Auswärtiges AmtAuswärtiges Amt hat geschrieben:Nigeria:
Stand 27.08.2015
(Unverändert gültig seit: 27.08.2015)
Letzte Änderung:
- Aktuelle Hinweise
- Landesspezifische Sicherheitshinweise - Teilreisewarnung
- Medizinische Hinweise
Aktuelle Hinweise
Medizinischer Hinweis
Bis Ende Juli sind in Nigeria und Niger 2015 mehr als 12.000 Fällen von bakterieller Meningitis mit mehr als 800 Toten aufgetreten. In Nigeria handelt es sich vor allem um Infektionen durch Meningokokken der Serogruppe C im Nordwesten des Landes. Eine Meningokokkeninfektion ist ein medizinischer Notfall und muss umgehend antibiotisch behandelt werden. Die Einnahme bestimmter Antibiotika nach direktem Kontakt mit einem Meningokokkenerkrankten kann die Ansteckung verhindern. Die wichtigste vorbeugende Maßnahme vor Einreise in Länder des Meningitisgürtels, zu denen Nigeria gehört, ist die Impfung mit einem 4-fach Impfstoff gegen Meningokokken A, C, W135, Y, insbesondere bei Aufenthalt in den betroffenen Regionen.
Landesspezifische Sicherheitshinweise - Teilreisewarnung
Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in die nördlichen Bundesstaaten Borno, Yobe, Adamawa, Bauchi, in den nördlichen Teil von Plateau State (Jos und Umgebung) sowie nach Kano, Kaduna, Katsina, Gombe, Jigawa, Zamfara, Kebbi, Sokoto sowie vor Reisen in den Bundesstaat Kogi.
Das Auswärtige Amt rät darüber hinaus auch von nicht notwendigen Reisen in die übrigen Landesteile Nordnigerias ab.
Abgeraten wird weiterhin von Reisen in die Bundesstaaten Delta, Bayelsa, Rivers, Imo, Abia und Akwa Ibom und die vorgelagerten Küstengewässer. Im Golf von Guinea besteht zudem eine erhöhte Gefährdung durch Piraten.
Darüber hinaus kommt es in den nördlichen Landesteilen fortgesetzt zu terroristischen Gewaltakten, wie z.B. zu Angriffen und Sprengstoffanschlägen militanter Gruppen auf Sicherheitskräfte, Märkte, Schulen, Kirchen und Moscheen.
Seit Mai 2013 besteht in den Bundesstaaten Borno, Yobe und Adamawa der Ausnahmezustand. Obwohl es den nigerianischen Sicherheitskräften in den letzten Wochen gelungen ist, die meisten von Boko Haram besetzten Orte wieder zurückzugewinnen, stehen Teile dieser Bundesstaaten nicht unter der effektiven Kontrolle der Regierung. Deshalb besteht bei einem Aufenthalt dort ein massives Sicherheitsrisiko.
Das Risiko von Entführungen ist in ganz Nigeria gegeben.
In den nördlichen Landesteilen Nigerias besteht ein erhöhtes Risiko gezielter Entführungen und krimineller Übergriffe. In jüngster Zeit hat das Entführungsrisiko innerhalb der Bundesstaaten des Middlebelt Niger, Kwara, Nasarawa, Benue und insbesondere Kogi zugenommen.
Neben allen Bundesstaaten im Norden sind besonders die Bundesstaaten Abia, Imo, (insbesondere die Hauptstadt Owerri), Akwa Ibom, Anambra, Ebonyi, Edo, Enugu, Delta Rivers und Bayelsa von Entführungen betroffen.
Zu Entführungsfällen kam es in der Vergangenheit auch in Ogun State (im Norden des Bundesstaats Lagos) in der Umgebung der Express Ways A1 und A121 im Bereich Shagamu, sowie im Bundesstaat Lagos.
Aufgrund der vielerorts angespannten politischen Situation, aber auch im Hinblick auf rein kriminelle Entführungen mit dem Ziel der Lösegelderpressung, sollte ein Aufenthalt in den genannten Regionen nur dann erwogen werden, wenn umfassende und professionelle Sicherheitseinrichtungen einer Organisation (z.B. Unternehmen) in Anspruch genommen werden können (gesicherte Transporte, gesicherte Unterkünfte).
