Mali ist nicht Afghanistan. Wir müssen uns davor hüten, die Lehren vom Hindukusch pauschal auf internationale Friedenseinsätze zu übertragen ...
Die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hat heftige Emotionen ausgelöst [...] In allen Medien erklären vermeintliche Experten, warum dieses „Scheitern des Westens“ seit 20 Jahren längst absehbar und unvermeidlich war. Vieles an dieser Kritik ist berechtigt [...] Dabei besteht jedoch die Gefahr, das Kind – das Instrument der internationalen Friedenseinsätze – mit dem Bade auszuschütten. Es mehren sich bereits Stimmen, die unmittelbare Parallelen zwischen Missionen am Hindukusch und in der Sahelzone ziehen und ergo den baldigen Abzug aus Mali fordern. Einer derart undifferenzierten Argumentation sollte das deutsche und internationale Engagement in Mali aber nicht zum Opfer fallen [...] Seit über 20 Jahren kommen zahlreiche wissenschaftliche Studien zum gleichen Schluss: Die Präsenz internationaler Friedenseinsätze hat einen erkennbaren gewaltreduzierenden Effekt und sie leistet so einen Beitrag zur dauerhaften Stabilisierung nach Konflikten. Aber eben nur, wenn eine Reihe von Erfolgsfaktoren im konkreten Einsatzgebiet gegeben sind. Dazu gehören eine weitgehende Waffenruhe sowie die Abwesenheit von Akteuren in der Nachbarschaft, die offen oder verdeckt gegen die Ziele des Friedenseinsatzes arbeiten.
Trotz jahrelanger französischer Militäroperationen führen bewaffnete Gruppierungen im Sahel weiter Krieg. In Westafrika herrscht Wut auf Frankreich über das, was Demonstranten als fehlerhafte Beziehung zwischen den französischen Streitkräften und ihren afrikanischen Verbündeten bezeichnen. Im vergangenen Monat wurden in Niger zwei Menschen getötet und weitere verletzt, als Demonstranten versuchten, einen militärischen Versorgungskonvoi mit mehr als 100 Fahrzeugen auf dem Weg nach Mali zu blockieren.
Die Organisatoren der Proteste beklagen, dass die lokalen Streitkräfte nur unzureichend ausgerüstet seien und im Vergleich zu ihren französischen Verbündeten durch häufige Angriffe bewaffneter Gruppierungen dadurch unverhältnismäßige Verluste erleiden. Demonstranten beklagen weiter, dass diese Gruppierungen, oft Verbündete von ISIL (ISIS) und al-Qaida, trotz jahrelanger französischer Militäroperationen weiterhin aktiv sind.
Ist die Militärmission gescheitert?
Is a military solution in West Africa the only way out? | Inside Story, Al Jazeera
Wenn ich das richtig verstanden habe, wurde vor einigen Jahren in Mali die demokratisch gewählte Regierung von einem Diktator gestürzt. Dies akzeptierten die Einwohner von Mali nicht und vertrieben den Diktator aus dem von ihm usurpierten Amt. Daraufhin kam es seitens der europäischen Union zur militärischen Intervention. Diese militärische Intervention ermöglichte die erneute Errichtung einer Diktatur, welche durch die Bürgerinnen und Bürger von Mali abermals aus dem Amt verjagt, dann inzwischen aber ein drittes Mal von uns installiert wurde. Wir bauen Diktaturen auf. So scheint es in Mali auszusehen - und das ist sehr peinlich.
Es ist ohnehin schon schlimm genug, wenn Korruption durch europäische Konsortien im außereuropäischen Ausland bislang immer noch straffrei geblieben ist. Unternehmen aus den USA dahingegen ist es schon seit langem verboten, beispielsweise Regierungen zu kaufen. Und genau das ist richtig so, denn diese Käuflichkeit der Interessenvertretungen haben wir dort einstmals etabliert, um uns besser die Taschen vollstopfen zu können. Das schadet den betroffenen Gesellschaften und ihren Volkswirtschaften. Eines der Ergebnisse ist : Es gibt in diesen Staaten teilweise keine nationalen Interessenvertretungen mehr, welche diesen Namen verdienen. Wir haben sie gekauft.
