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Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmuggler

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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Kuno » 27.04.2014 16:51

Da stimmt doch was nicht!
Hier ist Alexander seit etwa 5 Monaten auf einer Zweiwochenwanderung und gleichzeitig haben sie ihn in Kairo am Sack gepackt.
Hallo?
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Alexander » 27.04.2014 17:03

Kuno hat geschrieben:Da stimmt doch was nicht!
Hier ist Alexander seit etwa 5 Monaten auf einer Zweiwochenwanderung und gleichzeitig haben sie ihn in Kairo am Sack gepackt.
Hallo?


Kuno, den krieg ich auch noch irgendwann auf die Reihe :oops:
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Alexander » 10.05.2014 20:15

Die letzte Nacht…

Die letzten großen Dünen habe ich nun hinter mir gelassen. In der Ferne sehe ich einige Palmen, in deren Richtung ich meine Karre ziehe. Zwischen mir und den Palmen zieht sich eine lange, aber nur zwei Meter hohe Düne, eigentlich ist es mehr eine Sandverwehung. Sie ist aber so steil, dass ich trotz Aufbietung aller Zugkräfte das Alugestell auf Rädern nicht über den Sandhügel gezogen bekomme. Ein Umweg von ca. einem Kilometer lässt sich nicht vermeiden.

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Gegen Mittag erreiche ich das erste Grün seit fast einer Woche. Nach Tagen, an den Braun- und Ockerfarben dominierten, erscheint die neue Farbe intensiv und angenehm. Nicht dass ich etwas gegen die Farben der Wüste hätte. Im Gegenteil. Aber etwas Abwechslung ist sehr angenehm.

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Ich sammle etwas Holz und vertrocknete Palmwedel und zurre es mit einem Spanngurt auf meinem Wüstenwagen fest. Irgendwie schaffe ich es aber, dass ich einen Teil wieder verliere. ;) Für ein kleines Lagerfeuer am Abend sollte es aber ausreichen.

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Ein letzter Blick zurück in die Richtung, aus der ich gekommen war. Knapp 210 Kilometer hatte ich zurückgelegt. Endlich hatte ich es geschafft, mein Ziel, dass ich mir seit Jahren gesteckt hatte und immer wieder erfolglos in Angriff genommen habe, zu erreichen. Den Bir Russia. Die Gewissheit, es geschafft zu haben, erfüllt mich mit etwas stolz, aber auch Wehmut macht sich breit, denn ich weiß, dass die Wanderung kurz vor ihrem Ende steht.

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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Alexander » 10.05.2014 20:16

Emotionen

Der Tag neigt sich dem Ende und ich nutze das Abendlicht, um noch einige Fotos zu schießen. Danach suche ich mir einen windgeschützten Lagerplatz für die letzte Nacht in der Großen Sandsee.

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Ich bereite meinen Lagerplatz vor, erledigt noch einige Tagebucheinträge und entfache ein kleines Feuer. Das trockene Holz brennt wie Zunder. Ohne Rauch züngeln die Flammen dem Himmel entgegen. Ich sitze da und starre in die Flammen. Ich lasse in Gedanken noch mal die letzten Tage Revue passieren. In diese Gedanken mischen sich andere Gedanken, die ich eigentlich zu hause lassen wollte, die ich mit dem Betreten der Wüste zurücklassen wollte. Plötzlich waren sie da. Die Emotionen werden stark dort draußen in der Einsamkeit. Man kann sich ihrer kaum erwehren.

Immer wieder lege ich ein Stück Holz nach, bis der Vorrat zu Ende geht. Die Sterne stehen schon am Himmel und ich starre in das Feuer, bis die letzte Glut erloschen ist…

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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Kuno » 23.05.2014 20:58

Oh - ich hatte gar nicht gemerkt, dass es hier weitergegangen ist, Alexander. Endlich wieder Palmen :)
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Alexander » 01.06.2014 12:13

Der letzte Tag

Ein letztes Mal breche ich mein Nachtlager ab. Etwas zögernd stopfe ich meinen Schlafsack in den Rucksack. Zunächst schlage ich nordwestlichen Kurs in Richtung Westseite des Salzsees Birket Siwa ein. Den Bir Wahid, der nur wenige Kilometer von meiner Strecke entfernt liegt, lasse ich westlich liegen.

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Die ersten Spuren, wenn auch vom Winde verweht und schon eine zeitlang im Sand hinterlassen sind ein Zeichen dafür, dass die Tage der Einsamkeit in Kürze zu Ende gehen werden.

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Eigenartig geformte Kalkfelsen liegen im Sand. Dieser hier erinnert mich an diesen Kampfstern aus einem der bekannten Sience Fiction.

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Wer hat hier für mich den Weg gepflastert? ;)

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Versteinerungen im Fels …

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… und Reste von Muscheln im Sand.

