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Iran: Verhandlungen wg. Atomanlagenkontrolle

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Re: Iran: Verhandlungen wg. Atomanlagenkontrolle

Beitragvon Ralf Kiefer » 19.01.2016 17:16

SpOn hat ein paar Meinungen von Iranern zum Ende der Wirtschaftssanktionen gesammelt.

Gruß, Ralf
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Re: Iran: Verhandlungen wg. Atomanlagenkontrolle

Beitragvon abacus » 19.01.2016 17:20

Qeshm ist Freihandelszone und erlaubt vielleicht einen Ausblick auf die Zukunft. Hier gibt es einige Shopping Malls mit stets unfreundlichen und unfähigen Verkäufern. Immerhin heute den ersten Ikea und Tschibo gefunden. Bei Tschibo gibt es Skihosen und Winterstiefel. Naja, es ist ja Winter 8) und abends hat es auch unter 20°.

Hier gibt es nur noch Fastfood, selbst gebratene Hähnchen muss man suchen.

Manche Iraner sind total freundlich, Unsere Erfahrungen mit Couchsurfing sind klasse, viele sind aber auch sehr unfreundlich, nicht speziell uns gegenüber, sondern allgemeinen. Vielleicht sind wir auch von den letzten zwei Wintern in Südafrika verwöhnt, aber Unfreundlichkeit beim Einkauf, auf der Trasse, beim Tanken oder im Restaurant ist normal. Vorhin beim Einkauf wurden wir einmal freundlich bedient, wie sich rausstellte war das Mädel aus Indien ...

Grüsse
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Re: Iran: Verhandlungen wg. Atomanlagenkontrolle

Beitragvon Canadier » 19.01.2016 17:53

Iraner haben wir durchgängig ohne Ausnahme als extrem freundlich und hilfsbereit erlebt.
Neben unzähligen ernst gemeinten Einladungen
- wurde auch mal unsere Rechnung im Restaurant bezahlt,
- sperrte mal ein Taxifahrer (nach Weg gefragt) für uns mit seinem Auto die Spuren der Gegenfahrbahn, damit wir abbiegen können
- hat Ali am Freitag extra sein Restaurant in Kashan für uns geöffnet
- mit 97 auf 60er Strecke gelasert ... "We love Germany" meinten die Polizisten, dann konnten wir fahren
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Re: Iran: Verhandlungen wg. Atomanlagenkontrolle

Beitragvon Ralf Kiefer » 19.01.2016 23:23

abacus hat geschrieben:Qeshm ist Freihandelszone und erlaubt vielleicht einen Ausblick auf die Zukunft.

Qeshm hat diesen Status schon viele Jahre, und die Araber von der anderen Seite vom Persischen Golf kommen seit Jahren dorthin zum Einkaufen. Ich kann mir vorstellen, daß das die Einstellung der Einheimischen beinflußt, denn die von "drüben" waren eher die mit ein bißchen Geld, die sich genau so benahmen.

Wir wollten im Frühjahr 2005 von Bandar Abbas aus nach Qeshm. Ich erinnere mich noch gut, daß dieser Tag der war, an dem ich meine übelste Laune während dieser Reise hatte. Solche Mengen an Ahnungslosigkeit, Unwillen und Chaos wie bei den Hafenbehörden in Bandar Abbas hatte ich sonst im ganzen Land nicht erlebt. Ergebnis: wir fuhren nicht rüber.

Wie bist Du rübergekommen? Das eigene Fahrzeug dabei? Mußtest Du dazu formal aus dem Iran ausreisen, weil Qeshm diesen Sonderstatus hat?

abacus hat geschrieben:Bei Tschibo gibt es Skihosen und Winterstiefel.

So muß Globalisierung sein. Uns begegnete das im Mai am Kaspischen Meer:
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Re: Iran: Verhandlungen wg. Atomanlagenkontrolle

Beitragvon abacus » 20.01.2016 17:25

Wir sind mit einem Mietwagen mit iranischer Zulassung unterwegs. Von Bandar Abbas direkt geht keine Fähre. Dazu muss man etwa 60km westlich nach Bandar-e-pol, von dort fahren alle paar Minuten Fähren ab. Abwicklung problemlos. Dort steht auch so ein typisches Projekt: seit vielen Jahren wird an einer Brücke gebaut, dass die je fertig wird ist nicht anzunehmen ...

Freundlichkeit: vorhin am Strand vernahm ich wieder ein nettes welcome to Iran. Aber beim täglichen Einkauf sieht es anders aus. Nur höchst unmotivierte Angestellte, die es nicht schätzen bei ihren Händy Spielen gestört zu werden, kein Service, kein Dankeschön, kein Aufwiedersehen.

