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Mit dem Rad von Köln nach Kapstadt - 1. Etappe

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Mit dem Rad von Köln nach Kapstadt - 1. Etappe

Beitragvon Dombybike » 31.10.2015 20:41

Hallo alle zusammen,

nun bin ich bereits fast 3 Monate auf meiner Reise von Köln nach Kapstadt mit dem Fahrrad unterwegs, und so möchte ich euch doch hier auch ein wenig daran teilhaben lassen. Die erste Etappe ist noch nicht wirklich "wüsten-mäßig" gewesen - ich hoffe, dass sie dennoch hier nicht fehl am Platze ist, die Wüsten-Storys kommen noch, ganz sicher ;)
Ich fasse die erste Etappe mal im Schnelldurchlauf zusammen, bzw. greife einige Anekdoten und Highlight heraus. Regelmäßige ausführliche Berichte gibt es auch auf meinem Blog: http://www.cologne-capetown.com bzw. http://www.facebook.com/colognetocapetown

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Lange habe ich davon geträumt, dann geplant, dann Entscheidungen getroffen. Den Job und die Wohnung gekündigt, Nägel mit Köpfen gemacht. Zwischendurch Fernweh ohne Ende, konnte es kaum erwarten endlich loszufahren. Dann wieder Zweifel: Ist das wirklich das Richtige? Bin ich nicht unfassbar bescheuert, mein bequemes, sicheres Leben, meine Familie und Freunde, meine wunderbare Freundin hier zurück zu lassen? Keine Ahnung. Wenn es überhaupt eine Antwort darauf gibt, dann werde ich sie erst am Ende meiner Reise erfahren. Jetzt gibt es erstmal kein Zurück mehr. Am 06. August 2015 geht’s los. Auf eine Reise ins Ungewisse, die dennoch erstmal so anfängt wie jeder andere meiner letzten Sommer-Urlaube: Fahrrad, Zelt, Schlafsack, Iso-Matte, Verpflegung. Und ab dafür. Naja, irgendwas ist dann doch anders…

Die ersten Tage geht’s mir richtig beschissen, irgendwie realisiere ich jetzt, da ich tatsächlich unterwegs bin, erst so richtig, was ich da eigentlich mache. Ein Jahr lang kein zu Hause zu haben. Mit - im Vergleich zu vorher - sehr wenig Geld auskommen zu müssen. Ein Jahr lang Freunde und Familie nicht sehen zu können. Es ist meine allererste größere Reise und all das jagt mir jetzt plötzlich doch ganz schön Angst ein. Und natürlich macht mir der Abschied von meiner Freundin extrem zu schaffen.

Nach drei Tagen, ich bin gerade in Rüdesheim, stößt mein Kumpel Jari, mit dem ich schon seit Jahren Fahrradtouren unternehme, für eine Woche dazu. Die Gesellschaft tut mir gut, und Jari schafft es immer, mich mit ein paar blöden Witzen von der Grübelei abzulenken. Wir fahren gemeinsam am Rhein entlang bis Mainz, von dort folgen wir dem Main in Richtung Würzburg. Ab Beilngries fahren wir am Main-Donau-Kanal bis Kehlheim. Dort springen wir noch in die Donau und lassen uns mit der Strömung durch den Donau-Bruch treiben. Eine willkommene Abkühlung nach einem Tag auf dem Rad bei 36 Grad im Schatten.