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Richtung Libyen. Eigentlich hatte ich noch vor einen Abstecher in Richtung libysche Grenze zu machen. Zeit hätte ich noch im Überfluss. Ebenso Wasser und Verpflegung.

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Irgendetwas hält mich davon ab, den zweitägigen Umweg zu machen. Ich weiß nicht was, aber es zieht mich zurück nach Siwa. Erst später sollte ich erfahren, dass diese Entscheidung mich evtl. vor ernsthaften Problemen bewahrt haben könnte.

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Wie aus dem Nicht erscheint eine Piste im Sand. Warum ausgerechnet hier? Was bewegt jemanden, eine Piste in den Sand zu schieben, die dann urplötzlich aufhört?

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Ich verschwende keine Gedanken mehr daran über die Entstehungsgeschichte der Piste und folge ihr einfach, überquere einen Hügel und erkenne den See mit seinem Tafelberg am Westrand.

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Ein letzter Blick in Richtung Libyen und den letzten Dünen.

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Aus einem alten Bohrloch plätschert Wasser und ergießt sich in einen kleinen See, dessen Wasser nach Altöl stinkt. Ein Kolben, eine Zylinderkopfdichtung… Evtl. hat hier jemand seinen Motor zerlegt oder Ölwechsel gemacht. Auch ansonsten würde sich das Wasser nicht als Trinkwasser eignen. Es stinkt auch ohne Öl und ist salzhaltig.

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Die ersten Menschen nach langer Zeit. Sie wundern sich, was dieser Typ mit der Alukarre hier will. Total eingestaubt, Bartstoppeln im Gesicht, vollkommen ungepflegt. ;)

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Mit dem Wasser aus dem Becken werden die Gärten bewässert. Grün kann eine sehr angenehme Farbe sein, wenn man es nicht politisch sieht und längere Zeit darauf verzichten musste. Ich frage den Besitzer, ob ich mich etwas waschen darf, bevor ich mich zurück nach Siwa wage. Er sieht ein, dass ich wohl etwas Körperpflege vertragen könnte und ich wasche mich und meine Klamotten, die schnell in der heißen Sonne wieder trocknen.

Danach versuchen wir eine Unterhaltung. Da weder er englisch noch ich seine Sprache spreche, ruft er seinen Bruder an, der per Mobiltelefon die Übersetzung übernimmt. :)

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Was immer auf dem Schild steht. Ich habe keine Ahnung. Es stand am Rande der Gärten und wird wohl etwas Wichtiges bedeuten. Vielleicht kann es ja jemand übersetzen. ;)

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Frisch gewaschen und gestylt mache ich mich auf den Weg zurück nach Siwa. Die Menschen, die mir begegnen sehen mich entweder vollkommen entgeistert an oder sie lachen über mich. Was will hier ein Europäer mit einer Alukarre die er durch die Oase zieht. Einige fragen nach dem Zweck der Karre und ich versuche die Fragen geduldig zu beantworten. ;)

Schon am Eingang der Oase strömt mir der Geruch von frisch auf trockenem Palmenholz gegrilltem Hühnchen in die Nase. Nach den Tagen mit mehr oder weniger künstlicher und geschmacklich einseitiger Nahrung ein paradiesischer Geruch. :) Ein gemütliches und gutes Essen stehen hiermit jetzt ganz oben auf der Agenda.

Wie schon erwähnt hatte ich zunächst noch einen Besuch des alten Flugfelds südlich des Bir Russia und einen Abstecher in Richtung libysche Grenze geplant. Die beiden Umwege hätten noch etwa drei Tage in Anspruch genommen. Später erfuhr ich, dass in der Gegend, in der ich am dritten Tag angekommen wäre ein Ägypter vom Militär erschossen wurde. Der Ägypter war nachts von einem Camp unterwegs in Richtung Siwa. Der Ägypter wurde vermutlich vom Militär für einen Schmuggler gehalten. Was zu seiner Erschießung geführt hatte, ist für mich bis heute nicht erschlossen. Das Paradoxe an dieser Geschichte: der Erschossene selbst war Mitglied des Militärs und befand sich auf dem Rückweg vom Heimaturlaub.

Eigentlich glaube ich nicht an Vorsehungen. Aber dieses Ereignis gab mir noch einige Zeit zu denken.

ENDE

Grüsse
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Alexander » 01.06.2014 12:28

Liebe Ägypten- und Wüstenfreunde,

ich hoffe, der Reisebericht hat euch gefallen und dem einen oder anderen vielleicht sogar einige Anregungen geboten.

Mancher wird sich jetzt wohl denken: das würde ich auch gerne mal machen.
Ich hatte schon an anderer Stelle von einer guten Vorbereitung geschrieben. Ausrüstung, körperliche Fitness und eine gewisse mentale Stabilität sind auf jeden Fall notwendig.