Grüsse
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Re: Iran: Verhandlungen wg. Atomanlagenkontrolle

Beitragvon Ralf Kiefer » 20.01.2016 18:27

abacus hat geschrieben:Dazu muss man etwa 60km westlich nach Bandar-e-pol, von dort fahren alle paar Minuten Fähren ab. Abwicklung problemlos.

Gut zu wissen, denn "damals" haben die mit Ausländern nichts anfangen können oder wollen, weder an der Fähre direkt noch im nahen Polizei- oder Sonstwasgebäude.

abacus hat geschrieben:Dort steht auch so ein typisches Projekt: seit vielen Jahren wird an einer Brücke gebaut, dass die je fertig wird ist nicht anzunehmen ...

Wir könnten denen im Rahmen von Entwicklungshilfe den Mehdorn schicken. Der ist Experte ;-) Blöd nur, daß uns die Iraner das einige Jahrzehnte später als praktizierte Wirtschaftssanktion auslegen würden ;-)

Jetzt erkenne ich auch, was diese Strukturen auf den Google-Earth-Bildern sind! Das sind die Pfeiler für die Brückenrampe.

Wie ist das aktuell auf Qeshm? Einkaufszentren, Strandleben, was ist dort sonst noch erlebenswert für Touristen? Was kann man derzeit von den Mangroven anschauen (Bootstouren)?

Gruß, Ralf
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Re: Iran: Verhandlungen wg. Atomanlagenkontrolle

Beitragvon abacus » 20.01.2016 22:08

Aktuell in Qeshm: tagsüber so 25°, die Sonne brutzelt ganz schön, abends kühlt es angenehm ab.
Das Meer hat etwa 24°. Die Schnorchelmöglichkeiten sind viel besser als erwartet. Ich war bisher nicht so die Wasserratte, aber durch die Fischschwärme zu schnorcheln, den Wasserschildkröten zuzuschauen, klasse.
Es gibt diverse Shopping Malls, einige weitere sind im Bau, für wen die alle mal sein sollen ist mir nicht klar.
Ebenso werden Appartementhäuser gebaut, mit Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach.
Die Mehrzahl dieser Projekte wird enden wie die meisten Projekte: als Ruinen.
Die Landschaft besonders im westlichen Teil der Insel ist nett. Beim Salzdom und der Höhle war ich noch nicht.
Die Mangroven sind nett, aber nicht umwerfend. Wir waren bei Flut da, dann sind das halt grüne Büsche die da im Wasser stehen. Für uns sind jetzt ein paar grüne Büsche nicht so aufregend, wenn man allerdings bedenkt, dass halt sonst alles trocken und öde ist, dann versteht man, warum die das hier so toll finden.
Ein Dhau Friedhof in der Abendsonne war richtig schön anzusehen.
Qeshm City, naja, kleiner Basar, den Fischmarkt muss ich noch erkunden, nicht viel besonderes.
Besonders am Wochenende ist am Strand schon was los, dann stehen viele Zelte im Park. Gezeltet wird auf den Wegen und Plätzchen, zelten auf dem Gras ist tabu. Aber es gibt ja mehr als genug Strand für jeden.

Grüsse
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Re: Iran: Verhandlungen wg. Atomanlagenkontrolle

Beitragvon Mathilda » 21.01.2016 07:18

[quote="abacus"

Freundlichkeit: vorhin am Strand vernahm ich wieder ein nettes welcome to Iran. Aber beim täglichen Einkauf sieht es anders aus. Nur höchst unmotivierte Angestellte, die es nicht schätzen bei ihren Händy Spielen gestört zu werden, kein Service, kein Dankeschön, kein Aufwiedersehen.
Grüsse
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Ich denke der grosse Industriezweig auf Kish sind die Visa Runner von GCC. Ein großer Teil der Leute bleibt dann dort stecken/strandet aus diversen Gruenden , Geldnachschub auch nicht gewaehrleistet. Frust ist die logische Konsequenz.

Gruss, Mathilda
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Re: Iran: Verhandlungen wg. Atomanlagenkontrolle

Beitragvon abacus » 21.01.2016 07:59

Das war aber auch auf der Herfahrt von Teheran so, also quasi in einem ganz schön großen Teil des Landes. Die Leute die im Service arbeiten sind unfreundlich, viele die eigentlich nichts mit einem zu tun haben sind total nett. Verdrehte Welt ...

Grüsse
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Re: Iran: Verhandlungen wg. Atomanlagenkontrolle

Beitragvon Ralf Kiefer » 24.01.2016 13:52

Gerade mal ein paar Tage ist es her, daß der Großteil der westlichen Wirtschaftssanktionen aufgehoben wurde, da tut sich was mit Kaufverträgen und Absichtserklärungen.

Bis zu 127 Flugzeuge: Iran ordert Großauftrag bei Airbus

Laut Deutschlandfunk soll die erste Lieferung im März stattfinden, also in ein paar Wochen. Der Rest bei SpOn.

