Shalateen - der unbekannte Südosten Ägyptens

Kultur, Natur, Unterkunft, Reiserouten, Sehenswürdigkeiten, Tourismus Staaten: Marokko/Sahara, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten.

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Alexander
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Re: Shalateen - der unbekannte Südosten Ägyptens

Beitrag von Alexander »

Es geht weiter: Zurück auf den steinigen Ebenen

Wir saßen wieder mit unserem Führer im Fahrzeug, weiter und tiefer in die Berge. Er hatte mehr Kamele, in der Wüste versteckte Quellen und sogar Farmen, die von den United Nations im Rahmen des Landwirtschaftsprogramms entwickelt wurden, versprochen.

Während der Fahrt wurde die Hochzeit wieder Gesprächsthema. Wir untersuchten die Traditionen unter den Stämmen. Einer von uns stellte fest, dass die Braut wesentlich älter als der Bräutigam war und wir fragten uns, ob es ihre erste Hochzeit sei. Sie war es nicht. Es ist einfach für geschiedene Frauen sich wieder im Stamm zu verheiraten, erklärte unser Führer. Sowohl Hochzeits- und Scheidungsvereinbarung können einfach geschlossen werden und beides kostet nicht mehr als 3000 bis 4000 LE, manchmal weniger, wenn der Mann ein naher Verwandter und fromm ist. Das alter schien keine Rolle zu spielen, da beide Mann und Frau einen Partner finden konnten.

Unser Führer, ein Mann in den 50igern, erzählte uns, dass er sich gerade eine junge Braut als seine zweite Frau ausgesucht hätte. Er lachte als wir in mit Fragen überschütteten.


"Die erste Frau bekommt Reda," erklärte er.

Reda bedeutet im arabischen "Entschädigung". Dabei handelt es sich um einen Geldbetrag um die 3000 LE, der der ersten Frau übergeben wird als Ausgleich für die zweite Heirat ihres Mannes. Sie kann wählen zwischen der Reda in Gold oder einer Scheidung, um sich wieder zu verheiraten. Die Mitgift ist nur gering und der Mann zahlt sie in Kamelen, zusätzlich eine Lederpeitsche und ein größeres Schwert. Die Frau webt ein Kordelarmband, dass der Mann um sein Handgelenk trägt.

Wir waren darüber erschrocken, wie einfach das alles ging. Und uns schien es, dass die Ehebande unter den Beduinen weniger bindend sind, oder dass die Paare weniger ihrem Versprechen im Guten und im Schlechten zusammenzuhalten, verpflichtet sind: Verheiratete Partner zogen weiter, wenn es ihnen bequem und angebracht erschien, für beide Parteien.

Für Kairoaner wie uns, machen die Traditionen einen eigenartigen Eindruck, aber die Beduinen scheinen glücklich damit zu sein.

Schließlich erreichten wir das Abu Saafa Tal und machten Fotos von den alten Quellen und von den Kreidegravuren in den Felsen der Berge. "Diese Gravuren wurden vor hunderten von Jahren angefertigt.," erklärte unser Führer, ohne uns viele Details zu geben. Die Malereien waren sehr einfach, die meisten waren Kühe und wir meinten aus Spaß, dass die Beduinen die Malereien hinterlassen haben, um die Touristen anzuziehen.

Wir fuhren zurück zur Hochzeit, wo Jabana gebraut und Essen zubereitet wurde. Hölzerne Pfähle wurden in den Sand gerammt und eine Gruppe Frauen errichteten das Zelt für Braut und Bräutigam mit Unterstützung der Männer, falls erforderlich. Einer von uns begann Fotos zu schießen und die anderen unterhielten sich mit den Männern. Beide Gruppen vereinigten sich, als die Feier und der Tanz begann.

Es war ein “Macho” Tanz, bei dem Männer und Kinder mit Schilden und Schwertern tanzten. In diesem rituellen Tanz hielten zwei Männer, wie in einem Duell, mit einer Hand ihre Schwert hoch mit dem sie herumwedelten und mit der anderen das Schild, während sie auf dem Boden stampften und sich im Kreis bewegten. Andere versammelten sich, klatschten, sangen und schlugen die Trommeln.

Für ein oder zwei Minuten traten sie auf der Stelle und schwangen ihre Waffen und legen sie plötzlich auf dem Boden ab. Die zwei schnellsten Personen rannten in das Zentrum und hoben die Waffen auf, um den Tanz fort zu führen. Jeder nahm daran teil. Einem von uns wurde ebenfalls das Schwert und das Schild angeboten, indem es direkt vor seinen Füssen abgelegt wurde. Ein Mann kam vorbei und versprühte Parfüm.

Da wir vom Militär angewiesen wurden, die Nacht in Shalateen und nicht in den Bergen zu verbringen, wollten wir aufbrechen bevor die Dunkelheit hereinbrach. Es schmerzte aus der Feier und den frohen Menschen gerissen zu werden. Aber wir hatten keine Wahl und nachdem sie uns alles Gute wünschten, versprachen wir ihnen Fotos von der Hochzeit zu schicken. Wir brachen auf in Richtung Asphalt – wieder zurück nach Shalateen.
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.

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Wolfgang16
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Registriert: Di 22. Jan 2008, 11:06

Re: Shalateen - der unbekannte Südosten Ägyptens

Beitrag von Wolfgang16 »

Ich hab dem Alexander etwas Zeit gegeben. :lol:


Jetzt heißt es Abschied von Shalateen zu nehmen. Die beiden machen noch einen Streifzug durch den Markt, der recht vielfältig ist, weil hier ein Austausch zwischen Ägypten und dem Sudan stattfindet. Dann gehts auf der Rückreise noch zu einem Abstecher in den Wadi el Gemal Nationalpark.

Teil7: Abschied von Shalateen

deutsche Übersetzung

dazu noch ein Video:

Markt von Shalateen


Wir sind hier im Einzugbereich des Kaffees. Die Teezeremonie ist durch die Kaffeezeremonie ersetzt. Dazu gehört es, die Kaffeebohnen zu rösten, zusammen mit Ingwer zu zermahlen und dann in der Jabana zu kochen. Der Führer im Wadi el Gemal Nationalpark ist einer der besten Kaffeezubereiter der Gegend, Amr El Beleidy kann daher den gesamten Vorgang detailliert beschreiben.

Teil8: Jabana

deutsche Übersetzung


Damit ist die Geschichte beendet.

Auf der Webseite gibts übrigens einen eigenen Reisebereich
http://www.almasryalyoum.com/en/echannel/travel
Vielleicht erscheinen da öfter mal Berichte dieser Art.
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Achim Vogt
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Re: Shalateen - der unbekannte Südosten Ägyptens

Beitrag von Achim Vogt »

Ich habe diesen Artikel des Guardian über die Gegend des Bir Tawil noch nicht vollständig lesen können - dafür ist der Bericht (der Name "The Long Read" ist offenbar Programm) einfach zu lang. Aber beim ersten Überfliegen fand ich ihn sehr spannend und eben eine seltene Information über dieses "einzige Gebiet, auf das kein Staat Ansprüche erhebt":

Welcome to the land that no country wants
(The Guardian, aus der Serie "The Long Read", 3. März 2016)

Viele Grüße
Achim
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