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Entfuehrung - soll fuer mich Loesegeld bezahlt werden?

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Falls ich entfuehrt werde...

...soll mein Heimatstaat fuer mich Loesegeld bezahlen.
8
38%
...soll mein Heimatstaat fuer mich kein Loesegeld bezahlen.
13
62%
 
Abstimmungen insgesamt : 21

Entfuehrung - soll fuer mich Loesegeld bezahlt werden?

Beitragvon Kuno » 17.03.2012 07:25

Um die fuenf Millionen Schweizer Franken sollen zum ausloesen eines Entfuehrungsopfers gezahlt werden. Behaftet mich nicht auf die Zahl, vielleicht geht es manchmal auch billiger.

Offiziell zahlt natuerlich kein Staat Loesegeld. Es scheint aber so zu sein, dass ein Betrag an -zum Beispiel- einen anderen Staat oder eine Organisation ueberwiesen wird, welche dann wieerum den Verbrechern die verlangte Summe zukommen laesst. Fakt ist, dass oefters gezahlt wird.

Auch eine unschoene Tatsache ist dann das Geheule der Kommentarschreiber in den Medien, welche jedesmal von einr Verschwendug von Steuergeldern fuer ein paar abenteuersuechtige Iditoten schreiben.

Gerade ist in der CH diese Diskussion wieder einmal im Gange. Jetzt findet auch eine Debatte im Parlament statt und es wird wohl (nicht nur in der CH) damit enden, dass die Verbrechensopfer mindestens einen Teil der Summe, die fuer sie gezahlt wurde an den Staat zurueckzahlen muessen.

Das Opfer ist Schuld - nicht zuletzt auch, weil man ja in ein Gebiet gereist ist, wo es gefaehrlich ist.

Wir hatten die Diskussion hier im Forum auch schon mehr als einmal. Natuerlich werden auch hier Sprueche geklopft. Aber mir ist aufgefallen, dass sich nur ganz wenige aeussern und noch viel weniger ganz klar sagen, dass sie auf ihre eigene Verantwortung reisen und explizit verlangen, dass man fuer sie nicht "von Staates wegen" zahlen soll. Man weiss ja nie :wink:

Lassen wir mal alle Argumente beiseite, wie "der Staat muss sich immer fuer seine Buerger einsetzen" und reduzieren die Frage auf das was sie ist:
Zuletzt geändert von Kuno am 17.03.2012 10:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Sollen Entfuehrungsopfer zahlen muessen?

Beitragvon Kuno » 17.03.2012 07:39

Es ist mir natuerlich klar, dass man die Frage oben egentlich weiter auffaechern muesste um der Sache gerecht zu werden. Aber ich will es hier bewusst (noch) nicht machen, es geht einfach darum - 'soll' oder 'soll nicht'.
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Re: Sollen Entfuehrungsopfer zahlen muessen?

Beitragvon Horst » 17.03.2012 08:53

Umfragen haben fast immer zu wenig Optionen, um die eigene Meinung wenigstens halbwegs getreu abzubilden. So auch hier.
Habe dennoch ein Kreuzchen gemacht (kein Lösegeld), indem ich das MICH deutlich in Großbuchstaben gesehen habe.

Über eine reine Stimmungsäußerung, die immer wohlfeil ist, wäre es schön, wenn sich hier eine Diskussion entwickeln würde, wie man ein Einspringen des Staates wirksam verhindern kann (so man es will).
Dabei sollte man (soweit möglich) auch den Rahmen von Verfassung bzw. Grundgesetz im Auge haben (auch wenn hier wohl die meisten juristische Laien sind).

Zwei Ideen von mir:
1) Aus persönlicher Sicht des Reisenden:
Abgabe einer notariellen Erklärung, dass man im Falle einer Entführung keinerlei Lösegeldzahlung oder andere staatlichen Aktionen wünscht.
Existierende Erklärungen ähnlicher Tragweite sind z.B. Patientenverfügungen, die es in D und A gibt (und ab 2013 auch in CH).
Es war aber in allen Ländern auch ein langer Weg dahin.

2) Aus staatlicher Sicht:
Eine Liste von Ländern, in denen im Entführungsfall nichts gezahlt wird. Hätte den Vorteil, dass potentielle Entführer von vornherein wissen, woran sie sind. Die Liste muss natürlich breit kommuniziert werden.
Allerdings ist die Frage, ob eine Regierung im Entführungsfall ein evtl. sehr emotionales Medienecho durchstehen kann.
Auch gibt es hier möglicherweise Kollisionen mit dem Grundgesetz.

Kritik oder andere Ideen von euch?

Grüße,
Horst
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Re: Sollen Entfuehrungsopfer zahlen muessen?

