Ägypten nach der Wahl

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Stefanie
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Re: Aegypten nach der Wahl

Beitrag von Stefanie »

Ahram meldete am Abend
The Constitution Party is calling for Cairo University students to march from the university in Giza to Tahrir Square on Saturday at 2pm, protesting the president’s Constitutional Declaration, according to the party’s Facebook page. The Muslim Brotherhood and various Salafist parties will be holding their demonstration in support of Morsi’s decree on the same day, in front of Cairo University where the student march is planned to depart from.
:shock:

Diese Partei ist die, die El Baradei geruendet hat und deren Vorstitz er inne hat. Wer provoziert denn nun wen??? Die Unterstuetzer Morsi's waren extra auf die andere Nil-Seite zur Kairo Uni ausgewichen mit ihrer fuer heute angesetzten Demnstration. Nun gehen Gegner dort auch auf die Strasse??? Baradei spricht sraendig von einem befuerchteten Buergerkrieg und heizt die Stimmung auf - und nun das! Fuer mich persoenlch ist in dieser Situation klar, wen ich moralisch unterstuetze!
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Stefanie

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Kuno
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Re: Aegypten nach der Wahl

Beitrag von Kuno »

Stefanie hat geschrieben:Und unter dem Strich ist eben Gott der einzige, dem man trauen kann, der keine Fehler macht, niemanden ausnutzt...
Das kann man so stehen lassen. Aber ich werde immer dann sehr misstrauisch, wenn mit ein Mensch erklaert, dass ich das und jenes so machen muss, weil Gott es so will. Und genau das ist es, was die religioes motivierten Parteien machen - sie rechtfertigen ihr Tun mit Gottes Willen. Da moegen sie noch so viel (von den Saudis finanzierte) Suppenkuechen betreiben am Ende geht es ihnen nicht um das wohl der Armen Leute sondenr einzig darum die Macht zu erlangen. Das wollen andere Extremisten natuerlich auch, die haben allerdings schlechtere Startbedingungen, weil sie nicht Gott im Parteiprogramm haben hinter dem sie sich verstecken koennen.
Stefanie hat geschrieben:Die allermeisten Aegypter stehen hinter Morsi und sind froh, dass es endlich weitergehen kann, dass bald Wahlen sein werden, dass es wieder ein Parlament geben wird. ...
Es leuchtet ein, dass die allermeisten Aegypter froh sind, wenn der Alltag wieder einkehrt. Es ist jemand da, der ihnen sagt, was sie zu tun und zu lassen haben und den man am Ende fuer schuldig ansehen kann, wenn es einem danach doch nicht besser geht als zuvor. Demokratie und Mitbestimmung? Das fordert nicht nur sondern bedingt auch Selbstverantwortung - und es garantiert keinem, dass es einem danach auch wirtschaftlich besser geht.

Die Aegypter stehen nicht hinter Morsi. Sie stehen einfach hinter dem, der ihnen hoffentlich wieder etwas Ruhe beschert, damit sie sich wieder auf ihr normales Leben konzentrieren koennen. Ob das jetzt ein Koenig ist, ein Militaer oder ein Religioeser - das speilt keine wirkliche Rolle...

...fuer die meisten wenigstens. Eine kleine Minderheit wird natuerlich die Gefaengnisse fuellen und ich wage zu behaupten, dass dies in Zukunft nicht mehr die Leute sind, die den MB nahestehen. Aber solange das Land stabil bleibt und die Mehrheit ihr kaergliches Einkommen hat, wird man das gerne in Kauf nehmen.
Stefanie
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Re: Aegypten nach der Wahl

Beitrag von Stefanie »

