Die Meldungen zu Zumas Initiative in Tripolis klingen ganz unterschiedlich:
Hier die FR (die ja nicht gerade im Ruf steht der NATO das Wort zu reden):
Zuma auf Friedensmission bei Gaddafi (von gestern)
http://www.fr-online.de/politik/spezial ... index.html
und von heute:
Zuma-Mission in Tripolis offenbar ohne Durchbruch
http://www.fr-online.de/politik/zuma-mi ... index.html
Der gestrige Artikel ist der einzige der zumindest grob darauf eingeht, wie schwierig die Involvierung der AU in diesen Konflikt ist. Die AU ist nämlich Gaddafis ureigenste Schöpfung und wird praktisch komplett von ihm finanziert. Man erinnert sich sicher noch gut an den Titel „König der Könige“, den er sich hat von „seiner“ AU verleihen lassen.
Jetzt ist also Zuma (auch nicht ganz frei von Verpflichtungen aber auch Vorbehalten gegenüber Mr.G aber nicht mit der AU gleichzusetzten) in Tripolis gewesen und hat den „Friedensplan“ der AU verhandelt. Man sollte Zuma hier guten Willen im Sinne einer echten Lösung des Konfliktes zugestehen, nämlich auf Gaddafi ohne Rücktrittsforderungen zuzutreten und ihm eine Chance zu geben mit erhobenen Haupt das Land zu verlassen. Das Ziel eines Exils für Gaddafi zu finden oder ihn dazu zu bewegen hat Zuma zwar bestritten, aber anders würde jedes Gespräch von vorne herein scheitern. Ich hatte gestern die ganz leise Hoffnung, dass so etwas gelingen könnte. Schaut aber (noch) nicht so aus. Solche Initiativen sind wichtig und werden ggf. irgendwann zum Erfolg führen. Man muss nur wissen was das Ziel ist.
Jetzt passiert aber was anderes, und da muss Zuma jetzt aufpassen wie er das darstellt.
Jetzt wird nämlich schnell aus dem Misserfolg ein „Durchbruch“ zusammengedeutelt, indem Gaddafi sich "zum Waffenstillstand und Annahme des Friedensplan der AU" bekennt.
Hier die Welt:
Gaddafi angeblich zu Waffenstillstand bereit
http://www.welt.de/politik/ausland/arti ... ereit.html
Und die Chinesen: Jacob Zuma:
Gaddafi stimmt Friedensplan der AU zu
http://german.cri.cn/1565/2011/05/31/1s157720.htm
Das blöde ist nur, dass der Friedensplan eben genau den Punkt ausblendet, wegen dem die Libyer sich aufgelehnt haben: Er sieht den Machterhalt Gaddafis vor, mehr eigentlich nicht. Es klingt alles so schön: Waffenstillstand, Reformen blablabla. Aber alles unter der Führung Gaddafis! Man braucht nicht besondere Phantasie zu besitzen was er dann anstellen würde. Letztendlich ist es nämlich für die Libyer egal ob sie jetzt von seinen Schergen auf der Straße oder später im Keller abgemurkst werden. Wer will denn die 15 Inlandsgeheimdienste kontrollieren. Die werden ihr „Geschäft“ nicht nach 42 Jahren plötzlich einstellen.
Zuma muss aufpassen was er jetzt tut: Die „Annahme des Friedensplans“ durch Gaddafi als (s)einen Erfolg zu verkünden wird ihm zwar den Applaus einiger minderbegabter Zeitgenossen (und ein par lupenreiner Demokraten) einbringen, letztendlich aber Gaddafi nur wieder stärken, sonst nichts. Weder die Libyer noch die Alliierten können sich auf so einen Quatsch einlassen und das wissen alle Beteiligten nur zu gut.
Bin mal gespannt wann es hier durch die Presse geistert die Libyer(Rebellen) und die NATO hätten die Lösung des Konfliktes in Form dieses grandiosen Friedensplans scheitern lassen.
Hoffentlich klappt eine der nächsten Initiativen.
Grüße
Wolfgang