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Entfuehrung - soll fuer mich Loesegeld bezahlt werden?

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Falls ich entfuehrt werde...

...soll mein Heimatstaat fuer mich Loesegeld bezahlen.
8
38%
...soll mein Heimatstaat fuer mich kein Loesegeld bezahlen.
13
62%
 
Abstimmungen insgesamt : 21

Re: Entfuehrung - soll fuer mich Loesegeld bezahlt werden?

Beitragvon Alexander » 17.03.2012 19:20

Kuno hat geschrieben:Einer hat seine Entscheidung offiziell und oeffentlich gemacht.


Nicht nur einer. Wir haben zu viele von diesen Soll-man-zahlen-oder-soll-man-nicht-zahlen Threads. Da hat sich der Eine oder Andere auch schon geäußert.

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Re: Entfuehrung - soll fuer mich Loesegeld bezahlt werden?

Beitragvon Alexander » 26.10.2014 11:17

Seit den Geiselnahmen im Zusammenhang mit der Terrorgruppe IS wird das Thema Lösegeldzahlung wieder kontrovers diskutiert. Einige Länder zahlen, einige nicht. Nach welchen Kriterien wird festgelegt, ob eine Geisel überleben darf oder nicht?


Wer darf leben, wer muss sterben?

Das Thema Lösegeld gewinnt durch die Terroristen des "Islamischen Staats" wieder an Brisanz. Deren Macht wächst auch aus den Erlösen des Kidnapping-Geschäfts. Regierungen warnen davor - und gehen sehr unterschiedlich damit um: Die USA lehnen Zahlungen an Terroristen strikt ab. Deutschland ist nicht so kompromisslos. mehr...

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Re: Entfuehrung - soll fuer mich Loesegeld bezahlt werden?

Beitragvon markus-1969 » 26.10.2014 11:22

naja, Entführungen und Lösegeldforderungen führen oft dazu, daß die verfeindeten Parteien mit einander reden - was sie sonst nicht täten.
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Re: Entfuehrung - soll fuer mich Loesegeld bezahlt werden?

Beitragvon Alexander » 26.10.2014 11:29

markus-1969 hat geschrieben:naja, Entführungen und Lösegeldforderungen führen oft dazu, daß die verfeindeten Parteien mit einander reden - was sie sonst nicht täten.

Ich denke nicht, dass die Kommunikation zwischen den Parteien sich auf die Verbesserung von Beziehungen und der Reduzierung von Entführungen bezieht. Es geht darum Forderungen zu stellen und diese zu erfüllen, oder auch nicht. Von dem her sehe ich notwendigerweise keinen Sinn in Gesprächen mit Terroristen.

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Re: Entfuehrung - soll fuer mich Loesegeld bezahlt werden?

Beitragvon Rainer Bracht » 26.10.2014 13:10

Wieviele sprechen denn hier aus Erfahrung? Auf dem Sofa sitzend kann man prima sagen, man wolle nicht, das irgendeiner
bezahlt. Wenn man selbst in so einer Situation steckt, noch dazu unverschuldet, weil es zuvor keine Anzeichen für derartige Aktionen gab, sieht das ganz anders aus. Nur mal so zum nachdenken,
Rainer
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Re: Entfuehrung - soll fuer mich Loesegeld bezahlt werden?

Beitragvon Alexander » 26.10.2014 13:38

Hallo Rainer,

danke, dass du dich als Betroffener zu dem Thema äußerst und ich kann deine Meinung gut nachvollziehen.

Ich denke, man muß das aus zwei Richtungen betrachten.

Wenn ich entführt werde, wünsche ich mir irgendwann mit Sicherheit, dass alles gut wird und dass meine Regierung für mich Lösegeld bezahlt. Selbst wenn ich vorher ein heißer Verfechter der Keine-Lösegeld-Bezahlungs-"Doktrin" war. Besonders wenn ich damit rechnen muß, dass bei Nichtzahlung ich auf grausame Art und Weise ins Jenseits befördert werde.

Aber was bringt eine Lösegeldzahlung außer der Befreiung der Geiseln? Die Terroristen werden motiviert weiter dem Entführungsbusiness nachzugehen und schließlich werden mehr Menschen Opfer einer Entführung. Mit dem Geld finanziert der Terror weitere Gewalttaten. Es gibt hier einige Beispiele, um nur AQIM und IS zu nennen. Wir bewegen uns da also in einem Teufelskreis. Was soll man also tun? Was ist die richtige Lösung? Hättest du einen Lösungsansatz?

Viele Grüsse
Alexander
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Re: Entfuehrung - soll fuer mich Loesegeld bezahlt werden?

Beitragvon Rainer Bracht » 26.10.2014 14:11

Eine generell Lösung ist schwierig. Aber man sollte unterscheiden zwischen Menschen die unverschuldet in solch eine
Lage geraten und Leuten die sich wissentlich in Gefahr begeben.
Wer z.B. meint die Kabylei sei ein prima Wandergebiet war vielleicht schon vorher kopflos. Hört sich vielleicht sarkastisch an, aber es gibt leider Gegenden dieser Welt die momentan nicht für touristische Aktivitäten geeignet sind. Wer meint im AA sitzen nur Deppen und alle Warnungen lächerlich findet, sollte mit den Konsequenzen leben. Wobei das persönliche Sicherheitsgefühl sehr subjektiv ist, uns kamen ca. 2 Stunden vor unserer Entführung Motorradfahrer entgegen, die danach sagten sie hätten sich jederzeit sicher gefühlt. Wie dem auch sei, spaßig ist es nicht in so einer Situation zu stecken, und diejenigen die jetzt behaupten, sie würden nicht wollen das Lösegeld gezahlt wird würden ihre Meinung schnell revidieren wenn sie selbst betroffen wären,
Rainer
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Re: Entfuehrung - soll fuer mich Loesegeld bezahlt werden?

