nur noch zwei Tage bis zum Vollmond. Der Mond geht auf, wenn ich in den Schlafsack krieche und geht unter, wenn der Tag anbricht. Die Nacht wird zum Tag und die notwendige Nachtruhe kehrt nicht wirklich ein. Die Angina hat sich auch verschlechtert. Also warum nicht die morgendliche Frische nutzen und ein paar Kilometer marschieren.

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Der Wind bläst wieder aus dem Norden. Die Temperaturen steigen bald wieder rapide an.

Ich spüre, wie das Fieber wieder ansteigt. Bald erreicht die Hitze ihren Höchststand und ich verspüre den Drang, eine Wasserflasche auf einen Zug auszutrinken. Aber das Schlucken schmerzt, sodass ich diese warme Flüssigkeit nur schluckweise trinken kann. Irgendwann wird das Wasser so warm, dass ich nur noch einen Teebeutel benötigt hätte, um mir ohne Kocher einen Tee zuzubereiten.

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Gegen 10:30 Uhr lege ich wieder meine obligatorische Pause ein. Diese Pause wird bis zum Abend dauern. Eine Militärpatrouille mit Gewehren auf dem Dach rast hupend an mir in gebührender Entfernung vorbei. Einer der Fahrer streckt den Daumen in der Waagrechtenten aus dem Fenster. Als ich meinen Daumen in die Höhe strecke weiß er, dass alles ok ist.

Gegen Mittag erreichen die Temperaturen wieder ihre Höchststände von 62 Grad. Immer wieder richte ich die Karre neu aus, um möglichst viel Schatten zu haben. Während ich so im Sand liege, mache ich mir darüber Gedanken, wie es weiter gehen soll.

Es gab einige unumstößliche Fakten. Ich hatte Angina und Fieber und überflüssigerweise gesellte sich auch noch eine Erkältung dazu und ich fing an, den Schleim aus den Lungen zu Husten. Ich bekam während der größten Hitze Schwindelanfälle und ich spürte deutlich, wie die Kräfte nachließen. Bei dem derzeitigen Wasserverbrauch war es unmöglich, das nächste Wasserdepot zu erreichen. Selbst wenn ich eine Abkürzung nehmen würde, wäre das Wasser zu Ende, bevor ich am Depot ankommen würde.

In Situationen wie diese muß man die Fakten sorgfältig abwägen. Falscher Stolz und Fehleinschätzung der Lage, der Resourcen und der eigenen Leistungsfähigkeit sind fehl am Platz. Auch wenn man noch so viel Zeit und Energie in die Vorbereitung gesteckt hat wird man nicht umhinkommen und die schmerzvolle aber notwendige Entscheidung zu treffen: Abbruch!

Es gab keinen Grund zur Sorge oder gar Panik. Selbst in einer kritischeren Situation sollte man einen kühlen Kopf bewahren. Ich hatte noch Wasser für mindestens vier Tage. Man könnte mich locker in zwei Tagen abholen. Im äußersten Notfall sogar schneller.

Ich greife zu meinem Satellitentelefon und wähle die Nummer von Shambu, meinem Kontaktmann für alle Fälle. Das Telefon gibt das Signal und ich warte...

Shambu meldet sich auf der anderen Seite. Hallo Shambu, ich bins, Alex. Hallo, hallo... Er legt wieder auf...
Ich versuche es nochmal. Gleiches Ergebnis. Hallo, hallo... und er legt wieder auf. :shock: Ich hatte den Verdacht, dass Shambu mich aus irgendeinem Grund nicht verstehen konnte. Ich versuchte es ein drittes und ein viertes Mal, mit dem gleichen enttäuschenden Ergebnis.

Ich überlege scharf. Ich komme bei Shambu nicht an. Ich brauche aber eine Möglichkeit, um mit ihm zu kommunizieren, um ihm meine Lage zu schildern. Ich schreibe Shambu eine SMS und schildere ihm die Lage und die Vermutung, dass er mich nicht hören kann. Ich schreibe ihm auch, dass ich ihn nochmals anrufen werde und er, auch wenn er mich nicht verstehen kann mir bestätigen soll, dass er meine SMS erhalten und verstanden hat. Ich sende die SMS ab...

Ca. 15 Minuten später rufe ich Shambu wieder an. Hallo, hallo... Alex? I reveived your message! Bingo! Es hat geklappt. Ich schicke noch einige SMS und lasse mir den Erhalt durch einen Anruf bestätigen.

Während ich in meiner Tasche krame, fällt mir das Headset meines Satellitentelefons in die Hände. Hmmmm.... Was wäre, wenn nur die Sprecheinheit des SatPhones defekt wäre. Dann müßte es theoretisch mit dem Headset funktionieren. Ich stecke den Stecker meines Headsets in das Satellitentelefon und drücke auf die Wahlwiederholung. Ungeduldig warte ich, bis Shambu das Gespräch annimmt.

