Libanon als nächster Krisenherd?
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- Achim Vogt
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Re: Libanon als nächster Krisenherd ?
Seit gestern Abend gibt es im Libanon massive Proteste gegen die Regierung. Landesweit brennen Reifen, die wesentlichen Autobahnen des Landes in den Norden und den Süden sind blockiert, in zahlreichen Städten und einigen Gebieten der Hauptstadt Beirut ist kein Durchkommen mehr. Am Freitag Mittag haben Menschen im Stadtzentrum von Beirut demonstriert.
Hintergrund ist die schlechte Wirtschaftslage, gekoppelt mit einer enormen Staatsverschuldung. Die von der Regierung geplanten Gegenmaßnahmen (von Reformen lässt sich nicht wirklich sprechen) haben nun das Fass zum Überlaufen gebracht. Vor allem die geplante Einführung einer sogenannten WhatsApp-Steuer hat die Proteste ausgelöst und wurde inzwischen wieder zurückgenommen. Die Proteste sind damit aber nicht beendet.
Proteste im Libanon wegen schlechter Wirtschaftspolitik
(FAZ-Video, bei Youtube veröffentlicht)
Viele Grüße
Achim
Hintergrund ist die schlechte Wirtschaftslage, gekoppelt mit einer enormen Staatsverschuldung. Die von der Regierung geplanten Gegenmaßnahmen (von Reformen lässt sich nicht wirklich sprechen) haben nun das Fass zum Überlaufen gebracht. Vor allem die geplante Einführung einer sogenannten WhatsApp-Steuer hat die Proteste ausgelöst und wurde inzwischen wieder zurückgenommen. Die Proteste sind damit aber nicht beendet.
Proteste im Libanon wegen schlechter Wirtschaftspolitik
(FAZ-Video, bei Youtube veröffentlicht)
Viele Grüße
Achim
Libanon als nächster Krisenherd ?
Guten Tag aus Beirut, District Hamra!
Gestern morgen gegen 09.20 Uhr erhielt ich eine E-Mail von der DE - Botschaft in Beirut mit dem Inhalt, nicht die Wohnung, bzw. das Hotel zu verlassen, da es zu gewalttätigen Demonstrationen und Straßenblockaden kommen kann.
Da ich Warnungen der Botschaften, bzw. des AA zur Genüge kenne und auch zur Genüge erhalten habe, fügte ich dieser Mail nur eine sehr begrenzte Aufmerksamkeit zu.
Ich begab mich zu den Souks Beirut u. auch zum Platz der Märtyrer, auf dem große Menschenansammlungen waren.
Auffälligkeiten, wie z.B. Gewalttätigkeiten o.Ä. konnte ich nicht feststellen - im Gegensatz zu den Randalen + Krawalle der Linken in DE war es eher ein "Kindergeburtstag".
Sollte ich irgendwann wieder einmal ein stärkeres Inet hier im Hotel haben, lade ich paar selbstgedrehte Videos hoch; momentan geht das überhaupt nicht.
Gestern morgen gegen 09.20 Uhr erhielt ich eine E-Mail von der DE - Botschaft in Beirut mit dem Inhalt, nicht die Wohnung, bzw. das Hotel zu verlassen, da es zu gewalttätigen Demonstrationen und Straßenblockaden kommen kann.
Da ich Warnungen der Botschaften, bzw. des AA zur Genüge kenne und auch zur Genüge erhalten habe, fügte ich dieser Mail nur eine sehr begrenzte Aufmerksamkeit zu.
Ich begab mich zu den Souks Beirut u. auch zum Platz der Märtyrer, auf dem große Menschenansammlungen waren.
Auffälligkeiten, wie z.B. Gewalttätigkeiten o.Ä. konnte ich nicht feststellen - im Gegensatz zu den Randalen + Krawalle der Linken in DE war es eher ein "Kindergeburtstag".
Sollte ich irgendwann wieder einmal ein stärkeres Inet hier im Hotel haben, lade ich paar selbstgedrehte Videos hoch; momentan geht das überhaupt nicht.
Re: Libanon als nächster Krisenherd ?
Kommen die Nachrichten über die Hetzjagden und Krawalle der Rechten nicht bis nach Beirut?
- Achim Vogt
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Re: Libanon als nächster Krisenherd ?
