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Flüchtlingswelle nach Europa

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Re: Flüchtlingswelle nach Europa

Beitragvon Barbara4x4 » 09.07.2018 06:20

Turi hat geschrieben:Hallo Barbara

Betreffend Marokko, bei der Geburtenrate, wenn das stimmt und dem Tourismusboom, dann frage ich mich, was ist der Fluchtgrund? 3000 Marokkaner in einem Monat!
Denke in Marokko muss keiner hungern, oder?
Vielleicht einige im Riff, von denen wird sich aber eher selten einer unter den Flüchtlingen befinden.


Sicher hätte jeder gerne ein noch besseres Leben, dann sollte er oder sie das auf ordentlichem Weg mit Visa und Arbeitserlaubnis erledigen, muss man dort unten auch, sofern man das will, nur als Tourist um 3 Monate verlängern war schon eine mehrtägige Prozedur.
Die tausenden von Touristen bringen einiges an Geld in's Land, vor allen Dingen seit Libyen, Tunesien und Algerien wieder Ausnahmeziele geworden sind.
Da kann man gezielt helfen, so man will.

aus den Medien:
Hauptroute für Flüchtlinge verschiebt sich

Vermehrt kommen Migranten via Marokko nach Europa. In Spanien wurden im Juni bereits 6000 irreguläre Grenzübertritte gezählt.
Der Chef der europäischen Grenzschutzagentur Frontex, Fabrice Leggeri, hat vor einer neuen Hauptroute für Migranten nach Europa gewarnt. Die Hauptroute für afrikanische Migranten nach Europa könnte sich nach dessen Einschätzung von Italien nach Spanien verschieben.

«Wenn die Zahlen dort so steigen wie zuletzt, wird sich dieser Weg zum wichtigsten entwickeln», sagte Frontex-Direktor Fabrice Leggeri der deutschen Zeitung «Welt am Sonntag».



Moin Turi,

Die 3000 Marokkaner waren vermutlich mehrheitlich nur zur traditionellen Sommermigration unterwegs. Läuft seit Jahrzehnten, im Herbst gehts wieder zurück. Heute gibt es wieder im TV was dazu: http://www.daserste.de/information/repo ... o-100.html

Und mit Verlaub, meine Zahlen sind überprüfbar und seriös.

Befasse dich bitte mit der Beschäftigungssituation eines Landes, bevor du dir eine Meinung bildest. Nur wenige Regionen bieten viel Arbeit im Tourismus, keine bietet Jobs für alle. Es gibt ehrgeizige Entwicklungspläne, viel wurde schon umgesetzt, noch mehr ist in der pipeline. Viele haben keine Perspektive, können keine Familie gründen. Und auch im Tourismis: wer Kundenkontakt hat lebt oft ausschließlich vom Trinkgeld, der Mindestlohn wird in MA und D erfolgreich unterlaufen. Visa und Arbeitserlaubnis: wenn man das so einfach beantragen könnte. Das mit der Touristenverlängerung gleichzusetzen zeigt, daß du dich mit dem Thema noch nie wirklich befasst hast.

Meine letzte Verlängerung lief stressfrei und professionell. Einmal hin zum Abgeben, einmal zum Abholen, 4 Tage später. In Deutschland ist eine Visumsverlängerung nach der Einreise nicht möglich, nur vorher. Bearbeitungszeit: mehrere Monate. Leute wie wir mit eigenen Fahrzeugen sind auch keine fetten Devisenbringer. Eher schon die Flugtouristen.

Zum Thema Migration und die Deutschen:
Nach den Zahlen der International Organization for Migration lebten 2015 gut vier Millionen Bundesbürger im Ausland.

Das sind knapp fünf Prozent aller deutschen Bürger. Damit ist Deutschland weltweit eines der größten Auswanderungsländer. Nur ganz wenige Staaten, wie etwa derzeit Syrien, haben einen größeren Prozentsatz jenseits ihrer Grenzen lebender Bürger. In der Türkei sind es 3,81 Prozent, in Spanien 2,6, in Brasilien 0,73, in Nigeria, Afrikas bevölkerungsreichstem Land, 0,59 und in Indien, dem Land mit der absolut größten Zahl an Auswanderern, 1,17 Prozent.

