Reisen mit eigenem Fahrzeug durch den Jemen sind inzwischen nahezu unmöglich geworden. Zu groß sind die Befürchtungen, dass Ausländer erneut wie schon mehrfach Opfer von Terroranschlägen werden könnten.
Waren in der Vergangenheit die zahlreichen Entführungen – darunter der ehemalige Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Chrobog – nahezu alle harmlos ausgegangen, weil die jemenitischen Stämme lediglich ein Faustpfand für die Verhandlung ihrer Forderungen mit der Regierung haben wollten, so änderte sich dieses Muster mit dem Aufkommen von Al Qaeda auf der Arabischen Halbinsel (Al Qaeda on the Arabian Peninsula oder AQAP [im Gegensatz zu AQIM, Al Qaeda in the Arab Mashreq, sprich in Nordafrika]) dramatisch: Seit 2007 sind immer wieder Touristen Opfer terroristischer Anschläge geworden. Zunächst 2007 sieben Spanier in der historischen Stadt Marib, dann Anfang 2008 zwei Belgier im pittoresken Wadi Do’an (der Heimat der Familie Bin Laden) und schließlich eine Gruppe von vier Südkoreanern auf dem berühmten Aussichtspunkt mit Blick auf die Altstadt der Lehmhochhäuser-Stadt Shibam – die beiden letzteren Anschlagsorte in der Provinz Wadi Hadramaut.
In der Folge litten Hotels und jemenitische Reiseagenturen unter den massiven Einbrüchen im Tourismus. Eine Agentur musste beispielsweise 56 ihrer 61 Fahrer entlassen (die meisten kamen im Taxi-Business unter).
Die Agenturen müssen zudem für die ihnen „anvertrauten“ Gäste deren Sicherheit garantieren. Touren durch das Wadi Do’an – die für osteuropäische oder italienische Touristen immer noch angeboten werden – sind mit hohen Kosten für begleitende Sicherheitsleute verbunden. Verpflichtend sind zusätzliche Sicherheitsausrüstungen, was weitere Kosten verursacht. Dennoch haben alle wichtigen deutschen Veranstalter den Jemen aus dem Programm genommen, weil keine Versicherung mehr das Risiko übernimmt.
Was heißt das nun für Selbstfahrer? Die Grenze zu Saudi-Arabien an der Küste ist geöffnet. Von dort dürften Reisegenehmigungen (Tasrih) für Selbstfahrer bis Sana’a machbar sein (ohne Gewähr, sagen konnte das in Sana’a niemand, den ich gefragt habe). Auch die Küstengegend Richtung Mokha (Verschiffung auf Dhaus nach Djibouti) und Aden ist wohl OK. Bereisbar ist darüber hinaus auch das Bergland westlich der Hauptstadt (mit den sehenswerten Städten Shibam [nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Stadt im Wadi Hadramaut, siehe oben], Kawkaban, Thula oder Manakha).
Aber schon bei der Hauptstraße von Aden nach Sana’a wird es schwierig. Ausländische Organisationen fliegen hier meistens nur noch – nicht so sehr wegen der Gefahr terroristischer Anschläge, sondern auch und besonders wegen der Unruhen, die durch das Erstarken des militanten sogenannten „Southern Movement“ entstanden sind. Ob hier eine Tasrih zu erhalten ist, ist fraglich.
Das ganz große Problem ist jedoch, dass kaum noch eine Verbindung zwischen dem Westen und dem Osten des Landes besteht. Die sogenannte „Achse des Bösen“ mit den Provinzen Jawf, Marib, Shabwa und Abyan, in denen Al Qaeda besonders aktiv ist, durchschneidet das Land von Nord nach Süd. Eine Fahrt ist hier – wenn überhaupt – nur auf der Küstenstraße von Aden nach Mukalla möglich. Das Risiko ist aber hoch! Während in den vergangenen Tagen Tausende arabischer Touristen aus den Golfstaaten diese Strecke genommen haben, um beim Fußball-Cup der Golfstaaten dabei zu sein, dürfte eine Genehmigung für westliche Ausländer wenn überhaupt nur mit einem Begleitfahrzeug einer Agentur zu erhalten sein.