Die seit Donnerstag Abend anhaltenden Proteste im Libanon können durchaus als historisch - "Washington Post" - bezeichnet werden. Im Gegensatz zu den allermeisten Protesten zuvor kamen Menschen im ganzen Land zusammen. Die Demonstrationen in Beirut wurden durch Kundgebungen vor allem in Tyrus / Sour und Tripoli ergänzt, daneben gingen die Menschen aber auch in zahlreichen anderen Städten des Landes auf die Straßen. Das hat es in dieser Form noch nicht gegeben.
Entsprechend stehen die - mehrheitlich korrupten - Politiker des Libanon erstmals unter wirklich erheblichem Druck. Am Samstag beschlossen die christlichen "Lebanese Forces" bereits, die Regierungskoalition zu verlassen. Mit weiteren politischen Folgen darf gerechnet werden. Am Montag (21. Oktober) läuft ein Ultimatum von Premier Saad Hariri ab, der den Parteien der Regierungskoalition (in der nahezu alle relevanten Gruppen des Libanon vertreten sind) am vergangenen Freitag 72 Stunden Zeit gegeben hatte, die dringend notwendigen Reformen zu beschließen. In der Stadt Tyrus / Sour im Süden des Landes hatten bewaffnete Kräfte (vermutlich der schiitischen Amal-Bewegung nahestehend) Demonstranten unter Beschuss genommen. Am Sonntag forderten alle Parteien ihre Anhänger auf, "unfriedliche Aktionen" zu unterlassen. Die meisten Straßenblockaden der Demonstranten wurden kurzzeitig aufgehoben, um den Menschen die Gelegenheit zu geben, die zentrale Kundgebung im Stadtzentrum von Beirut zu erreichen. Insgesamt waren am Samstag vermutlich rund eine Million Menschen auf den Beinen, für Sonntag stehen die Zahlen noch nicht fest, da abends noch zahlreiche Demonstranten ins Stadtzentrum strömten.
Die Atmosphäre am Sonntag war wunderbar friedlich, nachdem es am ersten Tag, dem Freitag, noch zu vereinzeltem Vandalismus gekommen war. Das besondere der aktuellen Proteste ist, dass sie sich gegen die politische Klasse insgesamt richten. Selbst Hizbullah-Führer Nasrallah oder der Führer der "gemäßigten" Schiiten-Partei Amal, Parlamentspräsident Nabih Berri, ernteten harsche Kritik, ein im Libanon bislang nie dagewesener Vorgang.
Noch gibt es im Libanon den weltweit häufigen Fall, dass die Menschen zwar wissen, was sie nicht mehr wollen (was für hiesige Verhältnisse bereits ein großer Fortschritt ist), aber noch nicht, was sie für die Zukunft des Landes wollen. An dieser Frage werden sich letztlich Erfolg oder Scheitern der derzeitigen Proteste entscheiden.
Ich werde noch ein paar visuelle Eindrücke von den Protesten hinterherschieben.
Viele Grüße aus Beirut
Achim
Entsprechend stehen die - mehrheitlich korrupten - Politiker des Libanon erstmals unter wirklich erheblichem Druck. Am Samstag beschlossen die christlichen "Lebanese Forces" bereits, die Regierungskoalition zu verlassen. Mit weiteren politischen Folgen darf gerechnet werden. Am Montag (21. Oktober) läuft ein Ultimatum von Premier Saad Hariri ab, der den Parteien der Regierungskoalition (in der nahezu alle relevanten Gruppen des Libanon vertreten sind) am vergangenen Freitag 72 Stunden Zeit gegeben hatte, die dringend notwendigen Reformen zu beschließen. In der Stadt Tyrus / Sour im Süden des Landes hatten bewaffnete Kräfte (vermutlich der schiitischen Amal-Bewegung nahestehend) Demonstranten unter Beschuss genommen. Am Sonntag forderten alle Parteien ihre Anhänger auf, "unfriedliche Aktionen" zu unterlassen. Die meisten Straßenblockaden der Demonstranten wurden kurzzeitig aufgehoben, um den Menschen die Gelegenheit zu geben, die zentrale Kundgebung im Stadtzentrum von Beirut zu erreichen. Insgesamt waren am Samstag vermutlich rund eine Million Menschen auf den Beinen, für Sonntag stehen die Zahlen noch nicht fest, da abends noch zahlreiche Demonstranten ins Stadtzentrum strömten.
