Wüstenschiff • Thema anzeigen - Lösegeldzahlung bei Entführung - ja oder nein?

Lösegeldzahlung bei Entführung - ja oder nein?

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Beitragvon Birgitt » 24.09.2008 19:46

Da Alex' Posting an anderer Stelle - entnommen der FAZ von heute - perfekt in diese Diskussion passt, zitiere ich:

Alexander hat geschrieben:
KSK oder GSG 9 einsetzen anstatt Lösegelder zahlen
Genau für solche und ähnliche Situationen gibt es doch das KSK der Bundeswehr oder die GSG 9 der Bundespolizei

Ich hoffe doch sehr, dass die sich bereits vorbereiten! Oder bekommen wir als steuerzahlende und schutzberechtigte Subjekte staatlichen Handelns wieder so tiefschürfende Äußerungen aus den beteiligten Ministerien zu lesen wie bei den Pirateriefällen vor Somalia: "Die Bundespolizei hat zwar die Befugnisse, aber nicht die Mittel. Die Bundeswehr hat zwar die Mittel, aber nicht die Befugnisse", und dann passiert monatelang gar nichts? Bei der derzeitig regierenden Politikergeneration muss man sich ernsthaft fragen, ob der Einsatz der GSG 9 zur Befreiung der "Landshut" im Oktober 1977 jemals freigegeben worden wäre! Bin schon sehr gespannt, befürchte aber das Schlimmste: Die Entscheidungs- und Risikofreude von ängstlichen Politikern und ihren verzagten, oberbedenkenträgerhaften Ministerialbürokratien!


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Beitragvon Alexander » 30.09.2008 16:05

Touristen als Geiseln - "Entführungsopfer zur Kasse bitten"

Ex-Staatssekretär und Entführungsopfer Jürgen Chrobog über riskanten Tourismus und den Leichtsinn deutscher Reisender. mehr...

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Beitragvon Roger-Tecumseh » 30.09.2008 16:33

Der wahrscheinlich wichtigste Satz: "Und eines ist auch klar: Es gibt in vielen Ländern der Erde keinen risikofreien Tourismus mehr. "

Also nur noch reisen, wenn man genug Geld für die eventuelle Geiselnahme gespart hat? :)
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Beitragvon PeterM » 30.09.2008 18:06

Das trifft den Cluburlaub in Hammamet oder Antalya aber auch...
Ich wünsche niemandem, dass dort was passiert, aber die Erklärungen danach wären schon kleinkunstverdächtig.

<zynismus>
Und was macht der Städtetourist in London, wenn er ein paar zivilen Beamten mit nervösem Finger am Abzug in die Quere kommt?
</zynismus>

Grüsse,
Peter
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Beitragvon schu achbar ? » 30.09.2008 18:37

Chrobog meint immer noch , dass es 2005 kein realistisches Risiko bei seiner Jemenreise / Entführung gegeben habe. :mrgreen:
Wie kann man so einen .... behaupten
Ich kenne selbst Araber, die nur mit bewaffnetem Konvoi der Verwandschaft dort rumfahren,wenn sie zu Besuch sind.
Auch schon 2005 war das so.

Naja , wenigstens war die Vorbereitung gut.
Die Durchführung dann...nich so ganz...
War aber nicht sein Fehler.

Trotzdem interessanter Typ, so seine ganze Vita u. vor allem cleverer als sein damaliger Chef Steinmeier.
Googelt mal Steinmeier - Muhabbet - Schapira
:kotz:
Totalausfall, die Speckbacke.
Hoffentlich wird Der nie Kanzler.
schu achbar ?
 

Beitragvon Birgitt » 05.03.2010 20:48

Hostage-taking - should you pay?
05.03.2010 - rfi

Should governments and employers negotiate with kidnappers? If they do not, how can they free hostages? The British government has a firm policy that it does not negotiate with kidnappers. The problem is that negotiating is often the only way to keep people alive ... mehr


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Beitragvon Turi » 06.03.2010 09:27

Verhandeln ja, bezahlen nie!
Nur dafür ist es schon zu spät, man hätte von Anfang an nie zahlen dürfen, so hätten wir heute nicht diese Probleme.
Das ist bei Entführungen genauso wie beim Kauf von gestohlenen Daten-CDs.
Wird einmal bezahlt, ist man erpressbar.
sandige Grüsse
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Beitragvon Franz (UNI)Murr » 06.03.2010 12:45

