Selassie Atadika erinnert sich nun in Zeiten der Quarantäne an Garifoto:
"Als ich die weltweite Verbreitung von COVID-19 beobachtete, war mir klar, dass die Pandemie auch Afrika erreichen würde. Tage, nachdem die ersten Fälle in Ghana gemeldet worden waren, drehte sich die Diskussion unter Freunden und Familie unweigerlich um die Notwendigkeit, sich mit Vorräten einzudecken. Wenn es um Lebensmittel ging, sahen unsere Einkaufslisten alle sehr ähnlich und nur allzu vertraut aus: Sardinen aus der Dose, Corned Beef aus der Dose, "Gari" (geriebene, fermentierte und getrocknete Maniok), "Shito" (eine konservierte Chilisauce) - alles Zutaten, die das Herzstück der sogenannten "Chop Box" bilden: haltbare Lebensmittel, die viele ghanaische Jugendliche,die weltweit in den Internaten lebten, mitnahmen, um die Mahlzeiten an ihrer Schule etwas aufzupeppen. Kindheitsgeschichten wurden nun also zusammen mit den Einkaufslisten geteilt. Um zum elitären "Inner Circle" zu gehören, mussten die Sardinen damals unbedingt ohne Ausnahme von "Titus" sein, das Corned Beef von "Exeter".
Obwohl ich in Ghana geboren wurde, habe ich nie ein Internat besucht. Meine Familie zog in die USA, als ich noch in der Grundschule war. Aber die oben erwähnten Zutaten haben von meiner Kindheit an bis heute immer ihren Platz in meiner Speisekammer. Während der mageren Jahre meiner Familie als Neueinwanderer in New York in den frühen 1980er Jahren erinnere ich mich gut an das Abendessen mit "eba" (einem Teig aus Gari und heißem Wasser) mit Sardinen aus der Dose oder aber Corned Beef und "Meko" (eine frische Pfeffersauce aus Tomaten, Zwiebeln und Chilipfeffer). Jahre später aßen wir mehr und mehr frische Waren und deutlich weniger Konserven. Aber Gari blieb Bestandteil unserer Küche.
Ich erinnere mich auch, wie wir sonntags aus der Kirche zurückkamen und meine Mutter schnell etwas zu Essen zauberte. Sie machte eine Tomatensauce, rührte ein paar Eier hinein und mischte sie dann mit Gari. "Garifoto" wurde ihr Sonntagsbrunch-Special. Fast 40 Jahre später, als ich meine Eltern in New York besuchte, hatten sie immer noch einen Vorrat an Sardinen in Dosen, Corned Beef und Gari. Ich bin sicher, dass diese Zutaten eher für nostalgische Momente gedacht waren als tatsächlich Notvorräte.
Nachdem ich ausgezogen bin, wurden Gari, Shito, Sardinen in Dosen und Corned Beef Teil meines Heimwehs und waren im Laufe der Jahre immer wieder sehr praktisch. Bevor ich Köchin wurde, arbeitete ich mit den Vereinten Nationen in humanitären Fragen zusammen, und von Zeit zu Zeit hatten wir aus unzähligen Gründen keinen Zugang zu Märkten und frischen Lebensmitteln. Ich reiste vom Kosovo nach Liberia, Südsudan, Kenia, Senegal und dann mit meinem Gari und Shito zurück nach Ghana.
Nachdem ich in Accra "Midunu" gegründet habe, mussten diese Zutaten auf jeden Fall auf meiner Speisekarte stehen. Wir bieten ein Gericht an, das Gari, einen hausgemachten Shito und frische, lokal gefangene Sardinen verwendet, die in einer Sardinenform serviert werden. Ich liebe es, Wege zu finden, um Zutaten und Gerichte aus meiner Kindheit zu bewahren und die gleichzeitig dann auch bei meinen Gästen viel Anklang finden. Trotz der unterschiedlichen Erziehung verbinden uns die Zutaten und das Essen Ghanas.