Die Atmosphäre am Sonntag war wunderbar friedlich, nachdem es am ersten Tag, dem Freitag, noch zu vereinzeltem Vandalismus gekommen war. Das besondere der aktuellen Proteste ist, dass sie sich gegen die politische Klasse insgesamt richten. Selbst Hizbullah-Führer Nasrallah oder der Führer der "gemäßigten" Schiiten-Partei Amal, Parlamentspräsident Nabih Berri, ernteten harsche Kritik, ein im Libanon bislang nie dagewesener Vorgang.
Noch gibt es im Libanon den weltweit häufigen Fall, dass die Menschen zwar wissen, was sie nicht mehr wollen (was für hiesige Verhältnisse bereits ein großer Fortschritt ist), aber noch nicht, was sie für die Zukunft des Landes wollen. An dieser Frage werden sich letztlich Erfolg oder Scheitern der derzeitigen Proteste entscheiden.
Ich werde noch ein paar visuelle Eindrücke von den Protesten hinterherschieben.
Viele Grüße aus Beirut
Achim
- Achim Vogt
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Re: Libanon als nächster Krisenherd ?
Führer von Christen, Sunniten, Schiiten und Drusen schlossen sich den Demonstranten gemeinsam an
Am Freitag war es noch zu vereinzeltem Vandalismus gekommen.
Später machten die Demonstranten deutlich, dass sie diese Form des militanten Protests nicht wollen. Entsprechend blieben die Proteste am Samstag und Sonntag friedlich (am Sonntag zumindest bis zum Sonnenuntergang, dem Zeitpunkt dieses Posts)
Blick auf das Zentrum der Demonstrationen, die Straße Riad el Solh, die von der großen al Amir-Moschee zum "Serail", dem Sitz der libanesischen Regierung führt
Overlander sind das natürlich nicht, aber Mitglieder der libanesischen Offroad-Szene. Allerdings ist nicht ganz klar, ob sie mit ihrem Parkmanöver das System karikieren ("Fauda" steht im Arabischen für "Chaos") oder lediglich den "dicken Maxen" machen wollten
Am Freitag war es noch zu vereinzeltem Vandalismus gekommen.
Später machten die Demonstranten deutlich, dass sie diese Form des militanten Protests nicht wollen. Entsprechend blieben die Proteste am Samstag und Sonntag friedlich (am Sonntag zumindest bis zum Sonnenuntergang, dem Zeitpunkt dieses Posts)
Blick auf das Zentrum der Demonstrationen, die Straße Riad el Solh, die von der großen al Amir-Moschee zum "Serail", dem Sitz der libanesischen Regierung führt
Overlander sind das natürlich nicht, aber Mitglieder der libanesischen Offroad-Szene. Allerdings ist nicht ganz klar, ob sie mit ihrem Parkmanöver das System karikieren ("Fauda" steht im Arabischen für "Chaos") oder lediglich den "dicken Maxen" machen wollten
Libanon als nächster Krisenherd ?
Jetzt bin ich genau 7 Tg im Libanon und weiß nicht, ob ich aufgrund der Ereignisse freudig erregt oder traurig sein soll?
Da es mein erster LB-Besuch ist, kann ich natürlich die Lage u. die Situation nicht ein schätzen, da ich landesspezifisch keine Ahnung habe.-
Daß mir die DE-Botschaft, Beirut, eine Warnungs-Mail sandte, erwähnte ich ja bereits.-
Heute früh fuhr ich zum "Bus_Parkplatz" Cola, um zu erkunden, ob die Busse fahren - leider nein, somit weiß ich nicht, ob ich morgen wie geplant nach Tripolis fahren kann, Hotel dort habe ich bereits fest gebucht.
Meine Eindrücke von den Demonstationen waren, daß sie mehrheitlich friedlich verliefen, wobei ich natürlich nicht alles mitbekommen habe. Mehrmals bin ich zum PLATZ DER MÄRTYRER spaziert, wollte dabei die SOUKS OF BEIRUT mir näher ansehenm aber auch das war unmöglich, da alles geschlossen war.