Ich muss noch etwas nachlegen:

ich empfinde mich als Deutscher in einer Welt der Bedenkenträger. Aus deren sicht muss man sich fragen, wie die Menschheit groß werden konnte, bevor es freiheitsberaubende Staaten gab.
Ich bin seit meinem achtzehnten Lebensjahr in der Welt außerhalb von Versicherung und automatischer Hilfe unterwegs.
Unabhängikeit und Freiheit sind für mich höchste Güter, das Lebensgefühl schlechthin, für das ich bereit bin, auch zu sterben, wenn es sein muss.
In diesem Kontext sind auch meine Kinder groß geworden und erweisen sich als extrem Lebensfähig und Eigenständig.
Das kann man hier in Kairo gut sehen.
Noch eine Geschichte: In unserem noblen Stadtteil Waldperlach in München gab es, als Rosi und Leo in der Grundschule waren, zwei Kindsentführungen mit dem Hintergrund von professionellen Kindsmissbrauch. Ein Kind wurde tod gefunden und eines verschwand ohne Spuren. In diesem Ambiente waren wir Eltern überzeugt, trotzdem den Kindern Bewegungsfreiheit geben zu müssen. Das taten wir mit großer Angst und Bauchweh. Unser Kid's waren unterwegs, auf die Gefahr konditioniert und es ist gut gegangen.
Was wäre die Reaktion der Bedenkenträger gewesen? Kinder im Haus einsperren und nur noch mit dem Auto chaufieren?
Unselbstständige und lebensunfähige Kinder wären die Folge, die dann im Erwachsenenalter blauäugig den risikolosen Tourismus suchen.

Was ich damit sagen will, dass Dilemma taucht auch in unserer "heilen" Welt auf. Da muss ich nicht erst in die Sahara fahren.
Und bevor mein Kind das Opfer eines pädophilen Ungeheuers wird, wünsche ich ihm lieber die Kugel eines AQ- Kämpfers.

Warum kapiert keiner mehr, dass das Leben an einem seidenen Fädchen hängt. Überall auf der Welt. Lebensgefühl ist Bewegung, psychisch wie physisch und jede Bewegung ist ein Lebensrisiko per se.

Schaut mal nach Kairo. Hier riskiert fast Jeder sein Leben in für uns in nicht nachvollziehbarer Weise im Straßenverkehr. Hier ist aber auch das pralle Lebensgefühl, um dass ich die Kairener beneide.
Und manchmal geht's schief, wie gestern auf der Nil- Corniche. Inshallah

Das war ein Plädoyer für das Leben und die Freiheit.

Gruß

Franz
Leben in Kairo. Berichte auf http://unimurr.com/leben-in-kairo/
Der Mensch braucht zuweilen etwas Wüste. Das Sein in der Wüste ist wie Yoga für meine Seele.
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Beitragvon Turi » 06.03.2010 13:36

"Das war ein Plädoyer für das Leben und die Freiheit"

Franz, Du sprichst mir aus der Seele.
Und wenn man für die Freiheit sterben muss, dann ist es eben so.
Aber lieber für die Freiheit sterben als lebenslang als "Freigänger" unterwegs.
Bei uns ist man doch Gefangener im eigenen Land, man muss sich die kleinen Freiheiten erkämpfen, hier auf dem Rechts(verdreher)weg, dort mit Waffengewalt.
Nur wird es immer schlimmer und die Freiheit stirbt, auch in Afrika, mit jedem Tag, ein wenig mehr und die, die für ihre Freiheit kämpfen, werden als Kriminelle abgestempelt, siehe Tuareg usw.
sandige Grüsse
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Beitragvon Veronica africa » 06.03.2010 14:12

Ich finde, lieber sollte man fuer seine eigenen Landsmaenner Loesegeld zahlen (gerade dann, wenn derjenige fleissig Steuern zahlt), als Millionen in irgendwelche unsinnigen Entwicklungsprojekte stecken, was eh verpufft, bzw. schwarzen Regierungsbeamten in die Tasche fliesst! :kotz:

Oder mal anders gefragt: Warum, z.b. schickt keiner mal ein Sonderkommando, um die somalischen Piraten im Zaum zu halten? Oder, zynisch gefragt, verdienen "wir" da auch dran????? Alles sehr verwunderlich!!!
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Beitragvon Kuno » 06.03.2010 14:32

Hallo ihr Freiheitskaempfer!

