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Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Alexander » 14.12.2016 18:45

Sekundenschlaf

Atachi, Atachi, ruft Sidi in den Morgen hinaus. Und zündet das Feuer für den Tee an, ergänzt er dieses mal auf Tamasheq. Es ist wieder 2:00 Uhr morgens. Mir fallen die Augen wieder zu. Sidi weckt mich vorsichtig und versucht mich mit einem Glas Tee zu überzeugen, meinen Schlaf zu unterbrechen.

Mit dem Laufen kommt auch der Kreislauf schnell wieder in Schwung. Heute am dritten Tag waren die Juhuuuu und Jahoooo Rufe der Tuareg schon etwas verhaltener. Auch an ihnen gehen die Strapazen nicht vorbei.

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Nach unserem Mittagessen und dem Tee setzen wir uns auf unsere Kamele. Sabrilla hilft mir wieder beim Aufstieg. Es dauert immer eine Zeit, bis ich die richtige Sitzposition eingenommen habe. Zumindest für ein paar Minuten. Ich habe kein Sitzfleisch und ich bewege mich immer wieder hin und her, um zu verhindern, dass mir das Gesäss oder andere Körperteile einschlafen.

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Je heißer es wird, um so stärker macht sich die Müdigkeit bemerkbar. Man nickt für ein oder zwei Sekunden weg und schreckt danach wieder hoch und verkrampft sich in die Stricke, mit denen die Ladung auf dem Kamel gesichert ist. Die Müdigkeit überwältigt mich. Ich versuche meinen Schlaf immer mehr zu verlängern. Nur ein paar Sekunden. Bis ich wieder hochschrecke. Ich versuche die Stricke so um meine Hände zu wickeln, dass ich doch für den Fall der Fälle nicht vom Kamel fallen werde. Sabrilla, meinem Fordermann scheint es ähnlich zu gehen. Ich bemerke, wie sein Körper sich immer mehr nach rechts neigt und dann wieder hochschreckt.

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Wer auf einem Kamel reitet wird unweigerlich zum "Ja - Sager". Die Bewegung des Kamels veranlasst den Reiter zweimal pro Sekunde zu nicken. Selbst die Ohren des Kamels machen diese Bewegung mit. Es sieht zum Schreien aus. :lol: Der restliche Körper wippt natürlich mit. Besonders um die Hüftgegend, was auf die Dauer schmerzhafte Folgen auf den Rücken und den Lendenbereich hat. Ständig versucht man den Schaukelbewegungen entgegen zu wirken.

Plötzlich ist es geschehen. Aus dem Sekunden- wird ein Minutenschlaf. Ich höre nur noch die lauten Rufe bis ich bemerke, dass ich mit samt der Ladung nach rechts wegrutsche. Ich befinde mich im freien Fall. :shock: Während der ersten Hälfte des Fallens wird mit bewußt, was mit mir geschieht. Die zweite Hälfte nutze ich, um mir vorzustellen, was ich mir alles brechen könnte. Ich dachte an meine Hüfte, Beine... Ich wollte erst mal unten ankommen. Es ist schon erstaunlich, wie lange so ein Fall aus 2,20 Metern dauern kann und was einem dabei alles durch den Kopf schießt. Ich schlage auf...

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Ich schlage, wie befürchtet mit der Hüfte auf und auf mich fällt die gesamte Ladung. Langsam bewege ich mich. Ich teste die Beine, rolle mich etwas zur Seite. Es sieht gut aus. Meine Rippen schmerzen...

Schnell kommen mir einige Tuareg zu Hilfe geeilt. Sie befreien mich von der Ladung und ich erkenne an ihrem besorgten Blick, welche Gedanken ihnen durch den Kopf gehen. Ich versuche langsam aufzustehen. Ich bin noch an einem Stück. Ausser den geprellten Rippen ist mir nichts passiert. Die besorgten Gesichter erhellen sich wieder. Man läßt sich zu einem Lächeln hinreißen und sie klopfen mir erleichtert auf die Schulter. ;-)

Wäre etwas Schlimmeres passiert, die Karawane hätte nicht anhalten können. Es hätte weitergehen müssen. Es gibt keinen Rettungshubschrauber oder einen Toyota für den Ernstfall.

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Die Karawane unterbricht ihren Trott nicht. Während sie weiter läuft, beladen wir wieder mein Kamel. Ich bin jetzt hell wach. Ich laufe wieder ein Stück.

