Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Kultur, Natur, Unterkunft, Reiserouten, Sehenswürdigkeiten, Tourismus Staaten: Marokko/Sahara, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten.

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Kuno
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Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

Es hat halt wieder gejuckt. Wahrscheinlich ist es wirklich so, dass wenn einem "die Wueste" einmal infiziert hat, man nie mehr davon loskommt. Ostern war jetzt gerade eine Gelegenheit. Ohne zuviel Ferien daran geben zu muessen ein paar Tage in Nordafrika zu verbringen - natuerlich war es viel zu kurz, um daraus eine groessere Reise zu machen. Trotzdem - es hat gut getan, war sehr interessant und wir haben mehr gesehen, als wir fuer diese kurze Zeit eigentlich erwarten konnten.

Unser Fazit gleich am Anfang: Alles hat super geklappt und es gab absolut keine Probleme.

Allerdings waere die Aussage, dass alles kein Problem ist und man bedenkenlos und jederzeit ueberall hin fahren kann sicher nicht richtig. Wir koennen nur unsere Eindruecke schildern, jedoch daraus nicht ein pauschales Urteil oder eine Empfehlung ableiten. Es bleibt so, wie es schon immer war - jeder muss sich die Karten selber legen und dann fuer sich entscheiden, wann er wohin reisen will.

Ich werde mir auch wieder Muehe geben, die Beitraege nett zu bebildern, so dass die, die zuhause bleiben oder sich in Albanien draengen wollen vielleicht ein wenig neidisch werden :mrgreen:
Kuno
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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

Diesmal ging's nicht ueber Genua sondern ueber Frankfurt nach Tunis. Spart viel Zeit - aber man kann halt das Auto nicht mitnehmen.

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Kleine Szene am Check-In Schalter. Ein nettes Deutsches Ehepaar Stand in der zweiten Schlange laaaaaange an. Als sie dann an die Reihe kamen, nahm die Dame am Schalter ihre Tickets in die Hand und fragte: "Nach Teneriffa, geht es also?" Die beiden nickten strahlend und die Dame sagte "Seeeeehr schoen! Wirklich sehr schoen." Die beiden nickten wieder eifrig und noch viel strahlender nur um dann zu hoeren: "Aber hier ist nicht nach Teneriffa sondern nach Tunis!"

Boese, nicht :mrgreen:
Kuno
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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

Der Flug verlief langweilig und ereignislos - was ja eigentlich gut ist :D
Auch der Zoll und die Passkontrolle bei der Ankunft war ruckzuck erledigt.

Der naechste spannende Augenblick kam beim Schalter der Autovermietung...

...wuerde der bestellte 4X4 tatsaechlich dort sein oder mussten wir uns mit so einem Clio mit Stufenheck zufriedengeben?

Und tatsaechlich:

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Ein Ford "Rainscher" 8)

Von weitem sah das Auto sehr gut aus. Beim Uebernahmeprotokoll mussten dann aber rundherum Kringel eingezeichnet werden. Wir waren nicht die ersten Benutzer...
Kuno
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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

Vom Flughafen ging es dann au der Autobahn direkt in Richtung Sueden. Eine "Aufgabe", die wir uns gestellt hatten, war das Ausprobieren des Bagnold Sonnenkompass, welcher auf eine improvisierten Halterung befestigt war. Wolfgang hatte sie gut vorbereitet und somit war sie leicht zu befestigen..

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Das Dumme war nur, dass die Sonne nicht schien :roll:
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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

Was auffiel: Keine Polizisten auf der Autobahn von Tunis bis hinunter nach Fax.

Da es schon lange dunkel war, beschlossen wir einen Platz zum Uebernachten zu suchen. Das Hotel Tamaris in Mahares kam da gerade recht. Es liegt direkt an der Hauptstrasse und hat einen grossen, eingefriedeten & bewachten Parkplatz. Kosten tut's nicht viel und das Nachtessen war richtig lecker. Natuerlich waren nicht viele Gaeste im Haus und der Mann an der Rezeption war sichtlich erfreut, dass endlich wieder einmal Touristen auftauchten...

