Zurück aus Tunesien

Kultur, Natur, Unterkunft, Reiserouten, Sehenswürdigkeiten, Tourismus Staaten: Marokko/Sahara, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten.

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Barbara
Beiträge: 29
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Zurück aus Tunesien

Beitrag von Barbara »

Hallo Wüstenfreunde,

Wir waren über Weihnachten 2 Wochen in Tunesien. Zusammenfassend gesagt: es war SEHR schön, wir waren 7 Tage ununterbrochen ALLEINE in der Wüste bei nahezu Windstille und Sonnenschein, die Tunesier waren wie immer sehr gastfreundlich und wir haben uns immer sehr sicher gefühlt.

Nun zu einigen Details, die vielleicht einige im Forum interessieren könnten (aus unserer natürlich sehr subjektiven Sicht als Momentaufnahme):

1.) TANIT – Das neue Schiff
Ziemlich Groß – noch neu daher alles schon recht schön. Die tunesische Besatzung ist sehr stolz auf ihr neues Schiff. Einreise Procedere wie auf der Cartaghe: Zuerst Police, dann Zoll mit Eintragen Auto und dann Ausdrucken des Blauen Computerzettels. Verteilt auf insgesamt 3 Decks. Wartezeiten unverändert lange. (Zumindest auf dem ausgebuchten Weihnachtsschiff!). Die Höhen auf den PKW-Decks scheinen etwas niedriger zu sein und das Ladepersonal hat die Situation wohl noch nicht ganz im Griff. Wir alleine haben 2 PKWs gesehen die feststeckten… (Das ebenerdige Deck hat aber unverändert eine Höhe von 2,7m) Was dann zu der Verspätung von 8 Stunden sicher beigetragen hat.
Auf dem Rückweg hat das Schiffspersonal gestreikt. Dies hat sich darin geäußert dass – als alle bereit waren zum Laden- die Tanit sich „abgeschottet“ hat, d.h. Passagierbrücke war ab und innere Klappe bei den Fahrzeugdecks zu. Nach 3 Stunden wars vorbei. Ein erster Schritt zur Demokratie oder ein Rückschritt ??

2.) Einreise in Tunis
Unverändert, wir waren sehr schnell durch. Keinerlei Fragen nach GPS oder Satphone. Alle sehr freundlich

3.) Was ist neu im Land?
Zu den Jahren vor der Revolution hat sich am Straßenbild nur sehr wenig geändert. Aufgefallen ist uns aber zum einen, dass viel mehr Müll am Strassenrand liegt als in den Jahren zuvor. Tunesier haben uns hierzu erzählt dass es Probleme mit der Müllabfuhr bzw. Müllverbrennung und Streiks wegen zu geringer Löhne gibt. Zum Zweiten ist nach unserem eine größere Bautätigkeit vorhanden als zuvor. Beim Sichten eines deutschen Fahrzeugs haben alle (wie auch schon vor der Revolution) sehr freundlich reagiert. Diesmal vielleicht noch freundlicher als gewohnt.
Und viel mehr Stände mit Treibstoff (fragwürdiger) Qualität aus Plastikkanistern am Straßenrand – mit absehbaren Auswirkungen auf Grundwasser und Boden und Menschen.

4.) Sicherheitssituation
Wir hatten keinerlei Probleme. Es gibt nach wie vor Strassenkontrollen, wir wurden nie angehalten und immer freundlich durchgewunken.
Es gibt nach wie vor Militär – Garde national – Polizei
Das Militär ist wohl von der Bevölkerung sehr geachtet, Die Garde national – naja – es gibt hier wohl einige korrupte dabei. Die Polizei hat wohl an Ansehen und Einfluss stark verloren und wird von der Bevölkerung nicht mehr ernst genommen. Wir haben selber beobachtet wie bei einer Kontrolle ein Tunesier einfach weitergefahren ist – ohne Konsequenzen. In Douz ist die Polizeistation nicht mehr am zentralen Platz am Dromedardenkmal sondern weiter ausserhalb Richtung Kebili – angeblich aus Sicherheitsgründen…