Beitragvon Bäärti » 17.03.2012 09:08

Hoi zäme

"Sollen Entfuehrungsopfer zahlen müssen?"
Ich glaube die Frage müsste eher lauten: Sollten nicht vielleicht mal die Entführer zahlen müssen? Oder sollte unser Staat zumindest mal eine Strafanzeige gegen die Täter machen! Und Ermittlungen aufnehmen...

Gruss Bäärti
.
der Muger - ein Bergler auf Abwegen.
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Re: Sollen Entfuehrungsopfer zahlen muessen?

Beitragvon Alexander » 17.03.2012 09:44

Kuno,

auf welche Frage erwartest du jetzt eine Antwort?

Der Titel des Beitrages lauten: Sollen Entfuehrungsopfer zahlen muessen?

Die Optionen deiner Umfrage lauten aber :

...soll mein Heimatstaat fuer mich Loesegeld bezahlen.
...soll mein Heimatstaat fuer mich kein Loesegeld bezahlen.

Evtl. wäre eine Klarstellung gut, da hier zwei wesentliche Fragen auf einmal gestellt werden und es zu Verwirrung führen könnte.

Grüsse
Alexander
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Re: Sollen Entfuehrungsopfer zahlen muessen?

Beitragvon Heinrich » 17.03.2012 09:54

Richtig, Alexander! Hier werden überdies zwei Probleme vermischt:

Die Schweiz zahlt offiziell kein Lösegeld. Für etwas, das nicht bezahlt worden ist, kann nachträglich auch niemand zur Kasse gebeten werden. Entsprechend ist das im Bundesbern überhaupt kein Thema.

Diskutiert wird vielmehr, ob Touristen sich am Aufwand, den der Staat bei der Suche und den Verhandlungen betreibt, beteiligen sollten.

Im Falle der Pakistan-Geiseln sollen – so der Bundesrat – permanent 10 Bundesangestellte beschäftigt gewesen sein (etwa 8 Monate lang).

Die 5 Mio, die Kuno erwähnt, beziehen sich – wenn ich das richtig sehe - auf den „Verwaltungsaufwand“, der bei der Entführung 2003 angefallen ist. Inbegriffen sind natürlich auch Kommunikations- und Vermittlungskosten, Flüge etc. etc. Da 2003 keine Reiswarnung für Südalgerien bestand, wurden die Opfer politisch wie rechtlich korrekt wohl nur im Rahmen der üblichen Versicherungen belangt (gemeinsam Fr. 40`000.--). (Die Zahlen sind in der Presse kolportiert worden!)

Gruss

Heinrich
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Re: Entfuehrung - soll fuer mich Loesegeld bezahlt werden?

Beitragvon Kuno » 17.03.2012 10:57

(Habe den Titel des Themas an die Fragestellung angepasst - und gleich noch eine zweite Umfrage aufgemacht)
Zuletzt geändert von Kuno am 17.03.2012 11:03, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Sollen Entfuehrungsopfer zahlen muessen?

Beitragvon Kuno » 17.03.2012 11:02

Horst hat geschrieben:Umfragen haben fast immer zu wenig Optionen, um die eigene Meinung wenigstens halbwegs getreu abzubilden. So auch hier.


Du hast recht, Horst. Es sind immer zuwenig Optionen da, um die ganze Bandbreite abzudecken. Allerdings geht es mir hier wirklich um die grundsaetzliche Entscheidung, die jemand faellt - erwartet man, dass fuer einem gezahlt wird oder nicht.
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Re: Entfuehrung - soll fuer mich Loesegeld bezahlt werden?

Beitragvon dietmar.peter » 17.03.2012 11:07

Hallo,
mit Verwunderung habe ich manchen Kommentar gelesen. Sollen wird denn nur noch in den Schwarzwald oder nach Malle fahren?
Die Banken haben die Pleite auch verschuldet und die Länder mit Ihrer Mißwirtschaft: -da wurde auch von Seiten des Staates gezahlt und zwar reichlich!
Und was heißt hier "gefährlich": bei unseren 5.ooo-6.000 Toten im Jahr, geht man jedenfalls ein sehr hohes Risiko ein, sich im Straßenverkehr zu bewegen: gezahlt wird auch hier, jedenfalls von den Krankenkassen.
Ich verlange jedenfalls von meinem Land ("Wir sind der Staat"), daß uns in Gefahrensituation geholfen wird und dafür auch die Kosten übernommen werden ohne Regreß- auch wenn ich im Südsudan Hilfe benötige.
Mit Gruß
dietmar
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Re: Entfuehrung - soll fuer mich Loesegeld bezahlt werden?