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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

Die Leute, mit denen wir am Flughafen und im Hotel sprachen waren verhalten optimistisch ueber die naechste Zukunft - man meinte, dass es schon wieder etwas besser geworden sei, war sich aber offensichtlich bewusst, dass es noch ein weiter Weg werden wird.
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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

Die beiden LY Autos, die neben unserem schwarzen Ford parkten hatten nichts mit uns zu tun. Nach einem kurzen, eher skeptischen Blick unter die Motorhaube fuhren wir auf der Hauptstrasse weiter nach Sueden. Immer noch keine Polizeipraesenz, keiner der in blankpolierten Lederstiefeln, mit den Daumen im Koppel am Strassenrand stand und durch die Sonnenbrille hindurch seine Opfer ausspaehte.

Wie man es wohl schon vermutet hat, konnte ich nicht herumfahren, ohne mich etwas nach der Vergangenheit des Landes umzuschauen. Der erste Punkt war dann auch Akarit, zu dem man im Wiki folgendes nachlesen kann:

"Der alliierte Angriff auf die deutsch-italienischen Stellungen beim Wadi Akarit begannen in der Nacht vom 5. zum 6. April 1943 mit einer massiven Artillerievorbereitung. Danach griff Montgomery mit 500 Panzern an, denen nur mehr etwa 20 Panzer der 15. Panzerdivision gegenüber standen. Die schweren Kämpfe bei Akarit endeten nach enormen Verlusten bereits nach einem Tag. Danach zog sich die 1. italienische Armee auf die 250 km nördlich gelegene Linie Enfidaville-Mansour zurück."

Da ich aber mit diesem Teil der Geschichte nicht allzu fit bin, begnuegten wir uns damit, die Bruecken zu photographieren. Und die Eisenbahnlinie - die war kurz zuvor das Ziel eines Sabotageeinsatzes des Franzoesischen Detachements der SAS. Iirgendwo hier mussten sie versucht haben, die Geleise zu sprengen und die Strasse zu verminen.

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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

Die eher ungluecklichen Operationen der sont erfolgsverwoehnten SAS im Februar 1943 sollten uns noch weiterhin die Route vorgeben. Ueber Gabes ging es westlich bis el-Hamma und dann wieder nach Norden auf den Djebel Tebaga-Fetnassa zu. In dieser Gegend wurde David Stirling eher versehentlich als gewollt aufgegriffen und verhaftet.

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Da es bei diesem Ereignis nicht wie beim Jebel Sherif zu einem ernsteren Gefecht kam, konnten wir natuerlich nicht hoffen, wirklich noch Spuren zu finden und die Koordinate des Navigators, welcher entkommen ist, musste eher als indikativ denn als praezise gewertet werden.

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Immerhin; der Ford konnte sich das erste mal in Verhaeltnissen zeigen, die in Deutschland oder der Schweiz schon eindeutig als "Off Road" bezeichnet wuerden - un er machte sich richtig gut.

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Und nach einigem Suchen und Baeuche durch die Steine schleppen fanden wir dann auch bald einmal eine Stelle, die den Beschreibungen entsprechen wuerde. Stirling's Schlafsack lag zwar nicht mehr in der Hoehle aber ein Stueck Blech, dass vielleicht ein Indiz sein koennte.

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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

Der Sonnenkompass, den wir ja so gerne ausprobiert haetten funktionierte nicht - es mangelte schlichtweg an dem nicht ganz unwichtigen externen Zubehoerteil der Sonne.