Jetzt warte ich erst einmal ab, wie sich meine "Reisesituation" weiter entwickelt, das Hotel in Hamra habe ich vorsorglich schon mal für länger gebucht - auch ein Vorteil, wenn man sich ein wenig auskennt, sich gut belesen kann - somit völlig unabhängig und völlig "autark" von anderen Leuten.-
Hier paar Bilder, rein zufällig aufgenommen:
Der junge Mann bringt schon mal Nachschub für das Feuer:
Hier das für mich schönste Kindergesicht des Tages:
Und hier paar Schrifttafeln; Platz der Märtyrer;
Wie ich nun meine nächsten Wochen hier verbringe, plane, oder doch versuche, in ein Nachbarland zu fliegen?
Ich weiß es nicht; auch weiß ich nicht, ob man ein syrisches Visum mal so auf die Schnelle bekommen kann . . . ?
Da es mein erster LB-Besuch ist, kann ich natürlich die Lage u. die Situation nicht ein schätzen, da ich landesspezifisch keine Ahnung habe.-
Daß mir die DE-Botschaft, Beirut, eine Warnungs-Mail sandte, erwähnte ich ja bereits.-
Heute früh fuhr ich zum "Bus_Parkplatz" Cola, um zu erkunden, ob die Busse fahren - leider nein, somit weiß ich nicht, ob ich morgen wie geplant nach Tripolis fahren kann, Hotel dort habe ich bereits fest gebucht.
Meine Eindrücke von den Demonstationen waren, daß sie mehrheitlich friedlich verliefen, wobei ich natürlich nicht alles mitbekommen habe. Mehrmals bin ich zum PLATZ DER MÄRTYRER spaziert, wollte dabei die SOUKS OF BEIRUT mir näher ansehenm aber auch das war unmöglich, da alles geschlossen war.
Jetzt warte ich erst einmal ab, wie sich meine "Reisesituation" weiter entwickelt, das Hotel in Hamra habe ich vorsorglich schon mal für länger gebucht - auch ein Vorteil, wenn man sich ein wenig auskennt, sich gut belesen kann - somit völlig unabhängig und völlig "autark" von anderen Leuten.-
Hier paar Bilder, rein zufällig aufgenommen:
Der junge Mann bringt schon mal Nachschub für das Feuer:
Hier das für mich schönste Kindergesicht des Tages:
Und hier paar Schrifttafeln; Platz der Märtyrer;
Wie ich nun meine nächsten Wochen hier verbringe, plane, oder doch versuche, in ein Nachbarland zu fliegen?
Ich weiß es nicht; auch weiß ich nicht, ob man ein syrisches Visum mal so auf die Schnelle bekommen kann . . . ?
-
Alexander
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Re: Libanon als nächster Krisenherd ?
Hallo Mauritius,
versuch doch mit dem Taxi nach Tripolis zu kommen. Versuche einen vernünftigen Preis auszuhandeln. Für dich ist es natürlich eine bescheidene Situation. Ich würde das Beste daraus machen und versuchen das Land auch unter diesen Bedingungen kennenzulernen. Eine Möglichkeit, die auch nicht jeder hat.
Grüsse
Alexander
versuch doch mit dem Taxi nach Tripolis zu kommen. Versuche einen vernünftigen Preis auszuhandeln. Für dich ist es natürlich eine bescheidene Situation. Ich würde das Beste daraus machen und versuchen das Land auch unter diesen Bedingungen kennenzulernen. Eine Möglichkeit, die auch nicht jeder hat.
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Alexander
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- Achim Vogt
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Re: Libanon als nächster Krisenherd ?
Lieber Mauritius,
wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben! Und das tust Du gerade - wenn auch vielleicht nicht wie geplant ...
Noch sind die Demonstrationen friedlich, aber die letztlich unbefriedigenden Zugeständnisse von heute (darunter eine Bankensteuer und die Halbierung der Gehälter von Ministern und Abgeordneten) werden kaum zu einer Beruhigung beitragen. Es gibt ein Risiko, dass die friedliche Atmosphäre nicht anhält.
Die Busse nach Tripoli fahren übrigens vom Hafen aus, nicht von Cola (dort findet der Verkehr Richtung Süden statt). Seit gestern öffnen sich die Straßen langsam wieder. Die anderthalb-stündige Fahrt nach Tripoli kann derzeit aber auch vier bis fünf Stunden dauern. Dafür sind die Proteste in Tripoli die vielleicht spannendsten des ganzen Landes!