Beitragvon schnorr » 26.10.2014 16:01

warum denn immer der staat?
es gibt auch versicherungen dafür
http://www.firstclassversicherung.de/te ... fuehr.html
Viele Grüße
Jörg

meine Reisen unter http://www.quadridesafrica.de
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Re: Entfuehrung - soll fuer mich Loesegeld bezahlt werden?

Beitragvon Alexander » 26.10.2014 16:09

Es stellt sich die Frage, was diese Versicherungen wert sind. Ich kann mir vorstellen, wenn eine Regierung wie in England und den USA sich entscheidet, dass grundsätzlich kein Lösegeld bezahlt wird, dann wird auch die Versicherung nicht zahlen können.

Es gab Fälle in den USA, in denen Familien für das Lösegeld aufkommen wollten und die Regierung mit der Beschlagnahme des Geldes gedroht hat, sollte versucht werden, eine Lösegeldübergabe versucht werden. Gleiches könnte ich mir vorstellen, könnte mit Versicherungen geschehen.


Grüsse
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Re: Entfuehrung - soll fuer mich Loesegeld bezahlt werden?

Beitragvon Alexander » 26.10.2014 16:26

Das Video, das ich hier poste, wurde heute von der Terrorgruppe IS veröffentlicht. In diesem Video kommt die britische Geisel John Cantlie zu Wort, der sich seit zwei Jahren in IS Geiselhaft befindet.

Cantlie beschreibt wie unterschiedlich seine Geiselmithäftlinge behandelt wurden und welche Länder Lösegeld zahlen und welche nicht.

Dieses Video dient mit Sicherheit Propagandazwecken. Darüber bestehen keine Zweifel. Dennoch vermittelt das Video interessante Hintergründe über das, was eine Geisel in seiner ausweglosen Situation denken könnte.

Dieses Video ist das fünfte von acht, in dem die gleiche Geisel zu Wort kommt. Was am Ende des letzten Videos steht, wenn sich die britische Regierung entscheidet nicht zu zahlen können wir nur vermuten.

Download: Lend me your ears ca. 134 MB

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Re: Entfuehrung - soll fuer mich Loesegeld bezahlt werden?

Beitragvon Wolfgang K » 26.10.2014 16:39

Aber man sollte unterscheiden zwischen Menschen die unverschuldet in solch eine
Lage geraten und Leuten die sich wissentlich in Gefahr begeben.


Hallo Rainer,

unverschuldet gerät jedes Opfer eines Verbrechens in die entsprechende Lage. Schuld laden die Täter auf sich, nicht die Opfer.

Was mich an der Sache immer noch aufregt – und das gilt auch für andere Entführungen – ist die Tatsache, dass Ihr damals zu den Sündenböcken gemacht wurdet. Es mag subjektiv sein, aber ich glaube, dass seit dem Entführungsopfern mehr Wut und Häme entgegenschlägt als den Tätern. Dass Ihr unverschuldet in Not geraten seid, hat man euch nie zugestanden.

Was mich aufregt ist, dass man auf politischer Ebene zwar bereit ist zu zahlen, aber nicht dazu steht und anschließend die Opfer benutzt um den Zorn derjenigen die um ihre Steuern jammern (am lautesten wahrscheinlich diejenigen die eher auf der Nehmer- als der Geberseite stehen) auf die Opfer abzuwälzen.

Wenn ein Staat die Verantwortung hat oder beansprucht seine Bürger freizukaufen, dann muss es auch ein Konzept geben wie man das in Zukunft verhindert.
Mit Reisewarnungen ist es aber allein nicht getan. Dass es nicht reicht der Gefahr aus dem Weg zu gehen hat der Fall Chrobog gezeigt. Er ist wahrlich ein Insider. 2005 wurde er nachdem er die 2003 Entführten als verantwortungslos bezeichnet hatte selbst im Jemen entführt. Er hat sich auch sicher gefühlt.

Ich bin kein Gegner davon zu zahlen, solange man dazu steht und bereit ist anschließend alles zu tun, um den Tätern und anderen potentiellen Nachahmern die Lust auf eine Wiederholung nachhaltig zu verleiden, und zwar notfalls mit demonstrativ brutaler Gewalt. Es darf in der Summe kein Erfolg sein.

Viele Grüße
Wolfgang

EDIT: Er heißt Chrobog, nicht Chroburg.
Zuletzt geändert von Wolfgang K am 26.10.2014 18:32, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Entfuehrung - soll fuer mich Loesegeld bezahlt werden?

Beitragvon Ricca » 26.10.2014 17:15

Hallo,

Aber man sollte unterscheiden zwischen Menschen die unverschuldet in solch eine
Lage geraten und Leuten die sich wissentlich in Gefahr begeben.

(das hat jetzt nichts mit dir Rainer zu tun)

Das Problem ist zu definieren, wann jemand "schuldig" oder "nicht schuldig" ist.
Siehe Tunesien-Blog.

Wenn jetzt einer von den Postern die für Tunesien sind gekidnappt wird, ist er dann schuldig oder unschuldig?

Herzliche Grüße
Ricca
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