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Alternative Libanon? Auf und abseits von Touristenpfaden

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen: Reiseberichte zum Informieren und Träumen, fotografisch dokumentiert. In diesem Forum findet ihr Reiseberichte als "Fotostreckenführer" zu interessanten Reisewegen.

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Alternative Libanon? Auf und abseits von Touristenpfaden

Beitragvon Alexander » 10.04.2016 15:49

Alternative Libanon? Auf und abseits von Touristenpfaden

Es ist erstaunlich, wie schnell man vergisst. Vor einem Vierteljahrhundert ging der libanesische Bürgerkrieg zu Ende. Ich erinnere mich noch, dass man damals von Ost- und Westbeirut sprach und es eine Demarkationslinie gab. Aber was wurde zwischenzeitlich aus dem Land im Mittleren Osten? Eignet sich der Libanon sogar für uns Individualtouristen?

Es wird Zeit, es herauszufinden. Ich buche einen Flug von Düsseldorf nach Beirut und bereite mich darauf vor, ein neues Land kennenzulernen.

Anreise
Es gibt nicht viele Fluggesellschaften, die Beirut direkt anfliegen. Teilweise muss man ein oder zweimal umsteigen, was zu einer Gesamtflugdauer von bis zu 23 Stunden führt. Die Fluggesellschaft Germania ist im Libanon gut aufgestellt und bietet Direktflüge an. Ich wähle die Germania als meinen „Carrier“.

Sicherheitslage
Das Auswärtige Amt schreibt u.a.:


Mit Nachdruck gewarnt wird vor Reisen
- in den Nordlibanon (Stadt und Kreis Tripoli…

oder

Dringend abgeraten wird von Reisen
- in die restliche Bekaa-Ebene einschließlich der touristischen Stätten von Baalbek;
- in die Gebiete südlich des Litani (mit Ausnahme der Stadt Tyros) einschließlich des Grenzgebiets zu Israel;
-in die südlichen Vororte Beiruts (sog. Dahiye).


Sicherlich haben die Reisehinweise des Auswärtigen Amts ihren Sinn und sind vor allem für den unbedarften Reisenden, der gewöhnlich seine Pauschalreise am Strand von Bibione verbringt gedacht. Ein Reisender, der Erfahrung mit Reisen in diese Länder hat, kann diese Orte ohne Probleme besuchen. Eine gewisse Vorsicht und Einhaltung von bestimmten Regeln vorausgesetzt. Ich selbst habe einen Teil Tripolis mit einer organisierten Tour besucht. Ebenso habe ich Baalbek zu Fuß durchstreift, ohne auf irgendwelche Probleme zu stoßen. Ganz im Gegenteil. Ich begegnete ausschließlich freundlichen und kontaktfreudigen Menschen. Dennoch gibt es Stadtteile, die ich nachts nicht notwendigerweise besuchen würde. Diese Einstellung kann aber durchaus subjektiv sein.

Der Libanon ist Ziel von vielen syrischen Flüchtlingen. Derzeit befinden sich ca. 1 Millionen Flüchtlinge im Libanon, bei einer libanesischen Einwohnerzahl von 5,8 Millionen. Zum Vergleich: würde man alle Flüchtlinge in Deutschland in Berlin unterbringen, hätten wir dort das gleiche Verhältnis Flüchtlinge/Einwohner.

Im Libanon existieren auch zahlreiche palästinensische Flüchtlingslager, die unter palästinensischer Verwaltung stehen. Teilweise kann man diese Camps besuchen. Man sollte dies aber nicht alleine tun und auf auffälliges Fotografieren sollte verzichtet werden, da man sonst unter Umständen Probleme bekommen könnte.

Der Libanon steht an dritter Stelle in Bezug auf Staatsverschuldung. Teilweise verursacht durch die bewegte Geschichte, teilweise durch die korrupte Regierung, was sich gelegentlich in den zahlreichen Grafities manifestiert.

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Tatsache allerdings ist, dass die Fahrt mit dem Taxi ein Abenteuer werden kann. :) Doch davon später.

Ich habe selten ein Land bereist, das so vielfältig ist wie der Libanon. Das Land beherbergt 18 verschiedene Religionsgemeinschaften. Neben arabisch kann man sich gut mit Englisch und Französisch verständigen. Das Besondere an der Verständigung: Fällt einem eine Vokabel in der einen Sprache nicht ein, wechselt man eben zur nächsten Sprache. ;-) Man sollte sich also nicht wundern, wenn während der Kommunikation plötzlich die Sprache gewechselt wird.