Zwischen Saudi-Arabien und dem Jemen bestehen vier (!) Grenzübergänge. Neben dem oben beschriebenen Übergang, der die Hauptroute vom saudischen Jizan nach Hodeidah darstellt und dem wegen des Krieges zwischen den Houthi-Rebellen und der jemenitischen Zentralregierung geschlossenen Übergang nördlich von Saada gibt es zwei weitere: Während der eine mitten im Houthi-Rebellengebiet liegt, ist der östlichste ganz neu und verbindet die saudische Stadt Sharurah beim Wadi Wadiah über das leere Viertel (Rub al Khali) mit dem Jemen. Dies könnte eine interessante Alternative sein, wenn man / frau nur in den Osten des Jemen will (Hadramaut), weil er die Unruheprovinzen im Osten umgeht – aber wer will schon auf Sana’a und die wunderschönen Berglandschaften im Westen, für die der Jemen eben auch berühmt ist, verzichten?
Vermutlich gilt die Verpflichtung zu einem Begleitfahrzeug auch, wenn die Einreise aus Oman erfolgt. Eine Bestätigung dafür habe ich aber nicht bekommen können. Dann müsste ein Fahrer bis zur Grenze kommen, um die Selbstfahrer in Empfang zu nehmen. Sicher: Das ist alles nicht so chaotisch wie derzeit in der Westlichen Wüste in Ägypten, aber für Selbstfahrer, die weiter nach Afrika wollen – bzw. von dort kommen – faktisch nicht im Voraus zu organisieren, auch weil sich die Reiseagenturen auf das wenig lukrative Risiko mit einzelreisenden Selbstfahrern nicht einlassen wollen.
Auch wenn sich argumentieren lässt, dass die Reisewarnungen der westlichen Botschaften möglicherweise ein wenig über das Ziel hinausschießen, bleibt das Risiko derzeit bei Reisen im Jemen erheblich! Vermutlich ist der beste Rat zur Zeit, schlicht ein wenig abzuwarten. Wie immer sind die Jemeniten voller Hoffnung, dass die Welle der Gewalt in nicht allzuferner Zukunft wieder abebben wird.
Näheres lässt sich möglicherweise auf der kommenden ITB Anfang März 2011 in Berlin in Erfahrung bringen, wo allen Problemen zum Trotz wieder 10 bis 15 jemenitische Reisebüros ihre Pogramme vorstellen werden.
Selbstfahrer im Jemen
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- Achim Vogt
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Re: Selbstfahrer im Jemen
Vor knapp einem Jahr bin ich an der omanischen Grenze zum Jemen gewesen und aus diversen Gründen dort umgekehrt. Das Bedauern war gross, aber die Lage war einfach zu undurchsichtig -- insbesondere, weil damals teilweise Botschaften im Jemen geschlossen hatten und die Situation in Bezug auf die Visa für Saudi und Jordanien zu unklar war: Geschlossene Botschaft(en) --> keine Visa --> zurück in den Oman.
Die Aussicht auf eine eskortierte Fahrt im Jemen war zudem nicht verlockend -- und ob das überhaupt gegangen wäre, war ebenso unklar wie die Situation der Botschaften.
In der Nähe von Salalah traf ich einen australischen Radfahrer, der von Nordwest her in den Jemen bis nach Sana'a gekommen war, dann aber das Flugzeug benutzen musste, um in den Oman zu gelangen.
Die Lage hat sich vermutlich seitdem nicht gebessert.
-Frank
Die Aussicht auf eine eskortierte Fahrt im Jemen war zudem nicht verlockend -- und ob das überhaupt gegangen wäre, war ebenso unklar wie die Situation der Botschaften.
In der Nähe von Salalah traf ich einen australischen Radfahrer, der von Nordwest her in den Jemen bis nach Sana'a gekommen war, dann aber das Flugzeug benutzen musste, um in den Oman zu gelangen.
Die Lage hat sich vermutlich seitdem nicht gebessert.
-Frank
Re: Selbstfahrer im Jemen
Danke Achim fuer die ausfuehrliche Einschaetzung!
Der Jemen ist sogar fuer mich von Aeg. aus immer ein Wunsch gewesen - soll es aber in den kommenden Jahren bleiben. Irgendwann werde ich es - inshallah - schaffen!
Der Jemen ist sogar fuer mich von Aeg. aus immer ein Wunsch gewesen - soll es aber in den kommenden Jahren bleiben. Irgendwann werde ich es - inshallah - schaffen!
Gruesse aus Baharia
Stefanie
Voltaire: „Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst.“
Stefanie
Voltaire: „Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst.“
Re: Selbstfahrer im Jemen
Schon im vorigen Jahr wollte ich nach Sana'a um dort bei SIAL meine Kenntnisse des Arabischen aufzubessern. Heuer mußte ich wiederum darauf verzichten und bin sattdessen nach Syrien und Jordanien. Ich habe diese Reise nicht bereut, ganz im Gegenteil, es wurde eine meiner schönsten! Die Lage im Jemen wird sich so schnell nicht bessern, eher das Gegenteil wird dort wohl der Fall sein. Das gegenwärtige Chaos steuert hoffentlich nicht auf die Ausmaße der Bürgerkriegsjahre von 1967/68 zu, was meinst Du? Möge das den Menschen dort erspart bleiben!
