Libyen - Demonstrationen und Proteste

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Gerhard Göttler
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Re: Libyen - Demonstrationen und Proteste

Beitrag von Gerhard Göttler »

Hallo Foristen!

Jetzt ist so oft davon die Rede, welche Stämme, Gruppen usw. für bzw. gegen den Obersten sind. Mich würde interessieren, wie sich das anteilsmäßig in der Gesamtbevölkerung verteilt. 40% für ihn, 60% gegen ihn, oder ... Kuno, hast Du da eine Idee? Erstmals fand ich heute in der Presse auch erwähnt, dass die "Westmächte" ein Auseinanderbrechen Libyens in einen Ost- und einen Westteil möglicherweise nicht nur in Kauf nehmen sondern sogar herbeiführen wollen.

Gerhard Göttler
Kuno
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Re: Libyen - Demonstrationen und Proteste

Beitrag von Kuno »

Nein, Gerhard, da kann ich dir nicht weiterhelfen. Meine persönliche Erfahrung ist die, dass -vor alllem im Raum Tripolis- die Leute in den Häusern bleiben und ganz einfach versuchen am Leben zu bleiben; egal welchem Stamm sie sonst angehören.

Die Geschichte hingegen zeigt, dass sich die Stämme eigentlich ziemlich ähnlich verhalten wie sonst auch die Nationen - man schaut, dass man das Rennen auf dem Karren des Siegers beenden kann und sich nicht zu früh definitv festlegt für wehn man reitet.
Ronald P

Re: Libyen - Demonstrationen und Proteste

Beitrag von Ronald P »

Gerhard Göttler hat geschrieben:Mich würde interessieren, wie sich das anteilsmäßig in der Gesamtbevölkerung verteilt. 40% für ihn, 60% gegen ihn, oder ...
Gerhard Göttler
Hallo,

natürlich habe ich da auch keine tiefgreifenden Erkenntnisse anzubieten. Mir viel nur auf, als ich zum Beginn der Kämpfe in Libyen den Fezzan über Sebha durchquerte um nach Tripoli zu kommen, dass mir auf den Straßen VIELE Autos entgegen kamen, die mit Pro-Gaddafi-Plakaten beklebt waren.
Dann habe ich - noch in Libyen - im libyschen Fernsehen große Demonstrationen aus Tripoli, Sebha und anderen Städten pro Gaddafi gesehen; das waren stundenlange Aufzüge.

Jaja ... ich weiß, dass man solche Aufzüge und Sympathie-Bekundungen mit äußerstem Misstrauen zu betrachten hat. Schließlich gab es zum Ende der DDR ja auch noch prachtvolle staatstragende Demonstrationen, ... die dann in atemberaubendem Tempo im Untergang der eben noch gefeierten Staatsführung endeten.

Was mich erstaunt, das ist aber, dass Gaddafi "das Volk bewaffnen will". Wenn er massenhaft Waffen verteilen will, dann muss er sich sicher sein, dass diese Waffen sich nicht gegen ihn richten.

Also, mehr Fragen als Antworten auch bei mir.

Gruß
R.
TGerd
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Re: Libyen - Demonstrationen und Proteste

Beitrag von TGerd »

Was seh ich da?
Zweimal ägyptische Flagge neben der 'alten/neuen' libyschen.
Panzer auf Transportfahrzeug ...
Bruderhilfe? Leichte Waffen sind ja bereits vor Tagen in Sollum/Umm Saad angeliefert worden, sofort nach Bekanntwerden des UN-Mandats.
http://blogs.aljazeera.net/live/africa/ ... a-march-22

Die schlechteste (Teil)Lösung wäre das sicher nicht.

Gruß

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Nach Süden!
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Kuno
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Re: Libyen - Demonstrationen und Proteste

Beitrag von Kuno »

Kuno hat geschrieben:
Kuno hat geschrieben:Die Mannschaft des Italienischen Schleppers Asso 22 sei im Hafen von Tripolis verhaftet und festgesetzt worden meldet ANSA. Warum dieses Schiff noch in Tripolis war wurde nicht gemeldet. Die Asso 22 war im Jahre 2009 schon einmal in de Schlagzeilen, als sie 350 Fluechtlinge im Mittelmeer gerettet hatte.
Es gibt mittlerweile die Meldung, dass der Schlepper mit seiner Besatzung freigelassen worden ist.
Doch nicht:

13.16 Uhr: Das verschleppte italienische Schiff ist wieder im Hafen von Tripolis eingelaufen, schreibt «Spiegel Online».
Heinrich
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Re: Libyen - Demonstrationen und Proteste

Beitrag von Heinrich »

Die Sache bleibt undurchsichtig:
L’Asso 22 si era inizialmente diretto verso un piattaforma dell’Eni poi, dopo essere stato ‘intercettato' da un elicottero della coalizione internazionale nella serata di domenica, aveva invertito la rotta dirigendosi appunto verso il porto della capitale Libica.
Das Schiff war offenbar unterwegs zu einer ENI-Plattform, wurde dann gestört durch einen Hubschrauber der Koalition, darauf Umkehr...

Und
Aussenminister Frattini erklärte überdies, sie wüssten nicht, ob Libyer an Bord gewesen seien (wenn ich das richtig verstehe):
Frattini ha assicurato che c’è invece un “monitoraggio molto attento” del rimorchiatore della società Augusta Offshore, che viene seguito “con il satellite”. “A bordo vi sono libici che non conosciamo” ha riferito il ministro, aggiungendo che la rotta della nave al momento “non è molto chiara” perché procede avanti e indietro lungo la costa.
http://qn.quotidiano.net/esteri/2011/03 ... rato.shtml
Roger-Tecumseh
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Re: Libyen - Demonstrationen und Proteste

Beitrag von Roger-Tecumseh »

Habe nicht alle Beitraege hier gelesen; wenn es noch nicht erwaehnt wurde, ist es vielleicht interessant, zu wissen wie und warum der Schrumpf-Napoleon (und damit meine ich NICHT die Laenge des Herrn, sondern eher seine Groesse!) in den Krieg zog:

Die franzoesische Aussenpolitik (fuer die nach der Verfassung der Praesident zeichnet) taumelte von einem Waterloo zum naechsten. Die Ereignisse in Tunesien/Aegypten wurden mit unhaltbaren Kommentaren, oder gar sprachloser Schreckstarre begleitet. Da bot ploetzlich Libyen eine neue Buehne im Scheinwerferlicht der Oeffentlichkeit: und Sarkozy nutzte diesen Umstand skrupellos - mit fataler Verspaetung, wie alle, aber immerhin - zu einer starken Erklaerung. Diesem angekuendigten verbalen Kriegsgang (zunaechst noch solo) war ein kaum beachtetes Ereignis vorausgegangen: Das mediale Vielzwecktalent, der schillernde Philosophen-Koenig Frankreichs, Bernard- Henri Lévy (BHL) kehrte von einem seiner beruechtigten Schnelltrips in Kriegsgebiete - hier Benghasi - zurueck. (Gewoehnlich folgt dann sehr schnell ein "umfassendes" Druckwerk zur Problematik). Da er dem gleichen sozialen Umfeld wie Sarkozy angehoert, rief er ohne Umschweife den Praesidenten an und erwirkte umgehend eine Einladung des Widerstandsrates der Aufstaendischen in Paris. Man sah also den intellektuellen Paradiesvogel BHL im gewichtigen Kreis der Weltpolitik. Der eigentlich zustaendige Aussenminister Juppé war zuvor weder informiert, noch eingeladen, schluckte aber als Politprofi diese Kroete ohne aufzustossen!

Die Herren gingen als namenlose Vertreter einer - wichtigen - Fraktion der libyschen Aufstaendischen in den Elysée Palast und kamen, nach etwas mehr als einer Stunde, als von Frankreich anerkannte alleinige Vertretung des libyschen Volkes wieder heraus! BHL hat also ueberzeugend vorgefuehrt, was direkte Demokratie bewirken kann! ;-))
Nach diesem eigenartig egozentrischen Verstaendnis von EU-Politik, war es klar, dass nun die internationale Absegnung - und sei es ein Krieg - folgen musste.
Wolfgang K
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Re: Libyen - Demonstrationen und Proteste

Beitrag von Wolfgang K »

Roger-Tecumseh hat geschrieben:Habe nicht alle Beitraege hier gelesen; wenn es noch nicht erwaehnt wurde, ist es vielleicht interessant, zu wissen wie und warum der Schrumpf-Napoleon (und damit meine ich NICHT die Laenge des Herrn, sondern eher seine Groesse!) in den Krieg zog:

Die franzoesische Aussenpolitik (fuer die nach der Verfassung der Praesident zeichnet) taumelte von einem Waterloo zum naechsten. Die Ereignisse in Tunesien/Aegypten wurden mit unhaltbaren Kommentaren, oder gar sprachloser Schreckstarre begleitet. Da bot ploetzlich Libyen eine neue Buehne im Scheinwerferlicht der Oeffentlichkeit: und Sarkozy nutzte diesen Umstand skrupellos - mit fataler Verspaetung, wie alle, aber immerhin - zu einer starken Erklaerung. Diesem angekuendigten verbalen Kriegsgang (zunaechst noch solo) war ein kaum beachtetes Ereignis vorausgegangen: Das mediale Vielzwecktalent, der schillernde Philosophen-Koenig Frankreichs, Bernard- Henri Lévy (BHL) kehrte von einem seiner beruechtigten Schnelltrips in Kriegsgebiete - hier Benghasi - zurueck. (Gewoehnlich folgt dann sehr schnell ein "umfassendes" Druckwerk zur Problematik). Da er dem gleichen sozialen Umfeld wie Sarkozy angehoert, rief er ohne Umschweife den Praesidenten an und erwirkte umgehend eine Einladung des Widerstandsrates der Aufstaendischen in Paris. Man sah also den intellektuellen Paradiesvogel BHL im gewichtigen Kreis der Weltpolitik. Der eigentlich zustaendige Aussenminister Juppé war zuvor weder informiert, noch eingeladen, schluckte aber als Politprofi diese Kroete ohne aufzustossen!

Die Herren gingen als namenlose Vertreter einer - wichtigen - Fraktion der libyschen Aufstaendischen in den Elysée Palast und kamen, nach etwas mehr als einer Stunde, als von Frankreich anerkannte alleinige Vertretung des libyschen Volkes wieder heraus! BHL hat also ueberzeugend vorgefuehrt, was direkte Demokratie bewirken kann! ;-))
Nach diesem eigenartig egozentrischen Verstaendnis von EU-Politik, war es klar, dass nun die internationale Absegnung - und sei es ein Krieg - folgen musste.
und?
Roger-Tecumseh
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Re: Libyen - Demonstrationen und Proteste

Beitrag von Roger-Tecumseh »

Noch eine kleine Ergaenzung, die zeigt, wie sich mit nationalem Patriotismus inzwischen wieder rechtfertigen kann, was eigentlich mit dem 20sten Jahrhundert haette versinken sollen:
Der famose Philosoph und bekannt erfolgreiche Kaempfer fuer die Menschenrechte Bernard Henri-Levy ist seither wieder auf allen TV-Kanaelen zu sehen und zu hoeren. ER ist es, der (in aller Bescheidenheit!) Politik gemacht hat, sagt er!
So wiederholte er einen Satz des Gespraeches mit Sarko, dem er sagte: "In Benghasi haengen seit Tagen franzoesische Fahnen. Eine spannt sich ueber die ganze Hauswand. Haette man sich vorstellen koennen, haette man die Vorstellung ertragen, dass Kaddafi unter unserer Fahne seine Bevoelkerung massakrieren kann?"
Die in aller Eile zusammengefuegte "Koalition" beginnt - wie man inzwischen unumwunden aus Stellungnahmen der Arabischen Liga hoert, bereits in eine kritische Phase zu treten! Die Afrikanische Union (AU) haelt sich sowieso gaenzlich zurueck! (Nahezu jedes Mitgliedsland hat seit Jahren regelmaessig Millionen $ aus Tripolis erhalten!)
Es mehren sich auch in F einige nachdenkliche Stimmen, die im Text der UN-Resolution wenig Klarheit, dafuer aber beunruhigende Vieldeutigkeit erkennen. Es ergeben sich daher dringliche Fragen, wie z.B.: Die Situation im Jemen gleicht erschreckend der in Libyen; mit welcher Begruendung kann man nun eigentlich ein Wegschauen dort, moralisch noch vertreten? Wie kann es sein, dass Wahlverlierer Laurent Gbagbo sein Volk mit Beharrlichkeit und ungehindert in den Buergerkrieg treibt?