5.) Campingplatzsituation
Schein unverändert zu sein. Um auf eine eventuelle Führerpflicht zu reagieren, haben wir auch ein wenig im Vorfeld recherchiert um in den Norden ausweichen zu können.
Wir waren auf den Campingplätzen im Hammamet (gut), Hammam Lif – La Pinede (Sanitär unverändert gammelig, aber wer keine Dusche braucht ist schön nahe an La Goulette) und Douz - Desert Club.
In Douz ist von der räumlichen Situation wieder alles beim alten. Brahim ist seit der Revolution nicht mehr da (aber noch in Douz wo wir ihn zufällig getroffen haben). Sophie „schmeißt“ den Laden ziemlich alleine, Abdallah ist manchmal da, manchmal mit Touren in der Wüste. Sophie ist ziemlich frustriert, zum einen wegen ziemlicher Auflagen und vieler Kontrollen der Behörden. Zum anderen sind einfach viel weniger Touristen da, sie sprach von einem Rückgang 2012 auf die Hälfte der Gäste.
In Douz wird gerade Nahe dem Pisteneinstieg nach Ksar Ghillane ein weiterer, sehr großer Campingplatz gebaut.
Auf einer einsamen ebene etwas südlich der Linie Touzeur – Gafsa haben wir einen weiteren kleinen „Campingplatz“ entdeckt. Vielleicht ganz gut für Leute die nicht ganz autark sind. Übernachtung günstig, Essen (sehr) teuer. Alles sehr sauber und liebevoll angelegt. Auch 2 Gästezimmer mit Betten. Haben als Stromversorgung PV-Anlage und kein Wasseranschluss. D.h. Duschen und Licht nur wenn am Tag Sonne war… Nichts für sehr große Gruppen.

6.) Führerpflicht
Die Situation ist für uns nach wie vor unklar.
Wir waren auf dem Campingplatz in Douz, Abdallah war natürlich klar dass wir in die Wüste wollen. Es war keine Rede von der Führerpflicht. Abdallah sagte nur „Problem, mal ist Wüste offen, mal ist Wüste zu“. Einer Gruppe auf dem Platz wurde ein Führer von Abdallah vermittelt. (Wohin die wollten wissen wir aber nicht). Die anderen (es waren nicht viele auf dem Platz) sind wohl alle alleine gefahren.
Wir sind am letzten Tag des Sahara-Festivals gestartet. Es waren keinerlei Kontrollen in Douz (vielleicht lag das auch am Sahara Festival?). Auch auf dem Weg zum Tembaine haben wir weder Touristen noch Kontrollen gesehen. Auf der Weiterfahrt Tembaine – Ksar Ghillane: Deutlich mehr Touristen, ein Großteil Alleine unterwegs, ich erinnere mich nur an eine Gruppe von Italienern die mit Führer nach Ksar Ghillane unterwegs waren. Sonst nur Einzelreisende. Die Piste nach Ksar Ghillane hat mittlerweile bereichsweise Ausmaße einer 10-spurigen Autobahn.
In Ksar Ghillane ist es deutlich ruhiger. Es fehlen die vielen weißen Djerba-Geländewägen und die Wohnmobile. Die Herrn in Uniform die herumstanden haben auch keine Anstalten zu einer Kontrolle gemacht.
Somit war zu dem Zeitpunkt als wir unterwegs waren keine Führerpflicht erkennbar.
Sophie vom Campingplatz hat uns später erzählt das Ausgangspunkt für die Führerpflicht war ein Ereignis im September: Italiener hatten wohl in der Nähe von Ksar Ghilane eine Panne und haben sich mit nur wenig Wasser und Temperaturen von 40° auf den Weg nach Ksar Ghillane gemacht: Ergebnis: Hitzschlag und ein Tunesisches Tourismusministerium das die Führerpflicht eingeführt hat.
Sophie soll alle Gäste auf die Führerpflicht hinweisen. An einem Tag gibt es Kontrollen, am nächsten Tag nicht. Sophie bereitet ein Buch vor in dem Gäste ihre Meinung zur Führerpflicht schreiben. Dieses Buch will sie dann dem Ministerium übergeben. Obs was helfen wird? Ich glaube eher nicht.
Was helfen würde wäre meines Erachtens ein besonnenes Verhalten der Wüstenfahrer. Aber auch diesmal haben wir am Verstand mancher zweifeln müssen: Wir haben beobachtet wie an der Pistenkreuzung Douz – Tembaine – Ksar Ghilane eine Gruppe durch ein offenes Zaunstück in den Nationalpark parc de Djebil gefahren ist (100m hinter dem Verbotsschild). Wenn da die Wüste irgendwann ganz geschlossen sein wird, müssen sich manche an die eigene Nase fassen…

Grüße

Barbara
landytdi300
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Re: Zurück aus Tunesien

Beitrag von landytdi300 »

Hallo Barbara,

Vielen Dank für deine Infos.

