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China reißt sich Afrika unter den Nagel

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Re: China reißt sich Afrika unter den Nagel

Beitragvon Kuno » 29.11.2013 19:47

marylin hat geschrieben:Die tun wenigstens was- und gratis ist ja unsere "Entwicklungshilfe" auch nicht....


Ich habe mir die Muehe gemacht, den Artikel zuende zu lesen und komme zu einem anderen Schluss.

A) Das aktuelle Schinennetz in Kenia stammt noch aus der Britischen Kolonialzeit. Seit der Unabhaengigkeit hat Kenia kaum mehr in den Unterhalt investiert und stattdessen die Infrastruktur verkommen lassen. Die Gruende moegen vielfaeltig sein aber das Resultat dieses "Vorgehens" ist offensichtlich fatal fuer das existierende Eisenbahnnetz.

B) Der Bericht geht nicht darauf ein, warum die 3,8 Milliarden nicht in die Sanierung des existierenden Schienennetzes investiert werden. Vermutungen moechte ich hier keine anstellen.

C) Gibt es einen Plan, der hilft zu verhindern, dass mit der neuen Eisenbahn nicht genau dasselbe passiert wie mit der alten? Der Artikel erwaehnt nichts davon, dass das Projekt einen massgeblichen Teil an "Betrieb & Unterhalt" enthaelt. Die Chance, dass nicht nur der Artikel dieses Thema nicht beruecksichtigt sehe ich als sehr realistisch an.

D) Interessant waere es, zu erfahren, wie Kenia die Chinesische Investition zurueckbezahlt.

E) Ebenfalls interessant zu wissen waere, wieviele Arbeitsplaetze der Eisenbahnbau lokal generiert (wenn auch nur ueber die Bauzeit hinweg). Erfahrungsgemaess ruecken die Chinesen (im Gegensatz zu Europaern und Amerikanern) jeweils mit komplett eigenem Personal an. Wenn das bei diesem Projekt auch der Fall ist, dann ist es gar nicht gut...

F) Zum Thema Auftragsvergabe nur dieses Zitat: "Das Projekt sorgt jedoch auch für Unmut. In Kenia wurde insbesondere die intransparente Auftragsvergabe an die Chinesen kritisiert. "
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Re: China reißt sich Afrika unter den Nagel

Beitragvon Alexander » 19.08.2014 05:30

Afrika denkt nach und sieht die Partnerschaft mit China inzwischen kritisch.

Afrika hat zu sehr auf China gesetzt

Reichlich spät erkennt nun auch Afrika, dass China kein selbstloser Helfer ist, sondern knallharte Eigeninteressen verfolgt. Die vielen Billigimporte aus Fernost haben in Afrika bereits großen Schaden angerichtet und die wenige Industrie, die der Kontinent hat, etwa eine kleine Textilbranche, weitgehend zerstört. Auch importiert China bei seinen Großprojekten in Afrika zumeist eigene Arbeiter. So wird verhindert, dass vor Ort neue Jobs entstehen oder ein nennenswerter Wissenstransfer erfolgt, wie ihn der Kontinent eigentlich nötig hätte. mehr...

Grüsse
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Re: China reißt sich Afrika unter den Nagel

Beitragvon Mathilda » 05.11.2017 07:39

Der Plan mit der neuen "Silkroad" scheint aufzugehen. Nicht nur Kenia, Aegypten und Ethiopien kooperien. Wie die Zukunft um die Energie-/Supplywege aussehen kann dieser PDF nachgelesen werden.
https://www.asienhaus.de/uploads/tx_new ... ika_01.pdf

two belts, one road - Blickwechsel - July 2017.pdf

Auch der Oman unterhaelt beste Geschaeftsbeziehungen zu China. Der Hafen von Duqm passt
sehr gut als Anbindung zum ostafrikanischen Hafen.

http://timesofoman.com/article/121091/O ... sification

Gruss, Mathilda
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Re: China reißt sich Afrika unter den Nagel

Beitragvon markus-1969 » 05.11.2017 18:58

ich hab mal etwas in den links geschmökert.

