Polen | Ohne Plan und Ziel ... Ein Roadtrip durch den Süden

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen: Reiseberichte zum Informieren und Träumen, fotografisch dokumentiert. In diesem Forum findet ihr Reiseberichte als "Fotostreckenführer" zu interessanten Reisewegen.

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Birgitt
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Polen | Kleinpolen - Beskiden, Pieninen und Holzkirchen

Beitrag von Birgitt »

Der nächste Morgen - leichter Nebel zieht durch das Tal, aber es ist trocken! Dafür ist in der Nacht hier im Powiat Nowotarski die Corona-Ampel auf "rot" gesprungen :| Das bedeutet Maskenpflicht im Freien! Das muss jetzt nicht sein. Richtung Osten sieht die Welt noch deutlich "grüner" aus. Und da ja der Weg unser Ziel ist ... :wink:

Wir bleiben auf der Holzarchitekturroute. Weit ist es nicht bis zum nächsten hölzernen UNESCO-Juwel, der Erzengel-Michael-Kirche in Dębno Podhalańskie

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Die Kirche ist aus Tannen- und Lärchenholz gebaut. Komplett. Wände, Dacheindeckung, alles. Das faszinierende: es wurde kein einziger eiserner Nagel verwendet! Die einzelnen Teile sind durch Kammverbindungen miteinander verbunden, d.h. die in verschiedenen Ebenen liegenden Hölzer sind mit kammartigen Falzen ineinander gesteckt

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Zu gerne würden wir nun einmal so eine Holzkirche von innen sehen. Aber auch hier ist alles fest versperrt! Etwas ratlos und ziemlich enttäuscht stehen wir vor der verschlossenen Kirchentür. Da hören wir plötzlich Stimmen. Eine Wandergruppe mit Guide! Der Guide zückt sein Handy, wechselt kurz einige Worte und nach wenigen Minuten erscheint die Küsterin und öffnet die Pforte

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Mit so viel schönem Innenleben hatten wir nun gar nicht gerechnet! Wir hatten so eine Holzkirche innen deutlich schlichter erwartet. Der komplette Innenraum ist mit polychromen Malereien aus dem 15. und 16. Jahrhundert mit geometrischen und floralen Mustern bedeckt

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77 Muster können unterschieden werden, die in 12 Anordnungen und 33 Farbvarianten auftreten ... mehr bei Wiki

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Es geht weiter. Wir drehen eine Runde um Jezioro Czorsztyńskie, den Stausee Schorstin, der hier den Dunajec aufstaut und an beiden Ufern von Burgen gesäumt wird: Zamek Czorsztyn

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und schräg gegenüber Zamek Dunajec, auf deutsch Burg Niedzica

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Dann folgen wir noch ein paar Kilometer dem Dunajec, allerdings diesmal flussabwärts - und auf slowakischer Seite! Der wilde Dunajec zeichnet hier die Grenze zwischen Polen und der Slowakei

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und gibt von slowakischer Seite den Blick frei auf die Pieniny, die Pieninen mit dem gleichnamigen Nationalpark und dem Gipfel Trzy Korony

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Wir schauen auf Sromowce Niżne. Das Drei-Kronen-Massiv der Kronenberge, wie die Pieninen auch genannt werden, ist weithin sichtbar. Hier ist der Dunajec handzahm. Ein Stück weiter hat er ein tiefes Tal in das Pieniny-Gebirge geschnitten: Bis zu 300 Meter erheben sich die Felswände fast senkrecht zu beiden Seiten des dann schäumenden Flusses. Das Dunajec-Tal ist eins der schönsten Durchbruchstäler Europas. Von April bis September/Oktober starten hier von polnischer wie von slowakischer Seite Floßfahrten. Zwei Goralen, so werden die Bergbewohner hier genannt, steuern mit Hilfe von langen Stangen ihre Flöße über den Dunajec, folgen vielen Windungen und weichen den Stromschnellen geschickt aus und erzählen dabei ihren mitfahrenden Gästen die überlieferten Legenden. Start der Floßfahrten ist in Sromowce Wyżne bzw. Kąty. Die Reise auf dem Fluss endet in Szczawnica oder in Krościenko

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Wenn wir schon hier sind, besuchen wir auch noch das im 14. Jahrhundert erbaute Rote Kloster, Červený Kláštor. Das ehemalige Kloster liegt idyllisch an der Mündung des Lipník in den Dunajec an der alten Handelsstraße von Ungarn nach Polen

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Nun bleiben wir erstmal auf slowakischer Seite und folgen ab Hniezdne, auf deutsch Kniesen, dem Lauf des Poprad. Der Poprad begleitet uns weiter, auch als wir in Zvyšky wieder die Grenze nach Polen überqueren. Im ersten Augenblick sieht es für uns so aus, als sei die Grenze in Betrieb! Mit Schlagbaum und Warteschlangen! Als wir näher kommen sehen wir was hier los ist: die alten Grenz- und Zollgebäude in Zvyšky sind zu einem lebhaften Markt umgewandelt, auf dem so ziemlich alles angeboten wird, was man sich nur vorstellen kann.

Unseren nächsten Apfelkuchen-Boxenstopp legen wir in Muszyna ein: im Kawiarna des Regionalmuseums - eine sehr gute Adresse für leckere Torte :wink: Mittlerweile scheint auch die Sonne und wir genießen unseren Kaffee auf der Terrasse.