Ja, Kuno,
genau so ist es!
...und wenn die sogenannte Opposition keine Alternativen bietet sondern "nur" immer wieder die Ruhe stoert und auf den Platz geht, dann wird sie in der breiten Masse niemals Unterstuezung bekommen! Das muessen wir erst einmal so hinnehmen und hoffen, dass mittelfristig eine Liberalisierung gewollt und auch noch moeglich ist!
Dass es der erste gewaehlte Praesident nicht leicht haben wuerde, das war wohl allen klar. Dass das Gruenden neuer Parteien alleine noch kein Politik ausmacht, das muessen viele gerade lernen!
Wenn ich Gott fuer mein persoenliches Versagen zur Verantwortung ziehen kann und es sein Wille ist, dass eine Situaton so ist wie sie ist, dann laesst sich alles ertragen!
Wie oft haette ich Aerzte angezeigt, die aufgrund falscher Behandlung Neugeborene und Kranke sterben liessen... Die Familien haben sich damit getroestet, dass es wohl Gottes Wille war...und mit einer Anzeige wuerden die Menschen auch nicht wieder lebendig! Sie haben gelernt sich zu arrangieren. Alles was sie nicht verstehen - das kommt von Gott. Psychische Krankheiten sind boese Geister, die ausgetrieben werden muessen - mit Hilfe von Sheichs und intensivem Beten. Selbst Wetterleuchten kommt von Geistern (ok, wir haben als Kinder auch gesagt, dass bei Gewitter die Engel Kegeln :wink: ). Ein Bekannter musste einmal 72 Tage in Untersuchungshaft (aus seiner Sicht unbegruendet). Er sah es als Strafe Gottes an, weil er sich zuvor einmal "unislamisch" verhalten hatte. Das wichtigste in Haft war der Quran und waren die Gebete...
Unsere westliche Sicht und unser Wunsch nach Demokratie noch unseren Massstaeben...das passt (noch?) nicht! (Und deswegen liegt zB El Baradei leider voellig neben der aegyptischen Realitaet - er ist zu westlich gepraegt!)
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Stefanie

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Kuno
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Re: Aegypten nach der Wahl

Beitrag von Kuno »

Stefanie hat geschrieben:Unsere westliche Sicht und unser Wunsch nach Demokratie noch unseren Massstaeben...das passt (noch?) nicht! (Und deswegen liegt zB El Baradei leider voellig neben der aegyptischen Realitaet - er ist zu westlich gepraegt!)
Wolfgang K hat weiter oben mal treffend erklaert, warum es keine "westliche Sicht" zur Definition von Demokratie gibt.
Aber zur Zeit scheint mir, dass in Bezug auf ET alle, die gegen die aktuelle eingeleitite Stroemung aufbegehren als "die Opposition" bezeichnet werden - egal ob es sich dabei um einen fetten Bonzen des alten Regimes oder um einen jungen, schwulen, linken Blogger handelt. Du bist bereits bei "Die Opposition" gegen "die Muslimbrueder" angekommen - und triffst damit wahrscheinlich genau das, was angestrebt wird. Morsi hat gestern im Fernsehen gesagt, dass er die Ziele der Revolution verwirklichen werde - was dann im Umkehrschluss wieder sagt, dass "die Opposition" gegen die Ziele der Revolution arbeitet. Der Schritt, bis "die Opposition" als "die Konterrevolutionaere" bezeichnet werden ist nur noch klein.

Mursi (und hinter ihm die MB) moechten selbstverstadtlich nur das zerrissene EAegyptische Volk wieder vereinen, so dass man gemeinsam fuer eine bessere Zukunft kaempfen kann - Schulen, Arbeit, Essen, Wohnungen fuer alle. Und um das nun zu schaffen muessen natuerlich die entsprechenden Massnahmen und Schritten genommen werden.

1933 lief das recht aehnlich ab. Damals formulierte man dafuer den Begriff "Gleichschaltung". Hat funktioniert und die Leute waren begeistert (sehr viele jedenfalls - obwohl sie sich bereits ein paar Jahre spaeter nicht mehr daran erinnern konnten).
Alexander
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Re: Aegypten nach der Wahl

Beitrag von Alexander »

Kuno,
Kuno hat geschrieben:Mursi (und hinter ihm die MB) moechten selbstverstadtlich nur das zerrissene EAegyptische Volk wieder vereinen....
Woraus schliesst du diese Selbstverständlichkeit?

Grüsse
Alexander
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Re: Aegypten nach der Wahl

Beitrag von Kuno »

Mindestens vordergruendig will das jede Regierung (so habe ich es auch gemeint :wink: ) - tatsaechlich jedoch braucht man die Gegner, denen man es dann anhaengen kann, wenn etwas nicht funktioniert. Man muss nur aufpassen, dass diese Gegner schwach gehalten werden, sonst wird's muehsam.
Stefanie
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Re: Aegypten nach der Wahl

Beitrag von Stefanie »

Das was du beschreibst, Kuno, ist das, was jeder gewehlte erste Praesident in Aegypten erlebt haette. Nun hat es Morsi "getroffen" und ich behaupte, dass es bei einer anderen Wahl genau die selbe Situation gegeben haette.