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Am nächsten Morgen verabschiedet sich Jari, ich bin ich wieder allein unterwegs. Ich fühle mich fit und auch die gedrückte Stimmung der ersten Tage ist gewichen. Ich fahre über kleine Dörfer, durch Wiesen und Wälder bis Eggenfelden und bin überrascht wie dünn besiedelt das Gebiet hier teilweise ist. In Eggenfelden suche ich etwas wo ich duschen kann, es gibt ein Schwimmbad, aber es ist schon kurz vor 20:00 Uhr, die machen gerade dicht und schicken mich weg. Als ich draußen auf dem Parkplatz stehe kommt ein Mann mit seiner Tochter vorbei und spricht mich an. Ich frage ihn, ob er hier ein Fitness-Studio kennt, ich würde dort fragen ob ich die Dusche benutzen darf. Er kennt eins und bietet mir an, mit dem Auto vorweg zu fahren und mich dorthin zu lotsen. Mein Zelt könne ich außerdem bei ihm im Garten aufstellen. Ich bin schon jetzt baff über soviel Hilfsbereitschaft, aber es soll noch besser kommen. Während ich im Fitness-Studio unter der Dusche stehe bricht draußen ein heftiges Gewitter los. Als ich aus der Dusche komme besteht mein Helfer darauf, dass ich bei dem Wetter nicht draußen übernachten soll und will mich zu einer Pension schicken, was ich aber mit Verweis auf mein begrenztes Budget ablehne. Darauf sagt er: „Pass auf, ich erklär dir das jetzt mal: Du fährst da jetzt hin, da ist ein Zimmer für dich reserviert und bezahlt.“ Sprichts, drückt mir die Hand, dreht sich um und geht. Ich stehe völlig geplättet da und kriege gerade noch so ein „1000 Dank!“ raus, da sitzt er schon im Auto. Ich habe ein tierisch schlechtes Gewissen, ich habe mich ja schließlich selber in diese Situation manövriert, warum sollte mir also jemand so helfen? Außerdem bin ich auch nicht wirklich bedürftig, andere Leute könnten es viel dringender gebrauchen. Ich habe das nicht verdient denke ich. Andererseits bin ich natürlich unendlich dankbar und freue mich auf ein Dach über dem Kopf bei diesem Sauwetter. Ich sage mir einfach, dass ich eh keine Gelegenheit hatte, diese Hilfe nicht anzunehmen. Mit so etwas umzugehen und solche Hilfe auch anzunehmen muss ich definitiv noch lernen.

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Es geht weiter, bei Braunau am Inn nach Österreich, und Richtung Bad Ischl. Die Alpen will ich über den Sölkpass überqueren, der ist mit 1790 Metern nicht besonders hoch. Die Wahl war gut, auf der kleinen Passstraße herrscht kaum Verkehr und die Steigung ist größtenteils moderat. Trotzdem habe ich mit dem vielen gewicht ordentlich zu kämpfen. Immer wieder erwische ich mich dabei, wie ich den Schalthebel drücke, um noch einen Gang runter zu schalten. Aber da tut sich nix. Verdammt, ich bin schon im kleinsten Gang! Aber ich stelle ein weiteres Mal fest: Egal wie anstrengend das Radfahren mit viel Gepäck in den Alpen auch sein mag – die Natur, der Ausblick, und das Gefühl nach einem langen Anstieg zurück ins Tal zu schauen, all das entschädigt doppelt und dreifach für die Mühen. Es macht einfach tierisch Bock in den Alpen zu fahren.

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Der Höhenflug wird aber auch schnell wieder gedämpft, auf dem weiteren Weg durch Österreich und Slowenien Richtung Kroatien folgen fünf Tage Dauerregen. Solang man auf dem Rad sitzt ist das ja egal, aber mehrfach im Regen das Zelt auf- und abzubauen, macht wirklich keinen Spaß. Irgendwann ist einfach alles nass. Es gibt ja Völker, die haben z.B. für die unterschiedlichen Brauntöne von Rinderfell ungefähr 50 verschiedene Wörter. Ich versuche, mir in diesen Tagen für die unterschiedlichen Regenarten 50 verschiedene Wörter auszudenken, meistens sind es nicht besonders nette Wörter. Auf dem Weg Richtung kroatischer Grenze wird das Wetter langsam besser, ich fahre durch wunderschöne Weinberge, kleine Dörfer mit Bauernhöfen und frei herumlaufenden Hühnern, Enten und Ziegen. Hier wird gerade Holz gehackt, dort ein frisch geschlachtetes und an den Hinterbeinen aufgehängtes Ferkel gesäubert. An der Grenze zu Kroatien stoppen mich die Beamten, wollen meinen Pass sehen, bestaunen mein Fahrrad und schütteln den Kopf über meine Pläne. Der Rückenwind schiebt mich die letzten 20 Kilometer nach Zagreb, endlich komme ich mal zügig voran, das letzte Stück strampele ich mich regelrecht in einen Rausch.
Heute hab ich mir ein Hostel verdient, durch die fünf Tage Regen ist alles dreckig und nass, ich muss dringend meine Klamotten waschen und mache hier einen Tag Pause.

