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Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Peter D » 22.11.2016 18:08

Hallo Alex,

wie war den die Reaktion auf deine Tuaregkleidung in Agadez ?
Bist nicht du nicht gleich unmittelbar, oder erst nach einer gewissen Zeit erkannt worden ?

Trotz August1982 - mein Partner hatte nur im Sommer Zeit... - hüllte ich mich schon damals ins komplette Outfit, sogar mit original Unterhemd, Gandhura, 10m langer schwarzer Cheche vom feinsten, selbst die Sandals waren aus der Umgebung.

Nach Verlassen der Hotels über den Hintereingang in voller Montur dauerte es keine 20 Sekunden bis ich von einer beachtlichen Schar Jungs umringt war. Mein Gesicht war gut verschleiert...

lg Peter
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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Alexander » 23.11.2016 08:23

Hallo Peter,

die Tuaregkleidung ist natürlich keine Tarnkappe. Als Europäer bewegt man sich anders, die Haut (Hände und Füße) ist weiß und anders gepflegt. Das erkennt man aus der Nähe natürlich. Zumindest bietet die Kleidung insofern etwas Camouflage, als dass man aus der Entfernung kaum erkannt wird. Ich habe allerdings ein ganz anderes Problem. Ich bin ziemlich groß und steche aus der Menge heraus wie ein Leuchtturm. :roll:

Grüsse
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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Alexander » 23.11.2016 13:56

Das Maison du Boulanger oder das Haus des Bäckers wurde um 1917 von einem senegalesischen Bäcker erbaut und besticht durch seine wunderschöne in Lehm gehaltene Architektur.

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Das Haus erlangte auch Berühmtheit in Bernardo Bertoluccis Film "Himmel über der Wüste" (Sheltering Sky)

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Das Gebälk des Hauses wird von Fledermäusen bewohnt.

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Das Haus ist für Touristen freizugänglich. Für den Eintritt muss man allerdings etwas in die Tasche greifen ;-)

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Von der Terrasse aus hat man einen schönen Ausblick auf die Dächer von Agadez.

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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon grenzenlos » 23.11.2016 14:33

Wie immer, absolut interessant :)
Danke für den Bericht.
LG, Wi grenzenlos
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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Alexander » 23.11.2016 17:28

Der Sultanspalast. Das Sultanat reicht bis zum Air. Früher hatte der Regent große Machtbefugnisse und spielte eine wichtige Rolle im Transsaharahandel. Heute hat der Sultan nur noch representatie Aufgaben. Trotzdem erweisen ihm die Menschen Achtung und Erfurcht und drücken dies durch eine entsprechende Haltung und Verhalten aus.

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Nach meiner Rückkehr von der Karawanentour werde ich Gelegenheit für eine Audienz beim Sultan haben.

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Wer von den alten Saharafahrern kennt es nicht das Hotel de l'Air? :) Es war Anlaufstelle für viele Traveller. Vor 30 Jahren habe ich meinen VW Bus an den Besitzer verkauft. Lange ist es her. Heute ist das Hotel kaum noch frequentiert. Es existiert aber noch.

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Ob in deutsch, englisch oder anderen Sprachen. Die Tuareg bieten immer noch ihre handgefertigten Souveniers an. Es kommt aber kaum einer vorbei, der sie ihnen abkauft. Die Zeiten der Touristenströme sind vorbei. Sie versiegten endgültig vor zwei Jahren aufgrund der Tuaregrevolution.

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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Alexander » 24.11.2016 17:16

Inside the Mosque

Die Freitagsmoschee ist das Wahrzeichen der nigerischen Wüstenstadt. Sie soll ca. 600 Jahre alt sein und zählt, zusammen mit der Altstadt von Agadez zum UNESCO-Weltkulturerbe. Erbaut wurde die Mosche von dem Marabout Abu Zakarya aus dem Fessan. Ich möchte mir die Moschee genauer ansehen. Vor allem von innen...