Klar, sind momentan alle, die sich gegen den Praesidenten und seine Entscheidung stellen, die Oppostion - zumal sie sich ja nun auch oeffentlich gegen ihn vereint haben. Da stehen Mubarak-Anhaenger neben Linken, neben Saekularen, Liberalen, Revolutionsjugend. Der kleinste gemeinsame Nenner, der allen (bis auf den Mubarak-Getreuen) bleibt, ist das, was Morsi immer wieder betont: er will die Ziele der Revolution verwirklichen. Das macht es auch fuer seine Gegner so schwer gegen ihn anzukommen. Deshalb haben sie sich auf seine Verfassungs-Dekrete gestuerzt und daran festgebissen. Sie sind naemlich inhaltlich alle voellig der selben Meinung - nur der Weg gefaellt eben nicht allen. Indem Morsi immer wieder betont, dass er die Ziele der Revolution umsetzen will, versucht er seine Gegner an das gemeinsame Zeil zu erinnern, denn diese scheinen momentan nur noch gegen ihn und alles, was er entscheidet zu sein.
Wenn bereits 6 Monate nach Wahl eines Praesidenten Stimmen laut werden, dass er "von der Strasse" gestuerzt werden soll...wie weit ist es denn dann her mit dem Demoktarieverstaendnis der Opposition?

...und noch etwas zum "westlichen Demokratieverstaendnis": klar gibt es das. Fuer uns deutsche gibt es parlamentarische Demokratie, wo der Praesident nur repraesentative Funktionen hat. Nimm einmal das englische Beispiel, dem das aegyptische sehr aehnlich ist: es gibt das Oberhaus, das Unterhaus, einen Praesidenten...und sogar noch ein Koenigshaus. In der aegyptischen Version sind die beiden letzten irgendwie vereint :wink: . Und, das habe ich auch schon mal geschrieben, in einer patriarchalischen Gesellschaft braucht es starke Fuehrungsperonen...das kann man ja bereits im Nord-Sued-Gefaelle in Europa erkennen. Die Basis, die alle Demokratien haben: sie haben gewaehlte Volksvertreter!
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Kuno
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Re: Aegypten nach der Wahl

Beitrag von Kuno »

Stefanie hat geschrieben:...und noch etwas zum "westlichen Demokratieverstaendnis": klar gibt es das. Fuer uns deutsche gibt es parlamentarische Demokratie, wo der Praesident nur repraesentative Funktionen hat. Nimm einmal das englische Beispiel, dem das aegyptische sehr aehnlich ist: es gibt das Oberhaus, das Unterhaus, einen Praesidenten...und sogar noch ein Koenigshaus. In der aegyptischen Version sind die beiden letzten irgendwie vereint :wink: .
Also, Stefanie - gibt es nun ein "westliches Demokratieverstandtnis" oder hat jedes Europaeische Land ein anderes Verstaendtnis von Demokratie :?:

Und etwas gibt es in einer Demokratie, egal nach welchem Verstaendtnis sicher nie: Ein Praesident, der in seinen Entscheidungen unanfechtbar ist :!:
Stefanie
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Re: Aegypten nach der Wahl

Beitrag von Stefanie »

Ach Kuno,
moechtest du nun Haare spalten?! Ich denke, dass du verstanden hast, wie ich es meine!

Natuerlich gibt es in einer Demokratie keinen unanfechtbaren Praesidenten. Den haben wir aber in Aegypten auch nicht! "Nur", weil er mit den Dekreten voruebergehend die Gerichte lahmlegt, ist er nicht unanfechtbar. Die selben Gerichte hatten bereits vorher das Parlament aufgeloest - und damit dem Militaerrat diese Macht zugeteilt. Als dann Morsi den SCAF durch ein Dekret "rausgeschmissen" hat, gab es noch Jubel - auch im Ausland! Nun hat er mit einem zeitlich klar befristeten Dekret verhindert, dass sowohl das Oberhaus als auch die Verfassungsgebende Versammlung aufgloest wurden. Jetzt ploetzlich ist er zu weit gegangen??? Ich rieche foermlich die Angst im Ausland und bei der "Opposition", weil aufgrund von demokratischen Wahlen einfach der Anteil von "Religioesen" in den Gremien sehr gross ist. Ist das denn die Schuld der Gewaehlten, oder der Waehler? Oder vielleicht die der Opposition? Ich kann mich doch in D auch nicht darueber beschweren, dass nun ploetzlich im Bundesrat zu viele CDU-ler vielleicht Gesetzen zustimmen, die in meinem SPD-Bundesland nicht fuer gut befunden werden...

(ich komme mir langsam ziemlich bloed vor, dass ich mich fuer einen Praesidenten stark mache, den ich nicht gewaehlt habe und inhaltlich auch nicht wirklich unterstuetzt haette... :oops: )
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Kuno
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Re: Aegypten nach der Wahl

Beitrag von Kuno »

Stefanie. Bei mir vor dem Haus deckt der Schnee grad schoen alles zu. Warten wir mal ab, wie sich die Situation in ET in einem Jahr zeigt. Oder auch schon in sechs Monaten. Ich wuensche allen Aegyptern und insbesondere dir, dass es sich zum Guten entwickelt, dass die Leute, die ihr Leben fuer die Freiheit eingesetzt haben, diese auch dann noch geniessen koennen und nicht in den Gefaengnissen verschwunden sind (oder, wenn sie Glueck hatten, in Europa im Exil).