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Als die Dunkelheit beginnt den Tag zu verdrängen sitzen wieder alle auf ihren Kamelen. Nur Sidi läuft weiter, als wären seine Reserven unerschöpflich.

Bei vollkommener Dunkelheit hört man kein Wort, keinen Laut. Nur das Treten der Kamelfüße im Sand. Es ist ein eigenartiger, gleichmässiger und monotoner Rythmus. Der Rücken schmerzt und ich sehne den Moment herbei, wo ich von meinem Kamel absteigen kann. Es gibt keine Ablenkung mehr, keine Dünen, welche die Müdigkeit vertreiben oder zumindest hinauszögern würden. Man starrt nur hinaus in die Dunkelheit. Es ist 21:00 Uhr, also die Zeit, wo wir normalerweise unser Lager erreichen. Die Karawane hält an. Aber nach einigen Minuten geht es weiter. Nach 10 Minuten wieder ein Stop. Doch kurze Zeit später geht es wieder weiter. Wie lange noch? Auch einige Tuareg merkt man ihre Ungedult an. Gegen 22:30 Uhr bleibt die Karawane wieder stehen. Dieses mal endgültig...

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Heute Abend brauche ich kein Abendessen mehr, keinen Tee. Ich bemerke nicht einmal mehr den beeindruckenden Sternenhimmel. Ich schlafe ohne einen weiteren Gedanken zu verschwenden ein.

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Alexander
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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon birgit » 15.12.2016 18:43

Hallo Alex,

was transportiert die Karawane eigentlich? Wozu macht sie diesen weiten Weg?

fragt neugierig

Birgit
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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Alexander » 15.12.2016 19:54

Hallo Birgit,

wie der Name schon sagt, transportiert die Karawane vor allem Salz. Entweder in Form dieser Salzlaibe (Beza)...

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...oder diese Salzkegel (Kantu).

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Das Salz wird auf den Märkten der Städte z.B. Timia oder Agadez eingetauscht oder verkauft. Das Salz wird für das Vieh als Lecksalz benötigt. Außer dem Salz werden vor allem Datteln und Hirse verkauft. Auf dem Rückweg nimmt die Karawane dann alles mit, was die Menschen in den Weilern, kleinen Siedlungen wo vor allem Großfamilien wohnen, benötigen.

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Die Menschen leben dort in großer Armut und haben nur das Nötigste zum Leben. Sie haben keine Möglichkeit, in die Städte zu fahren, um sich mit dem zu versorgen, was sie benötigen.

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Vor einigen Jahrzehnten fing man an, diese Karawanen durch Lkws zu ersetzen. Die Lkws wurden auch noch subventioniert, was die Lkw-Transporte gegenüber den Karawanen konkurrenzlos machte. Allerdings merkte man schnell, dass durch die Modernisierung der Karawanenwege viele Menschen arbeitslos wurden, Traditionen verloren gingen und Unzufriedenheit aufkam. Darum hat man den Lkw-Verkehr wieder eingeschränkt.

Ein Beispiel ist die Siedlung Kodri. Sie liegt ziemlich genau zwischen Agadez und Timia. Es gibt dort eine Schule für die umliegenden Siedlungen. Das Problem: es gibt dort kein Wasser und es muß mit Menschenkraft oder auf Eseln, wenn vorhanden, aus 25 Kilometern Entfernung hertransportiert werden.

Wir wollen dem Abhilfe schaffen und bauen dort einen Brunnen.

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Allerdings fehlt uns für das Einfassen und Absichern das Geld für den Beton und für die Arbeitskräfte. Wir bräuchten ca. 2.500 Euro, um den Bau des Brunnen abzuschließen.

Es wäre schön, wenn wir hier das Geld zusammenbringen könnten. Hier die Überweisungsmöglichkeiten eurer Wahl:



oder per Banküberweisung an

Alexander Axmann
Kreissparkasse Augsburg
Kto. 0380530295
IBAN DE71 7205 0101 0380 5302 95
BIC: BYLADEM1AUG

Vielen Dank schon mal im Voraus. Ich hoffe, wir können dieses Projekt erfolgreich abschließen.