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Es besteht die Möglichkeit die 99 Stufen des Minaretts hinaufzusteigen und Agadez von der Spitze des Turmes anzusehen. Hinfaufsteigen ist wohl etwas zuviel gesagt. Teilweise kann man sich nur kriechend fortbewegen.

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Entweder waren die Menschen im 16. Jahrhundert sehr klein, oder es gab architektonisch keine andere Möglichkeit, die Gänge größer zu bauen. Teilweise bewegt man sich im völligen Dunkel vorwärts.

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Während ich mich im Dunkel versuche mit Hilfe meiner Sinne im Turm zu orientieren, spüre ich, wie etwas an mir vorbeifliegt. Fledermäuse! Ein ganzer Schwarm wird durch meine Anwesenheit hochgeschreckt. Mir fällt meine Tollwutimpfung ein...

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Von der Spitze des Turms hat man einen schönen Ausblick auf den Sultanspalast...

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...und auf den Rest von Agadez.

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Panorama: zum Vergrößern auf das Bild klicken.

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Der Friedhof der Sultansfamilie. Hier liegen Generationen begraben.

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Na warte. Ich freß dich gleich 8)

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Der Gebetsraum des Sultans...

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...und für die restlichen Gläubigen.

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Hier können auch Frauen beten. Die Gebetsräume sind allerdings von denen der Männern getrennt.

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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Alexander » 25.11.2016 13:30

Die Bewohner von Agadez verstehen es auch ihre Freizeit sportlich zu gestalten, wie hier mit Ringen oder Fußball.

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Das Leben spielt sich aber in den Souks und Märkten ab. Hier gibt es fast alles zu kaufen.

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Unzählige Nähmaschinen nähen um die Wette.

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Der Duft von Kräutern und Gewürzen strömt durch die engen Gassen des Souks.

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Frisches Gemüse und...

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...Jamswurzeln werden feilgeboten.

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Aber auch Fleisch steht auf dem Einkaufszettel.

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Das Fleisch wird nicht ganz so hygienisch verarbeitet, wie in unseren Metzgereien.

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Auch die Fliegen versuchen ihren Anteil abzubekommen.

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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Alexander » 26.11.2016 17:11

Heute ist Viehmarkt in Agadez. Die Gelegenheit lasse ich mir nicht entgehen und kämpfe mich durch die staubigen Straßen.

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Der Handel von Vieh ist reine Männersache. 8) Hier treffen sich die Herren der Schöpfung und diskutieren, tauschen Neuigkeiten aus und kaufen und verkaufen Tiere.

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Hier wird alles gehandelt was entweder vier Beine oder Flügel hat: Ziegen, Kamele, Rind, Esel, Geflügel...

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Esel mit Motorradkette :-)

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Ach ja, Datteln, Nüsse und Kichererbsen werden auch verkauft. Und es gibt auch einige Salzstücke aus den Salinen Bilmas.

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Und wer einen neuen gefälschten Pass braucht ist hier absolut richtig. :roll:

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Tuaregs scheinen immer gut drauf zu sein. Sie haben einen ansteckenden Humor.

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Longhorns stehen gut im Futter und werden einen guten Preis erzielen.

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Die Art und Weise, wie Tiere transportiert werden ist nicht ganz artgerecht. Es wird etwas eng auf den billigen Plätzen. :mrgreen:

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Wer seinen Fotoapparat bei den Tuareg zückt, hat schon verloren. :lol: Man muss fotografieren. Ob man will oder nicht. Das Bild wird danach begutachtet und herzhaft über das Ergebnis diskutiert und gelacht. :)

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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Alexander » 27.11.2016 17:00

Eine weitere Einnahmequelle bietet das traditionelle Schmiedehandwerk der Tuareg. Zusammen mit Genähtem, Geflechtetem oder Perlenschmuck findet man abwechslungsreiches Accessoire für verschiedene Anlässe. Hauptsächlich soll die Ware an Touristen verkauft werden. Derzeit gibt es aber keine Touristen in Agadez. :cry:

Hier wird zunächst übriges Material vom Bau erhitzt und grob zurecht geschmiedet. Aus den größeren Eisenteilen entstehen vor allem Messer oder Schwerter.

