Visum:
In Amman hätte ich ein Transitvisum bekommen, wenn das Zielland eines der Golfemirate oder der Jemen gewesen wären. Ein Transitvisum mit Ziel Sudan wurde mir verweigert.
In Khartum war ein Transitvisum ohne Probleme zu erhalten (das ist nach Berichten von anderen Reisenden auch weiter in Abu Dhabi so, auch mit Zielland Sudan!). Allerdings ist es wichtig, darauf zu achten, dass alle Unterlagen vollständig sind. Sonst kommt der Antrag ohne Kommentar abgelehnt zurück und muss - erneut kostenpflichtig - neu eingereicht werden. Das Konsulat schickt Antragsteller zu einer der in der Umgebung angesiedelten Agenturen, die die Anträge elektronisch erfassen und an das Konsulat schicken. Das lassen sie sich einiges kosten (wobei unklar blieb, ob die Konsulatsmitarbeiter möglicherweise mit verdienen): Die Visamarke lautet über 50 saudische Riyal (ca. 10 Euro), der Antrag über die Agentur schlug mit satten 400 sudanesischen Pfund (SDG = ca. 50 Euro) zu Buche.
Bei mir erwies sich die Agentur K.M.Z. mit ihrem Chef Khaled Medawi (mobil: +249 (0)9123 - 13535, Mail: k_medawi@hotmail.com) als hilfreich. Sie liegt in der Seitenstraße des Konsulatseingangs, einige Meter weiter rechts, siehe Foto des unscheinbaren Eingangs unten).
Im Reisepass muss mindestens eine Doppelseite frei sein, da das Visum eine und die Gebührenmarke (sowie später die Stempel der Ein- und Ausreise) die zweite Seite benötigen. Das Visum des Ziellandes muss bereits vorhanden sein. Die Tatsache, dass das Visum z.B. für Jordanien oder die Emirate an der Grenze erhältlich wären, zählt nicht). Verheiratete müssen eine Heiratsurkunde vorweisen. Das Fahrzeug muss in jedem Fall linksgelenkt sein. Rechtslenker werden ohne Pardon für sehr teures Geld per Sattelschlepper ins Zielland weitertransportiert. Die ganze Prozedur benötigt in Khartum zwei bis drei Werktage, ein Antrag zu Wochenbeginn ist also empfehlenswert. Last but not least: Im Visum wird das Zielland vermerkt (nicht der genaue Grenzübergang). Es ist also wichtig darauf zu achten, dass das richtige drinsteht, vor allem, wenn es womöglich nicht das übliche (Jordanien, Emirate) ist. Während der Zeit der Pilgerfahrt Hadsch (2013: ca. Mitte Oktober) werden teilweise von den Konsulaten keine Visa ausgestellt.
Fähren / Grenzen:
Aus dem Sudan kommend erfolgt die Anreise über Suakin, nicht Port Sudan. Am Ortseingang von Suakin ist es möglich, Tickets für die beiden operierenden Fähren sofort zu buchen, die vermutlich nur während der Hadsch ausgebucht sind.
Es gibt zwei Reedereien:
Baaboud Shipping
Zentrale in Saudi-Arabien:
Ahmed S.Ibn Ishaq
Tel:+ 966 2 627 0000 Ext.333
Fax:+ 966 2 627 1111
E-Mail: info@baaboud.net
Büro in Port Sudan:
Mr. Abu Mohammed
Mob: +249 (0)918016554
Tel: +249 311 823185/770640
Fax: +249 311 828376
E-mail: btsaport@hotmail.com
GPS: N 19°36'32.6", E 037°13'08.8" (an der "Corniche")
Die Preise sind von Sudan kommend offenbar wesentlich günstiger: Ich habe für einen 4WD 890 SDG (ca. 111 Euro) und für eine "First-Classs-Kabine" 485 SDG (= ca. 61 Euro) bezahlt, die Agentur in Jeddah hatte mir für die umgekehrte Richtung stolze 2.600 SR (= ca. 530 Euro!) fürs Fahrzeug und 100 Euro für die Kabine genannt. Die Kabinen sind recht sauber und verfügen über ein eigenes Bad mit Dusche).