Grüsse
Alexander
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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon birgit » 15.12.2016 20:24

Peinlich, ja, in der Überschrift steht es. Die hatte ich irgendwie beim Nachdenken außer Acht gelassen. :bang:
Die Frage nach dem LKW-Transport wäre meine nächste gewesen. Danke für die Antwort.
Wie schwer ist so ein Salzlaib bzw. Kegel? Wieviel davon trägt jedes Kamel? Und was ist der Wert von solch einem Salzkegel oder was an lebensnotwendigen Dingen bekommen die Männer dafür? Ich habe überhaupt keine Vorstellung davon. :oops:
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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Alexander » 15.12.2016 20:43

Die Beza wiegen ca. 2 kg und die Kantu 25 Kilo. Nicht jedes Kamel trägt diese Kegel, da auch noch anderes transportiert wird z.B. trägt jedes Kamel zwei Dattelsäcke aus Leder, die auch ganz schön schwer sind. Ich schätze, dass die Säcke zusammen ca. 30 - 35 kg wiegen. Dazu kann ein Kamel ohne Weiteres zwei dieser Salzkegel und noch zwei Salzlaibe tragen.

Ich habe keine Ahnung, welchen Wert so ein Kegel besitzt. Es gab aber Zeiten, da wurde das Salz mit Gold aufgewogen. Diese Zeiten sind allerdings lange vorbei.

Neben Naturalien bekommen die Männer auch etwas Geld, was durch den Handel eingenommen wird. Vor allem die Datteln und Hirse werden verkauft. Die Preise können aber je nach Jahreszeit und Ausfall der Regenzeit sehr volatil ausfallen. Besonders wenn eine andere Karawane bereits seine Ware auf die Märkte gebracht hat, dann fallen die Preise. Auch hier gilt der Grundsatz von Angebot und Nachfrage.

Die Menschen in den Siedlungen benötigen vor allem Mehl und Speißesalz, um Brot zu backen,

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Nudeln, Stoffe. Für ihre Kinder u.U. Schulmaterial, wenn es überhaupt vorhanden ist und die finanziellen Verhältnisse es zulassen.

Grüsse
Alexander
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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Jürgen Kempe » 16.12.2016 11:01

Nicht mehr ganz neu ist mein Bildband "Die letzten Karawanen in der Sahara" von Hans Ritter; mein Exemplar ist eine Sonderausgabe von 1985, Atlantis Verlag (ISBN 3 7611 0580 0, Original erschien 1980). Also etwas für Leute, die gern auf Flohmärkten stöbern.

Es wird dort ausführlich die Karawanen-Wirtschaft beschrieben, von der Salzgewinnung über die verschiedenen Tauschgüter mit den von den Entfernungen abhängigen Wertzuwächsen bis zur Heimkehr.

(Vorangestellt ist ein Zitat von Bob Dylan(!):
If you are travelling to the North Country far
Where the winds hit heavy on the borderline
Remember me to the one who lives there
For she once was a true love mine )

Vielen Dank, Alexander für Deinen Bericht, den wir schmerzfrei geniessen dürfen.

Jürgen Kempe
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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Alexander » 16.12.2016 19:43

Jürgen Kempe hat geschrieben:Vielen Dank, Alexander für Deinen Bericht, den wir schmerzfrei geniessen dürfen.


Danke Jürgen! Dann mach ich doch gleich weiter. :wink:

Als es dämmert wache ich auf. Was war passiert? Kein Weckruf? Hatte der Madougou verschlafen? Ich lag in Mitten von Kamelen, Gerbas und verpackten Salzblöcken. Es war ruhig. Keine lauten Rufe, keine Hektik. Wir waren in der Nacht in der Oase Fachi angekommen.

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Die Gerbas waren an Holzpfählen aufgehängt, damit die nachtaktiven Nagetiere die Wasserbeutel nicht anknabbern.

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Ein Grund für die Rast in Fachi. Hier hatte die Karawane bereits Alemos Grasbüschel deponiert.

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Einige Kamele machen sich in den nahen Büschen bereits auf die Suche nach frischerem Futter.

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Ein Kamel steht noch etwas hilflos in der Gegend herum und ist sich unschlüssig, was es machen soll :) .

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Ich mache mich auf den Weg und folge den Menschen- und Kamelspuren und treffe auf die Karawanies. Kameltränke ist angesagt. Dazu wird eine stabile Plastikfolie ausgebreitet, in die das Wasser, dass es hier nahe an der Oberfläche gibt geschöpft wird.

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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Alexander » 17.12.2016 14:52

Fachi ist ein kleines Paradies. Vieleicht wird das Gefühl durch die Anstrengungen der letzten Tage noch verstärkt. Es tut gut, am Morgen etwas länger liegen bleiben zu können und seinen Gedanken nachzuhängen. Die Wüste ist ruhig und friedlich, die Wellen im Sand stehen still.