Gruß
Peter
Jochen
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Re: Zurück aus Tunesien

Beitrag von Jochen »

Hallo Barbara,

es war nett, euch wiedermal zu treffen!
Auch wir sind wieder zurück und können deine Erläuterung zur "Führerpflicht" voll unterschreiben.

Für uns war das Einchecken in die GNV Fähre "Fantastic", das einzige unangenehme Erlebnis.
Das Eincheckbüro der GNV im Außenbereich war geschlossen, wir mussten zusammen mit hunderten "Zufußpassagieren" in einer großen Halle eincheken, was gut drei Stunden dauerte...

Wir freuen uns schon auf die nächste Tunesientour!

Liebe Grüße auch an Gerald und die beiden Großen
Jochen und Bina
Klaus "Pirx"
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Re: Zurück aus Tunesien

Beitrag von Klaus "Pirx" »

Barbara hat geschrieben:5.) Campingplatzsituation
Douz - Desert Club
Zum anderen sind einfach viel weniger Touristen da, sie sprach von einem Rückgang 2012 auf die Hälfte der Gäste.
In Douz wird gerade Nahe dem Pisteneinstieg nach Ksar Ghillane ein weiterer, sehr großer Campingplatz gebaut.
Hmm,

wie paßt das zusammen? Einerseits ist die Zahl der Camping-Gäste drastisch zurückgegangen, andererseits wird ein weiterer, sehr großer Campingplatz gebaut?

Ich spekuliere mal:
- man erwartet einen Wiederanstieg der Gästezahlen über das Vor-Revolutions-Niveau hinaus
oder
- der neue Campingplatz kann seine künftige Auslastung genau vorherplanen, weil es Vereinbarungen mit Djerba-Hotels über einen Zwischenstopp auf diesem Campingplatz während der "Wüstentour" nach KG gibt
oder
- Planungen und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen sind nur was für Europäer, damit hält sich ein echter Tunesier nicht auf

Pirx
Klaus "Pirx"
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Re: Zurück aus Tunesien

Beitrag von Klaus "Pirx" »

@Barbara:
kannst Du etwas zu den Hundekäfigen auf der Tanit sagen? Aber vermutlich hat es Dich als Nicht-Hundebesitzer nicht interessiert?

@Jochen:
die gleiche Frage auch an Dich, bezogen auf die Fantastic. Kannst Du was dazu sagen?

Danke,

Pirx
Dicke
Beiträge: 6
Registriert: Do 11. Okt 2012, 14:59

Re: Zurück aus Tunesien

Beitrag von Dicke »

[quote="Klaus "Pirx""]@Barbara:
kannst Du etwas zu den Hundekäfigen auf der Tanit sagen? Aber vermutlich hat es Dich als Nicht-Hundebesitzer nicht interessiert?

@Jochen:
die gleiche Frage auch an Dich, bezogen auf die Fantastic. Kannst Du was dazu sagen?

Danke,

Pirx[/quote]
Hallo Klaus,

Ich bin im Sommer mit Jupp, Jack Russell, auf der Tanit von Tunis nach Marseille und von Genua aus mit der Karthage zurück nach Tunis.

Auf beiden Fahrten habe ich Jupp mit in die Kabine genommen. Das Personal hat auf unseren Spaziergängen durch das Schiff ausnahmslos freundlich reagiert.
Auf der Tanit gibt es auf dem hinteren Oberdeck oberhalb der Schwimmbades eine Unterbringungsmöglichkeit für Hunde. Leider kann ich dir keine genaueren Angaben über die Ausstattung machen da als ich den Raum besichtigen wollte die Tür leider verschlossen war.
Einen Labrador mit Herrchen haben wir auf der Tanit getroffen
Jupp hatte auf jeden Fall 2 Freifahrten

Grüsse aus dem sonnigen Tunesien
Matthias
Jochen
Beiträge: 65
Registriert: So 31. Jul 2005, 21:57
Wohnort: Bergisches Land

Re: Zurück aus Tunesien

Beitrag von Jochen »

Hallo Klaus,
[quote="Klaus "Pirx""]@Barbara:
kannst Du etwas zu den Hundekäfigen auf der Tanit sagen? Aber vermutlich hat es Dich als Nicht-Hundebesitzer nicht interessiert?

@Jochen:
die gleiche Frage auch an Dich, bezogen auf die Fantastic. Kannst Du was dazu sagen?