Von Jeddah fährt Baaboud samstags, montags und mittwochs, von Suakin aus freitags, sonntags und dienstags. Abfahrt ist abends. Fahrzeuge sollte aber schon mittags im Hafen sein.
Namma Lines:
Die ägyptische Reederei bedient sowohl die Strecke Duba - Safaga als auch die Strecke Jeddah - Suakin. Genauere Infos habe ich leider nicht, aber folgende Kontaktdaten:
Safaga (Ägypten): 065 - 921 21 90 (Fax)
Duba (Saudi): 04 - 433 0000, 04 - 433 1888 (Fax)
Jeddah: 920 00 32 32 (Büro neben Trident Hotel im Zentrum), weitere Nr.: 02 - 627 26 39
Suakin (Sudan): 09129 - 45924 und 09009 - 111927 (beides Mobilnummern)
In Suakin braucht man eigentlich keinen Schlepper / Fixer. Ich hatte das Pech, einen relativ unfähigen (Salah) aufgedrängt zu bekommen, der mit den 20 Dollar, die ich ihm am Ende anbot, auch noch unzufrieden war. Am Zoll (neues Gebäude linkerhand) gibt man das Carnet zur Bearbeitung ab und erledigt dann im eigentlichen Hafenbereich die eigene Ausreise, bevor man zum Zoll zurückkehrt. Die Fahrzeuge werden meist von Hafenarbeitern aufs Schiff gefahren, was bei höheren Temperaturen nützlich ist, weil man selbst dann schon in seine Kabine und unter die Dusche kann. Man kann aber auch selbst aufs Schiff fahren.
Anders ist das bei der Ankunft / Abfahrt in Jeddah. Hier übernimmt eine Agentur die Fahrt aufs und vom Schiff und lässt sich dafür mit 130 SR bezahlen (das ist auch nicht zu umgehen, weil innerhalb des Hafenbereichs schon eine erste Inspektion des Fahrzeuges erfolgt). Einreise in Saudi-Arabien dauerte bei mir vier Stunden wegen eines Computerproblems, es kann aber auch wesentlich schneller gehen (andere Reisende in umgekehrter Richtung waren nach stundenlanger Warterei allerdings auch entnervt). Neben der Passkontrolle erfolgt die Registrierung der Fahrzeuge (letzteres bereits an Bord des Schiffes; dazu werden auch die Fahrzeugpapiere eingesammelt und morgens vor Ankunft wieder ausgegeben), die Prüfung durch des Fahrzeuges durch den Zoll und der Abschluss einer Versicherung (die vermutlich nichts nützt, aber mit 14 Euro für drei Tage auch nicht ins Gewicht fällt).
Nach der Passkontrolle verlässt man das Gebäude nach rechts und geht zu einer Moschee, wo rechts die Fahrzeugausgabe erfolgt. Nützlich ist, dass man vor der Ankunft das Gepäck wieder ins Fahrzeug bringen kann und nur mit seinen Dokumenten zur Passkontrolle geht. Nützlich ist auch, dass ein freundlicher Herr der Immigration bei der Prozedur hilft, wenigstens etwas Englisch spricht und dafür sorgt, dass das Gepäck im Auto nicht kontrolliert wird - ohne Trinkgeld! Er füllt auch die Reisegenehmigung aus (die auf der Fahrt allerdings niemand sehen wollte).
Schon an Bord des Schiffes werden auch die Pässe erfasst und morgens wieder ausgegeben (man kann das Gedränge getrost vermeiden und eine halbe Stunde später in Ruhe an der dann leeren Rezeption den Pass abholen).
Eine saudische Besonderheit ist, dass morgens in der Cafeteria des Schiffes ein "Gesundheitscheck" erfolgt, bei dem die Einnahme eines Antibiotikums (1 Tablette [sic!] Ciprofloxacin) verpflichtend ist. Die Quittung darüber berechtigt zum Verlassen des Schiffes.