Was mir bei den Veroeffentlichungen zu diesem Thema und vor allem auch bei den folgenden kompetenten Leserkommentaren immer wieder auffaellt ist der starke Drang, den unsere Gesellschaft (darf ich das so sagen?) mittlerweile hat, jedem dem etwas passiert, die Schuld gleich anzuhaengen und eine Rechtfertigung fuer den Taeter zu suchen.

Wenn mir jetzt in Suedafrika einer eins ueber die Ruebe zieht, dann haette ich halt nicht dorthin sollen und der Taeter kommt halt aus einer unterdrueckten und gewaltbereiten Umgebung eines Townships und kann ja eigentlich nichts dafuer, dass er so ist.

Wenn ich in Mali & Umgebung von einem Kriminellen ueberfallen und entfuert und dann nach ein paar Monaten einen Kopf kuerzer gemacht werde, dann ist es wieder mein Fehler, dass ich ueberhaupt in die Gegend gefahren bin. Der Taeter war ein Freiheitskaempfer der nur so geworden ist, weil seine Heimat vom "Westen" ausgebeutet und unterdrueckt wird.

Werde ich vor den Seychellen mit meiner Yacht von kriminellen Piraten aufgegriffen, dann ist's wiederum mein Fehler und der Pirat ist nicht Pirat geworden, weil loesegeld kassieren sehr eintraeglich ist sondern weil jemand die Fische vor seiner Nase weggefangen hat.

Und wenn ich dann zurueck in Europa bin, Nachts durch die Stadt laufe und mir was passiert, dann haette ich halt dieses Quartier meiden sollen...

...die Reihe ist endlos. Und immer macht man das Opfer wenn nicht zum Taeter so dann doch wenigstens zum Provokateur der Tat und zum Mitschuldigen. Und fuer den Taeter und seine Tat wird eine Rechtfertigung gesucht... und auch gefunden.
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Beitragvon Turi » 06.03.2010 14:59

Hallo Veronica
Es geht doch nicht um die Kohle, von der ist genug vorhanden.
Es geht um den Grundsatz der Erpressbarkeit.
Wenn niemand je bezahlt hätte, wären wir heute nicht da wo wir sind.
Wenn Du einem Erpresser kein Geld gibst, gibt es vielleicht noch einen 2. Versuch aber dann ist Schluss, auch Kriminelle sind lernfähig.
Wenn Du aber einmal bezahlst, siehe Lichtenstein, Schweiz, oder die diversen Entführungen in Afrika, dann kommen bald einmal viele dran.
Nur die Richtigen trifft es eh nicht oder hast Du schon einmal ein Regierungsmitglied darunter gesehen.
Diese Akten werden ganz schnell , still und heimlich aufgekauft und vernichtet.
Oder sie können sich auf Staatskosten vor Entführung schützen lassen.
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Beitragvon Birgitt » 08.03.2010 18:53

Deal mit Terroristen
08.03.2010 - Tagesanzeiger

Darf man inhaftierte Al-Qaida-Terroristen gegen Geiseln austauschen?
Paris hat den Deal gemacht.
Jetzt kommen auch Rom und Madrid unter Druck ... mehr

Gruß
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Beitragvon PeterM » 15.03.2010 13:26

..kommt auf die Restlebenszeit der Freigelassenen (und von mir aus auch der Entführer) an, da trau' ich den Franzosen schon zu, dass sie Nachahmer abschrecken.

Grüsse,
Peter
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Beitragvon Birgitt » 22.09.2010 20:37

Ransoms account for 95 percent of terrorists' funds: Algerian minister
22.09.2010 - global times

An Algerian minister on Monday called on Western countries not to pay ransoms for the release of their abducted nationals in the sub-Saharan region, saying that ransoms stand for 95 percent of the funds obtained by terrorists in the region. Algeria seeks to "mobilize all efforts to stop paying ransoms ( to terrorists), as all sides acknowledge that 95 percent of terrorism funds comes from ransoms," Minister Delegate for Maghreb and African Affairs Abdelkader Messahel told Algerian Radio ... mehr

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