Beitragvon Alexander » 17.03.2012 11:16

Unabhängig davon, ob eine Lösegeldzahlung im Gesamtkontext richtig ist oder falsch.

So lange unsere Politiker sich mit Steuergeldern die Taschen voll stopfen und unsere Steuergelder verschwenden ergibt es für mich nicht die Frage, ob der Staat zu zahlen hat oder nicht. Ich verlange es einfach, dass der Staat mir hilft, denn das Geld kommt schlussendlich nicht vom Staat, sondern von mir, dem Steuerzahler.

Grüsse
Alexander
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Re: Entfuehrung - soll fuer mich Loesegeld bezahlt werden?

Beitragvon Wolfgang K » 17.03.2012 11:31

Hallo Dietmar.Peter,

es geht auch nicht in erster Linie um die diplomatische Hilfe, sondern um die Lösegeldzahlungen, die dazu dienen sich vor u.U wenig populären Lösungen zu drücken und das Problem erst recht anfachen.

Viele Grüße
Wolfgang
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Re: Entfuehrung - soll fuer mich Loesegeld bezahlt werden?

Beitragvon Wolfgang K » 17.03.2012 11:36

Alex,
ich geb Dir grundsätzlich recht. Ich möchte aber nicht als Jackpot durch die Welt fahren.

Ein anderes Problem ist, dass ganz sicher an der Reisefreiheit gedreht werden wir. Warts ab. Das geht einfacher als Du denkst. Stichwort „gültig für alle Länder“. Die Vollversion dann nur noch mit Begründung…

Grüße
Wolfgang
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Re: Sollen Entfuehrungsopfer zahlen muessen?

Beitragvon ursula » 17.03.2012 17:21

Bäärti hat geschrieben:Hoi zäme

"Sollen Entfuehrungsopfer zahlen müssen?"
Ich glaube die Frage müsste eher lauten: Sollten nicht vielleicht mal die Entführer zahlen müssen? Oder sollte unser Staat zumindest mal eine Strafanzeige gegen die Täter machen! Und Ermittlungen aufnehmen...

Gruss Bäärti
.


hoi Bäärti - jawoll, das seh ich auch so.

Wenn die nie angefängen hätten, Lösegeld zu bezahlen, offen oder versteckt, dann wären wir auch nicht so interessant und müssten uns keine Sorgen machen, wenn wir mal in den Süden reisen.
Ich seh auch nicht ein, was so ein aufgeblähter Krisenstab mit x-Reisenspesenkosten soll. Wenn sich niemand auf Verhandlungen eingelassen hätte, wäre das Problem sicher kleiner.
Für mich muss jedenfalls niemand Lösegeld bezahlen.
Knurr - Ursula
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Re: Entfuehrung - soll fuer mich Loesegeld bezahlt werden?

Beitragvon Turi » 17.03.2012 17:24

Hallo Kuno


Aber mir ist aufgefallen, dass sich nur ganz wenige aeussern und noch viel weniger ganz klar sagen, dass sie auf ihre eigene Verantwortung reisen und explizit verlangen, dass man fuer sie nicht "von Staates wegen" zahlen soll. Man weiss ja nie


Bei mir sieht das so aus:
Verfügung:
Ich.... wohnhaft in ..... verfüge hiermit:
Im Zuge meiner Reisen, bei einer evtl. Entführung, sind von jedweder Seite jegliche Forderungen, insbesondere Lösegeldzahlungen etc. abzulehnen.
Ort , Datum und Unterschrift.

Alles handschriftlich geschrieben, in meinem Fall bei meinem Treuhänder und einer Person im Familienbereich ( Willensvollstrecker) hinterlegt.

Was dann im Fall des Falles von der Seite des Staates oder der Familie passiert ist mir schlussendlich egal,
ich muss dann die Verantwortung selber tragen und niemand muss sich irgend welche Vorwürfe machen.
Es geht ja nicht nur um Zahlungen sondern auch um moralische Bedenken, die sich die Zurückgebliebenen machen.
So stiehlt man sich nicht selbst aus der Verantwortung und entlastet Familie und Staat.

Solange ich nicht entmündigt bin, denke ich, hat diese Verfügung Gültigkeit.

Gruss Turi
Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es umsonst, sie anderswo zu suchen!
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Re: Entfuehrung - soll fuer mich Loesegeld bezahlt werden?

Beitragvon Kuno » 17.03.2012 18:38

Bis jetzt wurde diese Umfrage 202 mal angeklickt.
Ein paar Leute werden mehrfach reingeschaut haben.
17 haben "abgestimmt".
Einer hat seine Entscheidung offiziell und oeffentlich gemacht.

Es ist nicht einfach.
Es geht um das eigene Leben.
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