Die Unterschiede zwischen Arm und Reich sind teilweise enorm.
Von Ferrari und Maserati bis zur Schrottkarosse bewegt sich alles auf den Straßen.

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Aus architektonischer Sicht können die Unterschiede nicht größer sein. Das höchste und modernste Gebäude in Beirut steht in Mitten alter Gebäude. Moderne Architektur wechselt mit alten Gebäuden, in denen noch die Einschußlöcher von Granat- und Gewehrfeuer zu sehen sind.

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Der Libanon bietet nicht nur historisches aus diesem Jahrhundert. Gut erhaltene römische Bauwerke, wie hier z.B. in Baalbek und die eindrucksvolle Landschaft runden das Bild ab.

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So lade ich euch nun ein, mir auf eine Reise in ein besonderes Land zu folgen…
Alexander
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Re: Alternative Libanon? Auf und abseits von Touristenpfaden

Beitragvon Albrecht(Vorname...) » 10.04.2016 18:42

na dann auf!
sehr schön!
ggf. ergänze ich deinen bericht mit aufnahmen von 1994....as time goes by.
cu
albrecht
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Re: Alternative Libanon? Auf und abseits von Touristenpfaden

Beitragvon Albrecht(Vorname...) » 10.04.2016 18:44

...bestimmt wäre es toll, wenn achim ein wenig aus dem nähkästchen plauderte...
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Alternative Libanon? Auf und abseits von Touristenpfaden

Beitragvon tonicek » 10.04.2016 20:07

Hallo, an alle, habe mich lange mit dem Gedanken getragen, den Libanon zu besuchen, natürlich wie immer + überall, wo es möglich ist, mit dem Wohnmobil.
Was mich erst einmal davon abhielt, war oder ist immer noch die gesetzl. Bestimmung, daß Diesel-KFZ nicht einreisen dürfen.
Ich war 4 Monate nonstop auf Zypern, beide Teile, natürlich auch mit dem WoMo. Dort habe ich mich überall erkundigt, ob die Schiffslinie noch von Famagusta oder Tasucu nach Tripoli fährt. Z.B. bei denen hier http://www.fergun.net/ oder auch bei denen: http://www.virtuferries.com/?page_id=15 und last but not least hier auch: https://www.akgunlerbilet.com/online_bilet.php?mod=14

Weiter gekommen bin ich dabei nicht, auch wegen der häßlichen Diesel-Nichteinreisemöglichkeit.
Interessieren tut es mich aber allemal immer noch.

Daher bin ich gespannt, wie das Kapitel hier weitergeht mit Alexander.

P.S.: Momentan plane ich die Schiffsreise mit GRIMALDI von Nortitalien nach Ashdod, geht 5 Tage. Leider hat die Münchner Agentur www.neptunia.de dicht gemacht - warum? Keine Ahnung ! Sollte ich das realisieren können, plane ich minimum 3 Monate, incl. Jordanien, Sinai-Halbinsel, Palästina usw. - Hat da jemand Erfahrungen?
Preise für die Schiffspassage habe ich schon im Ordner, Anfrage ist raus, für ungefähre Fährfahrt Mitte Okt. - Januar '17.
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Re: Alternative Libanon? Auf und abseits von Touristenpfaden

Beitragvon Alexander » 10.04.2016 20:53

tonicek hat geschrieben:Weiter gekommen bin ich dabei nicht, auch wegen der häßlichen Diesel-Nichteinreisemöglichkeit.
Interessieren tut es mich aber allemal immer noch.


An dem Dieselproblem hat sich leider noch nichts geändert. Diesel ist auschließlich Behördenfahrzeugen und Public Transportation vorbehalten.

Grüsse
Alexander
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Alternative Libanon? Auf und abseits von Touristenpfaden

Beitragvon tonicek » 10.04.2016 23:27

Danke, Alexander, für die schnelle Auskunft - damit ist dann wohl der Libanon gestorben vorerst.
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Re: Alternative Libanon? Auf und abseits von Touristenpfaden

Beitragvon fordfahrer » 11.04.2016 09:25

Hallo Alex,
prima, das hatte ich sowieso auf dem Plan! Achim hat da ja bisher nicht viel dazu geschrieben.