In der Hauptstadt Abuja und in ihren Vororten kam es wiederholt zu Bombenanschlägen. Reisenden nach Abuja wird zur besonderen Vorsicht und Zurückhaltung beim Besuch öffentlicher bzw. öffentlich zugänglicher Einrichtungen und Plätze geraten. Darüber hinaus finden hier wie im ganzen Land immer wieder Kontrollen und einschränkende Maßnahmen der Sicherheitskräfte statt.
Auf der ca. 25 km langen Verbindungsstraße zwischen dem Nnamdi Azikiwe Flughafen und Abuja kam es wiederholt zu Überfällen auf Reisende. Es wird geraten für diese Überlandfahrt ein gut gesichertes oder gepanzertes Fahrzeug zu nutzen. Nachts sollte von einer Benutzung der Straße gänzlich abgesehen werden.
Beim Besuch größerer Städte wird zu Vorsicht geraten. Insbesondere größere Menschenansammlungen sollten gemieden werden. Eine Anschlagsgefahr besteht auch in anderen Metropolen.
Darüber hinaus können in Nigeria, meist kaum vorhersehbar, in allen Regionen lokale Konflikte aufbrechen. Ursachen und Anlässe der Konflikte sind meist politischer, wirtschaftlicher, religiöser oder ethnischer Art. Meist sind diese Auseinandersetzungen von kurzer Dauer (wenige Tage) und örtlich begrenzt (meist nur einzelne Orte, in größeren Städten nur einzelne Stadtteile).
Reisen innerhalb Nigerias
Von Busreisen im Land wird abgeraten.
Autofahrten, insbesondere über Land, sollten nur mit ortskundigen und zuverlässigen, möglichst persönlich bekannten und einheimischen Personen durchgeführt werden, vorzugsweise im Konvoi. Fahrten bei Dunkelheit sollten in jedem Fall wegen erhöhter Überfallgefahr sowie der teils katastrophalen Straßenzustände vermieden werden. In weiten Regionen muss auch bei Tag mit Überfällen gerechnet werden. Im gesamten Land kommt es immer wieder zu Engpässen in der Versorgung mit Benzin und Diesel.
Mit kurzfristiger Sperrung der Grenzübergänge in die Nachbarstaaten Kamerun, Tschad und Niger durch die Sicherheitskräfte muss gerechnet werden. Diese können zum Teil auch länger andauern. Auch örtliche Ausgangssperren sind kurzfristig möglich.
Die Kommunikation mit Mobiltelefonen kann infolge von Anschlägen, bei denen oftmals auch Mobilfunkeinrichtungen betroffen sind, eingeschränkt sein.
Reisende sollten sich vor Reisen in Nigeria stets in nigerianischen und internationalen Medien über die aktuelle Sicherheitslage informieren.
Kriminalität
Das Auswärtige Amt rät dringend davon ab, Reisen nach Nigeria aufgrund von betrügerischen Geschäfts- und sonstigen Kontakten, insbesondere Internetbekanntschaften,durchzuführen. Beachten Sie hierzu unbedingt die Hinweise der Botschaft Abuja und des Generalkonsulats Lagos zum sogenannten Vorauszahlungsbetrug auf der gemeinsamen Internetseite von Botschaft und Generalkonsulat im Kapitel Informationen der Rechts- und Konsularabteilung unter www.nigeria.diplo.de/.
Die Kriminalitätsrate in Nigeria ist hoch. Insbesondere in der Wirtschaftsmetropole Lagos kommt es immer wieder zu Serien bewaffneter Überfälle, auch in den von Ausländern bevorzugten Stadtgebieten Victoria Island, Ikoyi, Lekki und Ikeja. Zum Schutz vor Diebstahl und Raub wird empfohlen, Barmittel, Fotoausrüstung und andere Wertgegenstände vor Blicken Dritter zu schützen, auf das Tragen von Schmuck vor allem auf öffentlichen Plätzen/Märkten zu verzichten und keine Kreditkarten einzusetzen. Für den Fall eines bewaffneten Raubüberfalls wird dringend geraten, keinen Widerstand zu leisten und Wertgegenstände herauszugeben.