Quelle:
https://www.heise.de/tp/news/Auswanderu ... 94256.html

Herr Leggeri ist erst 3 Jahre lang im Amt und in der Historie der Frontex nicht wirklich bewandert. Die Meerenge war und ist die beste Stelle zum Übersetzen. Zusammen mit Marokko wird seit 26 Jahren die Küste zunehmend besser bewacht. Zu Beginn des Jahrtausends gab es diese Lager in den marokkanischen Wäldern, falls sich noch jemand erinnert.

Durch den tunesischen Frühling taten sich neue Routen mit weniger Überwachung auf, aber es war doch immer klar, daß früher oder später die Westroute wieder bevorzugt wird. Wer die marokkanischen Polizeiberichte verfolgt wird feststellen, daß die Aufgriffe von Drogen und Flüchtlingen nicht auf den selben Schiffen stattfinden. Leggeri betreibt hier unsachliche Panikmache und verkauft nebenher alten Wein in neuen Schläuchen.

Was mich mit Sorge erfüllt, ist der Ton, mit dem die Debatte geführt wird und Menschen ausschließlich nach ihrer Nutzbarkeit bewertet werden. Interessen statt Menschenrechte, von Würde ganz zu schweigen.

Differenzierung scheint auch schwer. Afrika: alle schwarz, alle gleich, alle unfähig (ob durch Genetik oder in der Historie erworbene Konditionierung)? Mir stellt sich der Kontinent deutlich vielfältiger in seinen Chancen und Problemen dar.

Viele Grüße
Barbara
Barbara4x4
 
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Re: Flüchtlingswelle nach Europa

Beitragvon Turi » 09.07.2018 07:54

Hallo Barbara


Die 3000 Marokkaner waren vermutlich mehrheitlich nur zur traditionellen Sommermigration unterwegs

Denke die von der Frontex können schon unterscheiden zwischen Saisonnier und illegalen Immigranten.

daß die Aufgriffe von Drogen und Flüchtlingen nicht auf den selben Schiffen stattfinden

Genau das ist es ja was die feststellten, unterstellen wir mal das sie die Wahrheit sagen.

Was mich mit Sorge erfüllt, ist der Ton, mit dem die Debatte geführt wird und Menschen ausschließlich nach ihrer Nutzbarkeit bewertet werden. Interessen statt Menschenrechte, von Würde ganz zu schweigen.


Ich finde es auch nicht lustig wenn es Leuten schlecht geht und versuche, dort wo ich kann, im jeweiligen Land in dem ich mich gerade aufhalte zu helfen, sofern es in meiner Macht und meinen Mitteln steht.
Da wird aber gezielt zB einem Behinderten, der mit einem Holzknebel herumläuft ein paar Krücken spendiert, oder demjenigen der nur noch Fetzen am Leib trägt mal eine Hose oder T Shirt, jedoch niemals einem der bettelt.

Dazu kommt mir eine Geschicht ein den Sinn;
Wir waren in Dakhla Pizza essen, als wir abfuhren stand ein ziemlich heruntergekommener Typ an der Ampel und hielt die Hand auf, wir, das Wechselgeld noch in der Hand, haben im die Münzen rausgegeben.
Er schaut sie an und knallt sie mir wieder in's Auto, war ihm zu wenig, das war das letzte Mal, dass ich , ohne Gegenleistung etwas gegeben habe.


Schlussendlich geht es um die Sache, nicht die Sache Mensch sondern die Sache Immigration und die muss gesteuert werden.
Es gibt kein Menschenrecht auf illegale Immigration.
Und wenn du von Menschenrechten sprichst, gerade in den afrikanischen Ländern werden die mit Füssen getreten, das beginnt bei den Regierungen und hört irgendwo beim Sklavenhandel auf.
Wenn jemand wegen der journalistischen Freiheit auf die Menschenrechte pocht, dann ist das falsch, sicher ist es nicht gut wenn Journalisten einen Maulkorb verpasst , bzw. eingesperrt werden, nur entsteht dadurch nicht ein Anspruch auf Asyl.

Nicht die Immigration ist das Problem sondern die illegale Immigration.

Man hatte über Jahrzehnte eine geregelte und kontrollierte Immigration, hat sich praktisch nie jemand darüber mockiert.
Als Merkel die Schleusen öffnete riefen erst alle hurra und warfen mit Teddybären, jetzt ist man erwacht und merkt, dass das eben nicht zu schaffen ist oder nur mit Aufwand der von der Mehrheit der Bürger nicht getragen werden will, im Moment liegen die Umfragen bei über 70 % die die Politik nicht mehr mittragen wollen.