Bei Sonnenschein sehen auch die Holzkirchen der Karpatenregion gleich viel dekorativer aus. Die Jakobuskirche in Powroźnik, seit 2013 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes

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Fenster ...

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und Türen stehen offen. Wir erwischen genau den Moment des regelmäßigen Lüftungsturnus

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Ein letzter bewundernder Blick auf die schöne Holzarbeit

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dann steuern wir durch sanfte Hügellandschaft vorbei an unzähligen weiteren namenlosen Kirchlein zuerst Jaslo und später Krosno an. Mit dem Hotel Restauracja Śnieżka finden wir wieder ein feines Plätzchen für die Nacht: Hotel Śnieżka - booking.com / Hotel Śnieżka - Website

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Birgitt
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Polen | Karpatenvorland - Auf den Spuren von Andy Warhol in Medzilaborce

Beitrag von Birgitt »

Beim gemütlichen Frühstück blättern wir etwas durch die Zeitungen. Mehr wie Bildchen schauen ist leider nicht drin ;-) Ein pinkes Etwas zieht mich magisch an: Andy Warhol! Hier in Krosno wird zurzeit die Ausstellung "Andy Warhols Life and Death" gezeigt. Das wäre doch eine gute Idee für heute

Quelle: BWA Krosno
Quelle: BWA Krosno

Moment mal, da fällt mir etwas ein ... Andy Warhol ... stammt der nicht sogar aus Polen? Oder der Slowakei? Schnell 'mal bei Wiki nachgoogeln: Andy Warhol wurde in Pittsburgh, Pennsylvania, geboren. Hmmmm, USA, vielleicht vertue ich mich ja. Weiter steht dort: Seine Eltern Ondrej Varhola (amerikanisiert zu Warhola) und Julia Justyna waren Immigranten aus dem Dorf Miková bei Medzilaborce in den Karpaten. Also doch! Seine Wurzeln sind in den Karpaten. Und wir sind gerade im Karpatenvorland. Wieso also "nur" eine Ausstellung in Krosno ansehen, wenn das "Original" zum greifen nah ist?

Nur 90 km sind es bis Medzilaborce, mehr nicht. Das Wetter ist traumhaft, die Fahrt durchs Karpatenvorland macht richtig Spaß. Wir entscheiden uns für die Nebenstrecke von Dukla über Daliowa nach Komancza. Von hier ist es ein Katzensprung zur slowakischen Grenze, und kurze Zeit später spannt Andrew Warhola bereits seinen Schirm über uns auf

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Gemeinsam mit dem slowakischen Kulturministerium hat seine amerikanische Familie 1991 hier in Medzilaborce, der Heimatregion seiner Eltern im Nordosten der Slowakei, das "Andy Warhol Museum für moderne Kunst" gegründet

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Gegensätzlicher als die ländliche Gegend der Karpaten mit ihren niedlichen Holzkirchen, das dörfliche Medzilaborce und Pop Art geht es kaum. Und die blasse pigmentlose Fassade will so gar nicht zu den knalligen Farben passen, die wir mit Andy Warhol in Verbindung bringen. Wir sind gespannt, was uns innen erwartet!

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Es wird bunt ;-) Vorbei an Warhols berühmter Campbell's-Tomatensuppendose geht es hinein ins Museum

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Fotografieren ist in der Ausstellung leider strengstens untersagt, überall hängen Kameras. Schade! Nur soviel: Ein Besuch lohnt sich! Neben Erinnerungen der Familie, gebastelten Kollagen zu Andy Warhols (kränkelndem) Leben und Wirken, sind sehr viele Originale zu bestaunen, nicht nur von Warhol, auch von Roy Lichtenstein und anderen. Es ist ein wilder, super spannender und interessanter Mix, der uns hier präsentiert wird.

Eintritt 4 Euro p.P. (in der Slowakei sind wir wieder in Euroland ;-) ), einen Flyer in deutscher Sprache gibts auch

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Wir verabschieden uns ...

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... und sehen zu, dass wir zurück nach Polen kommen, bevor die Corona-Ampeln hier in der Slowakei auf rot wechseln. Für den Rückweg nach Krosno wählen wir die Strecke über den Duklapass, Schauplatz einer der blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs im Zuge der Ostkarpatischen Operation. Heute ist das Dukla-Battlefield gleichermaßen Soldatenfriedhof, Mahnmal und (Freilicht-) Museum

Quelle: vhu.sk | zum vergrößern doppelklick
Quelle: vhu.sk | zum vergrößern doppelklick

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Birgitt
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Polen | Karpatenvorland - Museum der Öl- und Gasindustrie Bobrka

Beitrag von Birgitt »

Ein Nickesel! Wir entdecken eine einsame arbeitende Pferdekopfpumpe inmitten der Landschaft