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Bei Silber, Bronze oder Kupfer ist dann schon etwas mehr Feinmotorik gefragt. Da werden auch schon mal Füße und Zehen eingesetzt.

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Filigraner Schmuck oder andere Gegenstände werden fein herausgearbeitet.

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Für besonders aufwändige Gegenstände nimmt man schon mal alte Literatur als Vorlage.

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Habt ihr schon Schmuck für die Geliebte als Weihnachtsgeschenk? Nein? Dann ab nach Agadez. :)

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Dieses kleine Messer mit verzierter Klinge gefällt mir. Ich verhandle und erziele einen für mich akzeptablen Preis 8) Und der Schmiedemeister legt sogar noch ein handgeschmiedetes Lesezeichen und einen Brieföffner drauf.

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Armreife, Brieföffner, Lesezeichen und anderes Kleinzeug.

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Kleine Behälter aus Kalkstein.

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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Alexander » 28.11.2016 20:50

Die Nigeriner ernähren sich natürlich nicht nur von Fleisch ;-) Seit einem Jahr gibt es eine Schule, auf deren Lehrplan u.a. Landwirtschaft steht.

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Fischzucht dient hier nur der Ernährung des Verwalters ;-) Irgend jemand hatte uns erzählt, dass in diesem Becken Fische gezüchtet werden. Wir machen uns auf die Suche, beobachten das Wasser, sehen aber keinen Fisch. Nach einer halben Stunde der ergebnislosen Suche kommt der Verwalter vorbei und wirft Fischfutter ins Wasser. Doch nichts rührt sich im Wasser. Ich möchte nicht wissen, was der Verwalter hier jeden Tag füttert. :lach:

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In dem Garten wächst Henna, die Frucht, aus der für Frauen, die Farbe hergestellt wird, mit der sie sich kunstvolle Malereien auf die Haut zaubern.

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Aus diesem Brunnen werden die Felder bewässert. Brunnentiefe ca. 12 Meter.

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Das Gebiet ist in Parzellen aufgeteilt. In jeder Parzelle werden die verschiedenen Schritte der Landwirtschaft gelehrt und praktisch geübt. Anpflanzung, Düngen, Kompostierung, Umweltschutz...

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Die Schule wird durch eine nigriner aus Agadez und seiner schweizer Frau geleitet.

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Baumwolle wird hier auch angepflanzt. Eigentlich könnte das Land von Textilimporten zumindest teilweise unabhängig werden.

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Das war der vorläufig letzte Tag in Agadez. Morgen breche ich auf nach Bilma, um die Salzkarawane zu treffen :-)

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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Alexander » 30.11.2016 20:29

Am nächsten Morgen holen Omar, mein Begleiter und Moma, der Fahrer mich im Hotel ab. Endlich geht es nach Bilma, wo ich mich mit der Salzkarawane treffe.

Zunächst müssen wir zu Militärgarnison, wo wir uns mit der Militäreskorte treffen. Es gibt nur ein Problem. In Agadez wird die Strasse, die nach Arlit führt neu gebaut. Die Straße sieht schon ganz gut aus und man hat sie auch sauber mit Randsteinen eingefaßt. Anscheinend wurden einige Randsteine zuviel eingebaut, denn es gibt jetzt keine Möglichkeit von der einen Straßenseite auf die andere zu fahren. Also fahren wir einen größeren Umweg zum Treffpunkt in der Kaserne.

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Relativ schnell velassen wir Agadez in Richtung Osten. Zunächst fahren wir durch Buschlandschaft. Im Busch leben teilweise Tuaregfamilien mit ihren Ziegenherden. Teilweise herrscht unter den Buschbewohnern große Armut.

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Ein Zwiebeltransporter en panne.

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Die ersten Hütten, die als Wohnung und Vorratspeicher dienen.

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Die erste Pause. Wir werden viele Pausen machen müssen, denn der Toyota hat ein Problem mit der Kühlung und überhitzt. Wir müssen alle 30 Minuten anhalten, den Kühler abkühlen, Wasser nachfüllen...

