FILM | 972 Breakdowns

Länder- und Wüstenbezogene Filme

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Ralf Kiefer
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FILM | 972 Breakdowns

Beitrag von Ralf Kiefer »

Auf dem Landweg nach New York

Wo der eigene Plan nicht mehr aufgeht, wird es spannend… Willkommen im Beiwagen eines charmanten aber auch launischen russischen Motorrades auf dem Landweg nach New York.

972 Breakdowns – In diesem Pannentheater begegnen uns die unterschiedlichsten Menschen rund um den Globus. Mit Ihrer Hilfe fahren wir immer ein Stückchen weiter – bis zum nächsten Breakdown.

Wir wurden gezogen, abgeschleppt, Instand gesetzt und noch ein bisschen weiter geschoben… stets auf der Suche nach dem Punkt, an dem es einfach nicht mehr weitergehen kann …!

von https://www.leavinghomefunktion.com/

Das filmische Appetithäppchen:



Gruß, Ralf
Ralf Kiefer
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Re: 972 Breakdowns

Beitrag von Ralf Kiefer »

Moin!

Eine Filmkritik.

Fünf Kunststudenten beschließen nach Ende ihres Studiums das anzuwenden, was sie gelernt haben. Sie wollen einen Film drehen. Das Thema fällt auf Motorradreise. Nur hat von den Beteiligten zu diesem Zeitpunkt fast keiner Ahnung von Moppeds geschweige denn alle überhaupt einen Führerschein oder eine Vorstellung vom Individual-Reisen unter außergewöhnlichen Bedingungen, keine Ahnung von Technik, von Navigation und einigem mehr. Damit der Film auch ganz sicher ein Alleinstellungsmerkmal erhält, fahren sie mit 4 Ural-Gespannen, womit erstens der Filmtitel und zweitens der tägliche Kontakt mit Einheimischen wg. Technikproblemen und Ersatzteilbedarf gesichert ist. 2,5 Jahre auf Reise sind rund 900 Tage mit 972 Pannen.

Zu einzelnen Aspekten des Films fällt mir zuerst auf, daß es in einer Gruppe von 5 Menschen (2 Männer, 3 Frauen) während 2,5 Jahren
ausreichend Gelegenheiten für zwischenmenschliche Probleme gibt. Üblicherweise welche, die eine Fortsetzung einer Reise gefährden.
Thematisiert wird das nur kurz: sie übernachten immer und alle unter einem Tarp und nicht in mehreren Zelten. Daher müssen sie einmal am Tag immer wieder zusammenrücken und sich vertragen. Das war's. Sehr wenig.

Sie haben erwartungsgemäß und erwünscht unterwegs die übelsten technischen Probleme. Kein einziges wird näher dargestellt. Es geht was
kaputt, es wird festgestellt, was es ist, dann wird vielleicht eine sekundenkurze Schrauberszene gezeigt, dann fährt der Troß wieder. Es
gibt kein Bangen, ob eine Reparatur hält, kein Bangen um das Durchhaltevermögen, weil sich gerade was auflöst. Es bleibt sehr
oberflächlich. Die Wirklichkeit ist anders.

Sie haben unterwegs Probleme mit der Gesundheit. Eine Situation wird ausführlich dargestellt: in the Middle-of-Nowhere nähen sie eine tiefe Wunde mit Bindfaden und Nähnadel zu. Ausführliche Bilder sind garantiert. Effekthascherei. Die vielen anderen alltäglichen Situationen werden gar nicht erwähnt.

Sie haben Probleme mit Visa. Diese werden erwähnt, wenn sie den Lauf der Reise maßgeblich beeinflussen. Aber es gibt keine Hintergründe, keine Lösungsmöglichkeiten und keine Überlegungen zu alternativen Strategien. Oberflächlich. Im Normalfall bestimmt so was den Verlauf einer Langzeitreise erheblich.

Es gibt im Film nur eine unmaßgebliche Erwähnung des Themas Finanzierung. Wer außerhalb vom Film sucht, findet den Hinweis auf
Crowdfunding. D.h. sie suchten kurz vor Abfahrt vor 5Jahren Spender zur Produktion eines Films. Im Crowdfunding-Filmchen sind übrigens nur drei der späteren Mitfahrer vertreten. Die anderen beiden sind wohl abgesprungen und kurzfristig ersetzt worden.

Fazit: alles sehr oberflächlich, also im Michael-Martin-Stil, nur daß die 5 ehemaligen Kunststudenten nicht eine heile Welt im Hochglanzformat zeigen, sondern das andere Ende der Skala. Zuschauer, die nie individual reisen, mögen sich daran erfreuen, daß sie jetzt mitreden können. Moppedreisende, die das Versorgungsgebiet des AD/AC selbstorganisiert verlassen, freuen sich in dem Film vielleicht über ein paar außergewöhnliche Landschaftsaufnahmen und jeder aus dieser Kategorie sicher drüber, daß seine Reisen besser organisiert sind. Eigentlich haben dann alle was von den fast zwei Stunden leichter Unterhaltung :-)

Gruß, Ralf
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