Weltweiter Sicherheitshinweis
Es wird gebeten, auch den weltweiten Sicherheitshinweis zu beachten:www.auswaertiges-amt.de
Medizinische Hinweise
Aktuelle Hinweise
Die WHO hat Nigeria am 05.05.2014 aufgefordert, alle Reisenden, die das Land verlassen zu ermutigen, sich vor Ausreise gegen Poliomyelitis (Kinderlähmung) impfen zu lassen. Dies betrifft nur Reisende, die sich länger als vier Wochen im Land aufgehalten haben. Die Impfung sollte gemäß WHO nicht älter als ein Jahr sein und sollte spätestens vier Wochen vor Ausreise erfolgt sein. Bei kurzfristiger Ausreise reicht auch der Nachweis einer aktuell durchgeführten Impfung. Diese kann mit dem Injektionsimpfstoff (IPV) oder mit einem oralen Impfstoff (OPV) erfolgen. Letzterer ist in Deutschland nicht mehr verfügbar. Die Impfung sollte als separate Impfung (auch bei Verwendung von Kombinationsimpfstoffen) gut erkennbar in dem vorgesehen Feld im internationalen Impfzertifikat (unter der Gelbfieberimpfung) eingetragen werden.
Für alle anderen Reisenden ist ein Impfschutz dringend empfohlen, dieser ist regulär zehn Jahre wirksam.
2015 kam es in Nigeria zu einem Vogelgrippeausbruch, der zur Vernichtung von 1,4 Millionen Vögeln führte (letzter Fall 28.05.2015). Infektionen beim Menschen sind nicht aufgetreten.
Impfschutz
Bei Einreise aus einem Gelbfieberinfektionsgebiet wird für alle Reisenden, die älter als ein Jahr sind, eine Impfung innerhalb der letzten zehn Jahre gegen Gelbfieber gefordert. Grundsätzlich ist eine Gelbfieberimpfung medizinisch sinnvoll und wird allen Einreisenden empfohlen.
Bei Einreise aus afrikanischen Staaten auf dem Landwege kann es vorkommen, dass auch der Nachweis einer Impfung gegen Cholera oder Meningokokken-Krankheit verlangt wird, bei Einreise aus Europa der Nachweis einer Impfung gegen Gelbfieber, Meningokokken, Cholera und Polio.
Während der Trockenzeit (Dezember-April) kommt es in den Ländern des „Afrikanischen Meningitisgürtels“, wozu Nigeria gehört, regelmäßig zu Meningokokken–Epidemien (s. o. aktuelle Hinweise). Die Impfung mit einem 4-fach Impfstoff (ACW135Y) wird allen Reisenden, insbesondere für den Norden des Landes, empfohlen.
Das Auswärtige Amt empfiehlt weiterhin, die Standardimpfungen gemäß aktuellem Impfkalender des Robert-Koch-Institutes www.rki.de für Kinder und Erwachsene anlässlich einer Reise zu überprüfen und zu vervollständigen. Dazu gehören für Erwachsene die Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis (Keuchhusten), Mumps, Masern, Röteln, Windpocken und Influenza.
Als Reiseimpfungen werden Impfungen gegen Polio, Hepatitis Aund Typhus, bei Langzeitaufenthalt oder besonderer Exposition auch gegen Hepatitis B und Tollwut empfohlen.
Malaria
Es besteht ein ganzjähriges hohes Infektionsrisiko. Die Übertragung erfolgt durch den Stich blutsaugender nachtaktiver Anopheles-Mücken. Unbehandelt verläuft insbesondere die gefährliche Malaria tropica (über 95% der Fälle in Nigeria!) bei nicht-immunen Europäern häufig tödlich. Die Erkrankung kann auch noch Wochen bis Monate nach dem Aufenthalt ausbrechen. Beim Auftreten von Fieber in dieser Zeit ist ein Hinweis an den behandelnden Arzt auf den Aufenthalt in einem Malariagebiet notwendig.
Je nach Reiseprofil ist deshalb eine Chemoprophylaxe (Tabletteneinnahme) notwendig. Für die Malariaprophylaxe sind verschiedene verschreibungspflichtige Medikamente (z.B. Atovaquon/Proguanil, Doxycyclin, Mefloquin) auf dem deutschen Markt erhältlich. Die Auswahl der Medikamente und deren persönliche Anpassung sowie Nebenwirkungen bzw. Unverträglichkeiten mit anderen Medikamenten sollten unbedingt vor der Einnahme mit einem Tropenmediziner/Reisemediziner besprochen werden.
Aufgrund der mückengebundenen Infektionsrisiken wird allen Reisenden empfohlen:HIV/AIDS
- körperbedeckende helle Kleidung zu tragen (lange Hosen, lange Hemden),
- ganztägig (Dengue) und in den Abendstunden und nachts (Malaria!) Insektenschutzmittel auf alle freien Körperstellen wiederholt aufzutragen,
- unter einem Moskitonetz zu schlafen.