Auto- und Nutzfahrzeugbauer stehen in den Startlöchern, haben aber noch keine derart perfekten Verträge wie die Flugzeugbauer ausgehandelt.
Warum der Iran für deutsche Autobauer nur ein Mini-Bazar wird
Weiter im Manager-Magazin.

Daraus die für uns interessante Begleiterscheinung:
Bis Irans Banken wieder grenzüberschreitende Überweisungen ausführen können, wird es wohl noch einige Zeit dauern.


Gruß, Ralf
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Re: Iran: Verhandlungen wg. Atomanlagenkontrolle

Beitragvon abacus » 24.01.2016 15:21

Auf alle Fälle sieht man am Beispiel Automobilmarkt wie aussichtslos die heimischen Produkte sind, wenn internationale Konkurrenz dazu kommt. Zwar gibt es für die deutschen Hersteller nicht viel zu verdienen, aber für Chinesen und Koreaner. Keiner will hier ein iranisches Fahrzeug, deren Qualität ist halt "legendär". Das gibt dann halt Arbeitslose in der Automobilindustrie ...

Grüsse abacus
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Re: Iran: Verhandlungen wg. Atomanlagenkontrolle

Beitragvon Ralf Kiefer » 24.01.2016 16:16

abacus hat geschrieben:Auf alle Fälle sieht man am Beispiel Automobilmarkt wie aussichtslos die heimischen Produkte sind, wenn internationale Konkurrenz dazu kommt.

Die vielen Peugeots, die Du im Iran rumfahren siehst, sind alle bei Iran Khodro in Lizenz gebaut. Der 405 wurde sogar weiterentwickelt. Du bist vor Ort, also schau bei den 405 unter die Hinterräder (und mache mir bitte Fotos :-) )! Die haben hinten teils Blattfedern und vermutlich Heckantrieb.

abacus hat geschrieben:Zwar gibt es für die deutschen Hersteller nicht viel zu verdienen, aber für Chinesen und Koreaner.

Die kleinen Kias mit ihren fürchterlichen Fahrwerken sind gruselig. Aber sie rollen und sind offensichtlich billig. Inwieweit die in Südkorea oder als Nachbau im Iran gebaut werden, weiß ich nicht.

abacus hat geschrieben:Keiner will hier ein iranisches Fahrzeug, deren Qualität ist halt "legendär". Das gibt dann halt Arbeitslose in der Automobilindustrie ...

Das mit den Arbeitsplätzen in der Automobilindustrie im Iran sehe ich so nicht unbedingt. Bei Iran Khodro und Saipa/Pars Khodro wird sehr viel im Land gebaut. BTW auch die, die so aussehen wie ein R5, sind ein Nachbau.

Gruß, Ralf
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Re: Iran: Verhandlungen wg. Atomanlagenkontrolle

Beitragvon abacus » 25.01.2016 09:03

Ja, die Autos die derzeit auf der Straße rumfahren wurden im Iran gebau, auch wenn Peugeot draufsteht. Aber in Zukunft will keiner diese Autos mehr. Bisher sind auf Importfahrzeugen 120 % Einfuhrzoll drauf. In Qeshm gibt's diesen Zoll nicht, hier dominieren Hilux und Kia das Straßenbild. Wird auch der Automarkt auf dem Festland geöffnet, wird es dort genauso aussehen. Das meistverkaufte Auto im Iran ist der Saipa Pride. Die kosten 6000 Euro, die Regierung gibt dir das Geld und trotzdem will keiner so eine Karre. Wir haben einen, fabrikneu, er wird hoffentlich auch die 2 Monate unter uns aushalten, aber es ist eine unglaubliche Klapperkiste, Iraner sagen die halte nur ein halbes Jahr und obwohl die Karre überall rumfährt ist die Ersatzteilsituation katastrophal. Also ich sehe für die heimische Produktion eher schwarz.

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Re: Iran: Verhandlungen wg. Atomanlagenkontrolle

Beitragvon Ralf Kiefer » 26.01.2016 13:24

Hier gibt's eine Meldung aus Italien, wo Rohani gerade zu Besuch ist, um einzukaufen. Ich weiß nicht, wen ich auslachen soll, die Italiener oder die Iraner:
Die Behörden in Rom nehmen besondere Rücksicht auf Irans Präsident Hassan Rohani: Bei dem Besuch des Muslims wurden mehrere Nacktstatuen auf dem Kapitol verhüllt.

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Da frage ich mich spontan, wie sich die Italiener vorstellen, daß sich die Menschen im Iran vermehren ;-) Blümchen, Bienchen, Windbestäubung, ...?

Und falls Cameron auf Deutschlandbesuch kommen sollte, werden wir alle spontan auf der falschen Straßenseite fahren? Irgendwo sind Grenzen, IMHO.

Gruß, Ralf
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