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Die Wälder in der Nähe der Ortschaft Bóbrka, rund 10 km südwestlich von Krosno, waren schon im Mittelalter bekannt für ihre erdölhaltigen Böden. Schon seit Jahrhunderten wurde von den Bauern der Gegend das dort an die Oberfläche tretende "Steinöl" abgeschöpft und zu medizinischen Behandlungen des Viehs oder zur Schmierung von Achsen und Rädern verwendet. Mitte des 19. Jahrhunderts begannen dann Karol Klobassa-Zrencki, Eigentümer dieser Wälder, Tytus Trzecieski, der Besitzer der nahegelegenen Ortschaft Polanka, sowie der Chemiker und Apotheker Ignacy Łukasiewicz mit dem industriellen Abbau des Rohstoffes. Die dort betriebene Erdölmine war die erste der Welt. Zunächst wurde in einem dazu angelegten, 120 Meter langen Sickergraben sich sammelndes Öl abgeschöpft. Später wurden Bohrungen in bis zu 150 Meter Tiefe vorgenommen. Die Mine "Łukasiewicz-Trzecieski-Klobassa" hat in den Jahren bis zum zweiten Weltkrieg mehrfach die Besitzer und damit auch ihren Namen gewechselt. Nach dem Krieg erfolgte die Verstaatlichung innerhalb der Polskie Górnictwo Naftowe i Gazownictwo (PGNiG).

Die Erdölindustrie südlich von Lemberg war das Zentrum der galizischen Erdölförderung. Heute sind die Erdöllager in dieser Gegend weitgehend erschöpft. Im Jahr 2000 wurden von den in ganz Polen gewonnenen 350.000 Tonnen (nur Landförderung) nur noch 64.000 Tonnen im Süden des Landes gefördert ... mehr bei Wiki

Zwischen den Weltkriegen ist die Idee zur Schaffung eines Open-Air-Museums in diesem Erdölfördergebiet entstanden. In den 1960er Jahren wurde der Plan dann verwirklicht und es entstand das nach Ignacy Łukasiewicz benannte Museum der Öl- und Gasindustrie in Bóbrka. Klingt spannend. Ist es auch ;-)

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Geländeplan für die erste grobe Orientierung ;-) Im Eintrittsticket ist ein handlicher Flyer mit Übersichtsplan enthalten

zum vergrößern doppelklick
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Ab Mitte der 1960er Jahre wurden die bestehenden Bohranlagen und Häuser restauriert, Ende der 1970er Jahre hat man zur Vergrößerung des Ausstellungsgeländes zusätzliches Land angekauft. Zu den rund 50 Außenexponaten gehören Bohreinrichtungen aus den Anfangsjahren der Mine, zum Beispiel verschiedene handbetriebene Fördereinrichtungen für Sickergruppen und -schächte. Auch ganz aus den Anfangszeiten stammen mehrere Holzhütten, die Schmieden, Reparaturwerkstätten oder Antriebseinheiten enthalten. Zusätzlich wurden weitere Exponate von anderen Ölförderanlagen erworben, unter anderem erste mechanische Bohr- und Fördereinrichtungen mit oberirdischen Winden

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Die einzelnen Exponate sind alle auch auf englisch erklärt

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Bei den allgemeinen Erläuterungen zur Erdöl- und Erdgasgewinnung ist hingegen Phantasie gefragt ;-)

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Ignacy Łukasiewicz - als Hologramm lebendig in den Raum projiziert - begrüßt uns in seiner Apotheke. Sämtliche alte Holzhütten sind liebevoll hergerichtet und vermitteln durch modernste Projektionstechnik aktuelles Leben in vergangenen Zeiten

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Und auch wenn wir nichts verstehen, da auf polnisch, sprechen die Szenen für sich

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Es wird aber nicht nur alte Geschichte erklärt und gezeigt, sondern tatsächlich auch die Entwicklung in der Öl- und Gaswirtschaft

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bis hin zu modernen Druckregel- und Messeinrichtungen

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Birgitt
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Polen | Karpatenvorland - Unterwegs in den Waldkarpaten - Bieszczady

Beitrag von Birgitt »

Samstag Abend. Hochzeitsfeierlichkeiten überall, und wenn nicht Hochzeit, dann zumindest runde Geburtstage ;-) Wir hätten es wissen müssen! Irgendwann ergattern wir die gefühlt letzten freien Betten in einer unspektakulären und nicht erwähnenswerten Unterkunft in Sanok. Es fällt leicht, früh morgens mit sämtlichem Gepäck an Bord weiterzureisen.

Das Städtchen Sanok, oft auch Saanig geschrieben, dient als Eingangstor in die Bieszczady, die Ost-Beskiden bzw. Waldkarpaten. Wir begeben uns auf die große Bieszczaden-Schleife, mit viel Wald und den so typischen orthodoxen Holzkirchen mit ihren zwiebelförmigen Kuppeln, dem Schindeldach und den windschiefen Kreuzen. Ein hübsches Exemplar ist die St. Nikolaus Kirche in Rzepedz. Es ist Sonntag, und das 1824 gebaute Kirchlein ist brechend voll mit betenden Menschen

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Keine 5 km östlich, im Weiler Turzańsk, erwartet uns eine Großbaustelle. Die Erzengel-Michael-Kirche, die zum grenzübergreifenden UNESCO-Weltkulturerbe "Holzkirchen der Karpatenregion" gehört, erfährt gerade eine Grundsanierung