Viel Glück weiterhin auf Deiner Reise und viele spannende Eindrücke!
Achim
wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben! Und das tust Du gerade - wenn auch vielleicht nicht wie geplant ...
Noch sind die Demonstrationen friedlich, aber die letztlich unbefriedigenden Zugeständnisse von heute (darunter eine Bankensteuer und die Halbierung der Gehälter von Ministern und Abgeordneten) werden kaum zu einer Beruhigung beitragen. Es gibt ein Risiko, dass die friedliche Atmosphäre nicht anhält.
Die Busse nach Tripoli fahren übrigens vom Hafen aus, nicht von Cola (dort findet der Verkehr Richtung Süden statt). Seit gestern öffnen sich die Straßen langsam wieder. Die anderthalb-stündige Fahrt nach Tripoli kann derzeit aber auch vier bis fünf Stunden dauern. Dafür sind die Proteste in Tripoli die vielleicht spannendsten des ganzen Landes!
Viel Glück weiterhin auf Deiner Reise und viele spannende Eindrücke!
Achim
- Achim Vogt
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Re: Libanon als nächster Krisenherd ?
Und hier noch ein paar Eindrücke von heute - hoffentlich bleibt es so friedlich!
- Achim Vogt
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Re: Libanon als nächster Krisenherd ?
Heute ist der 28. Tag der Proteste im Libanon. Inzwischen ist die Regierung von Ministerpräsident Hariri zurückgetreten und die Protestierenden haben damit einen ersten Teilerfolg erzielt. Seitdem allerdings ziehen sich die Beratungen in den Hinterzimmern der Macht über die Bildung einer neuen Regierung in altbekannter libanesischer Manier in die Länge. Dahinter steht der Wunsch sowohl von Hizbullah als auch von deren schiitischen Verbündeten der Amal-Bewegung sowie dem dritten Koalitionspartner, dem christlichen Free Patriotic Movement (faktisch der Partei des Staatspräsidenten Michel Aoun), eine nur zur Hälfte aus Technokraten (Experten) bestehende Regierung zu bilden, deren andere Hälfte weiter aus den politischen Granden des Landes bestehen soll. Und dahinter wiederum verbirgt sich der Wunsch insbesondere des FPM, den ungeliebten Außenminister - und Schwiegersohn des Präsidenten - Gebran Bassil in der Regierung zu halten. Dessen Weigerung zu gehen hatte am 29. Oktober zum Rücktritt Hariris geführt.
Seit gestern Abend haben sich die Spannungen erhöht. Präsident Aoun hat ein Interview gegeben, in dem er viel geredet und wenig gesagt hat. Aber an einer Stelle hat er die Lunte ins Feuer geworfen: "Wer glaubt, dass es keine integren Leute in diesem Staat gibt, soll emigrieren". Dass sich der Staat ein neues Volk wählt, soll ja vorkommen, aber dass ausgerechnet der Präsident seine Landsleute zur Auswanderung auffordert, das kannte ich bis dato lediglich von einer alten Rede Gaddafis in Libyen. Entsprechend aufgebracht haben die Libanesinnen und Libanesen reagiert und innerhalb kürzester Zeit die längst abgebauten Straßenblockaden wieder neu errichtet.
Dabei kam es ebenfalls gestern Abend zu einem schlimmen Zwischenfall, als ein Protestler von einem Armeeangehörigen erschossen wurde. Auch heute fielen in einem christlichen Vorort erneut Schüsse. Das ist eine bedenkliche Eskalation und man darf hoffen, dass es nicht schlimmer wird.
Seit drei Wochen sind die Schulen und Universitäten, aber auch die meisten Regierungsinstitutionen geschlossen. Viel schlimmer aber ist, dass auch die Banken entweder geschlossen sind oder aber die lokale Währung nur noch in kleinen Mengen ausgeben. Dollars - die im Libanon gebräuchliche Parallelwährung - gibt es fast gar nicht mehr. Der Dollar, offiziell seit 1997 zum Wechselkurs von 1 USD = 1.500 Libanesischen Pfund gehandelt, wird von privaten Wechselstuben inzwischen zum Kurs von 1.730 LBP angeboten. Das wirtschaftliche Leben ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Heizöl wird nur noch gegen Dollar verkauft - die man aber kaum noch erhält. Entsprechend verschärfen sich Konflikte zwischen Bankangestellten und Kunden, mit dem Erfolg, dass die Geldinstitute in dieser Woche wieder komplett geschlossen sind.