Jetzt, in den Tagen der sozialen Distanzierung und Quarantäne, in denen meine Küche geschlossen ist und ich zu Hause "eingesperrt" bin, finde ich mich mit denselben Zutaten in meiner Speisekammer wieder. In diesen Zeiten der Unsicherheit und in der Hoffnung, Trost zu finden, wende ich mich dem Garifoto meiner Mutter zu. Ich möchte dieses Rezept mit Ihnen teilen und hoffe, das es Ihnen gefällt. Sie können das Gemüse auch durch anderes Gemüse ersetzen, das Sie in Ihrem Kühlschrank oder Gefrierschrank haben. Wenn Sie keine frischen Tomaten haben, können Sie Tomaten aus der Dose verwenden."
Zutaten:
- 1½ Tassen Gari (getrocknete geriebene Maniok) - kann durch gekochten Couscous oder Fonio ersetzt werden
- ¼ TL Salz (+/-) zum Blanchieren
- 60 g Karotten, gewürfelt
- 60 g grüne Bohnen, gewürfelt
- 60 g grüne Paprika, gewürfelt
- 6 EL Pflanzenöl
- 4 EL Palmöl (oder durch Olivenöl ersetzen)
- 125 g Zwiebel, gewürfelt
- 1 TL Knoblauch, gehackt
- 2 TL frischer Ingwer, gerieben
- 340 g Tomaten, entkernt und gewürfelt
- 1 TL getrockneter Pilz, Fisch oder Garnelenpulver (optional)
- ½ TL Prekese (Tetrapleura tetraptera, Piment oder Ihre Lieblingsgewürzmischung)
- 2 TL (oder nach Geschmack) gehackte Chilis
- 8 Basilikumblätter, in Streifen geschnitten
- 4 Eier, nach Wunsch gekocht
1. ¼ TL Salz in ½ Tasse Wasser auflösen. Legen Sie den Gari in eine Rührschüssel und geben Sie das Salzwasser langsam in den Gari, bis er feucht, aber nicht klatschnass ist. Fügen Sie bei Bedarf mehr Wasser hinzu.
Hinweis: Wenn Sie keinen Zugang zu Gari haben, können Sie ihn durch gekochten Couscous oder Fonio ersetzen. In diesem Fall muss es nicht mit Wasser angefeuchtet werden. Sie können Schritt 1 überspringen.
2. Karotten, Paprika und grüne Bohnen in Salzwasser blanchieren, abtropfen lassen und beiseite stellen.
3. Palmöl und Pflanzenöl in einer großen Pfanne erhitzen. Braten Sie die Zwiebeln bei mittlerer Hitze einige Minuten lang an, bis sie weich sind. Fügen Sie dann Knoblauch, Ingwer, Tomaten, Pilz/Fisch/Garnelenpulver hinzu (falls Sie das verwenden möchten), anschließend Chili, Salz und Prekese und lassen Sie das ganze köcheln, bis sich ein Eintopf entwickelt hat und die Aromen gut miteinander verschmolzen sind. Probieren, abschmecken und nach Wunsch nachwürzen.
4. Blanchiertes Gemüse hinzufügen und ca. fünf Minuten kochen lassen. Stellen Sie die Hitze auf niedrig und mischen Sie den angefeuchteten Gari unter, bis der Gari feucht, aber nicht eingeweicht ist. Der Gari nimmt die Sauce nach dem Mischen weiterhin auf. Achten Sie daher darauf, es nicht zu trocken zu machen. Vom Herd nehmen, evtl. nachsalzen.
5. Eine Tasse Garifoto auf eine Servierplatte geben, mit frischem Basilikum garnieren und mit Eiern belegen. Fertig.
Cooking in Quarantine: A Ghanaian chef's go-to Garifoto
19.04.2020 - Aljazeera
Gruß
Birgitt