Vergiss bitte nicht, auch operativ - praktische Informationen mit zu verteilen. Weiss ich - Übernachtung, Preislagen, eben so, dass man abschätzen kann, was machbar ist, und was nicht.
Und nimm Dir nicht wieder so viel Zeit für den Bericht 8) .


VG
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Re: Alternative Libanon? Auf und abseits von Touristenpfaden

Beitragvon Alexander » 11.04.2016 15:37

Gegen 13:20 Uhr erreicht mein Flug sein Ziel: den international Rafiq-Hariri-Airport. Die Einreise ist kurz und schmerzlos. Die freundliche Polizistin blättert sorgfältig in meinem Pass und als sie keinen Israelstempel findet fragt sie mich, ob ich jemals nach Israel gereist bin oder vorhabe, nach Israel zu reisen. Ich verneine die Frage, denn bei einem Ja würde mir die Einreise verweigert. Israel steht bei den Libanesen nicht besonders hoch im Kurs, denn faktisch befinden sich beide Länder seit 1948 noch im Krieg. Es besteht lediglich ein Waffenstillstand.

Mit dem Einreisestempel bekomme ich auch gleichzeitig mein Visum. Keine Gebühren, keine Wartezeiten, nichts. So unkompliziert hätte ich mir das nicht vorgestellt.

Ich wechsle noch einige Euros in US Dollar und Libanesische Pfund. Beide Währungen sind im Libanon gleichberechtigt und haben zueinander einen festen Wechselkurs. In allen Geschäften, Hotels, Kneipen oder öffentlichen Transportmitteln kann ich mit beiden Währungen bezahlen. Gelegentlich wird man gefragt, in welcher Währung ich bezahlen möchte.

Kurz nach meiner Ankunft trifft Achim ein, um mich vom Flughafen abzuholen. Wir haben uns schon einige Jahre nicht mehr gesehen. Umso herzlicher ist der Empfang. Da ich noch nichts Handfestes gegessen und Achim noch einige Termine wahrzunehmen hatte, läd er mich beim Al Falamanki, einem der besten libanesischen Restaurants ab, damit ich einen kleinen Bissen zu mir nehmen kann.

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Das Restaurant liegt in einer ruhigen Straße, abseits vom nahen Verkehrslärm.

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Am Eingang hängt ein Stadtplan, an dem ich mich schon mal orientiere und, zumindestens auf dem Papier, die Gegend erkunde.

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Es fällt mir noch etwas schwer, mich in der Speisekarte zurechtzufinden. Ich frage einfach den Ober. :-)

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Ich bekomme ein hauchdünnes Fladenbrot mit Käse überbacken serviert. Dazu Bohnen mit Gemüse und einer Soße. Alles miteinander kombiniert ergibt einen schmackhaften Wrap. Keine Ahnung, ob ich das alles richtig mache. Mich beobachtet auf jeden Fall niemand und so lasse ich es mit herzhaft schmecken. ;-)

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Zum Abschluss gönne ich mir noch einen Tee und da ich darauf brenne, die ersten Eindrücke zu gewinnen, schlage ich den Weg Richtung Hauptstraße ein. Achim wird mich dann schon finden. ;-)

Gegenüber der Hauptstraße stehen einige syrische Flüchtlinge. Ich werde noch auf weiter während meiner Reise treffen.

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Ich will gerade die Straße überqueren, da knallt es auch schon. Eine Frau wollte mit ihrem Geländewagen in die kleine Straße einbiegen und übersieht einen Motorrollerfahrer. Der Motorrollerfahrer stürzt und meint im ersten Schmerz, dass sein Fuß gebrochen wäre. Es stellt sich aber schnell heraus, dass dem nicht so ist. Der Geländewagen steht noch auf dem Roller. Einige Diskussionen, ein Verkehrspolizist mischt sich zögerlich in die Geschehnisse ein. Wohl mehr aus Neugier, als sich an der Unfallaufnahme zu beteiligen.

