Hallo!
Desert Inspiration
Deutschland 2015, Robert Krieg/Monika Nolte
Digital, 60 Min., dt.Untertitel
Der deutsche Sinti-Gitarrist Lulo Reinhardt gilt als einer der wichtigsten Erneuerer der Gypsy-Musik. Der Film begleitet ihn auf einer musikalischen Entdeckungsreise nach Agdz in Marokko, einer kleinen Oasenstadt am Rand der Wüste. Dort taucht er ein in die Kultur der Berber, die in ihrer Musik, ihrer Poesie und ihren Tänzen die Einheit von Mensch und Natur beschwören. Gemeinsam mit seinem Freund und Kollegen Cherif El Hamri findet Reinhardt im Zusammenspiel von Gitarre und arabischer Mandoline zu einem neuen Sound. In ihm verbinden sich Reinhardts von Swing, Rumba, Blues und Flamenco inspirierte Kompositionen mit den hypnotischen Klängen der Berber-Musik. Während die Freundschaft der beiden Musiker die Gemeinschaft von Orient und Okzident symbolisiert, verdeutlicht die Begegnung mit einer Gruppe jugendlicher Berber den Kontrast zwischen nomadischem Wissen und Denken der Berber und der westlichen Zivilisation, die wenig Rücksicht auf Natur und Umwelt nimmt.
Z.B. in Karlsruhe im "Das Kino" vom 22.-27.5.
Ein Appetithäppchen (neudeutsch: Trailer) gibt's auch:
... und ein paar Infos mehr hier mit weiteren Terminen.
Gruß, Ralf
FILM | Desert Inspiration
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Ralf Kiefer
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Ralf Kiefer
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Re: Film: Desert Inspiration
Hallo!
Ich habe mir gestern den Film angeschaut, daher eine kurze Filmkritik.
Die Vorschau versprach schön gefilmte Szenen aus Marokko. Das stimmt. Farben, Motivwahl, Stimmungen, das ist gelungen.
Der Text versprach allerdings mehr, z.B. Begegnung der Kulturen in der Musik. Davon blieb im Film nicht viel übrig. Es werden zwar Musiker beobachtet, sie kommen zu Wort, es gibt ein Konzert, nur bemerkte ich praktisch nichts Hintergründiges, was man bei einem Film erwartet, der Musiker in den Mittelpunkt stellt. Schade, da hätte man was draus machen können.
Ähnlich erging es dem anderen angekündigten Aspekt, dem Aufeinandertreffen der Kulturen abseits der Musik. Das wurde durch eine junge Marokkanerin symbolisiert, die sich selbst als "City Girl" bezeichnet, und der z.B. das Marktgeschehen (Tiermarkt mit Schafen, Ziegen, Kamelen) in der Gegend von Agdz schon völlig fremd ist, da sie lieber in Einkaufszentren und Malls "shoppt". Sie muß sich vom Sinto Reinhardt aus Deutschland anhören, daß es für ihn in seiner Jugend noch völlig normal war auf Tiermärkten offenbar in Deutschland einkaufen zu gehen, um den Tierbestand des väterlichen Zirkus aufzustocken, was diese junge Marokkanerin offensichtlich ein bißchen verwirrte. Gehemmt sind die Dialoge meist durch das Sprachenproblem, denn Herr Reinhardt spricht kein Französisch, so daß die junge Marokkanerin als Dolmetscherin vom Reinhardtschen Englisch nach Französisch oder Tamazight herhalten muß.
Ich hätte gewarnt sein sollen, denn wenn im Zusammenhang mit Marokko das Aufeinandertreffen von Orient und Okzident erwähnt wird, geht mit dem Autor meist die Phantasie durch. Gelernt habe ich demzufolge im Film, daß Marokko an der Seidenstraße liegt, da sich diese bekanntlich von China über den vorderen Orient(!) über Marokko bis nach Timbuktu und Dakar ausdehnte. Aha!? An dieser Stelle erwartete ich intuitiv den Kameraschwenk nach Zagora zum 52-Tage-Schild. Der kam allerdings nicht.
