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Alternative Libanon? Auf und abseits von Touristenpfaden

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Libanon - Saida - Das Seeschloss

Beitragvon Alexander » 03.11.2017 18:42

Es gibt einige Orte im Libanon, die muss man einfach besuchen. Ohne sie hat man den Libanon nicht bereist ;-)

Einer der bekanntesten Orte ist Saida, oder Sidon, wie wir es aus biblischen Erzählungen kennen. Saida bietet einige Highlights wie das Meeresschloss, den alten Souks und die Zitadelle mit ihren engen und verschlungenen Gassen.

Für 7000 libanesische Pfund fährt der Bus stündlich vom Busbahnhof am Cola Square von Beirut nach Saida und wieder zurück. Der palästinensische Taxifahrer, der mich zum Cola Square fährt meint: Ich fahre dich überall hin. Wenn es sein muss bis nach Israel ;-)

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Saida selbst hat eine bewegte zweitausend Jahre andauernde Geschichte vorzuweisen. Die Stadt wurde erobert, zerstört, wieder aufgebaut. Ihre Regenten wurden enthauptet, vertrieben oder fielen in den zahlreichen Schlachten. Phoenizier, Griechen, Römer, Araber, Kreuzfahrer und Mameluken gaben sich hier quasi die Hand.

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Nach dem 1. Weltkrieg übernahmen die Franzosen Saida, wurden aber im 2. Weltkrieg von den Engländern besiegt.

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Während dem Krieg in Palästina (1945 - 1947) entstanden zwei große Flüchtlingslager bei Saida (Ein el-Hilweh und Mieh Mieh)

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Lebten um 1900 noch ca. 10.000 Menschen in Saide, wird die Einwohnerzahl mit Umland mit ca. 200.000 angegeben.

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Wie vor 1000 Jahren leben die Menschen in Saida vor allem von Fischfang. Heute besuchen Touristen die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten.

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Panoramabild von Saida. Zum Vergrößern auf das Bild klicken.

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Im Saida Resthouse, direkt neben dem Schloss kann man übrigens ausgezeichnet Sea Food essen. ;-)

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Alexander
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Re: Libanon - Saida - Das Seeschloss

Beitragvon schnorr » 03.11.2017 21:00

danke für die schönen bilder und den bericht.
ich bin ein wenig über zwei aussagen gestolpert, die ich gerne erläutern würde (ich hoffe, das klingt nicht zu klugsch....)

Alexander hat geschrieben:
Saida selbst hat eine bewegte zweitausend Jahre andauernde Geschichte vorzuweisen. Die Stadt wurde erobert, zerstört, wieder aufgebaut. Ihre Regenten wurden enthauptet, vertrieben oder fielen in den zahlreichen Schlachten. Phoenizier, Griechen, Römer, Araber, Kreuzfahrer und Mameluken gaben sich hier quasi die Hand.
die geschichte saidas ist schon viel älter, es wurde briefe vom bürgermeister in ägypten gefunden, die knapp 3500 jahre alt sind(amarna-briefe-siehe wiki) wahrscheinlich war saida aber schon viel älter, archäologen gehen von der besiedelung libanons vor 40.000 jahren aus

Nach dem 1. Weltkrieg übernahmen die Franzosen Saida, wurden aber im 2. Weltkrieg von den Engländern besiegt.
klingt nach kampf, war aber nicht so, england und frankreich waren im wkII verbündete und einigten sich "friedlich"

nochmals danke für deinen schönen bericht, macht spass, die zu lesen.
Viele Grüße
Jörg

meine Reisen unter http://www.quadridesafrica.de
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Re: Libanon - Saida - Das Seeschloss

Beitragvon Uwe Schmitz » 03.11.2017 23:06

schnorr hat geschrieben:... wahrscheinlich war saida aber schon viel älter, archäologen gehen von der besiedelung libanons vor 40.000 jahren aus.

vor 40.000 jahren wurde Saida aber nicht schon gegründet... :lach:
viele grüße

und auch vielen dank, alexander, für deine berichte aus dem libanon (da müsste ich auch mal hin, nicht, achim?)
uwe
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Re: Libanon - Saida - Das Seeschloss

Beitragvon Alexander » 04.11.2017 04:57

Hallo Jörg, hallo Uwe,

danke für eure Bemerkungen.