Sarkozy spricht sehr dezidiert von den "Operationen" in Libyen. Das Wort Krieg vermeidet er! Hatten wir diese Vielzweck-Verdrehung der Realitaet nicht schon sehr oft?
TGerd
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Re: Libyen - Demonstrationen und Proteste

Beitrag von TGerd »

Eben die 'heute' Nachrichten auf 3sat, aktueller Bericht von Uli Gack:
'... wir wurden in Sollum kaum über die libysche Grenze gelassen, hier in Benghazi bekamen wir erst nach sehr langer Diskussion ein Zimmer in einem Hotel. Niemand will mit Deutschen mehr etwas zu tun haben. Es ist ein Tiefpunkt in den Beziehungen von Libyen mit der Bundesrepublik ...'

Gruß
Nach Süden!
In der Wüste triffst Du Dich selbst.
Oder Du triffst nichts.
Ronald P

Re: Libyen - Demonstrationen und Proteste

Beitrag von Ronald P »

TGerd hat geschrieben:Eben die 'heute' Nachrichten auf 3sat, aktueller Bericht von Uli Gack:
'... wir wurden in Sollum kaum über die libysche Grenze gelassen, hier in Benghazi bekamen wir erst nach sehr langer Diskussion ein Zimmer in einem Hotel. Niemand will mit Deutschen mehr etwas zu tun haben. Es ist ein Tiefpunkt in den Beziehungen von Libyen mit der Bundesrepublik ...'
Gruß
Hallo,

im Umkehrschluss zu Herrn Uli Gack müssten jetzt die Beziehungen von Libyen zu den Franzosen, Briten und US-Amerikanern so gut wie noch nie zuvor sein.
Ob Franzosen, Briten und US-Amerikanern jetzt in Tripoli wohl besonders günstige Konditionen in Hotels gewährt werden?

Gruß
TGerd
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Re: Libyen - Demonstrationen und Proteste

Beitrag von TGerd »

Sind sie auch:

Die Leute in Benghazi skandieren: 'One-two-three, merci Sarkozy'.

Gruß
Nach Süden!
In der Wüste triffst Du Dich selbst.
Oder Du triffst nichts.
schu achbar ?

Re: Libyen - Demonstrationen und Proteste

Beitrag von schu achbar ? »

Vielleicht gibt es ja bald zwei Staaten, Westlibyen als Reiseziel für Leute mit deutschem Pass, der Osten für die Alliierten.
Wir haben eindeutig die bessere Fährverbindung....

Jetzt mal im Ernst: Wer hat verlässliche Zahlen über die Grösse der jeweiligen Anhängerschaften ?
Turi
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Re: Libyen - Demonstrationen und Proteste

Beitrag von Turi »

Hallo Gerhard
"Jetzt ist so oft davon die Rede, welche Stämme, Gruppen usw. für bzw. gegen den Obersten sind. Mich würde interessieren, wie sich das anteilsmäßig in der Gesamtbevölkerung verteilt. 40% für ihn, 60% gegen ihn, oder ... Kuno, hast Du da eine Idee? Erstmals fand ich heute in der Presse auch erwähnt, dass die "Westmächte" ein Auseinanderbrechen Libyens in einen Ost- und einen Westteil möglicherweise nicht nur in Kauf nehmen sondern sogar herbeiführen wollen."

Eben im "der Klub"

Andreas Zumach, UNO-Experte, Journalist und Publizist
Albert A. Stahel, Strategieexperte Universität Zürich
Reinhard Schulze, Professor für Islamwissenschaften, Libyen-Kenner
Arnold Hottinger, Nahost-Experte
Giumma El Omami, Libyer, Mitglied libysche Menschenrechtsgruppe «Human Rights Solidarity

In der Bevölkerung 90% gegen Gaddafi 10% für ihn.
Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es umsonst, sie anderswo zu suchen!
Kuno
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Re: Libyen - Demonstrationen und Proteste

Beitrag von Kuno »

Es ist wirklich schwierig etwas ueber die Prozente zu sagen. Vielleicht hilft das untenstehende Video von gestern auch noch etwas weiter:



Wenn ich mir die Anzahl der begeisterten Anhaenger auf dem Gruenen Platz anschaue....

...ich bin mir sicher, dass wenn unser Lokalradio jetzt sagen wuerde, Justin Bieber sei gerade im Staedtchen angekommen, dann waeren innert 30 Minuten 10 mal so viele Leute versamelt.
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