Ist wie mit dem übermässigen Alkoholkonsum, solange man es reinlaufen lässt, solange ist lustig, der Kater kommt am nächsten Morgen.

Differenzierung scheint auch schwer. Afrika: alle schwarz, alle gleich, alle unfähig (ob durch Genetik oder in der Historie erworbene Konditionierung)? Mir stellt sich der Kontinent deutlich vielfältiger in seinen Chancen und Problemen dar.
Ich differenziere sehr wohl, wenn du mir gefolgt bist.
Schwarzafrika ist die eine Seite, die Araber die andere, nur in der Asylproblematik stehen mit wenigen Ausnahmen (Sudan, Somalia) alle auf dem gleichen Papier, ein Anspruch auf Asyl ist in den wenigsten Fällen gegeben, am wenigsten noch bei Marokkanern, einem der sichersten und dem Westen zugewandten Land, die vielfach die Möglichkeit haben, ganz legal, einer Saisonarbeit nachzugehen.

Das mit der Touristenverlängerung gleichzusetzen zeigt, daß du dich mit dem Thema noch nie wirklich befasst hast.


Da habe ich anderes erlebt, wir waren 5 Monate unten und mussten 4 Tage herumrennen um eine Verlängerung der 3 Monate zu erhalten, anderen ging es ebenso, mit wenigen Ausnahmen fahren die, die länger unten sind raus nach Ceuta um neu einzuloggen.
Das ist die Regel, die Ausnahme ist, dass man die Verlängerung unkompliziert erhält.
Mag sein, dass da eine Frau im Vorteil ist. :wink:

In Deutschland ist eine Visumsverlängerung nach der Einreise nicht möglich


Das heisst ja nicht, dass ich das gut finde, allerdings sind die Umstände in der Regel schon ein wenig anders.

Solange jemand hier leben kann, ohne dem Staat auf der Tasche zu liegen und ohne Schwarzarbeit, der soll wegen mir bleiben so lange er will.
Ich habe vor 35 Jahren auch ein Jahr in der Schweiz gelebt, ohne Anmeldung, war kein Problem, hat niemand interessiert, habe allerdings mit dem Staat/Gemeinde etc auch keine Kontakte gepflegt.
Damals waren die Grenzen noch zu.

Nach den Zahlen der International Organization for Migration lebten 2015 gut vier Millionen Bundesbürger im Ausland.
Das sind knapp fünf Prozent aller deutschen Bürger. Damit ist Deutschland weltweit eines der größten Auswanderungsländer
.

Wenn du meinst, das ist vergleichbar, die, die es schaffen im Ausland, wie im übrigen ich auch, sind ein Vorteil für den jeweiligen Staat, zahlen Steuern und schaffen Arbeitsplätze, die haben vielfach aber keinen Rechtsanspruch, keinen Anspruch auf Sozialhilfe, zumindest nicht die ersten Jahre.
Von denen die heim kommen, weil sie es nicht geschafft haben müsste man mal eine Statistik machen, die liegen nämlich nicht dem Staat in Mali, Kongo, Senegal oder sonst wo auf der Tasche sondern die kommen heim, um Hartz 4 zu beziehen oder bei uns Sozialhilfe.
Die Migranten die aber nach D/CH/Ö etc kommen, die beziehen erst mal Leistungen bevor sie evtl. mal arbeiten.
Siehst du den Unterschied.

Apropos wir sind August und September wieder in Marokko.

liebe Grüsse
Turi
Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es umsonst, sie anderswo zu suchen!
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Re: Flüchtlingswelle nach Europa

Beitragvon Alexander » 09.07.2018 19:30

Hallo Barbara,

Danke für deine Abschlussworte. Damit schließe ich den Thread. Ich bekomme ein eigenartiges Gefühl, wenn ich lese, was so mancher schreibt. Es ist an Egoismus kaum zu überbieten, wenn man Flüchtlinge abweisen will, nur weil sie in keine Sozialversicherung einbezahlt haben.

Derzeit befinde ich mich in Palästina. Heute Ramallah und Hebron. Dort hat das Flüchtlingsproblem eine ganz andere Größenordnung. Und da wird nicht unterschieden, ob jemand irgendwo einbezahlt hat oder nicht.

Grüße
Alexander
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