Hello Shambu, it's me. Hello Alex... Wir hatten wieder Zweiwegekommunikation :)

Schnell wurden die notwendigen Informationen ausgetauscht. Die Abholung erforderte keine Eile, da ich noch genügend Wasser hatte. In zwei Tagen würde Shambu Issam aus Muscat vorbeischicken.

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Was hat hier eine gläserne Coca Cola Flasche zu suchen? 8) Die Szene erinnert mich an den Kult - Film "Die Götter müssen verrückt sein" :) Die Flasche scheint schon länger hier zu liegen. Der braune Saft ist dem Sand gewichen. Allerdings werde ich nicht wie der Stammteshäuptling Xi mit der Flasche bis ans Ende der Welt laufen, um sie den Göttern zurückzubringen. :wink:

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Ein Satellitentelefon ist nur so gut wie die Person, die ich am anderen Ende erreichen kann. Es nützt nichts, zuhause einen guten Onkel oder einen netten Bekannten sitzen zu haben, der im Notfall erreichbar ist. Ich mußte schon häufig feststellen, dass ein Satellitentelefon eine falsche Sicherheit vermittelt. Was nützt mir ein Telefon, mit dem ich so lange telefonieren kann, bis die Akkus leer sind, ich aber keine kompetente und vor allem schnelle Hilfe bekommen kann. Mit diesen Gedanken beschließe ich den Tag

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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon martin1101 » 02.12.2014 13:30

Hallo Alexander -

Bericht wie immer erstklassig & spannend
Fotos und Landschaft umwerfend !
hast wohl eine neue Wanderheimat gefunden :)
alles Gute
Martin
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Alexander » 02.12.2014 18:31

Danke Martin!

Ich denke auch, dass ich eine neue Heimat gefunden habe. Es gibt noch einiges zu sehen und zu durchlaufen und denke nicht, dass es mir in nächster Zeit dort langweilig werden wird. ;-)

Grüsse
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub al Khali

Beitragvon Angelika Baumann » 18.12.2014 11:57

Hallo,

nun sitzen wir in Salalah am Strand und hatten gehofft, hier eine weitere Fortsetzung der "Sound of Silence"-Story zu lesen. Aber leider... :cry: Nun bleibt es uns wohl nicht erspart, selber Richtung RAK zu fahren... :)

Viele sonnige Grüße aus Oman

Angelika und Uwe
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub al Khali

Beitragvon Alexander » 18.12.2014 18:29

Hallo Geli und Uwe,

ich hoffe, ihr seid nicht zu sehr enttäuscht. Mir fehlt gerade etwas die Muse, verspreche aber, dass ich zwischen den Feiertagen weiterschreiben werde. ;-)

Euch beiden gute Reise, einen guten Rutsch und viele Abenteuer in der RAK

Viele Grüsse
Alexander
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub al Khali

Beitragvon luise » 29.12.2014 21:07

Mir fehlt gerade etwas die Muse, verspreche aber, dass ich zwischen den Feiertagen weiterschreiben werde.


Wir warten! :bang: :h:
mfg aus M. von L.
luise
 
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub al Khali

Beitragvon Alexander » 30.12.2014 18:32

Hallo luise,

luise hat geschrieben:Wir warten! :bang: :h:


Na gut, ich gebe dem Druck nach. :mrgreen: Heute gibt es noch die eine oder andere Fortsetzung. Versprochen. ;-)

Grüsse
Alexander
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub al Khali

Beitragvon Alexander » 30.12.2014 18:51

Schlaflosigkeit

Der Mond hat fast seine volle Größe erreicht. Das bedeutet der Vollmond geht am Abend auf und geht am Morgen unter. Entsprechend hell ist die Nacht und es fällt mir nur schwer den nötigen Schlaf zu finden. Ich hätte aus dem Flieger die Augenbinde mitnehmen sollen. Ob ich mich im Sand hin und her wälze oder ob ich mich früher auf den Weg mache, macht keinen Unterschied. Ohne Sonne läuft es sich auch einfach angenehmer. Also den Schlafsack in den Rucksack gestopft und weiter geht es Richtung Norden.

