Sandfisch hat geschrieben: ↑Do 10. Okt 2024, 21:17
Ich glaube jedoch, dass Reisen auch in Zeiten von Krieg, Pandemie, Kriminalität etc. enorm wichtig und wertvoll ist.
Ja. Und wenn es nur dazu dient zu erkennen, dass die Umstände im entsprechenden Land womöglich anders sind, als es uns unsere Medien hier zuhause vermitteln. Da kann ich nur voll und ganz zustimmen.
Die Berichterstattung über Afrika z.B. bewegt sich in den Leid-Meiden immer noch auf dem Level "Neger vor seiner Hütte, Elefantenkacke rauchend". Dass das Internet in RSA hundertmal schneller und billiger ist als in Berlin, habe ich z.B. noch nirgendwo gelesen.
Auf unserer Afrikadurchquerung 2009/2010 sind wir durch den Sudan gefahren, als es im "Südsudan" gerade anfing zu scheppern. Auf unserer Route war nichts davon zu spüren, aber man konnte merken, dass es irgendwo gärt.
Wir sind durch Libyen, kurz bevor der Wahnsinn dort losging, und wir haben mit Leuten gesprochen, die wussten, was da loswar und uns z.B. dringend davon abgeraten haben, in bestimmte Wüstengegenden zu fahren.
Wir waren Ende 2002 / Anfang 2003 in Ilizi, Algerien und wollten mit unserem 78er auf die Gräberpiste, von Ilizi aus. Der Posten hinter Ilizi am Einstieg in die Strecke hat uns überzeugt, eher überredet, dass dies keine gute Idee ist. Die wussten schon mehr. Wir sind umgedreht, und was in der Gegend später passiert ist, weiß ja jeder, der hier mitliest. Gibt ja auch aktuell einen Filmhinweis dazu.
In Äthiopien waren wir im Gebiet der Afar, wochenlang. Es brutzelte überall, viele waren im Kampfmodus, aber niemand hat versucht, Ausländer dort mit reinzuziehen. Ebenso im OMO-Gebiet, in dem wir später waren.
Was bleibt am Ende: Die klare Einsicht, dass man für sein Tun selbst verantwortlich ist. Dass man viele Leute fragen kann, aber am Ende selbst entscheiden muss. Dass man auf andere hören muss, vor allem auf Einheimische. Dass man wieder lernen muss, für sein Tun am Ende gerade zu stehen und die Verantwortung dafür zu übernehmen.
Klar lesen wir, was das AA sagt, aber ungefähr so, wie wir einen mittelschlechten Reiseführer lesen. Man muss sich klar sein darüber, dass es beim AA um POLITIK geht. Das ist eben kein Reiseführer. Die interessiert nicht wirklich, was wir Reisenden wollen. Und mich interessiert am Ende auch nicht wirklich, was die wollen.
Und wir würden aktuell sehr gerne durch Russland fahren, um zu sehen, was dort wirklich los ist. Blödes Klima / Wetter aber gerade, aber das wird ja irgendwann wieder besser. Und falls es nicht ganz schlimm dort wird, mit der politischen Situation, werden wir das auch ins Auge fassen. Leider muss man politisch aber das Schlimmste annehmen.
Und auf all unseren Reisen hat uns nur ein einziges Land wirklich spüren lassen, dass sie uns am liebsten von hinten sehen. Das war Polen.
Kann man lange drüber nachdenken.
Grüße!