Endlich wieder Sonne! Ich bin auf dem Weg durch das kroatische Binnenland Richtung Küste und es wird zunehmend mediterraner. Weite Felder, dann wieder Hügel und schroffe Felsformationen, die wenigen kleinen, urigen Dörfer auf der Strecke liegen bis zu 20 Kilometer auseinander, dazwischen ist nichts. Es ist alles sehr grün, aber nicht mehr so saftig-Kuhdorf-grün wie noch in Österreich oder Slowenien, sondern schon etwas mediterran angedörrt. Rot-, Braun- und Ockertöne mischen sich langsam aber sicher ins Bild. Gegen Mittag fahre ich durch eine Ebene, links und rechts der Straße wachsen hohe Gräser, dazwischen liegen einzelne große und kleine, scharfkantige Felsbrocken verteilt. Es sieht schon fast arrangiert aus. Wie Ausstellungsstücke in einem Museum, ganz so als sei man herzlich eingeladen, ein wenig umherzuschlendern und jeden Felsbrocken genau zu studieren. Ohne schlechtes Gewissen schlage ich die Einladung aus, mir erscheint nämlich etwas anderes gerade noch deutlich einladender. Das Meer.

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Ich fahre die gesamte Adriaküste entlang bis nach Montenegro und weiter nach Albanien. Albanien ist das erste Land auf der Tour, das sich nicht mehr wirklich europäisch anfühlt. Die Häuser in den kleineren Dörfern sind meist etwas heruntergekommen, es sieht alles ein wenig ärmlicher aus, und vor allem ist es überall furchtbar zugemüllt. Trotzdem, irgendwie gefällt mir die Atmosphäre hier. Und vor allem die Leute sind unfassbar nett und warmherzig. Hier in Albanien habe ich eine nette Begegnung nach der anderen, werde immer wieder interessiert angesprochen, eingeladen, man bietet mir einen Schlafplatz an. Das habe ich so noch nie erlebt. Auf dem Weg von der Hauptstadt Tirana nach Elbasan muss ich die Hauptverkehrsanbindung, eine Autobahn mit langem Tunnel, über eine kleine Landstraße, die sich endlos durch die Berge windet, umgehen. Länger als zwei Tage flaches Land sind mir scheinbar nicht gegönnt. Trotzdem, die Landschaft hier ist wirklich wunderschön.

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Ich brauche ewig für die Anstiege und fahre am frühen Nachmittag nach Elbasan hinein wieder aus dem Gebirge heraus. Ich bin fürchterlich müde und entsprechend unkonzentriert. So passiert es, dass ich in einem Kreisverkehr eine in den Asphalt gefräste Rinne zu spät bemerke und mit den Reifen dort hineingerate. Jeder, der schon einmal versucht hat mit dem Fahrrad in Straßenbahnschienen zu fahren, weiß wie gut das funktioniert. Das Rad schlingert, kippt, und Zack, lieg ich mit der ganzen Fuhre im Dreck. Gut, dass das nicht 2 Minuten vorher passiert ist, da hatte ich nämlich bergab noch 50 Sachen drauf. Von der nur 100 Meter entfernten Tankstelle höre ich direkt aufgeregte Rufe, und zwei Jungs kommen herüber gelaufen. Der eine hebt mein Fahrrad auf, der andere hilft mir beim Aufstehen und will mich stützen und zur Tankstelle führen. Nana, kommt Jungs, so schlimm war es nun nicht, mein Knie und die Hand bluten ein bisschen, nix Wildes. Aber keine Chance, mein Fahrrad wird bereits zur Tankstelle geschoben, ich gehe mit, direkt scharen sich fünf weitere Jungs um uns herum und mir wird bedeutet ich müsse mich unbedingt erstmal setzen und von dem Schock erholen. Ok ok, ich sitze ja schon, danke. Einer der Jungs hat schon sein Telefon gezückt und telefoniert aufgeregt. Was denn jetzt, der wird doch wohl hoffentlich keinen Krankenwagen oder sowas rufen?! Keine Minute später braust ein alter Toyota auf die Tankstelle und ein korpulenter Mitt-Dreißiger steigt aus, einen Verbandskasten in der Hand. Aha, ok, die Sanitäter kommen. Der Typ eilt zu uns herüber, er grinst über beide Ohren, zwischen den blitzenden Zähnen klemmt exakt mittig eine Kippe. Diesen Gesichtsausdruck wird er die gesamte Zeit nicht verändern. Der Verbandskasten wird geöffnet, der Typ holt zwei Kunststoffhandschuhe hervor und streift sie sich über. Die Handschuhe sehen eher so aus wie solche, die man zum Einmassieren einer Tönung in die Haare verwendet. Der Typ zeigt auf sich und sagt breit grinsend immer wieder „Doctor, Doctor!“. Hmm, is klar. Na gut, es geht hier nicht um mein Leben, also lasse ich ihn gewähren. Er grinst noch etwas breiter als vorher, er scheint seine eigene Show sichtlich zu genießen. Dass dabei die Kippe immer wieder auf seine höchst sterilen Handschuhe und in die Nähe meiner Wunde ascht, stört ihn dabei nicht im Geringsten. Die Wunde wird fachgerecht mit Raki desinfiziert und ein Verband angelegt. Das geht nicht, ohne dass dabei mindest drei weitere helfende Hände den Verband fixieren, ein Pflaster aufkleben, überstehendes Mull abschneiden. Geschafft, der Schwerverletzte ist verarztet, sein klägliches Dahinscheiden im Dreck der Hauptstraße nach Elbasan in letzter Sekunde abgewendet. Ich bin absolut gerührt, die Jungs haben sich ernsthaft alle Sorgen um mich gemacht. Ich sitze noch etwas bei Ihnen, wir connecten uns per Facebook und ich lasse sie auf meinem Fahrrad, das sie absolut cool finden, eine Runde drehen. Irgendwann muss ich aber weiter. Ich habe noch einiges an Strecke vor mir.

