Libanon als nächster Krisenherd?

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Birgitt
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Libanon | Krieg mit Israel?

Beitrag von Birgitt »

Hanna Voss im Libanon über israelische Flugmanöver, den Rückhalt der Hisbollah in der Bevölkerung und die Angst vor einem möglichen Krieg mit Israel ...
Die Lage ist angespannt. Es ist ein bisschen paradox: Einerseits sind die Menschen sichtbar nervös, andererseits leben sie ihr Leben normal weiter. Seit der Tötung von Hamas-Chef Haniyeh und Hisbollah-Kommandant Fuad Shukr ist die Stimmung natürlich deutlich aufgeladener. Alle sprechen über eine mögliche Eskalation, es gibt so gut wie kein anderes Thema. Gleichzeitig verabredet man sich normal, geht in Restaurants, in Nachtclubs, an den Strand. Seit Tagen fliegen israelische Kampfflugzeuge im Tiefflug über Beirut und durchbrechen dabei die Schallmauer [...] Viele im Libanon haben viel zu lange dazu geneigt, die Probleme im Ausland zu suchen. Nicht nur bezüglich Israel, sondern generell, was den Einfluss ausländischer Mächte betrifft, zum Beispiel der USA und Irans. Das hat sich seit den Protesten 2019 ein wenig geändert. Der größte Teil der Bevölkerung hält von der Regierung gelinde gesagt gar nichts. Den Menschen ist bewusst, dass ihre eigene Regierung schwach ist, auch weil der Staat so korrupt ist und die Institutionen stark ausgehöhlt wurden. Im Land herrscht eine Korruption, die jenseits von allem Vorstellbaren ist und die in jeden noch so kleinen Lebensbereich eindringt. Die Menschen wissen, dass der Staat deshalb auch nicht die Stärke besitzt, mit einem Land wie Israel an der Grenze umzugehen. Aus diesem Grund konnte die Hisbollah diesen großen Einfluss im Libanon gewinnen, weil es schlicht niemanden gab, der die Rolle als Verteidiger des Landes übernommen hat.
„Teil der psychologischen Kriegsführung“
09.08.2024 - IPG-Journal der FES


Bezüglich einer möglichen Eskalation siehe auch die aktuellen Reisewarnungen des AA sowie Updates zu Flugausfällen BPfeilB hier.

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Angriff auf die libanesische Gesellschaft als Ganze

Beitrag von Birgitt »

Die explodierenden Pager und Funkgeräte trafen nicht nur die Hisbollah. Die Menschen im Libanon sind bis ins Mark erschüttert ...
In dieser Woche erlebte der Libanon einen der größten Anschläge der vergangenen Jahre. Explodierende Pager und Funkgeräte haben in verschiedenen Regionen des Landes zu bisher 37 Toten und mehr als 2 900 Verwundeten geführt. Unter den Opfern sind nicht nur Funktionäre der pro-iranischen Terrororganisation Hisbollah, wie es in vielen westlichen Medien gern berichtet wird, sondern auch Zivilistinnen und Zivilisten, darunter Kinder sowie medizinisches Personal, die sich in der Nähe der Pager oder Funkgeräte aufhielten [...] Das Militär versuchte vergeblich, die Straßen von Beirut und anderen Städten leerzuräumen, damit die Krankenwagen durch die engen, überfüllten Straßen kommen. Dem bereits kurz vor dem Kollaps stehenden Gesundheitssystem droht nun die völlige Überlastung. Der Libanon ist im Kriegszustand. Elf Monate war der Krieg auf den Süden des Landes beschränkt, aber nun erreichte er – sichtbar für alle – die Straßen von Beirut und Saida.
Angriff auf die libanesische Gesellschaft als Ganze
20.09.2024 - IPG-Journal der FES


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Im Libanon droht der nächste lange Krieg

Beitrag von Birgitt »