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Da Militär sieht es gelassen. Ich habe den Eindruck, sie sind ganz froh über die Abwechslung.

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Auf dieser Piste wurden die Flüchtlingsströme nach Libyen geschleust. Die nigrische Regierung hat die Flüchtlingstransporte verboten. Seit dem ist die Piste weniger frequentiert.

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Die Pause wird zum Beten oder Ausruhen genutzt.

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Aus Libyen kommen uns nicht nur LKWs entgegen. Auffällig viele weiße Fahrzeuge mit nur einer Person besetzt fahren in Richtung Agadez.

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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Alexander » 01.12.2016 20:55

Etwas östlich von Agadez stoßen wir auf diesen "Außenposten". Hier wird gehandelt, geschmuggelt und Informationen ausgetauscht.

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Für das leibliche Wohl wird auch überall gesorgt auf die typische Art und Weise. ;-)

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Der Grillmeister läßt mich sein Fleisch testen. Es ist scharf gewürzt und schmeckt super! 8)

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Haupthandelsware ist Holzkohle. Es kommt überall zum Einsatz: beim Grillen, der mobile Teekocher wird damit angefeuert...

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Nach der kurzen Pause geht es weiter in Richtung Bilma.

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Jemand hat seinen Wasserkanister verloren. Er war in einen Sack eingewickelt, damit das Wasser vom Fahrtwind gekühlt wird.

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Das Binden des Tagelmoust habe ich langsam ganz gut drauf. Mein Erscheinungsbild wird immer authentischer, wäre da nicht die weiße Hautfarbe ;-)

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Der Tag neigt sich dem Ende zu und es dauert etwas, bis wir einen Lagerplatz abseitz der Hauptpiste finden. Mittlerweile stehen millionen Sterne am Himmel und der Militärchef rätselt, wo Osten liegt. Omar will mich testen und fragt, in welche Richtung wir morgen fahren müssen. Ich orientiere mich kurz an den Sternbildern und zeige danach nach Osten. Omar meint, ich liege falsch und er zeigt nach Norden und meint, dass dort Osten liegt. Ich aktiviere mein GPS und zeige den Jungs, dass ich nicht ganz so falsch lag. ;-) Omar meinte nur: keine Angst, der Karawanenführer braucht kein GPS. 8)

Nun, da jeder nun weiß, dass ich ein GPS Gerät dabei habe erhalte ich alle 30 Minuten die Frage: wie weit nach Bilma? Wie weit nach Agadez? Weißt du auch, wie weit es nach Dirkou ist? Ich bin geduldig, freue mich aber trotzdem, wenn wir in Bilma eintreffen werden. ;-)

Nachts läuft immer ein Soldat Streife um unser Lager. Man weiß ja nie... Ich schlafe auf jeden Fall wie ein Murmeltier.

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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Alexander » 03.12.2016 15:58

Gestern Abend fuhren wir noch weit in die Nach hinein, sodaß wir nicht genau sehen konnten, wo wir gelandet waren. Am Morgen wurde es klar. Wir hatten in der Nähe der Piste übernachtet, aber...

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...nicht weit entfernt von den ersten Dünen.

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Endlich richtige Wüste :-)

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Zwangsweise legen wir unseren Halb-Stunden-Halt ein, um den Kühler des Toyotas zu kühlen. Eigentlich sollte er sich ja selbst kühlen...

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Wir nutzen die Pause für ein Fotoshooting in den Dünen :-) Unsere Begleitmanschaft mit ihren AK 47. Den Stahlhelm und die Splitterweste trägt immer derjenige, der gerade Dienst am Manschinengewehr hat.

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Meine Haut ist noch etwas zu weiß und bildet einen guten Kontrast zu den Jungs ;-)

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Omar. Er sollte mich eigentlich auf der Karawane begleiten, musste aber kurzfristig umdisponieren. Mit interessanten Konsequenten, wie ich später sehen sollte.