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Kurz vor der mazedonischen Grenze lerne ich zwei andere Radreisende aus Spanien kennen und wir beschließen, bis Thessaloniki zusammen zu fahren. Gerade hat mich mal wieder das Einsamkeitsgefühl ziemlich erwischt und die beiden lebhaften Spanier sind jetzt das Beste was mir passieren konnte. Es gibt kaum eine stille Minute, jedes Mal wenn wir „nur kurz“ zum Verschnaufen anhalten entspinnt sich eine Diskussion, die mindestens 20 Minuten dauert. Das Barcelona Trikot, das Ferran, der jüngere von beiden, ungerührt fünf Tage lang am Stück trägt, ist der absolute Eisbrecher. Alle Naselang schallen uns „Barca, Barca!!!“ und „Messi, Messi!!!“ Rufe von Passanten entgegen.

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Es wird nie langweilig, und Zeit zum Grübeln habe ich so sicher nicht. Allerdings kommen wir auch nicht wirklich schnell voran. Ich merke schnell, dass sich die Art zu Reisen zwischen uns dreien doch deutlich unterscheidet. Die beiden haben einfach keinen Zeitdruck und können sich treiben lassen. Ich habe eine fixe Deadline: Am 09. September landet meine Freundin Kathrin in Thessaloniki, ebenfalls ein Fahrrad im Gepäck. Wir wollen dann zusammen bis nach Athen fahren. Dieser Zeitdruck hat mich in den letzten Wochen schon extrem Kraft gekostet. Aber ich weiß ja wofür ich es mache. Und ich find’s einfach toll, dass meine Freundin sich überhaupt den Stress antut. Und ich schaffe es dann mit den Spaniern tatsächlich doch pünktlich bis nach Thessaloniki.

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Auf dem Weg nach Athen führt die schönste Etappe von Volos nach Lamia durch bergiges, aber sehr idyllisches Terrain. Wir durchqueren drei oder vier winzige Dörfer, die aus vielleicht zehn Häusern bestehen, dazwischen ist meilenweit nur völlige Abgeschiedenheit. Am Straßenrand liegen jede Menge leere Schrotgewehr-Patronenhülsen. Worauf die hier wohl ballern? Nur auf Straßenschilder jedenfalls nicht, die sehen größtenteils verhältnismäßig intakt aus. Ab und zu wird die auf der OSMand-Karte als Hauptverbindungsroute eingezeichnete Straße eher zu einem kleinen Schotterweg, und wir fragen uns, ob wir überhaupt noch richtig sind.