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Wanderer in den Waldkarpaten werden immer wieder von Pflanzen überwucherte Kirchenruinen und Friedhöfe entdecken. Was so romantisch anmutet, ist Ausdruck von Vertreibung und Zerstörung. Für die ukrainischsprachigen Bojken und Lemken, die in vielen Dörfern die Bevölkerungsmehrheit stellten, war in den Vorkarpaten ab Mitte des 20. Jahrhunderts kein Platz mehr - sie wurden Opfer des polnisch-ukrainischen Grenzkrieges, der direkt im Anschluss an den zweiten Weltkrieg entbrannte. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurden rd. 200.000 Menschen in andere Gegenden Polens umgesiedelt, hauptsächlich in solche, die zuvor von Deutschen bewohnt waren. Ganze Dörfer wurden damals dem Erdboden gleichgemacht. Quelle: DuMont, mehr dazu auch bei Wiki

Ein wahres Schmuckstück ist die Kapelle der Schützenden Muttergottes in Komańcza, die 1963 der orthodoxen Minderheit zugesprochen wurde. Das blau der Türme strahlt mit dem blau des Himmels um die Wette

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Wir treten ein

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und bewundern einmal mehr die Ikonen

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Die Waldkarpaten - der südöstlichste Zipfel Polens zwischen der Slowakei und der Ukraine - reichen vom Duklapass bis zur ukrainischen Grenze. Das abseits liegende, dünn besiedelte Bergland mit seinen wilden Buchenwäldern ist der urwüchsigste Teil Polens und eines der letzten vom Tourismus kaum eroberten Naturparadiese Europas. Die Buchenwälder reichen bis zu einer Höhe von 1.000 m, wo sie von baumlosen Gipfeln abgelöst werden. Diese kahlen Bergrücken oberhalb der Wälder sind das typische dieser Landschaft. 1973 wurden große Teile der Bieszczady in einen Nationalpark umgewandelt: Bieszczadzki Park Narodowy, den Bieszczady-Nationalpark. 20 Jahre später gründete die UNESCO das Biosphärenreservat Ostkarpaten

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Auch die Freunde von Schmalspurbahnen kommen hier in den Waldkarpaten auf ihre Kosten :wink: Vom Bahnhof von Cisna-Majdan aus, wo ein kleines Museum die Geschichte der Bahnlinie erläutert, verkehrt die rein touristische Waldbahn Bieszczady von Mai bis Oktober zwischen Balnica und Przysłup: Bieszczadzkiej Kolejki Leśnej

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Es ist Sonntag, der Parkplatz ist voll, denn die mehrstündige Tour mit der Bahn ist ein Spektakel für die ganze Familie

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Schon fährt wieder eine Bahn vor und spuckt ihre Passagiere aus

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Bereit zum einsteigen

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Wir verlassen die Jahrmarktstimmung des Bahnhofs mit seinen kleinen Imbissständen und widmen uns zum letzten Mal den Holzkirchen ;-) Die Erzengel-Michael-Kirche - so heißen hier nahezu alle dieser Holzkirchen! - in Smolnik, an der ukrainischen Grenze ist ein weiteres Relikt aus dem UNESCO-Repertoire. Bis 1951 griechisch-katholisches Gotteshaus, seit 1974 wird sie von der römisch-katholischen Gemeinde genutzt

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Nun reichts mit Gotteshäusern und Ikonen, sonst wächst uns noch ein Heiligenschein :wink: Wir müssen uns den irdischen Dingen zuwenden: wir brauchen noch ein Bett für die Nacht und etwas gegen den Hunger. Also wohin? Weiter nach Osten fahren können wir nicht, die Grenze zur Ukraine ist momentan pandemiebedingt geschlossen. Da bleibt uns nur der Weg nach Norden. Ich checke kurz maps.me nach irgendwelchen Highlights auf der Strecke. Und stutze. Was ist das? Ein Sehenswürdigkeits-Sternchen neben dem anderen, hochkonzentriert auf engem Gebiet in und um Premissel. Fort neben Fort ... Da müssen wir hin!

Wir geben Gas und starten durch. Über Nebenstrecken durch schöne Waldlandschaft fahren wir entlang der ukrainischen Grenze gen Norden bis kurz vor Premissel. Unser Ziel für heute ist das Schloss Krasiczyn.

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Die befestigte Schlossanlage im Stil der Renaissance und des Manierismus ist traumhaft schön! Die Außenwände waren früher mit Sgraffiti geschmückt, die teilweise wiederhergestellt wurden. Jede der vier runden Basteien ist unterschiedlich geformt. Die „Päpstliche“ ist mit einer Attika versehen, die über einem dekorativen Fries Kopien der päpstlichen Tiara des Clemens VIII. trägt. In dieser Bastei waren Gästezimmer für kirchliche Würdenträger vorgesehen. Die „Adlige“ trägt eine typisch polnische Attika mit vielen Pinakeln. Die „Göttliche“ ist mit einer Kuppel versehen und enthielt die Burgkapelle

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Die „Königliche“ mit einem spitzen Kegeldach und sechs ebenso überdachten Türmchen beherbergte seinerzeit die Königszimmer. Das passt doch perfekt ;-) Wir laden unser Gepäck aus, denn hier finden wir alles, was unser Herz jetzt begehrt: königliche Betten für die Nacht und ein ganz wundervolles Candelight-Dinner im Schlossrestaurant. Das Schloss ist nämlich, wie so oft in Polen, umgebaut zu einem Hotel: Zamek w Krasiczynie - booking.com / Zamek w Krasiczynie - Website

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Polen | Karpatenvorland - Forts und Schweijk in Przemysl - Premissel

Beitrag von Birgitt »

Nun bin ich gespannt wie ein Flitzebogen auf die vielen Forts von Przemyśl, die ich gestern auf der Landkarte entdeckt hatte. Ich markiere alle in der Karte, damit wir auch ja keins verpassen.