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Nicht alles Fahrzeuge haben es aus der Wüste wieder rausgeschafft. Einige blieben liegen, wurden ausgeschlachtet und werden wohl noch einige hundert Jahre dort liegen, bis Sand und Wind es geschafft haben, das Blech in Staub zu zerlegen.

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Die Soldaten machen es sich im Sand bequem. Wir haben Zeit, denn wir wollen nicht vor Sonnenuntergang in Dirkou eintreffen.

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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Alexander » 05.12.2016 19:20

Die Spuren im Sand sind Zeugen aus einer Zeit, als die Wüste noch unter Wasser lag. Kleine Kegelmuscheln findet man in noch sehr gutem Zustand, obwohl sie schon viele Millionen Jahre hier herumliegen. Von den rotbraunen Röhren vermute ich, dass es sich um Pseudofulgurite handelt, also Röhren, die von den früheren Meeresbewohnern gegraben wurden.

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Gegen Mittag treffen wir bei dieser Oase ein. Genau der richtige Ort, um ein Mittagsschläfchen zu machen und den Toyota auskühlen zu lassen.

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Während Omar eine leckere Pasta zaubert und zeigt, dass man Spaghetti auch ohne große Mengen Wasser kochen kann erkunde ich die Umgebung.

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Bis hierhin und nicht weiter, dachte sich der Fahrer dieses Fahrzeugs, dessen Marke mir nicht erschließt.

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Ein Brunnen mit köstlich, kühlem Wasser. Die Soldaten waschen sich, um anschließend zu beten. Sie raten mir mich nicht so weit zu entfernen. Es ist die einzige Wasserstelle weit und breit und es könnte die Gefahr bestehen, dass man plötzlich verschwindet. Mir ist nicht klar, wie ich diese Warnung einschätzen soll und bin lieber etwas vorsichtiger.

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Reifenflicken ala l'Afrique :-) Polizei und TÜV in Deutschland hätten ihre Freude. Man nehme Nadel und Strick anstatt Gummiflicken und Vulkanisierflüssigkeit 8)

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Die kleine Oase ist wie ein Paradies. Nach der würzigen Pasta legen wir uns in den Schatten und dösen etwas vor uns hin. Wir haben Zeit und befinden uns nicht auf der Flucht. ;-)

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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Alexander » 06.12.2016 21:29

Gegen Sonnenuntergang kommen wir in Dirkou an. Militär aus Agadez trifft Militär aus Dirkou. Ich werde aufgefordert meinen Tagelmust nun so anzulegen, dass man mich nicht mehr erkennen kann. Mein Begleiter meint, wir sollten vermeiden, dass "unnötige" Fragen gestellt werden. Wir sitzen etwa 30 Minuten im Toyota, bis unser Militärkonvoi zur Weiterfahrt nach Bilma ansetzt.

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Mittlerweile ist die Nacht hereingebrochen. Ich werde jetzt häufiger gefragt, was mein GPS bezüglich der Entfernung nach Bilma anzeigt. Als wir in Bilma eintreffen sind die Randsteine schon hochgeklappt. Unser Ziel ein Lehrer, bei dem wir etwas Essen und übernachten werden. Um 4:00 Uhr soll ich zur Karawane stoßen.

Der Schlafsack ist schnell zusammengepackt und noch vollkommen schlaftrunken steigen wir in den Toyota. Wir werden erst eine Stunde durch Bilma irren, bevor wir jemanden sehen, der im Dunkeln mit einer Taschenlampe Lichtzeichen gibt. Die Karawane!

Wir laden meinen Rucksack und bottled water aus. 42 Flaschen Wasser und mein Gepäck werden von zwei jungen Tuareg auf verschiedene Kamele verteilt. Ich werde Sidi vorgestellt, der Karawanenführer oder Madougou, wie die Touareg ihn nennen. Er genießt großes Ansehen und man zollt ihm Respekt, denn er ist der Mann, der diese Karawane mit fast 300 Kamelen und 17 Begleitern sicher nach Timia führen muss.