Nach einigen Diskussionen, von denen ich kein Wort verstehe fahren beide Verkehrsteilnehmer wieder weiter. Es gibt zwar Verkehrsregeln. Sie werden aber nicht zu häufig befolgt. Es wird gedrängt und geschnitten. Wer selbst mit dem Fahrzeug im libanesischen Straßenverkehr unterwegs ist, sollte sich eine rauhe Schale zulegen. ;-)

Während der Verkehrspolizist wieder versucht, das Verkehrschaos in Grenzen zu halten...

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...habe ich schon mal Gelegenheit, das höchste Gebäude Beiruts zu bewundern.

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Re: Alternative Libanon? Auf und abseits von Touristenpfaden

Beitragvon wave » 12.04.2016 05:56

... bin auch dabei!
Gruß
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Re: Alternative Libanon? Auf und abseits von Touristenpfaden

Beitragvon Alexander » 12.04.2016 19:05

Zwei Tage hat Achim Zeit, bevor er seinen Urlaub antritt. Diese beiden Tage wollen wir nutzen, um erste Eindrücke in Beirut zu sammeln.

Zunächst lade ich mein Gepäck bei Achim ab, da ich erst am nächsten Tag mein Hotel beziehen werde.

Mit dem Ausblick lässt es sich leben ;-)

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Alte Gebäude werden renoviert oder neu errichtet. Einige Häuser werden renoviert. Leider werden mehr abgerissen, als dass man die Bausubstanz erhalten würde.

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Besuch im Sabra Refugee Camp
Im Libanon gibt es 12 palästinensische Flüchtlingslager, in denen ca. 200.000 palästinensische Flüchtlinge leben. Die Flüchtlingslager werden von der United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East (UNWRA) betreut.

Das Massaker von Sabra und Schatila
Zwischen dem 16. und 18. September 1982 erlebten die Flüchtlingslager Sabra und Schatila in Beirut ein Massaker. Unterstützt von den Israelis, welche die Lager umstellt hatten, drangen 150 Milizionäre in die Camps ein, um nach bewaffneten palästinensischen Kämpfern zu suchen. Die Milizionäre richteten ein Massaker unter den Zivilisten an. Frauen, Kinder und alte Menschen wurden verstümmelt, vergewaltigt und getötet. Unterschiedliche Quellen sprechen von zwischen 460 und 3300 Todesopfern.

Nach dem Abzug des israelischen Militärs übernahm das syrische Militär die Kontrolle. Die beiden Lager gerieten vom Regen in die Traufe und 1985 gab es in beiden Lagern erneut ein Massaker, das von Syrien geduldet wurde. Seit dem gab es immer wieder Lagerkämpfe oder Angriffe des libanesischen Militärs.

Zeugen der bewaffneten Auseinandersetzungen existieren noch heute.

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Ein Überlebender des Massakers schreibt über seine Erinnerungen:

Maher Fakhoury: Erinnerungen eines überlebenden

Wir erreichen das Flüchtlingslager.

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Am Eingang befindet sich ein schwerbewaffneter Kontrollposten, verbarrikadiert mit Sandsäcken, Betonbarrikaden und Panzerfahrzeugen. Wir können ohne weiteres passieren.

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Auffälliges Fotografieren sollte man vermeiden. Es kam schon vor, dass Fotografen für einige Stunden festgehalten und befragt wurden.

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Eine Schule der UNWRA

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Die Arbeitslosigkeit ist extrem hoch, die Umwelt- und Hygienebedingungen sind prekär. Hilfsorganisationen wie die UNWRA arbeiten daran, die Bedingungen zu verbessern.

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Eigentlich kann man nicht mehr von einem Lager im herkömmlichen Sinne sprechen. Über die Jahre entstanden ohne Genehmigung Schwarzbauten, die sich teilweise in verheerendem Zustand befinden. Die Häuser sind überfüllt und nur unzureichend ausgestattet.

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Auf uns kommt ein Man vom Typ Kleiderschrank auf uns zu. Er trägt einen 44er Magnum Smith and Wesson und einen Patronengurt, wie man es in Westernfilmen sieht. Ich stecke meine Kamera lieber mal weg.

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In Häusern, die sich bereits im Verfallzustand befinden, leben palästinensische Flüchtlinge.

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Stromkabelverlegung der besonderen Art

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Re: Alternative Libanon? Auf und abseits von Touristenpfaden

Beitragvon Alexander » 17.04.2016 12:29

Wir verlassen das palästinensische Flüchtlingslager und fahren in den nächsten Stadtteil Beiruts: Chatila bzw. Schatila.