HIV/AIDS ist im Lande ein großes Problem. In Nigeria leben über 3 Millionen Menschen mit der chronischen Virusinfektion. Durch sexuelle Kontakte, bei Drogengebrauch (unsaubere Spritzen oder Kanülen) und Bluttransfusionen besteht grundsätzlich ein hohes Risiko. Kondombenutzung wird immer, insbesondere bei Gelegenheitsbekanntschaften empfohlen.
Durchfallerkrankungen und Cholera
Es kommt immer wieder zu Cholera-Epidemien, die wie zuletzt in 2011 auch größere Ausmaße, mit mehreren tausend Fällen, annehmen können. Durch eine sorgfältige Lebensmittel- und Trinkwasserhygiene lassen sich jedoch die Cholera wie auch die meisten Durchfallerkrankungen verhindern.
Die Cholera(schluck)impfung bietet guten Schutz und kann bei Einreise auf dem Landwege gelegentlich gefordert werden. Für den normalen Reisenden und Touristen ist sie aus medizinischen Gründen jedoch nicht notwendig.
Weitere Infektionskrankheiten
Dengue-Fieber
Das Dengue-Fieber kommt vereinzelt vor, wenn auch die Dunkelziffer durch nicht vorhandene spezifische Labordiagnostik höher sein mag. Es wird durch den Stich hauptsächlich tagaktiver, infizierter Mücken übertragen. Es lässt sich auf Grund der Symptome zu Beginn nicht sicher von Malaria unterscheiden. In Einzelfällen können ernsthafte Gesundheitsschäden - selten auch mit Todesfolge - auftreten. Eine Impfung oder Chemoprophylaxe ist nicht möglich. Konsequente Barrieremaßnahmen (Schutz vor Mückenstichen, s.o.) sind die einzig möglichen Schutzmaßnahmen.
Schistosomiasis (Bilharziose)
Die Gefahr der Übertragung von Schistosomiasis besteht beim Baden in Süßwassergewässern im gesamten Land. Baden im offenen Süßwasser sollte daher grundsätzlich unterlassen werden.
Lassa-Fieber
Dieses hämorrhagische, das heißt Blutungen verursachende Fieber kommt in einigen Bundesstaaten vor (mehrere hundert Krankheitsfälle pro Jahr). Es betrifft i.d.R. die Landbevölkerung. Besonders der Bundesstaat Edo (S) wurde betroffen (>80 % der Fälle 2012). Die Virusinfektion wird durch Kontakt mit Ausscheidungen von infizierten Nagetieren (einer bestimmten Spezies von Feldratten) übertragen. Die Ansteckung erfolgt überwiegend aerogen über zerstäubten Rattenurin im Bereich der Rattenbiotope oder über die Nahrungszubereitung (die Ratte wird lokal gegessen). Auch ein direkter Kontakt Mensch zu Mensch führt zur Übertragung, weshalb Erkrankte in Spezialeinheiten von Krankenhäusern isoliert werden. Vorsicht ist auch bei Reisen unter einfachen Bedingungen angezeigt. Drei Viertel der Infektionen verlaufen jedoch ohne klinische Symptome; eine Behandlung kann mit speziellen antiviralen Medikamenten erfolgen, eine Impfung existiert nicht.
Tollwut
Tollwut wird durch Biss und Speichel infizierter Tiere (meist Hunde, aber auch Fledermäuse, Affen oder andere Wildtiere) übertragen. Einziger möglicher Schutz ist die Impfung bzw. die Vermeidung von Tierkontakten. Eine passive Impfung nach Biss oder Kontakt ist - wenn überhaupt - sehr begrenzt erhältlich.
Medizinische Versorgung
Die medizinische Versorgung im Lande ist mit Europa nicht zu vergleichen. Sie ist vor allem im ländlichen Bereich vielfach technisch, apparativ und /oder hygenisch problematisch. In den großen Städten findet man jedoch einige Privatkliniken mit besserem Standard. Ein ausreichender, in Nigeria gültiger Krankenversicherungsschutz und eine zuverlässige Reiserückholversicherung sind - ebenso wie die Mitnahme einer gut ausgestatteten Reiseapotheke - dringend empfohlen.
Lassen Sie sich vor einer Reise durch eine tropenmedizinische Beratungsstelle/einen Tropenmediziner/Reisemediziner beraten, beispielsweise www.dtg.org oder www.frm-web.de
Gruß
Birgitt