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Die Spuren, die meine Karre im Sand hinterläßt, können mit den Großen natürlich nicht mithalten ;-)

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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub al Khali

Beitragvon Alexander » 30.12.2014 18:54

Begegnungen

Gelegentlich lege ich eine Pause ein. Besonders, wenn die Natur mit ihrer Schönheit übertrieben hat, oder einfach, wenn es der Körper verlangt. Ich kaue dann auf einem Proteinrigel und trinke ein paar Schluck Wasser. Und: nach dem Essen sollst du schlafen :-) Man möchte jetzt meinen, in der Wüste ist es immer ruhig und still. Nur der Wind weht und es sollte kein Problem sein, den gewünschten Schlaf zu finden. Also lege ich mich neben meiner Karre in den Schatten und schließe die Augen. Als ich gerade noch merkte, dass ich dabei war, ins Land der Träume zu begeben, hörte ich Motorengeräusche :|

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Ich begebe mich also wieder in eine bequeme Sitzposition und kann gerade noch aufstehen, als drei weiße Toyotas vor mir anhalten.

Die Türen der Fahrzeuge werden förmlich aufgesprengt. Drei Fahrzeuge voller Frauen, dem Tour Guide und den Fahrern. Der Guide und die Frauen stürzen sich auf mich: Everything ok? Are you lost? (alles ok? Hast du dich verlaufen?) Ich und verlaufen? Pah, kann ja wohl nicht sein, denke ich mir. Ich versichere, dass alles bestens sei und erwähne nur kurz die Probleme mit meiner Angina. Wie wild beginnen die Frauen sich untereinander zu unterhalten. Ich verstehe kein Wort aus dem italienischen Wirrwarr. Sie kramen in ihrem Gepäck und strecken mir alle möglichen Pillchen und Tabletten entgegen. Ich frage natürlich, um was es sich da handle. Ich möchte nicht versehentlich eine Anti Baby Pille zur Heilung meiner Angina einnehmen. Der Tour Guide, ebenfalls Italiener eilt mir endlich zu Hilfe. Er kämpft sich mutig durch die weibliche Barriere, die sich vor mir aufgebaut hat. Er nennt mir die Namen der Medikamente, die mir allerdings soviel sagen, wie das arabische Alphabet. Der Guide erklärt mir, dass hier ist Antibiotika. Da ich eine kronische Allergie gegen das Medikament habe, lehne ich dankend ab und entscheide mich für das Medikament, dass Aspirin am nächsten kommt. Packungsbeilage und einen guten Rat von meinem Arzt oder Apotheker gibt es nicht. Aber ich vertraue den Italienern. Ich esse ja auch italienisches Eis. Warum nicht auch italienische Medikamente? 8)

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Die Frauen bemerkten nun, dass ich nicht mit dem unmittelbaren Ableben durch Verdursten oder sonstigen Widerwärtigkeiten beschäftigt war, was einen durchaus beruhigenden Eindruck auf sie machte. Grund genug die Medikamente wieder einzustecken und an dessen Stelle die Kameras auszupacken. Ich kam mir vor wie Ronald Reagan bei der Amtseinführung als Präsident der Vereinigten Staaten. Die Kameras wurden auf diesen verrückten Deutschen abgefeuert. Insgeheim hatte ich schon die Befürchtung, dass ich einigen der Bilder auf Facebook begegnen werde.

Der Guide bietet mich noch an mit ihm mitzukommen. Für mich und meine Karre wäre genug Platz und er hätte in der Nähe ein Camp. Ich muss erst mehrmals dankend aber bestimmt ablehnen. Obwohl ich es als durchaus interessante Alternative in Betracht zog einige Tage mit einer Schar italienischer Mädels zu verbringen. 8) Aber ich bin ja wegen der Ruhe hier...

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Ich weiß nicht, wie lange diese Begegnung dauerte. Trotz dieser netten und hilfreichen Menschen war ich froh, als sich die Toyotas wieder in Bewegung setzen und in Richtung Süden abzogen. Einige Minuten später war ich wieder alleine...

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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub al Khali

Beitragvon Alexander » 30.12.2014 19:35

Barrieren

Man kann herrlich durch die Rub al Khali fahren oder laufen. Vielerorts machen es einem die flachen und harten Sebkhas einfach. Doch irgendwann werden die weiten Ebenen durch Sandverwehungen und kleinere Dünen unterbrochen. Was für den routinierten Allradfahrer eine leichte Übung ist, stellt einen Wüstenwanderer vor eine größere Herausforderung. Wie in diesem Fall.

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Links und rechts Riesendünen und eine kleine, nicht mal zwei Meter hohe versperrt die Strecke. Das große Frage lautet immer: Wo gehts drüber? Mangels Übersicht gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder stur über die Düne und man läuft Gefahr in noch schwierigeres Gelände zu geraten. Oder man klettert auf die nächste hohe Düne und verschafft sich einen Überblick.

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Häufig offenbart sich erst von oben die ganze Schönheit der Dünenlandschaft.

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Die kleine Düne verliert sich am Westrand. Ein Umweg von einigen 100 Metern ersparen mir das Abladen und wieder Beladen der Karre, wozu ich eigentlich auch keine Lust mehr hatte, da die Schatten schon länger wurden und sich der Sonnenuntergang ankündigte.

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