Schon kurz nach dem Putsch in der Türkei wurde der Verdacht geäußert, das der Aufstand inszeniert gewesen sein könnte. Zwei Jahre nach dem Putsch erhärtet sich der Verdacht.
Kritiker des türkischen Präsidenten Erdogan vermuteten schon kurz nach dem Putschversuch im Juli 2016, dass es sich um eine Inszenierung handeln könnte, die den Startschuss zur Eliminierung der Opposition in einem vorher nicht dagewesenen Ausmaß gab.
Erdogan beschuldigte den im amerikanischen Exil lebenden islamischen Prediger Fethullah Gülen, den Putsch vorbereitet zu haben. Einst waren Erdogan und Gülen beste Freunde - bis Gülen 2013 bewirkte, dass die türkische Justiz umfassende Korruptionsermittlungen zu Politikern und Geschäftsleuten aus dem Umfeld des damaligen Regierungschefs einleitete. Schon damals warf Erdogan dem Prediger einen Putschversuch vor.
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.
Erdogan ist halt ein echter Demokrat. Seine Partei hat die Wahl in Istanbul verloren. Grund genug um Druck auf die Wahlkommission auszuüben, die dann brav die Wahl für ungültig erklärt.
Am frühen Abend verkündete die YSK das Ergebnis: Sie erklärte die Wahl in Istanbul für ungültig und setzte Neuwahlen an. Es ist nicht das erste Mal, dass die YSK sich dem Druck aus dem Präsidentenpalast beugt. Und es zeigt einmal mehr, dass Erdogan und seine Partei sich um Demokratie längst nicht mehr scheren.
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Nicht vergessen: Adolf E. ist von der Mehrheit der Türken durch Wahl an die Macht gekommen und sie jubeln ihm weiter zu, vor allem aus D - no mercy, wenn's denn bald komplett den Bach runtergeht.
Die Annullierung der Wahl in Istanbul könnte Erdogans bislang größter und fatalster Fehler sein. "Mit dieser Entscheidung hat sich Erdogan selbst in den Kopf geschossen, er weiß es nur noch nicht"
Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass Erdogan deutlich seine Verachtung für demokratische Prozesse demonstriert. Im Sommer 2015 verlor seine AKP die absolute Mehrheit im Parlament, weil die kleine linksliberale HDP, die zum ersten Mal antrat, deutlich besser abschnitt als erwartet. Mit der damals schon angepeilten Verfassungsreform und dem Umbau des Staates zum Präsidialsystem wäre es eng geworden - daher blockierte Erdogan die Koalitionsverhandlungen, polarisierte das Land, indem er die Friedensgespräche mit der PKK ab- und einen Krieg im Südosten des Landes vom Zaun brach.
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Wir sind gerade in der Türkei unterwegs. Von der Aufregung ist im Land nichts zu spüren.
Die Situation mag im betroffenen Istanbul anders sein. Aber die Türkei ist nicht Istanbul.
Die Deutschen Medien haben oft einen eigenartigen Blick auf andere Länder.
Korrespondenten vor Ort sind aber aus Kostengründen nur noch in den wenigsten Fällen zu finden.
Für eine differenzierte Sichtweise kann man die NZZ lesen
Mein Eindruck: Die Mehrheit wünscht sich Stabilität, Sicherheit, Chancen für die Kinder und einen vollen Kühlschrank. Und ist recht konservativ.
Und, die Wahl war eine Kommunalwahl. Und da werden Bürgermeister wie bei uns nach ihrer individuellen Leistung bewertet.
Nur so könntest Du nämlich die Gespräche auf der Straße und in den Teestuben belauschen und mitbekommen, was die Leute mehrheitlich so denken. Wenn man auf einer Durchreise wenig erfährt von Unzufriedenheit muss das nicht viel heissen.
Die Türken in Deutschland kann man dagegen gut ausfragen und es stimmt schon: Demokratie ist denen offenbar egal. Das Deutsche Vorbild hat sie nicht belehrt, eher davon abgebracht.