Also dann; am 6. Juni und in der Hoffnung, dass ich mit meinen Befuerchtungen unrecht habe.
Turi
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Re: Aegypten nach der Wahl

Beitrag von Turi »

Hallo Stefanie
...und noch etwas zum "westlichen Demokratieverstaendnis": klar gibt es das
So klar ist das meiner Meinung nach nicht, das Verständnis ist zwar da, aber in meinen Augen nur bei einer Minderheit.
Einen demokratischen Gottesstaat wird es jedoch nie geben können.
Wenn die Mehrheit in Ägypten sich für einen Gottesstaat aussprechen würde, was würde das heissen?
In Meinen Augen wird sich eine Diktatur, die von der Mehrheit gebilligt oder sogar demokratisch gewählt wird,durchsetzen.
Solange die Mehrheit sich für ein solches Staatsgebilde entscheidet, ist das Land nicht reif für eine Demokratie im westlichen Sinn.
Muss es vielleicht aber auch nicht, wenn sie mit dem anderen "Gebilde" leben wollen.
Die Minderheiten, in dem Fall die "modernen" Demokraten werden auf der Strecke bleiben, solange sie keine Mehrheit finden.
Das ist doch gelebte Demokratie.
Und wenn sich die Mehrheit für's Steinigen, Auspeitschen, und den Rückfall , in unseren Augen, ins Mittelalter entscheidet,
was ist das dann?
Demokratisch gewählte Diktatur.
Und sind wir doch mal ehrlich, die Mehrheit der "Araber" tickt einfach anders als wir, wieso kann man das nicht akzeptieren?
Die Zeit der missioniererei sollte vorbei sein.

Auch bei uns in Europa leiden sicher einige Mitbürger unter der "Demokratie",
diese werden dann geopfert für eben diese, unsere Demokratie der Mehrheit.

Wieso ist die westliche Welt so interessiert an einer Demokratisierung dieser Länder?
Weil eine grosse Angst umgeht, dass der "heilige Krieg" sich ausweiten könnte,
aber das ist das Problem des Westens.
Gruss Turi
Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es umsonst, sie anderswo zu suchen!
Stefanie
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Re: Aegypten nach der Wahl

Beitrag von Stefanie »

Turi,
da bin ich ganz deiner Meinung :wink: - hoffe aber trotzdem mit Kuno!

Gerade fand ich einen sehr lesenswerten Artikel. Was aber fast noch interessanter ist, ist die Tatsache, dass er auf der FB-Seite von "We are all Khaled Saied" empfohlen wird... Ein Anfang?!

Mohammed Morsi: Abe Lincoln in Disguise or Another Mubarak?
http://www.theatlantic.com/internationa ... ak/265557/
At this point, we really don't know if President Morsi is actually planning to install himself as what Nobel Laureate Mohamed ElBaradei has called a "new pharaoh" -- or whether he has committed to an inclusive democratic vision for Egypt which he believes requires extraordinary measures, much like those Abraham Lincoln took while manipulating pols of his day, procuring votes through patronage and threat.
Is Morsi the kind of leader who will aggrandize total power and then liberalize like a George Washington or Abraham Lincoln? Or is he more like a Lee Kuan Yew who can build a state and the facade of a democratic system while holding tightly to power for decades in all ways that matter?
...
We don't know the answer yet. But for those surprised by Morsi's moves -- as the State Department reportedly was after having just secured his pivotal support on a Gaza-Israel truce -- only naivete would lead one to believe that a healthy, balanced, checks-and-balance democracy would immediately succeed the kind of autocracy Mubarak mastered.
...
Egyptian President Morsi today says that he is committed to democracy and the rights of all Egyptians. He very well could be a power-hungry liar deceiving the nation as many other heads of state have done in the past. On the other hand, he may be telling the truth.
...
The public's interests are not well served by giving Morsi the benefit of the doubt. The public should protest and should remind him from whence power in the nation is really derived. People should demand their rights; should demand a non-corrupt and fair judiciary; an impartial police and security apparatus. But these things will not happen because Morsi is a benign or generous leader or has a vision of how to fairly evolve and develop the power of other branches of government not under his control.
Gruesse aus Baharia
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Turi
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Re: Aegypten nach der Wahl