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Unsere Wasservorräte gehen so langsam zur Neige, alle meine Flaschen sind leer. Ich habe nur noch den Ortlieb-Wassersack hinten auf dem Gepäckträger, aber das Wasser schmeckt scheußlich nach Plastik. Kathrin macht das nichts aus. „Besser als kein Wasser“ sagt sie und amüsiert sich darüber, dass ich fast Brechreiz davon bekomme. Kurze Zeit später kommen wir an einer Trinkwasserstelle vorbei. Das Wasser, was dauerhaft aus dem Hahn in einen Bottich läuft und dann wer weiß wohin versickert, schmeckt herrlich kühl und frisch. Bimmelnd und Glöckchen läutend kündigt sich eine kleine Ziegen- und Schafherde an, die von einer kleinen, runzeligen Bäuerin unter tatkräftiger Unterstützung ihrer zwei Hunde den Hang hinunter über die Straße getrieben wird. Wir grüßen, lächeln, die Bäuerin lächelt zurück und fragt etwas. In der Regel wollen die Leute immer als erstes wissen, wo wir herkommen, also antwortet Kathrin „Germany!“, auch wenn wir kein Wort von dem, was die Bäuerin sagt, verstehen.

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Das, was bei uns Weinberge wären, sind hier Olivenbaum-Plantagen. Auf den unserer Straße gegenüberliegenden Hängen erkennt man die im regelmäßigen Raster angepflanzten Bäume. Wir stoppen zwischendurch, um ein paar Oliven zu sammeln, Kathrin will zu Hause versuchen, sie einzulegen. Am Nachmittag kommen wir das erste Mal wieder in ein etwas größeres Dorf, in dem es einen kleinen Supermarkt gibt. Ich lechze nach einer Cola, wie so oft in letzter Zeit an sehr heißen Tagen, dazu noch ein Eis. Am Vormittag hatte ich schon die Hälfte einer 400-Gramm-Packung Halva, eine super-geil-süße Pampe aus Sesampaste und Zucker, verdrückt. Kathrin schüttelt mittlerweile den Kopf über meinen Süßigkeiten-Konsum. Ich bin aber auch wirklich ein richtiger Zucker-Junkie geworden.

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Ab Athen bin ich wieder alleine unterwegs. Der „zweite“ Abschied von Kathrin fällt nun nicht mehr ganz so schwer, wir kennen das ja jetzt schon, auch wenn wir uns diesmal für richtig lange adieu sagen müssen. Im Laufe der nächsten 10 Monate werden wir uns wahrscheinlich nicht mehr sehen.
Ich will von Lavrio eine Fähre nach Israel nehmen, um von dort meine Tour durch Jordanien und über den Sinai nach Ägypten fortzusetzen. Doch auf dieser Fähre auch einen Platz zu kriegen ist gar nicht so einfach. Eigentlich werden hier in der Regel nur Lastwagenfahrer mit ihren Fahrzeugen mitgenommen, und nur wenn die Fähre damit nicht ausgebucht ist, kann ich eine der Kabinen bekommen. Ich weiß bis zuletzt nicht genau ob das klappt, eine definitive Zu- oder Absage kriege ich erst einen Tag vor Abfahrt. Ich muss also trotzdem schon zum Hafen, oder zumindest in die Nähe, um es dann noch pünktlich zu schaffen, falls ich mitfahren darf. Ich suche mir erstmal 10 km vor Lavrio einen Schlafplatz. Hinter einer Kirche auf einem kleinen Hügel schlage ich mein Zelt auf, hoffe, dass mir das hohe Gebäude ein bisschen Schutz vor dem gerade tobenden Sturm bietet. Würde es auch, wenn der Wind aus einer einigermaßen konstanten Richtung kommen würde. Tut er aber nicht, er dreht ständig. Ich sichere das Zelt zusätzlich, indem ich die Plane mit Spanngurten an dicken Steinen befestige. Aber der Erfolg hält sich in Grenzen. Ich liege etwa eine dreiviertel Stunde im Zelt wach und wälze mich herum, es ist unfassbar laut, der Wind zerrt an meiner filigranen Behausung, als wolle er mich mit aller Macht von dem Hügel herunter schieben. Die Plane knarzt und flattert unerlässlich, das Alu-Gestänge des Zelts ächzt unter den Böen und biegt sich gefährlich stark in Richtungen, in die ich es unter sachter Zuhilfenahme der Spanngurte eigentlich gebeten hatte, sich nicht zu biegen. Es hilft alles nichts, das macht das Material nicht mit, und wenn ich noch ein bisschen länger Spaß an meinem Zelt haben will, dann sollte ich mir schleunigst was anderes überlegen. Ich hadere noch ein paar Minuten mit der Entscheidung, dann krieche ich doch schließlich aus dem Zelt heraus und mache die halbe Stunde Arbeit von vorher wieder rückgängig, bis das Zelt wieder sicher im Packsack verschwunden ist. Iso-Matte und Schlafsack lege ich unter ein kleines Vordach an der Kirche, hier ist es wenigstens einigermaßen windgeschützt, nur das Zelt passt hier halt nicht hin. Fleece-Jacke an, Mütze auf, Ohropax rein, und dann geht das auch so.