Aufschrift: "Thaura", das arabische Wort für Revolution. Das Schild wurde am zentralen Märtyrerplatz in Beirut errichtet, nachdem Schlägertrupps von Amal und Hizbullah die Stände der Protestierenden angezündet und zerstört hatten. Die Trümmer wurden als Mahnmal unter dem Schild aufgetürmt.
Viele Grüße aus Beirut
Achim
Seit gestern Abend haben sich die Spannungen erhöht. Präsident Aoun hat ein Interview gegeben, in dem er viel geredet und wenig gesagt hat. Aber an einer Stelle hat er die Lunte ins Feuer geworfen: "Wer glaubt, dass es keine integren Leute in diesem Staat gibt, soll emigrieren". Dass sich der Staat ein neues Volk wählt, soll ja vorkommen, aber dass ausgerechnet der Präsident seine Landsleute zur Auswanderung auffordert, das kannte ich bis dato lediglich von einer alten Rede Gaddafis in Libyen. Entsprechend aufgebracht haben die Libanesinnen und Libanesen reagiert und innerhalb kürzester Zeit die längst abgebauten Straßenblockaden wieder neu errichtet.
Dabei kam es ebenfalls gestern Abend zu einem schlimmen Zwischenfall, als ein Protestler von einem Armeeangehörigen erschossen wurde. Auch heute fielen in einem christlichen Vorort erneut Schüsse. Das ist eine bedenkliche Eskalation und man darf hoffen, dass es nicht schlimmer wird.
Seit drei Wochen sind die Schulen und Universitäten, aber auch die meisten Regierungsinstitutionen geschlossen. Viel schlimmer aber ist, dass auch die Banken entweder geschlossen sind oder aber die lokale Währung nur noch in kleinen Mengen ausgeben. Dollars - die im Libanon gebräuchliche Parallelwährung - gibt es fast gar nicht mehr. Der Dollar, offiziell seit 1997 zum Wechselkurs von 1 USD = 1.500 Libanesischen Pfund gehandelt, wird von privaten Wechselstuben inzwischen zum Kurs von 1.730 LBP angeboten. Das wirtschaftliche Leben ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Heizöl wird nur noch gegen Dollar verkauft - die man aber kaum noch erhält. Entsprechend verschärfen sich Konflikte zwischen Bankangestellten und Kunden, mit dem Erfolg, dass die Geldinstitute in dieser Woche wieder komplett geschlossen sind.
Aufschrift: "Thaura", das arabische Wort für Revolution. Das Schild wurde am zentralen Märtyrerplatz in Beirut errichtet, nachdem Schlägertrupps von Amal und Hizbullah die Stände der Protestierenden angezündet und zerstört hatten. Die Trümmer wurden als Mahnmal unter dem Schild aufgetürmt.
Viele Grüße aus Beirut
Achim
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Alexander
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Re: Libanon als nächster Krisenherd ?
Ich lese gerade, dass Libanon einige Länder um Nahrungshilfe gebeten hat. Große Firmen schließen und Freunde verlieren ihre Jobs.
Grüsse
Alexander
Der Standard: Libanon bittet um internationale Finanzhilfen für Lebensmittel und RohstoffeDas Mittelmeerland kämpft mit der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Bürgerkrieg von 1975 bis 1990. Begleitet wird sie von schweren Unruhen. In den vergangenen Wochen war es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen regierungsfeindlichen Demonstranten und Anhängern der Schiiten-Milizen Hisbollah und Amal gekommen. Die Proteste richten sich unter anderem gegen die weit verbreitete Korruption.
Grüsse
Alexander
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Birgitt
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Unruhen im Libanon: Brennende Banken, fallendes Pfund
Achim hatte es an anderer Stelle bereits erwähnt: das libanesische Pfund ist auf ein Rekordtief gefallen. Die Lebensmittelpreise gehen durch die Decke. Das hochverschuldete Land ist in Aufruhr ...