Straßen / Benzinversorgung:
Die Straßen in Saudi-Arabien sind erwartungsgemäß sehr gut ausgebaut, fast alles sind Autobahnen, viele Landstraßen sind nagelneu und erschließen Gebiete, auf denen beispielsweise bei der Michelin-Karte noch gar keine Straßen verzeichnet sind. Die Treibstoffversorgung ist gut und spottbillig, Diesel gibt es allerdings nicht an allen Tankstellen, weil in Saudi-Arabien Privatpersonen keine Dieselfahrzeuge fahren dürfen. Achtung: Während der Gebetszeiten darf man zwar Auto fahren, bekommt aber keinen Sprit!
Normalbenzin (91): 0,44 - 0,47 SR (= ca. 0,09 Euro)
Superbenzin (95): 0,62 - 0,64 SR (= ca. 0,13 Euro)
Diesel: 0,26 SR (= ca. 0,05 Euro)
Besichtigungen:
Viele Transitreisende, insbesondere wenn sie mit langsamen Fahrzeugen unterwegs sind, werden sich sputen, die enormen Entfernungen in Saudi-Arabien schnellstmöglich zurückzulegen. Ausreise am 4. Tag scheint kein Problem zu sein, ich habe es allerdings nicht darauf ankommen lassen.
Für Traveller mit schnelleren Fahrzeugen bietet sich auf der Sudan-Jordanien-Route allerdings ein wenig Tourismus durchaus an: Jeddah hat eine recht nette Altstadt ("Balad"), die insbesondere am frühen Abend einen Besuch lohnt. Während der Gebetszeiten sind allerdings alle Geschäfte geschlossen.
Am zweiten Tag kann dann die lange Fahrt von Jeddah über Medina nach Khayber und weiter nach Al Ula erfolgen (ca. 800 Kilometer). Dort locken drei Sehenswürdigkeiten:
Erstens der Hausberg Harrat Uwayrid:
Zweitens der Elephant Rock:
Drittens Mada'in Saleh, die alte Nabatäer-Nekropole, ähnlich spektakulär wie Petra, nur ohne Touristen:
Achtung: Für Mada'in Saleh ist eine Genehmigung erforderlich, die mindestens eine Woche im Voraus eingeholt werden sollte. Bei mir hat das Arac Resort Al Ula geholfen, das mit 70 Euro für das Einzel- und 87 Euro für das Doppelzimmer zwar nicht billig ist, aber dafür wunderschön am Berg und super zentral gelegen. Der Manager Ahmed Saleh (mobil: +966 56-85 65 391, Mail: abuthuryia@arac.com.sa) hat mir das Permit innerhalb eines Tages besorgt. Permit und Eintritt nach Mada'in Saleh, wo es auch ein Museum der alten Hedschas-Eisenbahn gibt, sind kostenlos.
Am dritten Tag kann die Weiterfahrt dann entweder über Tabuk oder über eine neue, teils sehr schöne Bergstraße zur Küste nach Al Wajh und von dort weiter Richtung Jordanien gehen. Die Fahrtstrecke liegt allerdings erneut bei knapp 700 Kilometer. Dafür dauerte die Ausreise nach Jordanien am Abend allerdings auch nur rund 20 Minuten.
Sonstiges:
Dass Frauen in Saudi-Arabien nicht Auto fahren dürfen, ist hinlänglich bekannt und kritisiert. Sie müssen ein schwarzes Gewand (die Abaya) tragen, allerdings KEIN Kopftuch! Ich denke, es ist wichtig, darauf auch zu bestehen. Das ist in Jeddah kein Problem, könnte aber im konservativeren Riad von der Sittenpolizei angemahnt werden.
Ein wenig skurril mutete im Hafen von Jeddah das Büro für "Censorship Management" an, kontrolliert wurde bei mir allerdings nichts. Die Touristenpolizei ist jedoch überall sofort zur Stelle und will genau wissen, woher und wohin.
Bei der Einreise nach Jordanien wurde gecheckt, ob die Reservekanister leer waren. Geklopft haben die Zöllner aber nur am äußersten ...
Viele Grüße
Achim