Tatsächlich wurde Sidon von Chronos um 2750 v. Chr. erbaut und gegründet. So die Überlieferung Herodots. Sidon wird um diese Zeit auch schon in der Genesis erwähnt und fällt in die Zeit der großen Flut, für die Noah die Arche erbaute. Trotzdem findet man in Sidon/Saida Spuren aus dem Neolithikum, also der Zeit, bevor die Töpferei erfunden wurde.

schnorr hat geschrieben:Nach dem 1. Weltkrieg übernahmen die Franzosen Saida, wurden aber im 2. Weltkrieg von den Engländern besiegt.
klingt nach kampf, war aber nicht so, england und frankreich waren im wkII verbündete und einigten sich "friedlich"


Ganz so friedlich verlief die "Übergabe" an die Engländer nicht. Als in Beirut noch Commonwealth Truppen aus Australien eintrafen, ersuchte das französische Vichy Regime um einen Waffenstillstand bei den Engländern. Das Time Magazine berichtete damals darüber. Allerdings sehr verhalten und der französisch/englische Zwischenfall wurde später in der Presse zensiert, da, wie du schon richtig sagst, Franzosen und Engländer eigentlich verbündete im WW II waren.

Grüsse
Alexander
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Libanon - Saida - The Old City

Beitragvon Alexander » 04.11.2017 12:16

Die picturesque Altstadt von Saida erstreckt sich vom Sea Castle bis zum Castle of St. Louis.

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In der Old City leben ca. 20.000 Menschen. Dieser Teil ist eine reine Wohngegend, wobei der andere Teil den alten Souk beherbergt.

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Kaum betritt man die verwinkelten Gassen kehrt Ruhe ein. Kein Straßenlärm stört hier und auch die heißen Sommermonate kann man hier im Schatten leichter ertragen.

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Autos gibt es hier nicht, denn die Gassen sind zu klein. Nicht mal mit einem Trabbi würde man um die Kurven fahren können. :-)

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Wenn man sich nicht auskennt, kann man sich leicht in den Gassen verlieren. Aber es gibt mehrere Ausgänge. Oder man fragt einfach einen Anwohner.

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Libanon - Saida - Der alte Souk

Beitragvon Alexander » 04.11.2017 14:39

Überquert man die Straße, gelangt man in den alten Souk. Und dort geht es erheblich lauter zu ;-)

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Hier wird gehandelt, gefeilscht und gehandwerkert. Das Schöne dabei ist, man kann durch den Souk streifen, ohne dass man angemacht oder genötigt wird. Der Besucher kann sich alles in Ruhe anschauen und wenn er Lust hat, sich das eine oder andere Souvenier kaufen.

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Hier kann man seine durchgelaufenen Schuhe reparieren lassen...

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...oder sich mit Frischfleisch eindecken. Mir ist aber nicht nach BBQ und mache mich weiter auf Entdeckungsreise.

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Teilweise führt der Souk durch alte Gewölbe der St. Louis Citadel, die erst vor kurzem restauriert wurden. Durch das "Face Lifting" hat der Markt aber nichts von seinem alten Charme eingebüsst.

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Wandert man durch die Gewölbe, findet man noch anderes Sehenswürdigkeiten, z.B. die Aisha School, die Leadership Academy für junge Frauen.

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Die St. Nicholas Cathedral aus dem 8. Jahrhundert. Leider schließt der Geistliche die Kirche bei meinem Eintreffen.

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Es gibt noch mehr Sehenswürdigkeiten im Souk. Z.B. Das Seifenmuseum. Mir läuft aber die Zeit weg und ich muss zurück nach Beirut. Wenn man sich Zeit nimmt, kann man in Saida gerne 2 - 3 Tage verbringen.
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Libanon - kreuz und quer durch Beirut

Beitragvon Alexander » 05.11.2017 18:46

Bevor ich einen ganz anderen Teil des Libanons besuche, geht es erst nochmal kreuz und quer durch Beirut.

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In Beirut stehen noch einige schöne alte Häuser, die auf ihre Restaurierung warten. Oftmals fehlt das Geld.

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In den meisten Fällen lohnt sich aber die Investition und so wird aus alte wieder neu.

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Teile Beiruts wurden in Hügellandschaften gebaut, sodass man immer wieder auf lange Treppen stößt. Das Treppensteigen lohnt sich, denn sie führen meist in interessante und romantische Ecken der Stadt.

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Im Libanon findet man häufig alte Schätzchen. Mangels finanzieller Mittel wird das alte Blech immer wieder auf neu getrimmt. Entsprechend viele kleine Werkstätten gibt es, die alten Rostlauben wieder zu ihrem alten Glanz verhelfen.