Libanon: Hunger, Armut und keine Arbeit
29.04.2020 - heise telepolis
Unruhen im Libanon: Brennende Banken, fallendes Pfund
29.04.2020 - taz
Banks targeted in Lebanon's 'night of the Molotov'
29.04.2020 - Aljazeera
Gruß
Birgitt
Libanon: Hunger, Armut und keine Arbeit
29.04.2020 - heise telepolis
Unruhen im Libanon: Brennende Banken, fallendes Pfund
29.04.2020 - taz
Banks targeted in Lebanon's 'night of the Molotov'
29.04.2020 - Aljazeera
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Proteste im Libanon: Zurück auf die Straße
Der Libanon leidet unter der schlimmsten Wirtschaftskrise seiner Geschichte, Proteste gab es schon im Herbst. Jetzt flammt die Revolution erneut auf ...
Proteste im Libanon: Zurück auf die Straße
09.05.2020 - taz
Gruß
Birgitt
Proteste im Libanon: Zurück auf die Straße
09.05.2020 - taz
Gruß
Birgitt
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Re: Libanon als nächster Krisenherd ?
Angesichts der verheerenden Explosion in Beirut vom 4. August des vergangenen Jahres, die auch ein halbes Jahr später längst nicht aufgeklärt ist, geraten die anderen massiven Probleme des Libanon, der seit März 2020 faktisch bankrott ist, noch immer in den Hintergrund. Thore Schröder, ein ausgezeichneter freier Journalist, der auch für SPIEGEL Online arbeitet, hat diese einfühlsame Reportage geschrieben, die den ganzen Abgrund dieses Landes beschreibt:
Ein halbes Jahr nach der Explosion – Beirut ist am Ende
(Tagesspiegel, Berlin, 2. Februar 2021)
Viele Grüße
Achim
Ein halbes Jahr nach der Explosion – Beirut ist am Ende
(Tagesspiegel, Berlin, 2. Februar 2021)
Viele Grüße
Achim
- Achim Vogt
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Libanon | Lokman Slim ermordert
Es muss so um 2003 gewesen sein, als ich Lokman Slim zum ersten Mal begegnet bin. Ich war damals in Beirut zu einer Konferenz, bei der es um die Zeit nach dem Irak-Krieg ging. Lokmans deutsche Frau Monika Borgmann hatte ich 1993 in Kairo kennengelernt, wo sie als Journalistin arbeitete. 2001 war sie in den Libanon gegangen. Lokman und Monika haben in den südlichen Vororten von Beirut, der sogenannten Dahiyeh (im arabischen bedeutet der Begriff schlicht Vorort), im alten Familiensitz der Slims das UMAM-Zentrum aufgebaut, das sich der Aufarbeitung der Vergangenheit im Libanon widmet. Das war schon an sich ein mutiges Unternehmen, denn die schöne alte Villa liegt mitten in der Hochburg der Hizbullah - und Lokman Slim war immer ein erklärter Gegner der Radikalen, ein echter Liberaler vom alten Schlag.
Als ich 2013 aus Jordanien in den Libanon umgezogen bin, hatten wir mit Monika und Lokman gerade ein Theaterstück in Berlin und zwei anderen deutschen Städten aufgeführt: "Der deutsche Stuhl" hieß das eindrückliche Stück, in dem ehemalige libanesische Häftlinge in syrischen Gefängnissen ihre Erlebnisse darstellten. Aus dem Stück entstand 2016 ein Film, "Tadmor", benannt nach dem berüchtigten Foltergefängnis im syrischen Palmyra. "Tadmor" wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem beim Filmfest in Hamburg 2016 als bester politischer Film des Jahres. Die Protagonisten im Film waren keine Schauspieler, sondern wie Ali Abu Dehn Menschen, die Jahre im Foltergefängnis von Tadmor verbracht hatten.
Am Freitag war ich gemeinsam mit Ali Abu Dehn wieder in der Dahiyeh, im Familiensitz von Lokman Slim und Monika Borgmann. Es galt Abschied zu nehmen von Lokman Slim, einem der brillantesten politischen Analytiker des Libanon, der längst ein guter Freund geworden war, mit dem ich über die Jahre so viele bereichernde Abende mit wunderbaren Diskussionen verbracht habe. Lokman Slim war am 3. Februar zu Besuch bei einem Freund in dem Dorf Niha im Süden des Landes, bei Nabatiyeh, einer weiteren Hochburg der Hizbullah. Gegen 20.30 Uhr verließ er das Haus seines Freundes, um zurück nach Beirut zu fahren. Sein Handy wurde 400 Meter entfernt gefunden. Er selbst 35 Kilometer entfernt in der Nähe der Küstenautobahn, getroffen von fünf Kugeln, drei in der Stirn, einer in der Brust, einer im Rücken.