Stattdessen began es zuregnen :cry:

Esgal; die SAS war damals ja auch in der Nacht unterwegs, als se sich wegen der vermuteten besseren Deckungsmoegichkeiten zum nordwestlich gelegenen Djebel ben-Kreir zurueckzog:

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Der mit der besseren Deckung hat sie dann aber auch nicht gerettet - als sie sich am naechsten Tag zu einer weiteren Sabotage aktion aufmachten, leifen sie direkt in eine motorisierte aufklaerungseinheit der Deutschen und verloren saemtliche Fahrzeuge.

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Zwei unbelehrbare Optimisten in einem schwarzen Ford glaubten noch, dass sie eines der zwei vorhandenen Fotos von einem einkassierten SAS Jeep hier irgendwo identifizieren koennten...

...das tat es aber dann nicht und somit konzentrierten wir uns auf die Befestigungsanlage, die den Druchlass zwischen den beiden Bergen seit altersher bewachte:

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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

Aber auch hier oben dauerte es nicht lange, bis man wieder auf die Spuren der juengeren Vergangenheit stiess: Scharf gezackte Granatsplitter,die vor 70 Jahren ihre opfer gesucht hatten...

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...und es ganz aehnlich und nicht weit davon heute wieder tun.
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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

Der immer staerker einsetzende Regen liess die Pisten schlammig werden. Um nach Zannough an der Strasse von Mahares nach Gafsa zu kommen mussten wir den Djebel Biada ueberqueren. Unser Navigator, dessen Namen ich hier aber aus wohl verstaendlichen Gruenden nicht nennen will, hatte es sich bei der Reisevorbereitung an dieser Stelle aber etwas gar einfach gemacht...

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...mit dem Resultat, dass wir in Wahrheit an einer ganz anderen Stelle durchfuhren. Mit der Einschraenkung, dass bedingt durch den nassen Untergrund ein umkehren nicht mehr moeglich gewesen waere war die Fahrt in diesem Abschnitt wirklich interessant :D

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Der Einstieg....

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... und die Ausfahrt ein paar Kilometer weiter noerdlich.

Das Ziel des heutigen Tages hiess Tozeur, welches wir dann gegen Abend auch problemlos erreichten. Viele Hotels im Ort hatten mangels Touristen geschlossen.
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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

An Spuren der Revolution liess sich in Gafsa auf die Schnelle nicht viel entdecken. Die Polizisten waren offensichtlich auch hier im Kollektivurlaub und durch eine geringe Militaerpraesenz ersetzt. Ein abgefackeltes Zeitungshaeuschen und ein paar Spuren von verbrannten Reifen. Mehr sah man nicht.
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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

Das Hotel Ras el-Ain hatte geoeffnet. Mit uns beiden waren es vierzig Leute, die dort uebernachteten...

Die Angestellten hofften, dass bald wieder mehr Touristen eintreffen wuerden und man fruete sich offensichtlich ueber jeden. Der Kellner beim Abendessen erwies sich dann auch noch als einwandfreier Wetterprohpet: Wie er es angekuendet hatte schien am naechsten Morgen die Sonne:

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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

Bis wir dann am Freitag allerdings losfuhren ueberzog der Himmel wieder und der Sonnenkompass funktionierte wieder nicht :evil:

Wir fuhren ueber die Dammstrasse nach Kebili und von dort weiter nach Douz um uns auf dem Campingplatz umzuschauen.

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Auf dem Campingplatz waren drei Landrover und ein Toyota. Schweizer und Belgier. Der Eigentuemer des Campingplatzes war nicht gerade gluecklich ueber das Ausbleiben der Touristen - hoffte aber wie alle,dasas sich die Situation bald wieder bessern wuerde...
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Re: Tunesien im April 2011 - Reiseeindruecke nach der Revolution

Beitrag von Kuno »

Die Regeln fuer das Sperrgebiet haben sich nac hder Aussage des Camping-Betreibers uebrigens nicht geaendert und die anderen Touristen auf dem Platz bestaetigten, was wir selber bisher auch erlebt hatten - keine Probleme fuer Reisende und keine Polizei auf den Strassen.
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