Siwa würde sich sehr gut zum Wüstenwandern eigenen, da das Gelände gut dafür geeignet und die Landschaft atemberaubend ist. Leider liegt Siwa in der Nähe der libyschen Grenze und es gibt klar Sicherheitsbedenken, dort eine längere Wanderung zu unternehmen. Übernachtungen in der Wüste in der Nähe Siwas bzw. der libyschen Grenze sind derzeit nicht erlaubt. Selbst Veranstalter unternehmen nur Tagestouren in der Nähe Siwas.

Gut eignen sich aber die östlicheren Oasen, auch aus Gründen der Sicherheit. Zwischen Baharia und Dakhla gibt es traumhafte und vor allem abwechslungsreiche Landschaften die sich sowohl für motorisiertes als auch unmotorisiertes Reisen sehr gut eigenen.

Wer sich hierfür Anregungen hohlen will oder sich über Ausrüstung informieren will, der sollte sich diesen Reisebericht durchlesen.

Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Paradies

Viele Grüsse
Alexander
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Kuno » 01.06.2014 13:44

Alexander hat geschrieben:Was immer auf dem Schild steht. Ich habe keine Ahnung. Es stand am Rande der Gärten und wird wohl etwas Wichtiges bedeuten. Vielleicht kann es ja jemand übersetzen. ;)

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Frisch gewaschen und gestylt mache ich mich auf den Weg zurück nach Siwa.


Hmmm. Ich hoffe mal, du hast dich nicht am falschen Ort gewaschen :shock:

Das Schild stammt von der Behoerde fuer Trinkwasser und Abwasserentsorgung und bezeichnet eine Wasseraufbereitsungsanlage fuer Schmutzwasser. Da darunter Flaechenaangaben zu lesen sind kann ich mir gut vorstellen, dass man hier grossflaechig Abwasser versickern laesst...
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Alexander » 01.06.2014 14:19

Kuno hat geschrieben:Hmmm. Ich hoffe mal, du hast dich nicht am falschen Ort gewaschen :shock:


Ich hatte danach weder Juckreiz noch Haarausfall. Also kann es nicht geschadet haben ;-) Das Wasser aus dem Becken kam aus einer anderen Quelle. Getrunken habe ich es auf jeden Fall nicht. War wohl gut so.

Grüsse
Alexander
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Alexander » 01.06.2014 14:23

und nochmal zum Thema Sicherheit an der ägyptisch/libyschen Grenze:


Gang kills six Egypt guards on Libya border

Cairo: A gang of arms traffickers killed six Egyptian border guards on Sunday after they crossed into the country from Libya, the military said. mehr...

Grüsse
Alexander
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon birgit » 26.08.2014 08:15

Hallo Alexander,

wie hast Du das eigentlich mit der Genehmigung und dem begleitenden Militäroffizier gemacht? Gelten diese Vorschriften für Touren von Siwa aus nicht mehr? Das wäre ja toll!

Grüße

Birgit
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon birgit » 26.08.2014 08:27

Du meinst, dass die Karre deswegen beim Abwärtsfahren immer so nen "Drive" bekam? :lach:
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Wolfgang K » 26.08.2014 08:44

Wenn sie keinen finden der mitlaufen will schicken sie diesen Kollegen mit:

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Der Dienstherr bietet bis zu 500 Stück pro Monat an. Da ist also noch ein gewisser Puffer wenn man weiter in den Süden will. Es bräuchte aber noch eine Hand voll aufblasbare Köche, damit es so richtig in die Einsamkeit der Wüste gehen kann.
http://german.alibaba.com/product-gs/po ... 32264.html
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Re: Ägypten: Wüstenwanderung auf den Spuren libyscher Schmug

Beitragvon Alexander » 26.08.2014 20:03

Hallo Birgit,

birgit hat geschrieben:wie hast Du das eigentlich mit der Genehmigung und dem begleitenden Militäroffizier gemacht? Gelten diese Vorschriften für Touren von Siwa aus nicht mehr? Das wäre ja toll!


ähem, tja, Genehmigung. :mrgreen: Die Wahrscheinlichkeit, dass für einen irren Wüstenkarrenzieher eine Genehmigung ausgestellt wird, besonders unter diesen widrigen Umständen dürfte wohl gegen Null tendieren. Da das Tourismusbüro eh immer geschlossen hat, habe ich es ohne Genehmigung versucht ;-) Ich bin mir nicht sicher, ob man in diesen Breiten überhaupt einen Begleitoffizier benötigt. Ich war in der Gegend zweimal mit Genehmigung unterwegs und ein Anhängsel hat man mir nicht mitgegeben. Ich denke, der würde auch relativ schnell aufgeben. Spätestens bei den ersten Blasen ;-)

Grüsse
Alexander
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