Moin,
um GGs Ausführungen zu ergänzen: auch wenn es komisch klingen mag, im Grunde gelten bei solchen Unfällen off-road die gleichen Regeln, wie on-road:
- Unfallstelle absichern! Gerade auf Pisten durch hügeliges Gelände in Tunesien ist die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann der nächste dahergebrettert kommt, nicht zu gering einzuschätzen. Es muss ja kein Warndreieck sein, aber zwei gekreuzte Sandbleche vor der Unfallstelle in den Dünenkamm gesteckt, schaden nicht. Bei Unfällen auf Strassen sollte man dagegen mit allem absichern und den Verkehr mit allem warnen, was man zur Verfügung hat.
- Evtl. verwundete Personen bergen. Auch scheinbar unverletzte Mitfahrer betreuen, sie können zumindest unter Schock stehen und in der Folge unlogisch bzw. unsinnig agieren (ich hatte bei einer Höhlentour mal einen Kamerad, der ins Seil gestürzt war, äußerlich unversehrt, bestand er in der Folge darauf, unbedingt seine Stirnlampe auszumachen, damit er beim Weitermarsch die Abgründe nicht sieht...). Leute unter Schock sind eine Gefahr für sich und andere.
- Wenn nicht, wie von GG beschrieben schon gleich zu Anfang geschehen, das Fahrzeug sichern: Motor aus/Strom abklemmen (ggf. Batterie ausbauen, damit sie nicht leerläuft, Achtung Verätzungsgefahr!)/Kraftstoff abstellen (Motorrad) bzw. Kanister mit Kraftstoff bergen (wg. Brandgefahr)
- Ausrüstung bergen. Die überlebenswichtige Ausrüstung sollte ohnehin halbwegs griffbereit in ein oder zwei Rucksäcken/Packtaschen im Fahrzeug sein, diese sollte man als nächstes aus dem havarierten Fahrzeug rausholen (Verbandszeug, Navigations/Kommunikationsmittel, Verpflegung, Trinkwasser, Kleidung, Schlafsack)
- Beim Aufrichten umgekippter Fahrzeuge erst mal ruhig bleiben, Bergematerial zusammentragen und eine "Strategie" durchspielen. Nicht draufloswerkeln! Robuste Ansatzpunkte am Fahrzeug finden, auf Brems- und Spritleitungen und andere empfindliche Teile achten. Zum Aufrichten eignet sich hervorragend ein Greifzug oder eine zugstarke Winde, beides an einem zweiten Fahrzeug angeschlagen. Versuche, ein Fahrzeug durch Bergegurt und "ziehen" mit dem zweiten Fahrzeug scheitern auf losem Untergrund, weil drehende Räder weniger Bodenhaftung haben, als feststehende Räder. Ausserdem besteht die Gefahr, zu ruckartig aufzurichten und den Havarist schlimmstenfalls noch auf die andere Seite zu legen. Deshalb sollte ein Bergegurt so am Havarist angeschlagen sein, dass ein paar Helfer in Gegenrichtung ziehen können, um das aufgerichtete Fahrzeug am Weiterkippen zu hindern.
Liegt der Havarist "bergab" auf der Seite (also Räder "gipfelwärts") ist das auf die Räder stellen praktisch unmöglich, die Seitenlage sollte möglichst weniger als 90° betragen. Sonst benötigt man extreme Hebelkräfte, die im Endeffekt nur das Fahrzeug weiter beschädigen. An stabilen Fahrzeugen kann man ggf. mit einem langhubigen Wagenheber den Havaristen etwas anheben, bevor man aufrichtet, geht das nicht, sollte das liegende Fahrzeug auch wenn es brutal klingt, erst einmal auf dem Teller gedreht werden, damit die Räder talwärts schauen. Beim Aufrichten zum Tal hin ist eine Sicherung durch ein weiteres (drittes) Fahrzeug vom Berg aus unerlässlich!
- Es kann Situationen geben, in denen man sehr schnell sein Fahrzeug aufgeben muss, bzw. durch äußere Umstände von seinem Fahrzeug getrennt wird. Es macht deshalb Sinn, Reisepass, Bargeld, Kreditkarte, Tickets und ein kleines Handy mit Ersatzakku stets "am Mann" zu tragen. Man kann sich auch Kopien wichtiger Dokumente als PDF und als BMP-Bilder auf einen USB-Stick speichern, im nächsten Hotel oder Internetcafe findet sich immer ein PC mit Drucker und man kann sich schnell mit "Ersatzdokumenten" ausstatten, was weitere Behördengänge, Rückreise etc. deutlich vereinfacht.
- Wichtig ist IMO eine zuverlässige Person zuhause, die in der Lage ist, auch ohne ständige (telefonische) Anweisung die "richtigen" Entscheidungen zu treffen (Ersatzteilbeschaffung, Hilfskräfte informieren usw.). Diese Person sollte mit einer Kopie der Packliste der Reisenden, allen Fahrzeugdaten, Daten und Fotos der Mitreisenden und der ungefähr geplanten Strecken sowie Kontakte zu anderen Wüstenfüchsen und Einrichtungen vor Ort (Campingplätze, Tourguides, Garde-Nationale-Posten) ausgestattet sein.
Grüsse
Tom
P.S. Bergeausrüstung (Schaufeln, Gurte, Wagenheber, Greifzug) niemals seitlich am Fahrzeug verstauen - wenn das Auto draufliegt, nützt sie wenig...
P.P.S. Ein bis zwei 6kg Feuerlöscher können einem das Fahrzeug retten. Die 1kg und 2kg Püsterchen reichen dagegen grade mal für nen durchgegangenen Grill, abe rnicht um einen Entstehungsbrand am Fahrzeug bekämpfen zu können...[/img]