Fazit: das avisierte Thema gibt deutlich mehr als 60min Film her. Und diese 60min werden nicht mal so genutzt, daß eines der Themen mehr als nur angerissen wird. Bleiben die schönen Bilder, die mir allerdings persönlich vor Ort nochmal eindrücklicher sind.
Gruß, Ralf
Ich habe mir gestern den Film angeschaut, daher eine kurze Filmkritik.
Die Vorschau versprach schön gefilmte Szenen aus Marokko. Das stimmt. Farben, Motivwahl, Stimmungen, das ist gelungen.
Der Text versprach allerdings mehr, z.B. Begegnung der Kulturen in der Musik. Davon blieb im Film nicht viel übrig. Es werden zwar Musiker beobachtet, sie kommen zu Wort, es gibt ein Konzert, nur bemerkte ich praktisch nichts Hintergründiges, was man bei einem Film erwartet, der Musiker in den Mittelpunkt stellt. Schade, da hätte man was draus machen können.
Ähnlich erging es dem anderen angekündigten Aspekt, dem Aufeinandertreffen der Kulturen abseits der Musik. Das wurde durch eine junge Marokkanerin symbolisiert, die sich selbst als "City Girl" bezeichnet, und der z.B. das Marktgeschehen (Tiermarkt mit Schafen, Ziegen, Kamelen) in der Gegend von Agdz schon völlig fremd ist, da sie lieber in Einkaufszentren und Malls "shoppt". Sie muß sich vom Sinto Reinhardt aus Deutschland anhören, daß es für ihn in seiner Jugend noch völlig normal war auf Tiermärkten offenbar in Deutschland einkaufen zu gehen, um den Tierbestand des väterlichen Zirkus aufzustocken, was diese junge Marokkanerin offensichtlich ein bißchen verwirrte. Gehemmt sind die Dialoge meist durch das Sprachenproblem, denn Herr Reinhardt spricht kein Französisch, so daß die junge Marokkanerin als Dolmetscherin vom Reinhardtschen Englisch nach Französisch oder Tamazight herhalten muß.
Ich hätte gewarnt sein sollen, denn wenn im Zusammenhang mit Marokko das Aufeinandertreffen von Orient und Okzident erwähnt wird, geht mit dem Autor meist die Phantasie durch. Gelernt habe ich demzufolge im Film, daß Marokko an der Seidenstraße liegt, da sich diese bekanntlich von China über den vorderen Orient(!) über Marokko bis nach Timbuktu und Dakar ausdehnte. Aha!? An dieser Stelle erwartete ich intuitiv den Kameraschwenk nach Zagora zum 52-Tage-Schild. Der kam allerdings nicht.
Fazit: das avisierte Thema gibt deutlich mehr als 60min Film her. Und diese 60min werden nicht mal so genutzt, daß eines der Themen mehr als nur angerissen wird. Bleiben die schönen Bilder, die mir allerdings persönlich vor Ort nochmal eindrücklicher sind.
Gruß, Ralf
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Alexander
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Re: Film: Desert Inspiration
Danke Ralf für die Filmkritik. Wenn ich das so lese, dann ist es kein Film, den man sich ansehen muß?
Grüsse
Alexander
Grüsse
Alexander
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.
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Ralf Kiefer
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Re: Film: Desert Inspiration
Wenn er vielleicht mal auf Arte oder 3Sat kommt, dann kann man reinschauen, denn, wie beschrieben, das Bildmaterial ist gut. Aber extra deswegen in ein Kino zu gehen, wenn man bereits in Marokkos Süden unterwegs war, lohnt sich nicht, IMHO.Alexander hat geschrieben:Wenn ich das so lese, dann ist es kein Film, den man sich ansehen muß?
Ich erinnere mich an den Film Transmitting, der ebenso eine Begegnung diverser musikalischer Kulturen in Marokko versprach, und es hielt. Da wurden fast ausschließlich die Musik und ihre Macher beobachtet, Marokko spielte nur nebenläufig ein Rolle mit seiner Musik. Die Konzentration auf das eine Thema war formatfüllend und gut.
Gruß, Ralf




