
Man betritt Afrika als Gutmensch, als Menschenfreund, sozial eingestellt, weltoffen und informiert. Jeden Afrikaner, den man trifft, hält man für
ausgebeutet, unschuldig, eben für ein Opfer. Ergriffen wird man dem so armen Schuldlosen gegenüberstehen und mit lauerndem Unterton den dort lebenden Weißen befragen. Er könnte Schuld haben an jeder Tragödie, jedem verhungerten Lebewesen.
Doch dann verändert sich etwas. Der Zeitpunkt ist variabel, aber er kommt, irgendwann. Wie ein gemeiner Holzbock beißt sich das Obskure an der Seele fest. Man schläft in verwanzten Zimmern, schleicht sich geschwächt durch Diarrhöe in ein Krankenhaus, verscheucht mit letzter Kraft die Ratten vor der Tür, um auf der Toilette in Kotspuren fast das Gleichgewicht zu verlieren.
Afrika ist wie Wasser, es dringt in jede Ritze. Es ist noch nicht mal nötig, ein Messer am Hals zu fühlen, nein, es genügt, wenn der verdammte Bus nun bereits zum zweiten Mal nicht anhält trotz deutlicher Handzeichen. Die Veränderung ist abgeschlossen, wenn sich das Wort „Neger“ in den Wortschatz schleicht und sich multipliziert. Man ist entsetzt, aber hilflos dem gegenüber. Der Gutmensch, der Menschenfreund wird nun böse, ärgerlich. Die Afrikaner müssen sich darauf einstellen, sie können eh nicht ohne Finger bis drei zählen. Sind doch nur hinterhältige und bettelnde zweibeinige Schmarotzer.
Später kommt die Gesundung, das Schwierigste. Man treibt sich lange herum in Afrika, ziemlich lange. Man kommt den Menschen nahe, sehr nahe. Man riskiert einen dritten Blick, ohne Vorurteile, ohne Gutmensch-Augen. Man lässt sich mit der Wirklichkeit ein. Der Schwarze ist nicht der bessere Mensch, aber er ist fröhlicher, verzeihender, hilfsbereiter, nicht geknechtet von Zeit und Geld, er ist wie er ist. Man erkennt die eigenen Abgründe beim Gedanken, was man selbst tun würde, müsste man hier leben. Man versteht, dass nicht alle Schwarzen Freunde sein müssen und sind.
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Grüsse
Alexander