Israels Angriff auf Nasrallah hat der Hisbollah und ihren Verbündeten einen schweren Schlag versetzt. Im Libanon droht nun der nächste lange Krieg ...
Sollte mit hoher Wahrscheinlichkeit die Bodenoffensive folgen, ist ein Ende des Krieges kaum abzusehen. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich Israel im Libanon verhedderte. Anders als Gaza ist der Libanon keine Enklave. Sein Hinterland reicht bis in den Iran. Zwar ist die Hisbollah derzeit im wahrsten Sinne des Wortes kopflos. Die Organisation ist jedoch verankert und ideologisch gefestigt genug, um in den Kampf zurückzufinden. Insbesondere, wenn er im eigenen Land geführt wird. Eine physische Front mit dem Erzfeind dürfte den Libanon zudem zu einem Mekka für die globalen Dschihadisten machen. Man möchte sich nicht ausmalen, was von dem Land nach einer solchen Konfrontation noch übrigbliebe.
Strategie der reinen Gewalt
30.09.2024 - IPG-Journal der FES

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Libanon | Fragile Feuerpause

Beitrag von Birgitt »

Die Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah gibt Hoffnung auf Frieden im Libanon – doch ihre Einhaltung erfordert internationale Unterstützung ...
Die Feuerpause ruft bei den Libanesinnen und Libanesen gemischte Gefühle hervor: eine Mischung aus Freude, Erleichterung, Erschöpfung und Skepsis [...] Besonders die Regelung zum Recht auf Selbstverteidigung beider Seiten wirft Fragen auf, ebenso wie die Fähigkeit des libanesischen Staates und seiner Armee, den Friedensprozess effektiv zu begleiten. Die politische Krise im Land – vor allem der fehlende Präsident – macht die Übergangsregierung weitgehend handlungsunfähig [...] Wirtschaftlich steht der Libanon vor der Mammutaufgabe des Wiederaufbaus. Wohnhäuser, Schulen, Krankenhäuser, Straßen und Märkte wurden großflächig zerstört, und die systematische Verbrennung von Agrarflächen und Wäldern durch die israelische Armee hat weite Teile des Landes unbewohnbar gemacht [...] Die Feuerpause im Libanon zeigt jedoch auch, dass politische Verhandlungen und Diplomatie noch erfolgreich sein können – ein wichtiger Lichtblick in einer Zeit, in der das Vertrauen in solche Lösungen schwindet.
Fragile Feuerpause
28.11.2024 - IPG-Journal der FES

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Libanon | Hotel Commodore in Beirut schließt

Beitrag von Birgitt »

Es war viel mehr als eine Unterkunft: Während des libanesischen Bürgerkriegs lebten und arbeiteten ausländische Journalisten im Beiruter Commodore. Nun schließt das ikonische Hotel ...

Zufluchtsort für Reporter im Krieg
15.01.2026 - taz

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Achim Vogt
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Re: Libanon | Hotel Commodore in Beirut schließt

Beitrag von Achim Vogt »

Nun sitze ich hier auch in einem Hotel, in Nairobi, Kenias Hauptstadt. In Uganda, wo ich wohne, ist das Internet abgeschaltet - heute waren Wahlen.

Und dann sehe ich spät abends auf der Hotelterrasse, bei einem Glas Wein, diesen Post von Birgitt über das Hotel Commodore, das nun offenbar geschlossen hat - und werde wehmütig!

Im Februar 1984, inmitten heftiger Kämpfe während des Bürgerkrieges, bin ich das erste Mal nach Beirut gekommen. Mit Rucksack, das Commodore war für mich als junger Student, der mal Korrespondent werden wollte, unerreichbar. Aber natürlich bin ich hingelaufen. Immerhin war das Commodore damals der Inbegriff des Journalisten-Hotels, so wie später das Al Rashid in Bagdad, mit Peter Arnett von CNN, der gerade erst vor einem Monat gestorben ist.

Das Commodore nahm einen Straßenblock ein, rundherum waren kleine Straßen, in denen die damals noch allgegenwärtigen schwarzen Mercedes-Taxen, zumeist aus Deutschland runtergefahren, warteten. Wenn dann Granaten einschlugen und Raketen flogen, sah ich die Reporter aus der Bar - in der der im Taz-Artikel so schön beschriebene Papagei Coco in seinem Käfig saß - stürzen, in die mit laufenden Motoren wartenden Taxis springen, ihre kurzen Filmchen für die Tagesschau "schießen" und wieder zurück in die Bar fliehen, um das Gesehene und Geschehene bei einem ordentlichen Whiskey zu verarbeiten.