Es ist die Trauer, gepaart mit großer Wut auf seine Mörder. Es spielt keine Rolle, wer sie waren, auch wenn jedem klar ist, wer verantwortlich ist. Libanon hat - wieder einmal - eine kritische Stimme verloren. Lokman Slim reiht sich ein in die Opfer wie Gibran Tueni und Samir Kassir, die ihr kritisches Denken mit dem Leben bezahlt haben. In den Stunden nach dem Mord waren die sozialen und klassischen Medien voll mit Nachrufen und Würdigungen. Wie Monika Borgmann es so wunderbar schlicht gesagt hat: "Man kann einen Menschen töten, aber nicht seine Ideen!"
Hier zwei Nachrufe, die alles beschreiben, was Lokman Slim ausgemacht hat:
Lokman Slim im Libanon ermordet - Der Furchtlose
(Christoph Reuter, SPIEGEL Online, 4. Februar 2021)
Wahrheit als Provokation
(Medico International, 5. Februar 2021)
Traurige Grüße aus Beirut
Achim
Als ich 2013 aus Jordanien in den Libanon umgezogen bin, hatten wir mit Monika und Lokman gerade ein Theaterstück in Berlin und zwei anderen deutschen Städten aufgeführt: "Der deutsche Stuhl" hieß das eindrückliche Stück, in dem ehemalige libanesische Häftlinge in syrischen Gefängnissen ihre Erlebnisse darstellten. Aus dem Stück entstand 2016 ein Film, "Tadmor", benannt nach dem berüchtigten Foltergefängnis im syrischen Palmyra. "Tadmor" wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem beim Filmfest in Hamburg 2016 als bester politischer Film des Jahres. Die Protagonisten im Film waren keine Schauspieler, sondern wie Ali Abu Dehn Menschen, die Jahre im Foltergefängnis von Tadmor verbracht hatten.
Am Freitag war ich gemeinsam mit Ali Abu Dehn wieder in der Dahiyeh, im Familiensitz von Lokman Slim und Monika Borgmann. Es galt Abschied zu nehmen von Lokman Slim, einem der brillantesten politischen Analytiker des Libanon, der längst ein guter Freund geworden war, mit dem ich über die Jahre so viele bereichernde Abende mit wunderbaren Diskussionen verbracht habe. Lokman Slim war am 3. Februar zu Besuch bei einem Freund in dem Dorf Niha im Süden des Landes, bei Nabatiyeh, einer weiteren Hochburg der Hizbullah. Gegen 20.30 Uhr verließ er das Haus seines Freundes, um zurück nach Beirut zu fahren. Sein Handy wurde 400 Meter entfernt gefunden. Er selbst 35 Kilometer entfernt in der Nähe der Küstenautobahn, getroffen von fünf Kugeln, drei in der Stirn, einer in der Brust, einer im Rücken.
Es ist die Trauer, gepaart mit großer Wut auf seine Mörder. Es spielt keine Rolle, wer sie waren, auch wenn jedem klar ist, wer verantwortlich ist. Libanon hat - wieder einmal - eine kritische Stimme verloren. Lokman Slim reiht sich ein in die Opfer wie Gibran Tueni und Samir Kassir, die ihr kritisches Denken mit dem Leben bezahlt haben. In den Stunden nach dem Mord waren die sozialen und klassischen Medien voll mit Nachrufen und Würdigungen. Wie Monika Borgmann es so wunderbar schlicht gesagt hat: "Man kann einen Menschen töten, aber nicht seine Ideen!"
Hier zwei Nachrufe, die alles beschreiben, was Lokman Slim ausgemacht hat:
Lokman Slim im Libanon ermordet - Der Furchtlose
(Christoph Reuter, SPIEGEL Online, 4. Februar 2021)
Wahrheit als Provokation
(Medico International, 5. Februar 2021)
Traurige Grüße aus Beirut
Achim




