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Juden, Christen und Muslime - Ausstellung in Berlin

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Juden, Christen und Muslime - Ausstellung in Berlin

Beitragvon Birgitt » 16.12.2017 16:30

Im Dialog der Wissenschaften 500-1500

09.12.2017 - 04.03.2018 - DE - Berlin, Martin-Gropius-Bau

Info + Begleitprogramm :arrow: hier

Unsere heutige wissenschaftliche Welt steht auch auf den Schultern jener jüdischen, christlichen und muslimischen Gelehrten, die im Mittelalter Schriften der Antike übersetzten, zuerst im Nahen Osten ins Arabische und dann in Europa – zu Beginn in Süditalien und Spanien – aus dem Arabischen ins Lateinische. Die Bedeutung des Wissenstransfers in dieser Epoche kann nicht überschätzt werden, auch wenn das nicht der einzige Überlieferungsstrang gewesen ist. So ist etwa die Rezeption der Schriften des Aristoteles im mittelalterlichen Europa im Wesentlichen dieser Übersetzertätigkeit zu verdanken.

Im 9. Jahrhundert war in Bagdad das „Haus der Weisheit“ begründet worden, von dem eine rege Übersetzungstätigkeit ausging: persische, syrisch-aramäische, hebräische, indische (Sanskrit), und lateinische Schriften wurden dort ins Arabische übertragen, von jüdischen, christlichen und sabäischen Gelehrten. Dort unterrichtete auch der Universalgelehrte Al-Chwarizmi (780–850), dem wir einen heute sehr aktuellen Begriff verdanken, den des Algorithmus, entstanden aus einer Verballhornung seines Namens.

Die Ausstellung, erarbeitet von der Österreichischen Nationalbibliothek, widmet sich dieser überragenden Phase einer Begegnung der Kulturen. Vier große Schriftkulturen werden vorgestellt: die hebräische, die griechische, die arabische und die lateinische. Religiös motivierte Fragestellungen konnten zwar die Akzeptanz kulturübergreifender Erkenntnisse verhindern, gaben jedoch auch vielfach erst den Anstoß für wissenschaftliche Auseinandersetzungen.

In diesem Spannungsfeld konzentriert sich die Ausstellung auf Bereiche, die besonders vom interkulturellen Dialog profitiert haben. Die seit der Antike viel diskutierten Themen Medizin, Astronomie und Astrologie stehen im Vordergrund. Die in der Mehrzahl mittelalterlichen, oft reich illuminierten Handschriften belegen eindrucksvoll wie grundlegende Erkenntnisse auf den Gebieten dieser Wissenschaften transportiert wurden. Die für alle Seiten fruchtbaren Begegnungen fanden primär an den Schnitt- und Berührungspunkten innerhalb des Nahen Ostens und des mediterranen Raumes statt ... mehr


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Juden, Christen und Muslime - Das Märchen vom Abendland

Beitragvon Birgitt » 16.12.2017 16:35

Die Berliner Ausstellung "Juden, Christen, Muslime" zeigt die abenteuerlichen Wege des Weltwissens im Mittelalter und demontiert nebenbei die These, es gäbe ein christlich-jüdisches Europa. Von Gustav Seibt ...

Seit einigen Jahren ist vermehrt von den "jüdisch-christlichen Wurzeln" des "Westens" (oder des "Abendlands") zu hören, vor allem wenn es darum geht, Europa vom Islam abzugrenzen [...] Der Wissenstransfer verlief also in einer gewaltigen raumzeitlichen Bewegung im Uhrzeigersinn vom Zweistromland über Nordafrika und Spanien nach Mitteleuropa, auf einem Weg, der gern vierhundert Jahre dauern konnte. Dabei wechselten solche Texte bis zu viermal ihre Sprache und mindestens dreimal die Schrift. Und diese gewaltigen Transformationen betrafen selbstverständlich nicht nur die medizinische Wissenschaft [...] Inzwischen hat das Thema der Ausstellung eine politische Brisanz gewonnen, die vor zehn Jahren noch nicht spürbar war. Denn sie widerlegt für jeden, der lesen und schauen kann, die abgrenzende Rede vom Abendland, gar einem christlichen. Die heidnische Vorzeit gehört dazu, sie ist in den Wissenschaften womöglich sogar das wichtigste Element. Und dann führt kein Weg an der Tatsache vorbei, dass griechische Philosophie und Wissenschaft jahrhundertelang in den arabischen Schulen besser aufgehoben waren als in europäischen Klöstern oder Kathedralschulen.

Ausstellung "Juden, Christen, Muslime" - Das Märchen vom Abendland
14.12.2017 - Qantara / Süddeutsche

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