Ich spreche leider nicht gut türkisch. Jedenfalls nicht gut genug, um ein qualifiziertes Gespräch zu führen.
Das ist natürlich ein Hindernis. Aber ich bin auch kein Wahlforschungsinstitut.
Ich erhebe auch nicht den Anspruch auf die einzige Wahrheit. Es ist nur ein aktueller Eindruck, den ich durch auch viele Türkeireisen und persönliche Bekanntschaften, gewonnen habe.
Ich möchte auch nicht in gut, oder böse, richt, oder falsch unterscheiden. Uns wird große Gastfreundschaft entgegengebracht.
Und ich bin hier Gast und benehmen entsprechend. Bei politischen und religiösen Themen höre ich zu.
Zitat:
"Die Türken in Deutschland kann man dagegen gut ausfragen und es stimmt schon: Demokratie ist denen offenbar egal. Das Deutsche Vorbild hat sie nicht belehrt, eher davon abgebracht."
War das ironisch, oder ernst gemeint?
Jetzt erleben diese Menschen die Demokratie hier im Lande und die Machtaufteilung auf viele Strukturen und Menschen und wollen doch lieber einen starken Führer, der ihnen jede politische Kompetenz abnimmt.
Für uns ist es befremdend, es macht uns in der Tat manchmal ratlos. Doch die seit Jahrhunderten traditionellen, meist führerbezogenen Machtstrukturen sind für die Menschen dort völlig normal. Der gesamte arabisch, persisch, osmanische Bereich denkt so und ist noch lange nicht bereit für demokratische Strukturen. Ob uns das nun gefällt oder nicht. Und auch in Europa lebende Menschen aus diesen Regionen legen deshalb diese Denk- und Handlungsstrukturen noch lange nicht ab.
Viele Grüße aus Isfahan/Iran
Conny & Tommy · · ·
seppr hat geschrieben:Nein, das ist nicht ironisch, eher ratlos.
Jetzt erleben diese Menschen die Demokratie hier im Lande und die Machtaufteilung auf viele Strukturen und Menschen und wollen doch lieber einen starken Führer, der ihnen jede politische Kompetenz abnimmt.
Einfach ratlos !!
Sepp
Servus Sepp,
der Vorname schließt auf einen Bayern. Wenn wir wieder Dahoam sind, können wir ja gepflegt bei einem Bier persönlich diskutieren.
Zur Erinnerung: Erdogan ist ein schlechter Verlierer, daher hatte er die Wahlen in Istanbul annulieren lassen. Aber auch beim zweiten Wahlgang ging der oppositionelle Kandidat als Sieger hervor. Eine tiefe Blamage für Erdogan. Immer mehr Anhänger kehren ihm den Rücken. Dazu die Wirtschafts- und Zypernkrise und der Kauf der russischen Abwehrraketen, der ihn weiter vom Westen und vom Bündnispartner NATO isoliert. Wozu Erdogan die Luftabwehrraketen benötig, kann man nur spekulieren. Militärisch macht es keinen Sinn. Vermutungen gehen dahin, dass die Luftabwehr um Instanbul installiert werden soll, um für den Falle eines erneuten Putschs Angreifer zu Luft ausschalten zu können.
Laut einem US Gesetz müssen mindestens fünf der vorgesehenen Sanktionen gegen die Türkei aufgrund des russischen Waffendeals verhängt werden. Trump hat hier keinen Entscheidungsfreiraum, doch kann er die mildesten Sanktionen auswählen.
Erdogan ist also angezählt. Die Frage ist, ob und wann er zu Boden geht.
Grüsse
Alexander
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Seit über zwei Jahren ist Wikipedia in der Türkei gesperrt, wegen angeblich falscher Informationen über die Türkei. Das türkische Verfassungsgericht fordert jetzt die Aufhebung der Sperre, da diese gegen die Meinungsfreiheit verstößt.
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