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Ein Mopedfahrer mit leicht überladenem Gefährt. Er transportiert eine Gefriertruhe auf dem Gepäckträger. Man sieht oben nur die Hand, welche die Ladung festhält. Mir würde der Arm dabei abfallen. :roll:

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Ausserhalb des Flüchtlingslagers "normalisiert" sich die Lage wieder.

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Als wir in Chatila ankommen empfangen uns wieder starkbefestigte Militärkontrollen, die aber keinen Autofahrer belästigen und wir können Chatila reibungslos passieren.

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In manchen Stadtteilen ist von dem Müllproblem nichts zu sehen. Die Mülltonnen werden gelehrt. Nur mit der Entsorgung gibt es ein Problem. Kurzfristig entschied die Regierung alte Müllkippen wieder zu eröffnen, um den Müll einzulagern.

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Teilweise bleiben die vom Beschuss durchlöcherten Gebäude als Mahnmal stehen. Teilweise werden sie restauriert oder abgerissen.

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Ein schöner alter Buick for sale. Nicht mehr in optisch gutem Zustand. Aber ein versierter Schrauber könnte aus dem alten Schlitten wieder ein Schmuckstück zaubern. 8)

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Über die Massaker in den beiden Flüchtlingslagern wurde viel geschrieben und im Internet findet man viele Berichte darüber. Teilweise sehr emotionell.

The Butcher of Beirut: On the death of Ariel Sharon - War Criminal, Ethnic Cleanser and Mass Murderer

und manchmal etwas nüchterner:

Songs and Pictures from Palestine: Sabra & Shatila 16. September 1982

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Gelegentlich findet man Gemäuer und mit etwas Fantasie kann man noch den alten Glanz aus vergangenen Tagen erkennen. Libanon braucht Investoren, um diese Bauwerke vor dem Verfall zu retten.

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Alexander
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Re: Alternative Libanon? Auf und abseits von Touristenpfaden

Beitragvon Surfy » 21.04.2016 23:15

Danke für die Inspiration - sowie natürlich Fotos & Berichte.

Es gibt noch so viele Reise-Ziele die es zu erforschen gibt :wink:

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Re: Alternative Libanon? Auf und abseits von Touristenpfaden

Beitragvon Alexander » 23.04.2016 20:19

Wie sagte unser Alt Bundeskanzler Willy Brandt? "Internationale Zusammenarbeit ist viel zu wichtig, um sie alleine den Regierungen zu überlassen."

Organisiationen wie die Non Profit Friedrich-Ebert-Stiftung arbeiten im Interesse der libanesischen Öffentlichkeit. Ihre Ziele sind die Entwicklung und Festigung sozial demokratischer Ideen und Grundwerte. Die FES wurde 1968 in Beirut etabliert und führte ihre Arbeit während des Bürgerkrieges von 1975 - 1990 fort.

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Zum Abschluss eines erlebnisreichen Tages fahren wir noch an das Mittelmeer, damit wir die letzten Sonnenstrahlen nicht verpassen.

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Das Riesenrad hat eine besondere Symbolik. Es drehte sich auch während des Bürgerkriegs weiter. Es stand nie still.

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Der berühmte Taubenfelsen

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Re: Alternative Libanon? Auf und abseits von Touristenpfaden

Beitragvon Alexander » 24.04.2016 19:07

Dair al-Qamar - Im Land der Drusen

Etwas 45 Kilometer südöstlich von Beirut liegt Dair al-Qamar. Eines unserer heutigen Ziele. Zunächst treffen wir uns aber mit Nikita, einer iranischen Freundin, mit der Achim und ich den Tag verbringen werden.

Im Gegensatz zu gestern, wo wir zerbombte und zerschossene Gebäude gesehen hatten, stoßen wir hier auf gut restaurierte Häuser.

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Zur Dunkelheit tobt hier das Nachtleben. Selber singen und trinken ist angesagt. ;-)

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Und einen Job findet man hier auch schnell.

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Die libanesischen Christen sind ein gläubiges Volk. An vielen Plätzen findet man kleine Altäre mit Marien- und Christusfiguren.

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Zu Ostern sind auch die Straßen weniger frequentiert. Das wird sich ab nächste Woche wieder ändern.

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Manche leerstehende Häuser werden von der Natur wieder in Beschlag genommen. Ehemalige Balkonpflanzen breiten sich ungestört aus.