Wir peilen das erste Fort an. Fort XVIa. Auf einem Hügel gelegen. Doch nirgends ist auch nur der Hauch eines Forts zu sehen. Wir parken den Wagen und laufen umher. Nichts. Auch kein Stück alte Mauer. Nur Friedhof. Endlose Reihen von Gräbern. Kriegsgräber aus dem ersten Weltkrieg. Kriegsgräber aus dem zweiten Weltkrieg. Gräber aus der Zeit danach bis heute.

Ein Stück weiter ist Fort XVIb in der Karte eingezeichnet. Wir finden einen Picknickplatz auf einem Hügel. Das wars.

Fort XVI. Unser nächster Stop. Wir sind auf dem höchsten Punkt. Doch anstelle eines Forts empfängt uns ein überdimensioniertes Kreuz

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das wegen seiner Höhe und seiner exponierten Lage weithin sichtbar in der Region ist

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Wir schauen hinab auf Premissel und den San, der die Stadt teilt. Dunst liegt über dem Tal. Ganz nett, die Aussicht von hier oben. Doch eigentlich sind wir ja für etwas anderes hier. Wir suchen ein Fort!

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Doch ein Fort finden wir auch hier nicht. Statt dessen einen Skilift, dessen Pisten hinabführen in Richtung Schlosspark. Und dort unten sind auch ein paar alte Mauern erhalten. So langsam verstehen wir: die einzelnen Forts sind nicht etwa große Burg- oder Bunkeranlagen, wie ich es erwartet hatte, sondern Schutzwälle einer Belagerung. Die Festung Przemyśl bestand ursprünglich aus einem 45 km langen mit 42 Forts gespickten Ring, vielen Vorwerken und 1.000 Geschützstellungen. Und nahezu alles hat sich die Natur mittlerweile zurückgeholt. Heute sichtbar sind nur noch kleine Dinge, wie die Geländeeinschnitte der damaligen Schützengräben

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An einem der Schützengräben ist eine Erklärung zu "unserem" Fort XVI angeschlagen, sogar auf deutsch

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Die Belagerung von Przemyśl war die größte Belagerung des ersten Weltkriegs und eine schwere Niederlage für Österreich-Ungarn ... mehr bei Wiki. Die Karte bei Wikipedia zeigt sehr schön die enorme Größe des damaligen Befestungs-Rings

Karte: Wikipedia
Karte: Wikipedia

Ein bißchen enttäuscht bin ich schon. Irgendwie hatte ich mir das mit den Forts etwas spektakulärer vorgestellt ;-) Zur Versöhnung gibts nun ein leckeres Lody. Eisdielen gibts reichlich. Und durch die - teils steilen - Gassen der Altstadt mit ihrer 1.000-jährigen Geschichte flaniert es sich herrlich

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Premissel ist von Kirchtürmen und Kuppeln geprägt. Egal wo man hinblickt, ob unten

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oder oben, alles ist fein restauriert

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Im Herzen der Altstadt sitzt freundlich lächelnd der brave Soldat Schweijk. Hier in Premissel saß er im Ersten Weltkrieg in der Festung ein, wo er mit List und Witz sich Idiotie bescheinigen ließ, um sich vor dem Militärdienst zu drücken. Wer den Spuren des Antihelds aus der Satire von Jaroslav Hašek folgen möchte: es gibt eine Rad- und Wanderroute auf den Spuren von Schweijk entlang der polnisch-ukrainischen Grenze und weiter nach Tschechien

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Birgitt
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Polen | Lublin - Zamosc, das Padua des Nordens

Beitrag von Birgitt »

Wir wechseln den Bezirk. Nördlich an das Karpatenvorland schließt sich die Woiwodschaft Lublin an. Und dort hat sich Jan Zamoyski Mitte des 16. Jahrhunderts seinen ganz persönlichen Traum erfüllt: eine eigene Stadt! Benannt nach seinem Namen: Zamość. Der polnische Aristokrat, der in Padua studiert hat und dort später auch eine Professur bekleidete, ließ seine Stadt nach den Vorstellungen des venezianischen Baumeisters Bernardo Morando im Stil der italienischen Renaissance erbauen. Zamość, das "Padua des Nordens", basiert auf einem streng geometrischen Grundriss. Alle wichtigen Straßen

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münden in den 100 x 100 m großen Marktplatz. Der Rynek Wielki ist einer der schönsten Renaissance-Plätze Polens, mit stilvollen Bogengängen und phantastischen Ornamenten und Friesen an den bunten Gebäuden. Die UNESCO erklärte die Altstadt nicht umsonst 1993 zum Weltkulturerbe! Zamość ist übrigens auch die Geburtsstadt von Rosa Luxemburg - ihr Geburtshaus liegt unweit des Marktplatzes

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Hübsche Details an nahezu jedem Haus der Stadt

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Die palastartige Synagoge, ein Beispiel jüdischer, orientalisierender Spätrenaissance, dient jetzt als Kulturzentrum mit Ausstellungen, Konzerten, Workshops

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Wir übernachten gleich außerhalb der dicken Stadtmauer in dem freundlichen familiengeführten Gasthof Gościniec Kanclerz - Gościniec Kanclerz - booking.com / Gościniec Kanclerz - Website - mit großzügigem Parkplatz vor der Türe. Es sind nur wenige Schritte bis zum Stadttor

