Nahost-Krieg - Auswirkungen für Reisende

Kultur, Natur, Unterkunft, Reiserouten, Sehenswürdigkeiten, Tourismus Gebiete: Syrien, Libanon, Israel, Palästina, Jordanien, Arabische Halbinsel

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Achim Vogt
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Nahost-Krieg - Auswirkungen für Reisende

Beitrag von Achim Vogt »

Derzeit halten sich zahlreiche Overlander in Jordanien auf oder passieren den Irak und den Iran. Sie alle sind von der jüngsten Eskalation im Nahen Osten ebenso betroffen wie jene, die in den kommenden Tagen oder Wochen die Region besuchen oder passieren wollen. Deshalb soll dieser Thread wichtige Infos teilen.

Wichtig: dies ist explizit kein Thread, in dem es um die Politik in der Region, um Kommentare oder Bewertungen geht! Wenn politische Bewertungen erfolgen, sollen sie ausschließlich eine gewisse - wenngleich immer noch spekulative - Risikobewertung ermöglichen.

Militärische Lage:

Die Angriffe mit Drohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen sind offenbar (Stand Sonntagmittag) vorläufig beendet. Die iranische Regierung hat erklärt, mit der Vergeltung für den israelischen Angriff auf die iranische Botschaft in Damaskus am 1. April sei "das Kapitel geschlossen", zumindest solange es keine weitere israelische Aktion gebe. Das israelische Kabinett berät über "angemessene Maßnahmen" als Antwort. Die USA haben Israel aufgefordert, moderat zu agieren, sollte es keine größeren Schäden geben. Dies war offenbar nicht der Fall, nachdem nach israelischen Angaben "99 Prozent" der Projektile abgeschossen worden seien.

Das Risiko einer weiteren militärischen Eskalation, gar eines regionalen Krieges, bleibt damit sehr hoch, es gibt aber gleichzeitig Hoffnung, dass es bei dem jetzigen Level der Auseinandersetzung bleibt. Offenbar haben Iran und auch die libanesische Hizbullah verstärkt Ziele auf den israelisch besetzten Golan-Höhen angegriffen, Iran auch Militärbasen im Negev. In der komplizierten Militär-Diplomatie heißt das: wir üben Vergeltung, konzentrieren uns aber nicht auf zivile Ziele.

Landgrenzen:

Die Landgrenzen der Region sind derzeit geöffnet, sofern sie nicht wegen der Politik ohnehin langfristig geschlossen sind. Das Hauptrisiko ist, dass die Grenze zwischen Jordanien und dem Irak wie in der Vergangenheit für ausländische Reisende nicht passierbar ist, weil der Transit von Bagdad zur Grenze aus Sicherheitsgründen untersagt wird. In diesem Fall bleibt lediglich der lange Umweg über Saudi-Arabien und Kuwait (die direkte Grenze von Saudi-Arabien in den irak bei Arak ist für Ausländer nicht passierbar).

Flugverkehr:

Die Flughäfen in Israel, Libanon, Jordanien und dem Irak waren in der Nacht von Samstag auf Sonntag wegen der Angriffe geschlossen. Sie sind derzeit sämtlich wieder geöffnet. Wegen der zahlreichen ausgefallenen Flüge kommt es nach der Wiederöffnung erwartungsgemäß zu Verzögerungen. Freunde berichten vom Flughafen in Beirut, dort gehe es heute chaotisch zu.

Wegen eines befürchteten Gegenschlages hat der Iran nun seine Flughäfen bis einschließlich Montag, 15. April, 6 Uhr, geschlossen!

Seeverkehr / Verschiffungen:

Wegen der seit Monaten andauernden Drohnen-Angriffe der Huthis auf Schiffe im Roten Meer ist der Frachtverkehr dort stark eingeschränkt.

Aktuell: Mit der Beschlagnahmung bzw. Entführung eines Containerschiffes der Großreederei MSC, das auf dem Weg von Dubai nach Indien war, hat sich nun auch das Risiko für die Verschiffung von Fahrzeugen von und nach Dubai erhöht. Sicherster Verschiffungshafen ist zur Zeit Salalah im Oman. Oman unterhält recht gute Verbindungen zum Iran und den Huthis.

Der Verkehr mit RoRo-Schiffen nach und von Ostafrika ist seit September 2023 eingestellt. Es bleibt die Verschiffung mit Open-Top- oder Flat-Rack-Containern.

Iran:

Es besteht weiterhin eine Ausreiseaufforderung für Deutsche. Ein Reisender, der sich kurz vor der Eskalation mit einer Bitte um Hilfe an die deutsche Botschaft in Teheran gewandt hatte, erhielt eine scharfe Erwiderung, er habe nicht im Iran zu sein und solle Vorbereitungen für seine unmittelbare Ausreise treffen.