Leider kannst auch Du von Amman aus die aktuelle Einreisesituation Oman ---> Yemen nicht verifizieren.
Vielen Dank für Deine Info mit der Bitte uns auf dem Laufenden zu halten,
Bennemsi
Leider kannst auch Du von Amman aus die aktuelle Einreisesituation Oman ---> Yemen nicht verifizieren.
Vielen Dank für Deine Info mit der Bitte uns auf dem Laufenden zu halten,
Bennemsi
- Achim Vogt
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Re: Selbstfahrer im Jemen
Lieber Bennemsi,
ich gebe Dir sehr recht: Man kann nur hoffen, dass weiteres Chaos den Menschen erspart bleibt. Schlimmer als der Bürgerkrieg von 1967/68 wäre es allerdings meiner Meinung nach, wenn sich der Bürgerkrieg von 1994 wiederholen würde, als sich der Süden - desillusioniert von der Entwicklung nach der Vereinigung 1990 - schon einmal wieder abspalten wollte. Das ist derzeit die größte Gefahr im Land.
Ich war vorige Woche in Sana'a, habe dort auch mit meinem "Reisebüro des Vertrauens" gesprochen. Aber auch dessen Leiter konnte nicht mit letzter Sicherheit sagen, wie die Situation an den Grenzen ist.
Viele Grüße
Achim
ich gebe Dir sehr recht: Man kann nur hoffen, dass weiteres Chaos den Menschen erspart bleibt. Schlimmer als der Bürgerkrieg von 1967/68 wäre es allerdings meiner Meinung nach, wenn sich der Bürgerkrieg von 1994 wiederholen würde, als sich der Süden - desillusioniert von der Entwicklung nach der Vereinigung 1990 - schon einmal wieder abspalten wollte. Das ist derzeit die größte Gefahr im Land.
Ich war vorige Woche in Sana'a, habe dort auch mit meinem "Reisebüro des Vertrauens" gesprochen. Aber auch dessen Leiter konnte nicht mit letzter Sicherheit sagen, wie die Situation an den Grenzen ist.
Viele Grüße
Achim
- Achim Vogt
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Re: Selbstfahrer im Jemen
Seit meinem ursprünglichen Posting ist die arabische Revolution über den Jemen hinweg gezogen. Die Situation war seit der Evakuierung der meisten Ausländer im März 2011 und der letzten im Mai / Juni 2011 völlig untragbar geworden, bürgerkriegsähnliche Zustände hielten das Land monatelang in Atem.
Inzwischen hat sich die Sicherheitslage ein ganz kleines bisschen gebessert, aber schon stehen am 21. Februar die Präsidentschaftswahlen an und entsprechend steigt die Spannung wieder. Immerhin ist die deutsche Botschaft in Sana'a auf allerkleinster Flamme wieder operativ (siehe Reise- und Sicherheitshinweise des AA).
Für Besucher in den Jemen werden Visa aber beispielsweise von den jemenitischen Botschaften weiterhin nicht ausgestellt. Eine Einreise ist nur auf Einladung möglich, die Visa werden dann per Scan zugemailt und müssen am Flughafen in Sana'a vorgezeigt werden. Für die meisten Anstragsteller dauert dieser Prozess zwischen drei und sechs Wochen. Insofern ist sehr fraglich, ob eine Einreise überland derzeit überhaupt erfolgen kann!
Wichtig ist und bleibt aber, dass zusätzlich zu der oben geschilderten Sicherheitssituation im Dezember 2010 nun auch weitere, damals noch sichere Gegenden unpassierbar sind. Das gilt zum Beispiel für die Provinz Hajjar im Nordwesten, in der es wochenlang schwere Kämpfe zwischen Huthi-Rebellen und der islamistisch-tribalen Islah-Partei gab. Zwar gab es vor wenigen Tagen einen Waffenstillstand, dieser wurde aber nach nur wenigen Stunden wieder gebrochen. Auch die Straße von Sana'a nach Hodeidah an der Küste gilt als sehr unsicher!