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Es gibt auch neues Gefährt wie diese nagelneuen, Chrom blitzenden Harleys ;-)

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Was ich jetzt in der Zaitunay Bay entdecke, hätte ich nicht erwartet. Man fühlt sich fast nach Dubai in die Marina versetzt. Motorjachten unter verschiedener Beflaggung liegen hier...

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...vor einer modernen Skyline vor Anker.

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Panoramabild. Zum Vergrößern auf das Bild klicken.

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Rafiq al-Hariri, der Vater des jetzt zurückgetretenen Premiers wurde am 14. Februar 2005 in Beirut neben diesem Hotel per Sprengsatz getötet. Üblicherweise verwendet man für ein Attentat 30 - 40 Kilo Sprengstoff. In diesem Fall wollten die Attentäter sicher gehen und verwendeten eine Tonne Sprengstoff, wodurch dieses Hotel stark beschädigt und weitere 22 Menschen getötet und über 100 verletzt wurden.

Das Hotel spielt dabei eine besondere Rolle. Der ermordete Präsident war der Gründer der Baufirma SOLIDERE (Société libanaise pour le veloppement et la reconstruction de Beyrouth, Gesellschaft für die Entwicklung und den Wiederaufbau von Beirut), die aufgrund von Vereinbarungen mit der Regierung "besondere" Rechte genoß und durfte sogar Enteignungen durchführen, was auch intensiv betrieben wurde. So wurden historische Gebäude beschlagnahmt und abgerissen, um hochmoderne Luxusimmobilien zu bauen. Der Eigentümer des Hotels hat dem bis auf den heutigen Tag Stand gehalten. 2020 läuft die Enteignung aus und der Hotelbesitzer kann sein Hotel wieder restaurieren.

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Ein Denkmal steht heute gegenüber dem Hotel und erinnert an das Attentat und ihre Opfer.

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Re: Alternative Libanon? Auf und abseits von Touristenpfaden

Beitragvon Achim Vogt » 06.11.2017 14:03

Danke, Alexander, für die wunderbaren Bilder und natürlich die Erzählungen von einem denkwürdigen Geburtstags-Nachfeier-Abend (musste ich jetzt mal mit Bindestrich schreiben, sonst ließe es sich auch als nach Feierabend verstehen :lol: ).

Und ja, Uwe, Du solltest mal vorbeikommen! Mit einer Ente kannst Du ja im Libanon problemlos einreisen: hier sind ja nur Benziner erlaubt :wink:

Viele Grüße
Achim
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Libanon - Bcharre

Beitragvon Alexander » 07.11.2017 18:53

Heute führt es mich in den Norden Libanons. Mit dem Bus fahre ich vom Busbahnhof vom Dora (gesprochen Daura) Roundabout in Beirut nach Bcharre. Gundsätzlich fährt man mit dem Bus von Dora in den Norden und vom Colla Square in den Süden und ins Bekaa Tal.

Im Libanon muss man sich angewöhnen, dass Ortschaften oder geographische Informationen teilweise sehr unterschiedlich geschrieben werden, was daran liegt, dass im Libanon mehrere Sprachen gesprochen werden. So liest man z.B. Bcharre, Bcharri oder Bsharri.

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Diese malerische Ortschaft legt sich um das Kadisha Valley und bietet einiges dem Reisenden. Im Winter kommen Ski Fahrer auf ihre Kosten und es gibt sogar Sessellifte. Im Sommer kann man das Kadisha Valley durchwandern oder den höchsten Berg des Mittleren Ostens erklimmen. Doch davon später.

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Bevor ich mich auf große Tour begebe, sehe ich mich erst mal in Bcharre um. Langsam macht sich der Hunger bemerkbar und ich suche nach einer Imbissmöglichkeit.

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Der Käfer könnte auch wieder mal eine Frischzellenkur vertragen. ;-) Es sieht aber so aus, als wäre er trotz seines Zustandes noch Fahrbereit.

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Nach kurzem Suchen finde ich libanesisches Fastfoot und der Betreiber des Restaurants macht mit einem interessanten Slogan Werbung: Dicke Menschen können schwerer entführt werden. Bleibe auf der sicheren Seite und esse hier viel. :mrgreen:

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Ok, die Wahrscheinlichkeit im Libanon entführt zu werden ist relativ gering. Trotzdem schlemmere ich mich durch die lokalen Köstlichkeiten. ;-)

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Das Krankenhaus an der Kante des Berges wurde neu errichtet und fast fertiggestellt. Eben nur fast, da ein korrupter Investor mit dem restlichen Kapital das Weite gesucht hat.