Die Zielrichtung Chinas ist klar: Die Rohstoffe für das Riesenreich müssen irgendwo her kommen und je mehr Abhängigkeit Afrikas, desto besser.

Aber was ist unsere Zielsetzung ? Absatzmärkte ? Bekämpfung von Fluchtursachen ? Export von europäischem Gen - Fleisch ? Herstellung von Schnittblumen wozu man den Leuten vor Ort das Wasser abgräbt ?

Afrika hat die Wahl zwischen Pest und Cholera.
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Re: China reißt sich Afrika unter den Nagel

Beitragvon schnorr » 05.11.2017 21:15

vielleicht versuchst du es mal neben den spärlichen absatzmärkten mit stimmen bei der un! wenn china die wirtschaft eines landes steuern kann, kann es auch die politik des landes steuern. und das gilt auch für die usa und der eu.
Viele Grüße
Jörg

meine Reisen unter http://www.quadridesafrica.de
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Re: China reißt sich Afrika unter den Nagel

Beitragvon steffen » 05.11.2017 23:58

Mathilda hat geschrieben:Der Plan mit der neuen "Silkroad" scheint aufzugehen. Nicht nur Kenia, Aegypten und Ethiopien kooperien. Wie die Zukunft um die Energie-/Supplywege aussehen kann dieser PDF nachgelesen werden.
https://www.asienhaus.de/uploads/tx_new ... ika_01.pdf


Folgender Zustand in Djibouti von letzter Woche:

  • neuer Hafen in Tadjoura ist nahezu einsatzbereit. Entweder RoRo oder es kommen noch Hafenkrananlagen dazu. Ausbau durch Chinesen.
  • Strasse durch die Goda-Mountains zum neuen geplanten 3. Grenzübergang nach Äthiopien ist im unteren Teil fertig gestellt. Der obere Teil (leider nicht gesehen) scheint aber auch asphaltiert zu sein. Zustand Grenzübergang keine Aussage.
  • Eisenbahn Djibouti - Dire Dawa fährt noch nicht. Strecke scheint aber fertig zu sein. Wir haben in Dewele einen fertigen neuen Personenzug (Lok und Wagons) gesehen, welche fröhlich zu uns rüber gehupt hat, aber fahren tut dort noch nichts. Strecke bis Addis ist auch noch nicht in Betrieb.
  • Salzhafen für Lac Azzale ist einsatzbereit. Größere Salzhaufen als auch fahrende LKWs und Abbaumaschinen direkt auf dem Salzstock in Lac Azzale sprechen für einen aktiven Abbau. Transportschiff zur Ausfuhr haben wir noch nicht gesehen.
  • Straße zwischen Dikhil und Galafi (Grenze Äthiopien) gilt nach Befahrung von diversen welterfahrenen Mitreisenden als schlechteste Strasse der Welt. ich nenne es eine Aneinanderreihung an Unzulänglichkeiten bzw. Strasse der Hoffnungslosigkeit. Gruselig. 90 km in mehr als 3 h. Seit Januar hat sich der Zustand erschreckend verschlechtert. Und das ist die Haupttransportroute von/nach Äthiopien.
  • jeder Ausländer wird gern als "China" angesprochen.

Also China ist voll dabei. Es wird gegenwärtig auch eine Asphaltpiste durch die Danakil von der bestehenden Asphaltpiste vom Lake Afrera nach Hamed Ela gebaut. Da kommt Freude auf, wenn man sieht mit welchem Elan die Chinesen dort durch die Lavafelder fräsen. Damit ist die Anbindung Nordäthiopiens über Hamed Ela - Mekelle/ Wukro ganz schnell gegeben. Bei der Geschwindigkeit, müsste das im nächsten Jahr befahrbar sein.
Die Verbindungsstrasse Dewele (Grenze Äthiopien/Djibouti) ist fast bis Dire Dawa durchasphaltiert (fehlen noch 25 km bei Dire Dawa). Da konnten wir mit neuem Geschwindigkeitsrekord durchblasen. Es ist geplant diese Strasse von Dire Dawa bis Mieso auszubauen. Dann wird das eine neue hoch frequentierte Transportstrasse nach/von Addis Abeba.