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Über Serpentinen fahren wir weiter in Richtung Dair al-Qamar. Die Stadt war bis 1635 Hauptstadt von Libanonberg unter dem Drusenführer Emir Fakhreddin II.

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In der Stadtmitte steht eine berühmte und gleichzeitig älteste Mosche des Libanons, die vermutlich um 1493 errichtet wurde. Das besondere an dieser Mosche: ihr Minarett wurde in achteckiger Form gebaut.

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Händler bieten aus dem Auto Feigen, Nüsse und getrocknete Früchte aus Syrien und türkischen Honig an. Ich kaufe mir einen Beutel mit dem süßen Kraftfutter.

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Heute scheint Schlachttag zu sein. Ob das Fleisch luftgetrocknet besser schmeckt?

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Eine freundlich Art einem Falschparker mitzuteilen, dass er seine Karre woanders parken soll 8)

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Selbst an diesem entlegenen Ort kann man im Fitnessstudio seinen Körper in Form halten. ;-)

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Mir dieser Statue wird der ehemalige Präsident Chamoun geehrt. Er spielte eine wesentlich Rolle im Aufstand von 1958. In diesem Jahr schickten die USA die Marines, um den Präsidenten zu unterstützen. Gleichzeitig schickten die Amerikaner einen Diplomaten, der Chamoun zum Rücktritt bewegen sollte.

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Wir fahren weiter durch den Chouf - Der el Amar, der durch Terrassenanbau geprägt sind zum Beiteddine (Beit ed-Dine) Palast, in dem Emir Fakhreddin II residierte.

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Ein Leuchter, dessen Lampen an die Form von Kondomen erinnern. :wink:

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Blick auf das Damour River Valley

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Der Beit ed-Dine Palast...

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Eine etwas eigenartiger und freiliegender Elektroverteilerkasten.

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Das stille Örtchen des Emirs

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Auch Emire müssen mal schlafen.

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Mit Kanonen wurde der Palast vermutlich auch verteidigt. Es steht aber nur noch eine als Ausstellungsstück da.

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Re: Alternative Libanon? Auf und abseits von Touristenpfaden

Beitragvon Alexander » 27.04.2016 19:29

Unser nächster Abstecher geht zum Masseer Cedar Forest im Maasser el Shouf.

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Der Masseer Cedar Forest ist ein Naturschutzpark im Maassergebirge mit über 3000 Jahre alten Zederbäumen.

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Wer immer hier vorbei kam, ob Phönizier, Römer oder wer immer sich zu den Seefahrern zählte, besorgte sich hier das Holz für den Schiffsbau. Irgendwann waren die Wälder abgeholzt und nur der heutige Teil blieb übrige.

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Entsprechend kahl sind die Berge. Es gibt allerdings Bemühungen, per Terrassenanbau die Zedern wieder anzupflanzen. Mit mehr oder weniger grossem Erfolg, wie die teilweise abgestorbenen Bäume zeigen. Auch Borkenkäfer und andere Insekten machen der Zedernpopulation zu schaffen.

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Es gibt einige verschieden lange Trails, die man ohne Führer erkunden kann.

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Die weitausladenden Baumkronen bieten ausreichend Schatten. Allerdings ist es zu dieser Jahreszeit noch nicht so heiß, dass man sich in den Schatten flüchten müsste.

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Dieser Baum ist über 3000 Jahre alte und könnte wohl die eine oder andere Geschichte erzählen.

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Blick ins Tal.

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Schatten spendende Baumkronen auf Augenhöhe.

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Zu dieser Jahreszeit liegt in diesen Lagen noch etwas Schnee.

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Auf den 3300 Meter hohen Gipfeln, welche die Grenze zu Syrien bilden, liegt noch wesentlich mehr Schnee. Zwischen dem Gebirge und uns liegt das Bekaa Tal.

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Das Bekaa Tal ist die Obst- und Gemüsekammer des Libanons. Der Stausee sorgt für die entsprechende Bewässerung der Ebene.

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Es ist schon zu spät, um in das Tal zu fahren. Wir machen uns wieder auf den Rückweg nach Beirut. Für meinen nächsten Libanonbesuch steht auf jeden Fall das Bekaa Tal nochmal auf dem Programm.

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Alexander
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