Für mich jungen Journalisten, im Rucksack alle Ideale, waren das irritierende Bilder. Ein Jahr später organisierte ich mit Freunden an der Universität einen Filmabend. Gezeigt wurde "Die Fälschung", ein cineastisches Kunststück von Volker Schlöndorff, einem der großen deutschen Regisseure. Der Film, mit Hanna Schygulla und Bruno Ganz - ja, der! - zeigte den Reporteralltag im Krieg. Im libanesischen Bürgerkrieg. Der gleichnamige Roman von Nicolas Born beschreibt den inneren Zwiespalt eines Journalisten (in Wirklichkeit der Reporter Kai Hermann - der ganz anders berühmt wurde, nämlich mit der Geschichte "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo"!).

Nach Beirut hatte mich eine Ansammlung wirrer Zufälle gebracht: 1983, in den USA, sah ich im Fernsehen die Bilder vom Bürgerkrieg im Libanon, natürlich viel intensiver als in Deutschland. Als Tramper von Berlin nach Münster lernte ich ein Architektenpaar kennen, das gerade in Beirut Freunde besucht hatte und vom Alltag neben dem Krieg erzählte. An einem späten Abend hörte ich im WDR die Nachrichten des Tages, als das Programm unterbrochen wurde. Nahostkorrespondent Marcel Pott - damals war Radio noch bedeutsam, Marcel Pott, ein bekannter Name - hatte endlich eine Telefonverbindung nach Deutschland bekommen. Er berichtete von schweren Kämpfen in Beirut, davon, wie er aus seiner Wohnung am Mittelmeer an der brennenden deutschen Botschaft vorbei zum - ja! - Commodore-Hotel rannte, wo er schließlich in relativer Sicherheit war. Keine zwei Wochen später war ich in Beirut, um mir selber ein Bild vom Alltag im Bürgerkrieg zu machen. Das, was ich in den verschiedenen Episoden in den Monaten zuvor erfahren hatte, wollte einfach nicht zusammenpassen.

Die Jahre sind vergangen, neun davon habe ich im Rahmen meiner Arbeit in Beirut verbracht. Unzählige Treffen mit Politikern, Veranstaltungen, Seminare, haben wir im Commodore organisiert, das inzwischen als Neubau wieder geöffnet hatte. Nicht mit dem alten Flair, aber immer noch ein betörender Name. Nebendran gab es ein geradezu charismatisches Kellerlokal, in dem über Jahre toller Jazz live gespielt wurde. Seit den 1960er Jahren gab es den Club, der nach dem Krieg wieder geöffnet wurde. Keine Ahnung, ob es ihn noch gibt, seit unserem Umzug nach Uganda war ich nicht mehr dort. Vielleicht gehe ich wieder mal hin, wenn ich das nächste Mal in Beirut bin. Dann bleibe ich vermutlich einen Moment vor dem Commodore-Hotel stehen und versinke in Erinnerungen, wie alle, die damals in Beirut waren und das Commodore kannten.

Viele Grüße
Achim
Heinz
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Registriert: Mo 9. Okt 2006, 22:41

Re: Libanon als nächster Krisenherd?

Beitrag von Heinz »

Hallo Achim. Diese emotionalen Verbindungen sind sicher ein großer Schatz. Und du bist ein großer Glücksgriff für das Wüstenschiff!
Danke Achim für deine Beiträge!

Grüße aus Marokko Heinz und Petra
sysiphus
Beiträge: 393
Registriert: Mi 28. Dez 2022, 16:18

Re: Libanon als nächster Krisenherd?

Beitrag von sysiphus »

Dem schliesse ich mich ohne Vorbehalt an! Diese sehr intime Erinnerung hat mich berührt. Gelebtes Leben der besonderen Art; konstantes Engagement in wirren Zeiten - auf ehrlicher Basis. Bravo!

Gruss

RT
Birgitt
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Libanon, ein Land auf der Flucht

Beitrag von Birgitt »

Wie eine Rückkehr des Krieges: So fühlen sich für viele Libanesinnen und Libanesen die Angriffe an, die sich die Hisbollah-Miliz und Israel derzeit liefern. Der sich ausweitende Krieg zwischen Israel, USA und Iran hat im Libanon eine neue Flüchtlingskrise ausgelöst. Wegen der Kämpfe wurden die Parlamentswahlen verschoben. Wie erleben die Menschen vor Ort die Eskalation?

Zwischen allen Fronten: Libanon, ein Land auf der Flucht
12.03.2026 - DW World

Gruß
Birgitt
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