Da wir ja glücklicherweise Fachleute unter uns haben, die es auch noch allgemeinverständlich verklickern können, wage ich mal, noch etwas Geologisches hier einzustellen und zu fragen, was das denn ist:
ich hab's ja auch schon im andern Thread gesagt: ich bin nur eine Archäologin mit einer schwachen Ahnung von Geologie, aber einen Erklärungsversuch kann ich Dir trotzdem anbieten.
Für mich sieht das Gebilde aus wie eine leicht gestauchte Kalkschicht. Man kann sich das so vorstellen: in einem Meer lagert sich Kalk ab; je nach Tiefe/Wassertemperatur/Zuflüssen in unterschiedlichen Dicken. Im Lauf von Jahrmillionen versteinert das Ganze, dabei gibt es aber eben je nach Ablagerungsbedingungen weichere oder härtere Kalkschichten. Wenn dann noch die Plattentektonik dazukommt (sog. Kontinentaldrift bzw. Kontinentalverschiebung), werden die Kalkschichten aufgewölbt, gefaltet und können sogar auf dem Kopf stehen (überkippen). Die weicheren Schichten werden dann durch Wasser und Wind schneller erodiert als die härteren. Das würde auch die hohlen Stellen unter der doch ziemlich gleichmässig dicken Schicht erklären.
Dass der Stein zusätzlich noch so krümelig-zerrissen wirkt, könnte durchaus auf Sprengkräfte wegen Temperaturdifferenzen zurückzuführen sein. Ausserdem ist der Stein durch die Stauchung natürlich geschwächt (auf der Oberseite des Bogens wird die Steinstruktur gedehnt, auf der Unterseite ineinander gewurstet).
Aber wie gesagt: ich werde noch einen Geologen suchen, der sich das mal ansehen soll.
Hi zusammen,
@Regula: Archäologin? Dann hab ich eine Frage an dich. Könnte das ein Werkzeug, Messer o.ä. sein? Ist ca 50 mm lang, die schräge Seite ist messerscharf und das Teil liegt perfekt in der Hand. Gefunden in einem brunnenreichen Gebiet in der Sahararandzone.
Gruss Michael
ein wirklich hübsches Stück! Ja, das dürfte das Fragment einer Silexklinge sein. Auf dem ersten Bild sieht man oben ganz deutlich die feine Retouche (Zähnung); das war die Schneidekante. Der Klingenrücken wurde meist nur grob zugerichtet, damit man sich nicht schnitt. Manchmal wurden solche Klingen noch zusätzlich in einen Griff aus Holz eingesetzt. Rechts scheint das Stück abgebrochen zu sein. Wie lange es ursprünglich war, ist schwer zu sagen. Klingen können, je nach Qualität des Silex, bis zu 15 cm oder noch länger sein.
Zur Datierung kann ich leider nichts sagen, da ich über die nordafrikanische Archäologie viel zuwenig weiss (meine Spezialgebiete sind späte Bronzezeit und Eisenzeit in Mitteleuropa). Ich werde Dir aber die Adresse von jemandem zukommen lassen, der sich auch schon damit befasst hat.
Hallo zusammen,
für alle, die es interessiert: gem. Aussage eines Archäologen handelt es sich bei dem Teil um ein retouschiertes Klingenfragment, genau wie Regula schon geschrieben hat. Alter ist ca. 5000 Jahre ( Jungsteinzeit, analog zu "unseren" Pfahlbauern) und gebraucht wurde es zum Getreideschneiden. Auch die im selben Gebiet gefundenen Strausseneierschalen dürften aus der gleichen Zeit stammen. Aus diesen Schalen habe man damals kleine, feine Perlen gemacht.
Zu Recht wurde ich darauf hingewiesen, dass es strafbar sei, solche Artefakte mitzunehmen und man u.U. mit drastischen Strafen belegt werden kann.
Gruss Michael
Die Datierung eines solchen Artefaktes ist meist nur zusammen mit begleitendem Fundmaterial möglich. Nicht selten kommen innerhalb von Fundkonzentrationen Artefakteformen vor, die sich zeitlich gut einordnen lassen. So aus dem Zusammenhang gerissen ist das mit Deinem Fundstück aber schwierig.
Klingen tauchen zeitlich schon viel früher auf und wurden z. B. auch für die Bearbeitung von Holz, Knochen und Tierhaut verwendet... Straußeneierschalen können auch von Straußenei-Gefäßen stammen.
da hast Du offenbar gefragt und sehr schnell Antwort erhalten: das freut mich (bei der Adresse, die ich Dir geschickt hatte [ich nehme wenigstens an, dass Du dort gefragt hast], habe ich eigentlich auch nichts anderes erwartet...). Und ja: dass die Ausfuhr von solchen Stücken heikel ist, weiss ich natürlich auch; ich wollte das nur nicht auch noch in meine Antwort mit reinnehmen...
Ich weiss aber auch, wie schnell man da ganz einfach reintrampen kann: ich habe einige Stücke libysches Wüstenglas mit nach Hause genommen und erst da festgestellt, dass sich darunter auch zwei kleine prähistorische Abschläge befinden...
@Robby: Du hast absolut recht mit dem, was Du über den Fundzusammenhang schreibst, und da sind wir Archäologen ja auch in der Schweiz immer wieder am Kämpfen...
Funde in der libyschen Wüste geben bis heute Rätsel auf
Glas aus der Sandsee
Selbst Skorpione und Schlangen finden hier, im nordöstlichen Teil der Sahara, kaum Nahrung: Bewohnbar ist die libysche Wüste nur an wenigen Plätzen, wie den ägyptischen Siwa- oder den libyschen Kufrah-Oasen. mehr...
Grüsse
Alexander
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.