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Besonders gefallen mir diese alten Steinhäuser, die an den Rand des Valleys gebaut wurden. Eine Blockhütte wäre dort allerdings auch nicht übel.

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So, und jetzt geht es ins Kadisha Valley.

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Libanon - Bcharre - Kadisha Valley

Beitragvon Alexander » 08.11.2017 17:46

Kadisha Valley: 1. Versuch

Das Wadi Qadischa/Kadisha Valley oder Qannoubine Valley gehört zu den schönsten Landschaften des Libanons und steht unter dem Schutz der UNESCO. Man könnte den Namen des Tales im Libanongebirge mit "Heiliges Tal" übersetzen.

Im Kadisha gibt es einige Klöster, die teilweise in steilem Fels gebaut wurden. Die Mönche wählten dieses Tal nicht nur wegen seiner Schönheit. Die Klöster liegen in unwegsamen Gelände und dienten zum Schutz vor Verfolgern.

Tja, wo geht es runter ins Tal. Ich frage mal bei der Info Stelle des Tourismusbüros nach ;-)

"Siehst du dort hinten den großen Baum? Dort gibt es eine Treppe die in das Tal führt." Eine Karte zum Mitnehmen gibt es leider keine. Mir wird aber bereitwillig das Einzelstück zum Abfotografieren überlassen.

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Ich mache mich also auf den Weg zu diesem großen Baum und finde auch die Treppe. Dann kann es ja losgehen. ;-)

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Nach ca. 100 Meter Treppenwanderung endet die Treppe und ich stehe vor einem Bach. Dort soll es aber runter gehen. Also versuche ich am rutschigen Rand dem Bach zu folgen. Unmittelbar rechts vom Bachbett verläuft ein Zaun, der mit Kabeln versehen ist. Da mir nicht klar ist, ob es sich dabei um Stromträger handelt, halte ich lieber mal Abstand.

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Der Abstieg ins Tal wird immer abenteuerlicher. Gelgentlich rutsche ich auf einem glitschigen Felst aus und Lande im Bach :mrgreen: Irgendwann wird das Gestrüpp immer dichter. Wilde Himbeer- und Hagebuttensträucher und noch eine Pflanze mit ca. 5 cm langen Dornen scharren an meiner Haut. Ich stehe im Bach und es geht nicht mehr weiter. :roll: Mittlerweile stelle ich fest, dass ich beim Kampf mit den Naturgewalten meine Brille verloren habe. :lol: Der Zaun ist mittlerweile nach rechts abgebogen. Aber auch in diese Richtung geht es wegen dichtem Buschwerk nicht weiter. Links von mir geht es einen steilen Hang hoch, der mit stacheligem Buschwerk bewachsen ist. Den Bach zurück wollte ich nicht mehr, denn den kannte ich jetzt schon. Also versuche ich es am ca. 20 Meter hohen und erdigen Steilhang. Ich zerre mich an Wurzeln und Buschwerk nach oben, mit dem beladenen Rucksack auf meinem Rücken. Zwei Meter vor meinem Ziel rutsche ich aus und gleite auf dem Hosenboden 18 Meter zurück auf dem Abhang runter und komme in dem Bach zum Sitzen. 8) Das hat natürlich alles seine Vorteile. Denn meine schlammverschmierte Hose wird gleich wieder sauber. :)

Ich laufe ein Stück zurück. Der Abhang ist immer noch steil, aber es gibt einige kräftige Wurzeln, an denen ich mich bis zum Rand nach oben ziehen kann.

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Und dann stehe ich vor dem Kadisha Valley. Der Anblick ist gigantisch. Von hier aus geht es aber nicht mehr weiter ins Tal.

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Ich bin auch ziemlich am Ende meiner Kräfte und ruhe mich erst mal aus und genieße die Aussicht.

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Da es schon spät am Nachmittag ist erklimmere ich einen weiteren Abhang und entdecke ein verlassenes Restaurant.

