Algerien 1987, wir waren Twenties...
Wir, Ich, Freundin Elfi und Friedl, altgedienter Freund mit Honda 350, fuhren 1987/88 in Südalgerien unter anderem die Gräberpiste, Gara Gran Fussa, Erg Oriental richtung DepDep, Djanet und nördliches Hoggar.
Abenteuerfahrt mit einer selbstkonstruierten 2-Motoren-Allradente mit
Untersetzungsgetriebe und einer eingebauten Hydropneumatik, Höhenverstellbarkeit bis 27cm während der Fahrt..
Als ich mit Elfi in Genua begann auf das Fährschiff zu fahren, fragte sie mich, sag Schatz, das Ding ist ja nur ein Prototyp, hast du echt Vertrauen in deine Konstruktion ?
Ich sagte, klar Schatz hab ich und legte den 1.Gang rein, der sonst seidenweich in die Umschaltmechanik einrastete, (das hintere zweite Getriebe lag ja verkehrt drin..).
In dem Moment brach der Schalthebel ab und sah das blanke Entsetzen in Elfis Gesicht.
Blitzschnell ergriff ich den stets in der Seitenablage befindlichen Schraubenzieher und steckte in ebenso blitzschnell in das verbliebene Stummelloch, und sagte - indem ich gleichzeitig losfuhr - Na ? geht doch Schatz !
Ich benötigte alles an Öltemperaturanzeige, Zylinderkopftemperaturanzeige, Voltmeter, Ampermeter, Drehzahlmesser, Öldruckanzeige, einfach alles doppelt. Unterhalb der Armaturen sieht man die Luftdruckanzeige für die Höhenverstellung während der Fahrt..
Zunächst gehts auf die Südautobahn von Wien nach Genua.. noch wissen wir nicht das ich beim aufsetzen der Karosserie aufs Chassis eine der drei Benzinleitungen eingeklemmt hatte und akkurat in den italienischen Tunnels wurde es plötzlich bei vollem Tank ruckelig in der Benzinzufuhr, blitzschnell musste ich statt den zwei 25 liter-Tanks auf den 150 Liter-Zentraltank umschalten.. bei dieser Auffüllung kann ich mich an einen ungewohnt nervösen Tankwart erinnern..
In Tunesien, Hammamet am Campingplatz.
Da wir ausgedehnte Querfeldeinfahrten am Plan hatten, wurde der Theodolit (Zeiss) nochmal gecheckt und ein Standort ermittelt. 60m. Ich war zufrieden.
Gps und Smartphone kannte, hatte man damals nicht..
Kompass-Kreuzpeilung und Triangalutaion waren aber, sofern Erhebungen vorhanden, nicht viel schlechter.
Ich kannte 17 sternbilder auswendig..
Von links nach rechts:
die Honda350, Peter, Klimatechniker (Ich) Friedl, Leiter eines Jugendzentrums im roten Overall, Wolfgang, blutjunger Airbuspilot interessierte sich auch für den Deodolithen.
Mein ganzer Stolz: ein Koffer aus den Fünzigern oben am Dach..
Links oben an der Seite der Kastenente sieht man eine riesige Lufthutze durch die der Heckmotor seine Luft kriegt.. beiden Motoren hatten Zyklonfilter, eine stärkere Kurbelwelle, 2x35 PS, vergrößerten Ölfilter, und größeren montieren Ölkühler.. die Motoren blieben extrem kühl mit 110° in den Dünen..
Sandbleche hatten wir 6stk dabei um eine Sandstrasse legen zu können..
Am Rückspiegel hängend der damals obligatorische Leinenwassersack...
Die Ente hatte einen Sandtauglichkeitswert von 4,8 ein damaliger Landrover hatte vergleichweise 3,5..
Südtunesien war transit und bald waren wir in der Biskraschlucht.. Der Zoll war freundlich und schnell, die Akadyane-Kastenente war in Algerien damals ein Alltagsbild..
Einen entfernten Sturzregen mit plötzlich apokalyptisch reißenden Fluss hatte man zwar irgendwie im Hinterkopf, aber wir ignorierten es dann doch, die Zeche bezahlten wir später auf der Rückfahrt, als wir in einen reißenden Fluss gerieten und ein Motor nach dem anderen absoff.. aber dazu später..
In Ghardaia..ungewöhnlich heiß mit 39° im Winter..
Friedl in roter Moto-Montur und Elfi beim Sodasprudel Fanta
Wir überlegten ob wir den angebotenen Fennek nicht freikaufen sollten, ließen es aber, er würde ihn wahrscheinlich wieder einfangen..
Elfi war und ist noch immer eine wilde OutdoorerIn, seit Vierzig Jahren machen wir unsere Abenteuer zusammen..
Auf der Fahrt zum Erg Oriental, Richtung DepDep wurden wir von einem Unimog überholt.
Der Deutsche mit einem U-1600L-Unimogmonster titulierte uns wortwörtlich als potentzielle Selbstmörder.
Er war allein und ich sagte zu ihm: Chauvis stellen ihren vermeintlichen Überlegenheitsanspruch ungeniert zur Schau, es macht sie aber mit der Zeit einsam. Das traf ihn unvorbereitet und sah in ein versteinertes Gesicht...
Friedl - unsere halbe Lebensversicherung - war mit der 350ziger eine arme Sau, auf 100m Dünen mussten wir gelegentlich seine Kanister rauftragen, der Motor war überfordert..
Elfi, die wilde Henn, war hochtrainiert, man sieht sie mit ihren 41kg Lebendgewicht die zwei 20kg-Kanister von Friedl die 100m Düne hinauftragen.. Sie hatte damit dasselbe Gewicht am Finger als sie selber wog..
Wenn man reinzoomt sieht man das sie Arterien hat wie Kabernossi..
Also ich möchte bei 39° nicht in diesem roten Overall und Helm stecken, bei einer Fahrtgeschwindigkeit eines Rennrades..
Im Erg Oriental nach DepDep hatten wir keine Spuren..und fahren auch große Teile abseits der Gräberpiste querfeldein, kein Wellblech nachzuckeln... es ist die Illusion ein klein wenig Explorer-Luft zu spüren..
Wir haben nie aufgehört den Horizont zu suchen...
Fortsetzung folgt...