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und so drehen wir bei einbrechender Nacht noch eine Runde durch den schön illuminierten Renaissance-Traum des Jan Zamoyski

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Birgitt
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Polen | Lublin - Besuch des KZ Majdanek

Beitrag von Birgitt »

Wer mag, kann von hier aus den Nationalpark Roztocze erkunden. Wir tauchen nochmals ein in den Irrsinn der Geschichte. Wir besuchen das KZ Lublin-Majdanek

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zum vergrößern Doppelklick
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Die Dimension dieses Lagers, das mit seinen Baracken unmittelbar an den Außenbezirk der Stadt Lublin grenzt, ist unvorstellbar. Das Gelände ist so weitläufig, dass es erlaubt ist, mit dem eigenen Fahrzeug durchzufahren. Unterwegs gibt es drei Parkmöglichkeiten, von wo aus man die interessantesten Punkte des Lagers besichtigt. Außer uns sind noch zwei andere Fahrzeuge unterwegs. Wir sind also mehr oder weniger alleine auf diesem riesigen Gelände und haben Ruhe, die enorme Größe der damaligen Vernichtungsmaschinerie auf uns wirken zu lassen

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Gleich neben dem Krematorium

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ist das Mausoleum errichtet

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Ein beeindruckendes UFO-ähnliches Gebäude mit einem Durchmesser von 20 m

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LOS NASZ DLA WAS PRZESTROGĄ - Unser Schicksal ist eine Warnung für Euch
LOS NASZ DLA WAS PRZESTROGĄ - Unser Schicksal ist eine Warnung für Euch

dessen offene Bauweise die Asche und sterblichen Überreste der hier Ermordeten aus dem Krematorium und den angrenzenden Erschießungsgräben schützt

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Ohne Worte

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Schon im August 1944, einen Monat nach der Auflösung, kam der Plan auf, ein Museum auf dem ehemaligen Lagergelände zu errichten. Dieser Plan wurde schließlich im November 1944 in die Tat umgesetzt und das Staatliche Museum Majdanek als erste Gedenkstätte in Europa, die sich mit dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt, eröffnet. Als „Sammeln und Bewahren der Beweise und des Materials betreffend NS-Verbrechen, diese der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und in einer wissenschaftlichen Art zu untersuchen“ definierte das Parlament der polnischen Republik im Juli 1947 die Aufgaben des Museums ... mehr bei Wiki


Majdanek geht uns deutlich tiefer unter die Haut als Ausschwitz. Vielleicht liegt es daran, dass wir hier alleine sind und Ruhe haben. Ruhe und Zeit, den damaligen Wahnsinn sacken zu lassen

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Birgitt
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Polen | Lublin - Übernachtung in der ehemaligen Rabbi Akademie

Beitrag von Birgitt »

Die Stadt Lublin hat eine lange jüdische Tradition, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht. 1939 waren etwa 40 % der Einwohner Lublins Juden, insgesamt rund 40.000 Personen. Die meisten starben während des Holocausts in Bełżec und Majdanek; das jüdische Viertel wurde zerstört.

Mit der "Chachmei Lublin Yeshiva", der "Lubliner Schule der Weisen", gründete Meir Schapira 1930 die größte Talmudschule der Welt, in der zeitweise 200 Studenten untergebracht waren. Das 1930 erbaute Jeschiwagebäude wurde von den Nazis demoliert, später wieder restauriert und steht nun unter Denkmalschutz. In diesem Prachtbau der einst renommierten Rabbinerschule betreibt die jüdische Community von Warschau heute das sehr empfehlenswerte 4*-Hotel Ilan. Ilan - auf Hebräisch "Baum" - ein schöner Brückenschlag zu den Wurzeln der Vergangenheit: Hotel Ilan - booking.com / Hotel Ilan - Website

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Mit dem Ilan haben wir einen unerwartet spannenden Übernachtungsplatz gefunden, denn das prächtige Gebäude beherbergt nicht nur das Hotel und ein koscheres Restaurant, sondern auch eine Synagoge und ein Museum! Und als Übernachtungsgast stehen uns diese Räumlichkeiten offen.

Die Synagoge. Mal etwas anderes als immer nur hölzerne Erzengel-Michael-Kirchen ;-)

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Das Museum. Das erste seiner Art zum Chassidismus in Europa.

"I can hear the call of learning ..."

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Birgitt
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Polen | Lublin - Unterwegs in Stare Miasto

Beitrag von Birgitt »

Möchten wir koscher essen heute Abend? Nein ;-) Also ab in die City. Die niedrigen Wasserfontänen des Multimediabrunnens am Plac Litewski schimmern in zarten Pastelltönen

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Die Stadt wimmelt vor Studenten. Wir spazieren Richtung Altstadt, Stare Miasto

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Noch ein coffee-to-go? Nein ... etwas handfestes ist uns jetzt lieber

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Die Altstadt mit ihren gewundenen mit Pflastersteinen ausgelegten Gassen erstreckt sich über zwei Hügel

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Einst mit Getreidehandel in Westeuropa reich geworden, ließen sich die Lubliner Kaufleute im 16. Jahrhundert prächtige Häuser von italienischen Architekten bauen. Vieles ist schon restauriert, manches erhält noch seinen letzten Schliff