In Burkina Faso wird ein französischer Militärtransport blockiert, im Niger wenden sich Gewerkschaften gegen französische Truppen. Frankreich verliert im Sahel Einfluss – und reagiert mit Schüssen auf Zivilisten ...
Frankreich hat angekündigt, seine Truppen aus Mali abzuziehen. Was bedeutet das für die Zukunft der Missionen und den Einsatz der Bundeswehr?
2013 hatte Frankreich mit einer Militärintervention den Vormarsch dschihadistischer Gruppen auf die malische Hauptstadt Bamako gestoppt. Deutschland hatte in der Folge auf Bitten Frankreichs ebenfalls Truppen nach Mali entsendet. Seitdem ist die Bundeswehr sowohl in der UN-Mission (MINUSMA) als auch in der EU-Trainingsmission für das malische Militär (EUTM Mali) aktiv. Im Laufe der Zeit kam eine weitere Mission zum Kapazitätsaufbau der Polizei (EUCAP Sahel Mali) hinzu und die Entwicklungszusammenarbeit wurde deutlich verstärkt. 2017 wurde die Sahel-Allianz ins Leben gerufen, die die Zusammenarbeit von 25 Staaten und Organisationen koordiniert. Sie hat bislang Mittel von insgesamt 7,5 Milliarden Euro für Entwicklungsprojekte in den Staaten der Sahelzone zugesagt. Trotz aller Anstrengungen hat sich die Sicherheitslage in Mali und in den angrenzenden Staaten in den letzten Jahren weiter verschlechtert.
Westliche Staaten verstärken ihre militärische Zusammenarbeit mit Niger. Frankreich sieht dort einen strategischen Ort für den Anti-Terror-Kampf im Sahel. Auch die Bundeswehr ist da. Aber der Wüstenstaat ist kein einfacher Partner ...
Die Ex-Kolonialmacht Frankreich zieht sich aus dem Krisenstaat Mali militärisch zurück - wegen zweier Militärputsche, gebrochenen Wahlversprechungen der Junta und Deals mit russischen Söldnertruppen. Niger sei zurzeit die beste und auch einzige Möglichkeit für europäische Staaten im Antiterrorkampf im Sahel, sagt Ulf Laessing, Sahelexperte der Konrad-Adenauer-Stiftung in Bamako [...] "Ehrlich gesagt, macht uns das Sorgen", sagt der 38-jährige Lehrer Ismaiel Moussa aus Agadez. Trotz der internationalen Truppe werde man von Terroristen angegriffen. "Die ausländischen Truppen haben Technik und Drohnen, mit denen sie die Terroristen ausfindig machen können. Aber davon profitiert das Land nicht. Denn unsere nigrische Armee wird angegriffen, Zivilisten werden getötet. Das ist nicht akzeptabel. Ich weiß nicht, was die Truppen hier suchen. Vielleicht sind sie nur da, um uns unsere Ressourcen zu nehmen." Damit spielt Moussa zum Beispiel auf Nigers Uranvorkommen an.
Drei Militärregierungen kehren dem Internationalen Strafgerichtshof den Rücken - und werfen ihm "neokoloniale Unterdrückung" vor. Dabei sehen sie sich selbst schweren Vorwürfen ausgesetzt ...
Die westafrikanischen Staaten Mali, Burkina Faso und Niger treten aus dem Weltstrafgericht aus und wollen seine Rechtsprechung nicht länger anerkennen. Die drei vom Militär regierten Staaten werfen dem Gericht vor, Kriegsverbrechen nur willkürlich zu verfolgen und zu einem "Instrument neokolonialer Unterdrückung" geworden zu sein. Sie betonten zugleich, "den Schutz der Menschenrechte im Einklang mit ihren gesellschaftlichen Werten gewährleisten" zu wollen. Mit ähnlichen Vorwürfen hatten die drei Länder zuvor schon ihren Austritt aus der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) begründet.
Eine Zunahme von Terroranschlägen entlang der Westküste Afrikas hat einige Länder dazu veranlasst, ihre Grenzsicherheit zu verstärken. Sie stimmen sich mehr mit den Binnenstaaten der Sahelzone ab ...
Neuausrichtung im Sahel: Burkina Faso hat am 26. Juni 2026 die Beziehungen zu Frankreich gekappt – ein historischer Bruch. Russland, China und die Türkei drängen nach ...