Beste Grüße
Steffen
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Re: China reißt sich Afrika unter den Nagel

Beitragvon Mathilda » 06.11.2017 13:53

Danke Steffen fuer die Beschreibung. Scheint so als wenn Abschnitte nur noch connected werden muessen. Wow, wenn ich in Google maps aethiop. Kaeffer eingebe, kommen grenznah welche in chinesischen Schriftzeichen :shock: .
Ich hoerte nur von meinem Sohn was Gibe III am Omo River angerichtet hat (Natur/ Bewohner). Da steckt auch chinesisches Geld drin, auch wenn die Daemme von Italienern gebaut werden.

Gruesse, M.
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Re: China reißt sich Afrika unter den Nagel

Beitragvon steffen » 06.11.2017 14:04

Mathilda hat geschrieben:... wenn ich in Google maps aethiop. Kaeffer eingebe, kommen grenznah welche in chinesischen Schriftzeichen :shock: . ....


8)
Einige dieser "Kaeffer" sind direkte chinesische Arbeitscamps. deswegen vielleicht die chinesischen Bezeichnungen. Drum herum haben sich dann erste Nomaden, Flüchtlinge, etc. angesiedelt. Aber es sind dann noch nicht zwingend äthiopische Siedlungen.

Frohes Schaffen
Steffen
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Djibouti - das neue "Singapur Ostafrikas" ?

Beitragvon Birgitt » 25.11.2017 11:59

Djibouti - das neue "Singapur Ostafrikas" mit chinesischer Hilfe ? Der nachfolgende Artikel passt sehr schön zu Steffens Ausführungen weiter oben von Anfang November ...

China hat in Dschibuti inzwischen seinen ersten ausländischen Militärstützpunkt eingerichtet und damit eindringlich dokumentiert, dass es in Zukunft gedenkt, kein passiver Zuschauer mehr zu sein. Die alleinige Kontrolle über den Wasserweg hat es damit natürlich nicht und wird diese sicherlich auch kaum anstreben. Vielmehr geht es wohl darum, eine Duftmarke zu setzen, im Konzert der Großmächte mitzuspielen und auch militärische Erfahrung zu sammeln. China beteiligt sich in der Region unter anderem im Kampf gegen die Piraterie. Derweil lässt die Volksrepublik aber voll allem das Scheckbuch wirken. Dschibutis autoritär regierender Präsident träumt davon, es Dubai gleich zu tun und sein Land zu einer wichtigen internationalen Drehscheibe zu machen.

China: Truppen am Horn von Afrika
25.11.2017 - heise telepolis

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Re: China reißt sich Afrika unter den Nagel

Beitragvon Birgitt » 28.11.2017 15:58

Wie der Fokus auf wirtschaftliche Entwicklung die Werte in den afrikanisch-europäischen Beziehungen ersetzt ...

Während der Handel zwischen Afrika und China von Rekord zu Rekord eilt und China dafür gepriesen wird, Afrika mit Infrastruktur zu versorgen und zu entwickeln, sehen sich die Europäer immer wieder der Kritik ausgesetzt, zu zaghaft und paternalistisch zu sein.

Vorbild China?
27.11.2017 - IPG-Journal der FES

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In Nigeria werden die Esel teurer – wegen China

Beitragvon Alexander » 14.01.2018 17:54

In Nigeria werden die Esel teurer – wegen China

Was haben Esel in Nigeria mit traditioneller chinesischer Medizin zu tun? Laut Abubakar Ya’u eine Menge: Der nigerianische Sandhändler weiß nicht, wie lange er sich die Lastentiere noch leisten kann, seit China Millionen Eselhäute für den Einsatz in der traditionellen Medizin ordert. Die Preise für Esel sind auch hier in Kano im Norden Nigerias in die Höhe geschnellt. Der chinesische Markt hat bereits an der Bedrohung von Elefanten und Nashörnern einen maßgeblichen Anteil - nun könnte die Nachfrage nach Eselshäuten Arbeiter in Nigeria um ihre Arbeitstiere bringen.


Frankfurter Allgemeine: In Nigeria werden die Esel teurer – wegen China

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