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2010 haben Bauarbeiter bei der Renovierung des Dachbodens in einem der Häuser am Marktplatz über 70 Jahre alte Glasnegative gefunden. 2.700 Stück! Unversehrt! Die Bilder zeigen den Alltag der Jahre 1914 bis 1939: Frauen, Männer, Kinder. Namen unbekannt. Arbeiter, Büroangestellte, Verletzte Soldaten im Krankenhaus, Bestattungen - Dokumente des untergegangenen jüdischen Lebens. Der Fotoschatz ist im Burgtor ausgestellt. Die Bilder sind aber auch für jedermann online zugänglich unter: Ikonografia Lublin

Die aus den Negativen entwickelten Fotos prägen nun die Altstadt. In den noch nicht restaurierten Fassaden zeigen sich an den Fenstern die Menschen von damals

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Wer nur stur nach vorne, und nicht nach links und rechts oder nach oben schaut, verpasst was ;-)

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Hunger! Wir checken die Restaurants am Rynek

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und in der Burggasse, der Lebensader der Altstadt

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Zum draußen sitzen ist es uns schon zu kühl, drinnen ist es uns momentan zu eng. Also nochmal zurück. Die Wasserspiele am Plac Litewski glitzern in der untergehenden Sonne. Wir drehen eine Runde um den Block und dann ...

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... riecht es plötzlich so verführerisch! Unsere Nase bestimmt den Weg - immer dem Duft nach :lol: und hinein ins Chisza. Der Grillmeister schürt das Feuer. Innen ist es durch große Heizstrahler mega heimelig. Obwohl das Restaurant komplett open air gestaltet ist. Es gibt leckeres Żywiec vom Fass

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und - ganz wichtig !!! - Bilder auf der für uns sonst nicht verständlichen Karte :wink:

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Zum Dessert gönnen wir uns Lublin by night

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Kitsch at it's best ...

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We love Lublin ;-)

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Birgitt
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Polen | Ohne Plan und Ziel ... Von Lublin nach Resche

Beitrag von Birgitt »

Die Polen-Karte färbt sich schon immer roter. Die anfangs großflächigen grünen Bereiche werden mehr und mehr zu kleinen Inseln auf der Landkarte und es wird immer schwieriger, grüne Fleckchen auf unserer Strecke zurück Richtung Heimat zu erwischen. Im Bogen fahren wir von Lublin nach Resche, mit erstem Sightseeing-Stop in Kazimierz Dolny, das uns von vielen unserer Gastgeber wärmstens ans Herz gelegt wurde. Kazimierz ist auch ein hübsches Örtchen, uns aber deutlich zu touristisch und "rummelig".

Worauf haben wir denn gerade Lust? Möchten wir etwas Schokoladiges von Wedel? Der traditionelle polnische Schokoladenhersteller aus Warschau ist schon lange nicht mehr in Familienbesitz. Nach der Verstaatlichung wechselten die Mehrheitseigner von PepsiCo, über Schweppes und Kraft Foods. Heute ist Wedel in japanisch-koreanischer Hand

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und so steht es blitzschnell 2:0 für Lody ;-)

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Wir fahren weiter. Aber so richtig aus den Puschen kommen wir nicht. Ständig gibt es irgendetwas interessantes zu entdecken. Und sei es nur einen alten Bahnhof ;-) Das Schmalspurbahnmuseum Wenecja ist heute leider geschlossen und verwaist. 1972 eröffnete an der Strecke der ehemaligen Zniner Kreisbahn das Muzeum Kolejki Wąskotorowej Wenecja für Liebhaber von 600-mm Schmalspurbahnen

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Noch ein kurzer Spaziergang entlang der Weichsel, dann fahren wir in einem Rutsch und ohne weitere Stopover durch endlose Apfelplantagen nach Rzeszów, wie Resche auf polnisch heißt. In Reichshof, so hieß die Hauptstadt der Woiwodschaft Karpatenvorland unter deutscher Besatzung, checken wir die Übernachtungsmöglichkeiten und ziehen keine 5 Minuten später im APART HOTEL 12 ein: APART HOTEL 12 - booking.com / APART HOTEL 12 - Website

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Birgitt
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Polen | Oberschlesien - Unterkunft in Kattowitz - Katowice

Beitrag von Birgitt »

Resche ist für uns nur ein Übernachtungsstopp. Gleich nach dem Frühstück düsen wir auf der A4 in Richtung Heimat, in Richtung Westen. Nächster Halt: Kattowitz.

Schnell finden wir in der alten Bergbaustadt eine Bleibe. Hotel Senator ist preiswert, einigermaßen ruhig, es gibt einen umzäunten Privatparkplatz direkt am Haus und innerhalb von 15-20 Gehminuten erreichen wir alle für uns interessanten Punkte der Stadt:
Hotel Senator Katowice - booking.com / Hotel Senator Katowice - Website

Gleich neben unserem Hotelparkplatz überrascht uns Katowice mit Illusionen

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Selbst als wir näher an das Gebäude gehen, können wir nicht erkennen, ob die Fenster Teil der optischen Täuschung sind und vielleicht nur aufgemalt, oder tatsächlich verbaut ;-)

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Wer auf Murals und Kunst aller Art steht, wird Kattowitz ins Herz schließen

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auch wenn der Stadtgürtel bei Einfahrt in die City dies nicht vermuten lässt

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Birgitt
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Polen | Oberschlesien - Besuch im Schlesischen Museum in Kattowitz

Beitrag von Birgitt »

Oberschlesien galt bis vor einiger Zeit als das schmutzigste Industriegebiet Europas. Von dem dunklen Industriemoloch Kattowitz ist schon lange nichts mehr übrig. Die graue Maus Katowice hat sich in einen bunten Paradiesvogel verwandelt - hip, cool und total angesagt!