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Am Morgen des 03. Oktober bin ich morgens um zehn am Hafen. Nun geht es dann doch ganz schnell, ich darf mitfahren! Im Bürocontainer wird noch ein bisschen herumtelefoniert, und dann schickt man mich zum Schiff. Vorher muss ich noch einen Pförtner passieren, dort wird noch einmal eine Kopie meines Passes gemacht. Auf dem Schiff muss ich ihn dann ganz abgeben, in Israel werden Grenzbeamte an Bord kommen und die Einreisekontrollen durchführen, dort bekomme ich ihn dann wieder. Hoffentlich ohne israelischen Einreisestempel. An Deck werde ich von zwei Crewmitgliedern begrüßt, die mir zuvorkommend dabei helfen, meine sieben Taschen nach oben in die Kabine zu tragen. Jawoll, ich bin an Bord! Es ist soweit, nun sage ich Europa für eine lange Zeit „Adieu“!

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Re: Mit dem Rad von Köln nach Kapstadt - 1. Etappe

Beitragvon Uwe Schmitz » 01.11.2015 19:03

hallo dominik,
super, dass du jetzt auch berichte deiner langen tour hier einstellst!
ich habe auch deine seite größtenteils gelesen, doch hier -finde ich- kommen die zweifel, die du hattest, so alleine loszufahren und alles hinter dir zu lassen, viel heftiger durch.
es gehört ja auch ne gewaltige portion mut dazu, so eine reise zu planen und auch umzusetzen, obwohl du von diesem riesenkontinent vorher noch gar nichts kennen gelernt hast, und dann noch mit dem radl, ohne möglichkeiten, dem wind, dem regen oder auch nur nervenden kindern entkoomen zu können.
ich kann dir nur wünschen, dass du alle (hoffentlich wenige) probleme, die noch auf dich warten, ganz ruhig und erfolgreich überwinden kannst.
ich hoffe noch lange hier von dir lesen zu können.
maat et jood
uwe
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Re: Mit dem Rad von Köln nach Kapstadt - 1. Etappe

Beitragvon Uwe Schmitz » 01.11.2015 19:06

und ja, dominik, super bilder!
vielen dank, dass wir die anschauen dürfen.
welche kleine kamera hast du mit, und wie bearbeitest du deine bilder?
du hast doch sicher kein laptop oder tablet mit?
viele grüße
uwe
Uwe Schmitz
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Re: Mit dem Rad von Köln nach Kapstadt - 1. Etappe

Beitragvon seppr » 01.11.2015 19:47

Wir begleiten Dich gerne auf Deiner Reise und sind schon ganz gespannt.

Spontan hätte ich Sorgen, dass Du mit dem Israelstempel im Pass in den folgenden muslimischen Ländern Probleme bekommen könntest. Aber in der Realität hast Du diese Klippen sicher schon längst überwunden. Ein zweiter Pass?

Sepp
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Re: Mit dem Rad von Köln nach Kapstadt - 1. Etappe

Beitragvon Dombybike » 01.11.2015 21:15

Hi Uwe, hi Sepp,
also ich hab mir bevor ich losgefahren bin noch ne Canon EOS550D bei ebay geschossen. Hatte vorher mit Fotografie nix am Hut, jetzt versuche ich ein kleines bisschen was zu lernen. Die Bilder bearbeite ich mit Lightroom, hab n kleines Netbook dabei.

Den Israeli Stempel hab ich auf ne extra Landing Card machen lassen. Und nen 2ten Pass hab ich auch. Wenn du magst guck mal in meinen letzten Blog-eintrag vom Sinai, da steht das n bisschen genauer wie ich das gemacht hab
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