In den vergangenen Monaten sind dennoch zahlreiche Overlander problemlos durch den Iran gereist. Es bleibt allerdings das Risiko, verhaftet und als Faustpfand festgehalten zu werden. Das gilt insbesondere, wenn beispielsweise Drohnen mitgeführt werden!

Irak:

US-Präsident Biden hat erklärt, Drohnen oder Raketen seien auch aus dem Irak abgefeuert worden. Ob das stimmt, ist unklar. Israel hat lediglich Iran, Jemen (Huthis), Syrien und Libanon erwähnt. Damit ist auch unklar, ob der Irak womöglich zur Zielscheibe israelischer Vergeltungsangriffe werden könnte.

Deutschland warnt bislang nicht vor Reisen in die Region Kurdistan. Die Niederlande beispielsweise tun das inzwischen. Hintergrund ist unter anderem die Tatsache, dass es dort ein amerikanisches Konsulat und amerikanische Miiitärbasen gibt. Letztere waren schon in der jüngeren Vergangenheit das Ziel von Angriffen.

Jordanien:

Jordanien hat nach eigenen Angaben mehrere Drohnen etc. abgefangen. Dabei hatte der Iran gewarnt, Jordanien solle nicht intervenieren, um nicht selbst zum Ziel von Vergeltungsangriffen zu werden. Hintergrund: die große Mehrzahl der von Iran abgefeuerten Geschosse ist womöglich über Syrien geflogen.

Derzeit ist die Lage in Jordanien ruhig. Allerdings waren im Norden von Overlandern Kampfflugzeuge und vereinzelte Explosionen zu hören, im Süden dagegen nicht.

Israel:

Die Lage in Israel ist ohnehin seit dem Beginn des Gaza-Krieges angespannt. Es gibt landesweit ein Risiko von Raketenangriffen sowohl aus Gaza als auch aus dem Libanon. Allerdings beschränken sich diese zumeist (vor allem im Norden) auf die Grenzregionen. Da der Fähr- und Schiffsverkehr fortgesetzt werden und die Landgrenzen nach Jordanien geöffnet sind, steht theoretisch einer Durchreise nichts entgegen. Ob das Risiko vertretbar ist, muss jede/r selbst entscheiden.

Ergänzungen werden bei Bedarf gepostet.

Viele Grüße
Achim
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Achim Vogt
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Re: Nahost-Krieg - Auswirkungen für Reisende

Beitrag von Achim Vogt »

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Israel stört GPS-Signale

Schon seit Monaten stört Israel regelmäßig das GPS-Signal im Land. Seit der Drohung eines iranischen Vergeltungsschlages Anfang April ist dieses Vorgehen, dass die Steuerungssysteme von Drohnen außer Kraft setzen soll, noch einmal massiv ausgeweitet worden.

Israel’s Scrambled GPS Signals Turn Life Upside Down
(Bloomberg, 9. April 2024)

Auch wenn zur Zeit vermutlich keine Overlander in Israel unterwegs sind, ist es wichtig, immer gute Karten bereitzuhalten, um sich insbesondere in Großstädten zurechtzufinden. In den vergangenen Wochen hatten zumindest einige Reisende überlegt, als Alternative von Israel aus nach Europa zu verschiffen.

Außerdem kann nicht ausgeschlossen werden, dass andere Staaten, deren Sicherheitsdienste entsprechend ausgerüstet sind, zu ähnlichen Maßnahmen greifen. In erster Linie beträfe dies wohl Jordanien, das ziemlich sicher über vergleichbare Systeme verfügt und außerdem ein potentielles Ziel des Iran sein könnte.

Die Störungen haben im Übrigen auch ein Gefährdungspotential für den kommerziellen Luftverkehr.

Viele Grüße
Achim
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Achim Vogt
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Re: Nahost-Krieg - Auswirkungen für Reisende

Beitrag von Achim Vogt »

Was die oben beschriebene israelische Störung von Ortungssystemen in der Praxis bedeutet, lässt sich gerade sehr gut beobachten, wenn man die Region aus der Sicht des Flugverkehrs betrachtet. Da sieht man gerade ein ziemliches Chaos, das politisch gänzlich unmöglich ist:

Beirut Airport.jpg
(Quelle: flightradar24.com)


Das ist eine Momentaufnahme des Beiruter Flughafens. Da ist eine Maschine der Cyprus Airways (rechts, CY11B), auf der Anzeige war der Flug als von Beirut nach Tel Aviv (sic!) angegeben. Völlig absurd natürlich. Links ist eine Maschine der israelischen El Al (ELY 383) zu sehen. Auch das natürlich gänzlich ausgeschlossen. Das ist bereits seit längerer Zeit so und macht die Verfolgung von Flugbewegungen zumindest im Libanon, Jordanien und Israel extrem schwierig.

Ein paar Minuten später kann die Anzeige schon wieder völlig anders oder sogar korrekt sein.

Viele Grüße
Achim
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