Wo einst eine Kohlegrube war, wird heute Kunst ganz groß geschrieben. In der ehemaligen "Zeche Katowice" befindet sich seit 2014 das Schlesische Museum, das Muzeum Śląskie.

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Sichtbares Zeichen der einstigen Kopalnia Katowice sind die ehemaligen Fördertürme

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Dieser 45 m hohe Stahlturm ist begehbar. Ein Aufzug bringt uns bequem nach oben

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Von der Aussichtplattform haben wir den perfekten Überblick. Futuristische kubenförmige Bauten zwischen alten Backsteingebäuden der Zeche, getrennt durch geometrisch angelegte Pflanzflächen in unterschiedlichen Grünnuancen. Vergangenheit, Gegenwart, Stahl und Transparenz.

Das Museum mit Kunst von Mittelalter bis zur Moderne verteilt sich großflächig über vier Stockwerke - in die Tiefe! Wie einst die Bergarbeiter begeben sich die Museumbesucher unter Tage ...

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Von unserem Förderturm entdecken wir - mitten im Bild - eine fliegende Untertasse. Ein graues UFO scheint soeben gelandet ;-)

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Verwunderlich wäre es nicht, bei der futuristischen Szenerie

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Lost Place

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trifft auf Zukunft

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Eine faszinierende Mischung!

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Carlo
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Re: Polen | Ohne Plan und Ziel ... Ein Roadtrip durch den Süden

Beitrag von Carlo »

Hallo Birgitt,

wo wart ihr denn nicht in Polen? Sind noch einige Quadratzentimeter unentdeckt? Spannend zu sehen, dass es nicht immer tausende Kilometer entfernt sein muss, um Fernweh zu bekommen ;-)

Ciao, Carlo
Birgitt
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Polen | Oberschlesien - Spodek und die Altstadt von Kattowitz

Beitrag von Birgitt »

Hi Carlo,

da ist noch Luft für ein nächstes Mal ;-) es gibt ja noch die Mitte ... und den Norden ... :lol:


Der Landeplatz des Ufos, das Veranstaltungsherz der Stadt. Im Spodek - so heißt die fliegende Untertasse - sind Großevents, Festivals, Konzerte und Sportveranstaltungen zu Hause. Verbunden ist das futuristische Gebäude über begehbare Gründächer mit dem Kongresszentrum MCK

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Ein architektonischer Spagat zwischen enormer Baumasse und wie selbstverständlich wirkender Parklandschaft

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Symbiose aus Stahl und Glas

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Für den passenden Kontrast sorgt das monumentale Schlesische Aufstandsdenkmal auf der gegenüber liegenden Straßenseite

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1922 kam Kattowitz zu Polen, kurz zuvor war es noch die wichtigste Industriestadt im deutschen Reich. Die neue Warschauer Zentralregierung wollte Katowice auch symbolisch in Besitz nehmen. Das Alte wurde verworfen. Erker, Nischen, Türmchen und Wetterfähnchen taugten zu nichts. Neobarock und Jugendstil waren out. "Ornament ist Verbrechen" hieß es fortan. Mit Le Corbusiers "form follows function" wurden die neuen Losungen ausgegeben. "Less is more", weniger ist mehr. Stahl und Eisen anstelle von verspieltem Schnörkel. Sichtbar auch auf der Magistrale der Stadt, der Aleja Korfantego, die vom Spodek schnurgerade zum Rynek führt. Straßenbahnen flitzen im Sekundentakt in alle Richtungen

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Die Altstadt, Katowices Ausgehviertel und von der Moderne noch nicht erobert ;-) Hier reiht sich Terrassenlokal an Terrassenlokal

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Als Nachtisch gibt's dann Lody ;-)

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Birgitt
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Polen | Oberschlesien - Wilson-Schacht-Galerie in Kattowitz - Galerii Szyb Wilson

Beitrag von Birgitt »

Parken verboten

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Kein Problem, der Innenhof der Wilson-Schacht-Galerie 8 km südöstlich des Zentrums bietet Parkplätze satt. Nach der Schließung des Kohlebergwerks wurde die ehemalige Waschkaue von Schacht Richthofen (Wilson) der Zeche Giesche (heute Wieczorek) in eine Galerie für moderne Kunst umgewandelt: Szyb Wilson

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In den drei großen Sälen des Gebäudes - Teil der ERIH - European Route of Industrial Heritage - finden Happenings, Konzerte und Ausstellungen statt

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Serviert wird ein spritziger Cocktail aus Kunst, Industriearchitektur

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und verrückten Installationen

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Frieden, Peace ...

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Wer meint, bereits alles entdeckt zu haben, den leitet ein schillernder Engel ein paar Stufen hinauf

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und die Überraschungen in der verschachtelten alten Waschkaue gehen weiter

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Welcome to the Jungle ;-)

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