Regie: Ulrich Seidl
Österreich / Deutschland / Frankreich 2012 - 121 min.
Kinostart: 03.01.2013
Eine Mittfünfzigerin taucht beim Urlaub in Kenia in eine ihr fremde Welt ein, genießt Sonne, Drinks und bald auch die lang vermisste sexuelle Befriedigung durch einen gut gebauten Beachboy. Als das Objekt der Begierde Geld verlangt für die Schwester (seine Ehefrau) und deren krankes Kind, für die Cousine in der Dorfschule etc. dämmert es der naiven Europäerin, dass sie sexuelle Leistung bezahlen muss, es nicht um die große Liebe, sondern ums Geschäft geht: Begehren gegen Bares [...]
Ulrich Seidl provoziert und verstört im ersten Teil seiner "Paradies-Trilogie" mit weiblichem Sextourismus in Kenia. "Jambo" heißt Hallo, "Hakuna matata" bedeutet "Kein Problem". Dieser Sprachschatz reicht für Touristen in Kenia, vor allem für Touristinnen, die sich im Luxus-Resort den Pelz verbrennen lassen, dem Barkeeper das Wort "Speckschwarte" beibringen wollen und sich nebenbei einen Beachboy halten [...] Seidl, der schon mit "Hundstage" und "Import/Export" zarte Seelen strapazierte, zeigt schonungslos die Industrialisierung von Sexualität, das Geben und Nehmen nach den Gesetzen des Marktes [...] Auch wenn Seidls Ausflug in den Neo-Kolonialismus nicht unbedingt Neues erzählt, beeindrucken seine stilisierten Bilderwelten - wie hingemalt wirken die in der Sonne brutzelnden Touristen auf ihren Liegen und davon abgetrennt die wie steinerne Monumente im Sand wartenden Einheimischen, die passend zur Tapete im Zebralook gekleidete Hotelband oder drei mechanisch den Pool reinigende Männer. Durchtrainierte Körper treffen auf welkes Fleisch, ökonomische Armut auf emotionale Armseligkeit. Bei der Betrachtung wechseln Mitleid und Abscheu, Fremdschämen und Faszination. Auf die folgenden Teile der Trilogie - Glaube und Hoffnung - darf man gespannt sein ... mehr
Dazu eine Kritik im Spiegel vom 02.01.2013
Gruß
Birgitt