Danke,

Pirx[/quote]

Sowohl auf der GNV Fantasic als auch auf der GNV Splendit waren auf dem obersten Deck am Heck, in einem separaten Raum, recht große und auch saubere "Käfige" vorhanden.
Da sich unser Chapp aber in seiner Reisetasche wohlfühlt, haben wir dieses Paket mit in die Kabine genommen. Personal sind wir auf unseren Spaziergängen mehrfach begegnet - gab keinerlei Probleme. Auf dem dafür reservierten Teil des "Hundedecks" hat Chapp es sogar geschafft sich zu lösen.

Gruß
Jochen
Barbara
Beiträge: 29
Registriert: Fr 14. Okt 2005, 08:46

Re: Zurück aus Tunesien

Beitrag von Barbara »

@Pirx: Hundekäfige: Genauso ist es leider, wir sind zwar einmal dran vorbeigegangen und es ist uns auch nichts "Schlimmes" ins Auge gestochen, mehr kann ich aber leider nicht sagen.
Das mit dem Campinplatz verstehen wir auch nicht. Ich tendiere mal zu Deiner letzten Variante. Wo wir durchaus einen Zusammenhang konstruieren könnten sind die von Sophie angesprochenen Schikanen bei ihrem Platz (2-wöchentliche Kontrollen der Sanitäranlagen) und dem neuen Platz. Ist aber reine Spekulation.

@Jochen und Bina: War auch schön Euch mal wieder zu treffen! Ich denke spätestens in Tunesien sehen wir uns sicher einmal wieder! Oder wenn Ihr in Deutschland mal in der Nähe von uns seid, unsere Kontaktdaten habt Ihr ja wahrscheinlich noch....würden uns freuen!

Grüße

Barbara
jonas
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Registriert: Mi 14. Nov 2007, 16:02
Wohnort: Zurück in der Schweiz
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Re: Zurück aus Tunesien

Beitrag von jonas »

Guete Morge!

Vielen Dank, Barbara, für Deinen Beitrag. Das kann ich genauso auch unterschreiben. Wir waren zur gleichen Zeit da und es hat uns prima gefallen.

Ich habe es gestern Nacht nun auch endlich geschafft mal wieder zu bloggen:

Hier ist meine Reisebericht und hier das Fotoalbum (mit den gleichen Bildern, wie im Blog).

Gruss und viel Spass beim Bilder schauen :wink:
jonas


...ein kleiner Vorgeschmack:
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gülo
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Re: Zurück aus Tunesien

Beitrag von gülo »

Hallo Jonas,
einen sehr schönen Bericht hast Du da geschrieben.
Die Bilder lassen mir schon das Wasser im Munde zusammenlaufen. Ich kann es kaum abwarten bis unsere Tour am 23.03.nach Tunesien startet. ( wenn noch jemand mitfahren möchte, bitte kurz melden )
Wir waren mit 2 Fahrzeugen über Weihnachten in Marokko, -ist aber nicht zu vergleichen mit Tunesien.
Tunesien ist schon sehr zersiedelt, aber Marokko übertrifft das noch erheblich, man ist nie alleine, immer jemand da, der sich dann nach kurzer Begrüßung einfach daneben stellt und so lange stehen bleibt bis man wegfährt. Man(n) kann nicht mal pinkeln gehen ohne nicht einen Kilometer von der Piste wegzufahren.
Wir waren 3 Wochen im Land. Landschaftlich sehr schön, schöne Strände, an denen man auch entlang fahren kann, aber wildes Campen so gut wie unmöglich. Campingplätze gibt es jedoch im Gegensatz zu Tunesien sehr viele.
Die längere Anreise nach Sete, die 32-stündige Überfahrt bis Nador auf einem schmutzigen Schiff von Grande Navi Velocci, und der schlechte Service lassen mich zu der Entscheidung kommen, Marokko zu vermeiden. :kotz:
Man fähr auch sehr viele Kilometer im Land um ansatzweise etwas Sand unter die Räder zu bekommen.
Die vielen Polizeikontrollen und Radarfallen nerfen auch mit der Zeit. Von den vollkommenen undurchschaubaren Geschwindigkeitsbegrenzung ganz zu schweigen. Oft werden die Beschränkungen vergessen aufzuheben und man fährt so zu sagen in einer Grauzohne in der man nicht weis, welche Geschwindigkeit gerade angesagt ist. :twisted:
Fazit : Tunesien gefällt mir besser ! Leichter zu erreichen und in 2 Wochen zu bewältigen ! 8)

Grüße vom...
SandLover
Meine Werkstatt : Landy´s Pit-Stop in Nierstein
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