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Sogar eine Hollywoodschaukel gibt es hier. 8) Ihr glaubt nicht, was dann passiert. Ich mache es mir gemütlich und verschwinde ins Land der Träume. :oops:

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Das war der erste Versuch, das Kadishe zu erkunden. Morgen versuche ich es nochmal ;-)

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Libanon - Bcharre - Kadisha Valley

Beitragvon Alexander » 09.11.2017 16:56

Kadisha Valley: 2. Versuch

Dieses Mal versuche ich es von der gegenüberliegenden Seite des Tals. Eine Serpentinenstrasse führt zum Einstieg ins Kadisha. Am Besten fährt man mit dem Taxi zum Ausgangspunkt des Valleys. Und schon geht es los. ;-)

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Von hier aus sieht man schon das erste Kloster in den Felsen. Durch das Valley führt eine gut ausgebaute Piste. Man kann das Tal durchwandern, oder man nimmt sich einen ortskundigen Führer mit Fahrzeug. Man wandert dann nur zu den Sehenswürdigkeiten, die per Fahrzeug nicht erreichbar sind.

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75% des Libanons sind verkarstet. Entsprechend häufig trifft man auf Höhlen und bizarre Felsformationen.

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Und Natur gibt es hier im Überfluss. ;-) Soweit möglich überlässt man die Natur sich selbst und manchmal hat man den Eindruck, als würde man durch einen Urwald laufen.

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Abzweigungen, die zu Sehenswürdigkeiten führen sind markiert. Was die Markierungen aber genau aussagen sollen, konnte ich bisher noch nicht ausfindig machen.

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Durch das Kadisha fließt der Nahr Abu Ali, der das Tal über tausende Jahre geformt hat. Das Wasser sieht zwar klar aus. Trinken würde ich es aber nur im Notfall. Dafür gibt es im Tal einige Brunnen, aus denen trinkbares Wasser fließt.

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Sehenswürdigkeiten sind gut ausgeschildert und teilweise mehrsprachig.

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Das Schild zeigt die Richtung zum "Our Lady of Qannoubine Monastery. Die Treppe führt zum Kloster hinauf.

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Libanon - Bcharre - Kadisha Valley

Beitragvon Alexander » 10.11.2017 18:07

Was mich immer wieder erstaunt ist, wie Menschen in der Lage sind in so unzugänglichem Gelände ein Gebäude in den Fels zu bauen. Ok, die Mönche und Nonnen haben ja viel Zeit und ist im Einklang mit ihrem Motto: ora et labora - beten und arbeiten.

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Die Klöster sind ein Hort der Ruhe und Meditation. Entsprechend wird auf den Wunsch nach Ruhe hingewiesen :-)

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Der Ausblick von der Terasse des Klosters ist gigantisch. Ich verstehe gut, warum die Kirchendiener/innen sich diesen Ort für ihre Zuflucht ausgewählt haben. Zwei Nonnen begrüßen die Besucher und geben bereitwillig Auskunft.

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Das Nonnenkloster datiert sich zurück auf das 14. Jahrhundert. Es liegt zwischen Bsharre und Hadchit und gehört der Baptisten Fraktion an.

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Weiter geht es zur Bqerqacha Hermitage.

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Die Hermitage wurde von Takla, einer Tochter eines Priesters von Bsharre gegründet und beherbergt noch einen Eremiten. Sein Alter gibt er mit 85 an und er lebt alleine hier oben und baut alles, was er zum Essen benötigt selbst an. Ich musste feststellen, dass der alte Mann noch richtig gut drauf ist und obwohl er hier weder Internet noch Radio hat, ist er über das Zeitgeschehen sehr gut informiert :-) Selbst über aktuelle Fußballergebnisse kann man mit ihm diskutieren. :lol: Will man ihm Geschenke mitbringen, verweigert er diese. Doch hat er nichts dagegen, wenn man ihm Medikamente oder ein Töpfchen Honig mitbringt.

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Libanon - Bcharre - Kadisha Valley

Beitragvon Alexander » 11.11.2017 10:48

Mittlerweile steht die Sonne tief am Süden und es wird Zeit, die Rückkehr nach Bcharre anzutreten. Von der Heremitage führt teilweise eine steile Wendeltreppe nach oben zurück zur Strasse bei Hadchit.

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Hier hört die Treppen zunächst auf und man muss das nächste Treppenstück suchen. Ich bleibe aber noch etwas hier oben und genieße den Ausblick aufs Tal.