Damit bleibt faktisch nur noch die Strecke von der saudischen Grenze die Küste entlang bis nach Mokha, von wo aus man nach Djibouti verschiffen kann (Aber WARNUNG: Die somalischen Piraten sind inzwischen nicht mehr nur im Indischen Ozean, sondern weit ins Rote Meer hinein bis zur saudischen und sudanesischen Küste aktiv!!). Das Risiko ist insgesamt zu hoch!!
HInzu kommen die logistischen Probleme. Diesel ist zwar offiziell weiter billig (55 jemenitische Riyal = 0,19 Euro), aber an Tankstellen selbst in Sana'a derzeit nur schwer zu bekommen und kostet dann je nach Sicherheitslage abseits der Tankstellen bis zu 1 Euro. Benzin ist besser erhältlich und kostet 3.500 Riyal für 20 Liter (= 0,60 Euro / Liter). Über die Qualität kann ich allerdings nichts sagen. Generell ist die Versorgungssituation zur Zeit schlecht: Strom gibt es in Sana'a in der Regel nur für zwei Stunden am Tag. Ein Streik der Müllarbeiter hat die Stadt - die sonst so zauberhaft ist - zusätzlich in den vergangenen Tagen zu einer stinkenden Kloake verkommen lassen.
Kurz und gut: Leider ist eine Reise in den Jemen derzeit so gut wie ausgeschlossen und definitiv nicht zu empfehlen!! Abwarten, orientalischen Tee trinken und wie die Jemeniten auf bessere Zeiten hoffen!
Viele Grüße
Achim
Inzwischen hat sich die Sicherheitslage ein ganz kleines bisschen gebessert, aber schon stehen am 21. Februar die Präsidentschaftswahlen an und entsprechend steigt die Spannung wieder. Immerhin ist die deutsche Botschaft in Sana'a auf allerkleinster Flamme wieder operativ (siehe Reise- und Sicherheitshinweise des AA).
Für Besucher in den Jemen werden Visa aber beispielsweise von den jemenitischen Botschaften weiterhin nicht ausgestellt. Eine Einreise ist nur auf Einladung möglich, die Visa werden dann per Scan zugemailt und müssen am Flughafen in Sana'a vorgezeigt werden. Für die meisten Anstragsteller dauert dieser Prozess zwischen drei und sechs Wochen. Insofern ist sehr fraglich, ob eine Einreise überland derzeit überhaupt erfolgen kann!
Wichtig ist und bleibt aber, dass zusätzlich zu der oben geschilderten Sicherheitssituation im Dezember 2010 nun auch weitere, damals noch sichere Gegenden unpassierbar sind. Das gilt zum Beispiel für die Provinz Hajjar im Nordwesten, in der es wochenlang schwere Kämpfe zwischen Huthi-Rebellen und der islamistisch-tribalen Islah-Partei gab. Zwar gab es vor wenigen Tagen einen Waffenstillstand, dieser wurde aber nach nur wenigen Stunden wieder gebrochen. Auch die Straße von Sana'a nach Hodeidah an der Küste gilt als sehr unsicher!
Damit bleibt faktisch nur noch die Strecke von der saudischen Grenze die Küste entlang bis nach Mokha, von wo aus man nach Djibouti verschiffen kann (Aber WARNUNG: Die somalischen Piraten sind inzwischen nicht mehr nur im Indischen Ozean, sondern weit ins Rote Meer hinein bis zur saudischen und sudanesischen Küste aktiv!!). Das Risiko ist insgesamt zu hoch!!
HInzu kommen die logistischen Probleme. Diesel ist zwar offiziell weiter billig (55 jemenitische Riyal = 0,19 Euro), aber an Tankstellen selbst in Sana'a derzeit nur schwer zu bekommen und kostet dann je nach Sicherheitslage abseits der Tankstellen bis zu 1 Euro. Benzin ist besser erhältlich und kostet 3.500 Riyal für 20 Liter (= 0,60 Euro / Liter). Über die Qualität kann ich allerdings nichts sagen. Generell ist die Versorgungssituation zur Zeit schlecht: Strom gibt es in Sana'a in der Regel nur für zwei Stunden am Tag. Ein Streik der Müllarbeiter hat die Stadt - die sonst so zauberhaft ist - zusätzlich in den vergangenen Tagen zu einer stinkenden Kloake verkommen lassen.
Kurz und gut: Leider ist eine Reise in den Jemen derzeit so gut wie ausgeschlossen und definitiv nicht zu empfehlen!! Abwarten, orientalischen Tee trinken und wie die Jemeniten auf bessere Zeiten hoffen!
Viele Grüße
Achim