Sidi ist zwei Jahre jünger wie ich, sieht aber älter aus. Ich werde von ihm aufs herzlichste begrüßt. Schnell werde ich von den Unterführern der Karawane umringt. Wir begrüßen uns. Nur: ich verstehe sie nicht und sie verstehen mich nicht. Es spricht kaum einer ein paar Worte französisch. Karawanensprache ist Tamasheq. :-) Nun, da mich mein Begleiter auf dieser Karawane nicht begleiten wird, sehe ich mit Spannung den nächsten knapp zwei Wochen entgegen.

Auch von den anderen Tuareg werde ich herzlich begrüßt. Da ich in arabischen Ländern häufig Probleme mit meinem Namen habe, halte ich es kurz und gebe meinen Namen mit "Alex" an. Ah, Akelex. Nein, Alex. Ah, Akelex. Nun gut, dann gehe ich eben als Akelex der Deutsche in die Annalen der Karawanengeschichte ein. :)

Die Karawane besteht aus mehreren kleinen Karawanen, die sich in Bilma zu einer großen Karawane für die Ténéré Durchquerung treffen. Der Zeitpunkt des Abmarschs hängt u.a. vom Mond ab. Da der Madougou sich teilweise nach den Sternen orientiert wird vermieden, bei Vollmond zu marschieren, da dieser die schwachen Sterne überstrahlen würde. Das wichtigest Sternbild, das Sidi zur Orientierung dient, sind die Plejaden, die Cat Ahad oder Töchter der Nacht. Vor der Abreise werden traditionell die Geister befragt und wenn sie nichts dagegen haben, dann kann sich die Karawane in Bewegung setzen.

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Zum Sonnenaufgang beginnt das große Abenteuer. Ich bekomme ein Kamel zugewiesen, dessen Höhe einschließlich Gepäck etwas 2,20 beträgt. Man war offensichtlich der Meinung, dass meine Körpergröße direkt proportional mit der Höhe des Kamels sein muß. :roll: Irgendwann werde ich auf dem Tier auch Reiten müssen. Wie komme ich dort hoch? Die Karawane wird nicht anhalten. Wir werden den ganzen Tag und einen Teil der Nacht laufen bzw. reiten. Noch sehe ich mich mit diesem Problem nicht konfrontiert und verdränge es, bis es akkut wird.

Während die Karawane sich nun in Bewegung setzt ruft Sidi ein lautes "Allahu akbar" und betet eine Sure des Korans. Göttlicher Beistand ist notwendig bei einer Reise durch die Wüste. Nach dem Gebet läd mich Sidi ein neben ihm zu laufen. Es dauert etwas, bis ein Gepräch in Gang kommt. Selbst mit meinem rudimentären Französisch komme ich nicht weiter, denn dass einzige, was ich dem Tuareg entlocken kann ist ein "C'est bon". Also versuchen wir es mit den Händen, danach setzen wir noch die Füße mit ein und wenn es gar nicht mehr weiterging fingen wir an, Bilder in den Sand zu malen. Es begann uns beiden richtig Spass zu machen. :wink:

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Ich hatte mir vorgenommen soviel wie möglich zu laufen. Das Tagespensum bestand aus 50 Kilometern, die an einem Tag auf 60 Kilometer anstiegen. Die Strecke legten wir in 16 - 18 Stunden zurück. Gegessen und gekocht wird während dem Laufen. Es gibt keine Pause. Die Karawane hält nicht an. Würde die Karawane eine Pause einlegen, müsste Gepäck und Ladung den Kamelen abgenommen werden und sie würden sich anschließend weigern weiterzulaufen. Die Karawane würde viel Zeit verlieren, was zusätzliches Wasser und Lebensmittel erfordern würde, das auf zusätzliche Kamele geladen werden müsste. Alles in allem also ein Rattenschwanz, der immer länger werden würde, je länger die Pause wäre. Mensch und Tier werden maximal gefordert.

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Ach ja, ich vergaß. Es gibt Pausen. Etwa zwei Minuten für die Gebete der gläubigen Moslems.

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