Beitrag von Turi »

Hallo Stefanie
Ich hoffe auch von ganzem Herzen, dass die Ägypter Ruhe finden, nur welche Ruhe wird das sein.
Nur die Ruhe werden sie nicht in einer uns ähnlichen Demokratie finden, solange die Fundamentalisten so in der Überzahl sind.
Wenn demokratisch Hand abhaken verordnet wird und das wird in kommen, da ja im Moment die Mehrheit so tickt, wie soll es da, für unsere Verhältnisse demokratisch und sozial weiterlaufen?
Meiner Meinung nach ist es nicht möglich mit dem Gedankengut, das dort bei der Mehrheit herrscht, sozialen Frieden zu gewinnen und für unser Empfinden Menschlichkeit.
Das geht in die gleiche Richtung wie das mit den Beschneidungen, solange beschnittene Mütter ihre Mädchen weiter beschneiden, solange wird sich nicht ändern.
Solange in Ägypten die Mehrheit davon überzeugt ist, dass man zB eine Hand abschlagen muss, dann kann es ja nicht so falsch sein, nach deren Empfinden, sie tun sich das ja selber an.
Ich denke, das ist ein sehr schwieriges Unterfangen, das von der Bevölkerung selber gelösst werden muss, egal auf welche Seite es kippt.
Unsere Meinung dazu darf keine Rolle spielen, es ist deren Land und deren Leben.
Ich meine damit uns, die nicht dort leben.
Die, die dort leben, können den Versuch machen sich einzumischen, aber immer mit der Gefahr, als nichts verstehender Ausländer, im besten Fall, an den Rand gedrängt werden.
In deren Adern liesst anderes Blut und das sollten wir einsehen, auch wenn's noch so weh tut.
Gruss Turi
Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es umsonst, sie anderswo zu suchen!
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Re: Aegypten nach der Wahl

Beitrag von DetlevC »

http://www.spiegel.de/politik/ausland/a ... 70537.html

Das ist so eine Sache. Wenn die "sogenannte Straße" die Mehrheit ist, wenn die Mehrheit die Sharia will, wenn, wie im Artikel gesagt, Mursi damit seine "religiös gefärbte" Verfassung durchbekommt, dann mögen wir das bedauern, weil das nicht zu unserer Auffassung von der Welt passt, aber letztendlich geht es uns nichts an. Wenn umgekehrt ein Ägypter zu uns kommt und uns sagt, wie wir leben sollen, schmeißen wir den auch raus. Aber nur wenn er Glück hat. Hat er Pech, stecken wir ihn in den Knast.
Stefanie
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Re: Aegypten nach der Wahl

Beitrag von Stefanie »

Das Schlagwort "Sharia" in den ausser-aegyptischen Medien ist schon sehr "laestig" :evil:
Ich behaupte mal, dass kaum jemand der "Schreiberlinge" sich wirklich mal mit der Sharia oder der neuen Verfassung auseinandergesetzt hat...

Wie auch immer: langsam kommen auch in den deutschsprachigen Medien wieder etwas "neutralere" Artikel.
Hier Karim El Gawhary in der TAZ:

Ägypten mit neuer Verfassung
Dumme Schafe und Ungläubige

http://www.taz.de/!106688/
Der Verfassungsentwurf aber bleibt aktuell. Und betrachtet man seinen Inhalt, wird deutlich, dass er keinesfalls einer radikalen Islamisierung Ägyptens Vorschub leistet. Zwar heißt es darin, dass die „Prinzipien der Scharia“ die Grundlage der Gesetzgebung darstellen sollen, aber genau das steht schon seit 1971 in der ägyptischen Verfassung. Die ultrakonservativen Salafisten wollten das Wort „Prinzipien“ gern mit dem Begriff „Regeln“ ersetzen. Eine verschwindend kleine Minderheit von Liberalen wollte den Paragrafen ganz streichen. Beide konnten sich nicht durchsetzen.
Vom Tisch ist auch der Vorschlag, dass die islamische Al-Azhar Universität automatisch alle Gesetze auf ihre Scharia-Festigkeit prüfen soll. Die Uni hätte damit einen Status wie der Wächterrat im Iran bekommen. Doch die Überprüfung der Gesetze bleibt wie zuvor im Einzelfall den Gerichten überlassen.
...
Insgesamt ist der Verfassungsentwurf ein Werk, das keinen „Gottesstaat“ schafft, aber den islamisch-konservativen Charakter der ägyptischen Gesellschaft widerspiegelt. Gleichzeitig stellt er sicher, dass die Zeiten Mubaraks endgültig vorüber sind.
...
Gruesse aus Baharia
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