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Das Ende des Aufstiegs wird durch eine kleine Kapelle mit einem ebenso kleinen Friedhof markiert. Der steile Aufstieg hat an meinen Kräften gezährt. Zum Glück finde ich gleich nach der Kapelle einen kleinen Kiosk und die Betreiberin sieht mir anscheinend meine Erschöpfung an, bietet mir an, mich hinzusetzen und stellt mir eine eisgekühlte Cola auf den Tisch ;-)

Das restliche Stück zurück zu laufen erspare ich mir. Die hilfsbereite Frau ruft mir ein Taxi, worüber ich überaus dankbar bin ;-)

Das war es übrigens noch nicht mit dem Kadisha Valley. Es zieht sich noch wesentlich weiter in Richtung Westen. Diesen Teil hebe ich mir für eine weitere Reise in den Libanon auf.

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Morgen nehme ich mir ein weniger anstrengendes Ziel vor: The Cedars of God
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Libanon - Bcharre - The Cedars of God

Beitragvon Alexander » 12.11.2017 17:57

Arz ar-Rabb, the Cedars of God sind einer der letzten Überreste eines einst den Libanon überziehenden Zedernwaldes. Im Laufe der Antike wurden die Wälder von den Phönizier, Ägypter, Assyrer, Babylonier, Perser, Römer und Israeliten abgeholzt, da sich die Bäume hervorragend für den Schiffsbau eignen. Die Türken haben schließlich den Wäldern den Rest gegeben, da sie das Holz für die Schwellen ihrer Eisenbahnlinien benötigten.

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Seit 1985 versucht das Committee of the Friends of the Cedar Forest die Wälder in den Bergen wieder aufzuforsten. Allerdings nur mit mäßigem Erfolg.

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Die alten Zedern, die noch stehen haben teilweise ein Alter von mehr als 3000 Jahren erreicht. Heute stehen die Bäume unter Naturschutz. 1995 wurde der Wald zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt.

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Der Eintritt in den Zedernwald ist frei. Allerdings wird man darum gebeten, einen Beitrag für den Erhalt der verbliebenen Wälder zu leisten.

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Diese Baumgruppe besteht noch aus einer Gruppe von 375 Bäumen und wachsen in einer Höhe von 2000 Metern über dem Meeresspiegel am Berg Makmel.

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Heute sind die Berge kahl. Teilweise werden die kahlen Hänge als Skigebiet genutzt. Es gibt sogar einige Sessellifte.

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Libanon - Bcharre - Qornet es Sawda

Beitragvon Alexander » 16.11.2017 16:56

Wenn man sich schon Bcharre anschaut, dann rentiert sich auf jeden Fall ein Marsch auf den Qornet es Sawda. Mit 3088 Metern ist er der höchste Berg des Libanons. Irrtümlicherweise wird der Qornet es Sawda in verschiedenen Quellen als höchster Berg des Mittleren oder Nahen Ostens angegeben.

Das Schwarze Horn, so die deutsche Bezeichnung kann man relativ leicht besteigen, denn es führt eine Piste auf den Gipfel.

Es gibt zwei Einstiege. Entweder man fährt zum Cedars of God und läuft die Serpentinenpiste am Ski Hang nach oben, oder man fährt der Teerstraße weiter nach oben, bis nach links eine Piste abzweigt, die durch eine Marienstatue markiert wird.

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Die Einfache Entfernung beträgt ca. 12 Kilometer und man sollte etwa sieben Stunden für den Hin- und Rückweg veranschlagen. Wählt man nicht den Anstieg über die Skipiste spart man sich ungefähr eine Stunde. Ist man oben an der Skipiste angekommten, wendet man sich etwa 200 Meter nach dem oberen Skilifthäuschen nach links und folgt der Piste. Verlaufen kann man sich praktisch nicht, bis auf eine Stelle, wo die Piste sich mehrfach aufteilt. Aber davon später.

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Unterschätzen sollte man die Strecke allerdings nicht. Es ist etwas anderes, wenn man 24 Kilometer in der Ebene läuft, oder wenn man dabei einige hundert Höhenmeter überwinden muss. Als Verpflegung bieten sich sog. Power- oder Müsliriegel an, da der Aufstieg einiges an Energie erfordert. Auch im Sommer ist warme Kleidung unbedingt erforderlich. Ich war Ende Oktober oben und es war bitter kalt. Man wird aber durch eine einmalige Aussicht entschädigt, wie z.B. hier auf das Kadisha Valley.

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Den Aufstieg sollte man so früh wie möglich beginnen (7:00), da am Nachmittag Wolken aufziehen können, die man dann anfassen kann und die Orientierung dann nicht mehr so einfach ist.

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Am Morgen schauen die ersten Berggipfel aus der Wolkendecke heraus.

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