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Obwohl ich mich eigentlich ausruhen sollte streife ich durch die Gegend und begeistere mich für die abwechslungsreichen Farben. Das grün der Palminseln, das braun der Palmstämme und die Okkerfarben der Wüste. Der blaue Himmel macht den Anblick noch perfekt.

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Plötzlich steigt mir ein stechender Geruch in die Nase. Dieser Geruch passt nicht zu dieser paradiesischen Wüste. Ich folge dem strengen Geruch.

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Neben einem Kamel steigt weißer Rauch auf. Es stinkt nach verbranntem Horn. Einige Tuareg brennen mit einem glühenden Eisen, das sie im Feuer erhitzt haben ihre Kamele.

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Von dem Kamel hört man nur ein mürrisches Knurren. Seine Beine sind nicht einmal festgebunden. Das Tier erträgt die Brandmarkung geduldig, obwohl ich den Eindruck habe, dass das heiße Eisen tief in die Haut eindringt.

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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Alexander » 17.12.2016 21:40

Während Sidi die Bündel für den Transport auf den Kamelen zurechtklopft...

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...zeigt mir ein anderer Tuareg, wie sie das Gras schneiden. Alles was erbraucht sind einige Stricke, mit denen das Gras zu Bündel zusammenschnüren und ein langes Messer, mit dem das harte Gras geschnitten wird.

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Getragen werden Utensilien und Gras auf dem Rücken.

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Die Mittagszeit rückt näher und es ist bald wieder Essenszeit. Die jungen Tuareg stampfen dazu Hirse in den großen Holzmörsern.

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Ein Sandwind kommt auf und die Luft wird trübe und das Licht grell. Und es wird heiß zu Mittag. Sehr heiß.

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Sidi zeigt mir voller Stolz seine Konstruktion. 8) Er hat mir für den Mittagsschlaf einen Sonnenschutz gebaut und das "Bett" hergerichtet. :) Ich werde wie ein Murmeltier schlafen.

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Bevor es aber auf die Matratze geht, gibt es Mittagsessen. Zum Nachtisch gibt es Nüsse.

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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Alexander » 18.12.2016 09:25

Die morgentlich Luft war erfüllt von Sand. Gestern kam ein Wind auf, der sich über Nacht verstärkt hatte. Es war kaum noch möglich den Himmel von der Wüste zu unterscheiden. Die sonst scharfen Konturen der Dünen waren verschwommen und gingen nahtlos in den Himmel und in die Umgebung über.

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Akelex, Foto! Der Touareg wollte, dass ich ihn auf einem Foto verewige. So wie er stolz auf seinem Kamel saß. Also zog ich wieder meine Kamera aus der Tasche und schoß in ab. Wie immer zeigte ich das Foto und er lachte schallend und zeigte mit dem Daumen nach oben. :) Scheue vor der Kamere kannten die Jungs nicht.

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Trotz des aufgekommenen Sandwindes, der durch die Kleidung pfiff und den Sand überall dort ablagerte, wo man ihn am wenigsten brauch, war die Stimmung ausgelassen. Allerdings saßen die Reiter jetzt schon wesentlich früher auf ihren Kamelen. Die Anstrengungen der letzten Tage ging auch an den Wüstenbewohnern nicht spurlos vorbei.

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Nur Sidi, unser Madougou hielt tapfer durch und marschierte weiter durch den festen Sand.

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Akelex, Foto! Die Tuaregs schienen langsam die Barrieren zu dem fremden Europäer beseitigt zu haben. Der Kontakt wurde immer intensiver und langsam suchten auch die Schüchternen den Kontakt zu ihrem Gast.

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Akelex, Foto! Jetzt wurden die Jungs richtig warm und wollen auch die anderen Fotos sehen, die ich bisher auf meiner Reise geschossen habe. Ich erkläre einem, wie er die Bilder in der Kamere aufrufen und durch die Bilder blättern kann. Die Kamera macht ihre Runde. Immer wieder bricht ein Tuareg in Gelächter aus, wenn er ein bestimmtes Foto sieht. Besonders, wenn es sich um ein Foto eines Mitreiter handelt. :-) Sie haben richtig Spaß an den Bildern.

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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Alexander » 18.12.2016 14:51

Reist man durch die Ténéré, dann könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Erde doch eine Scheibe ist. Weite Strecken sind eben. Von Horizont zu Horizont sieht man keine Erhebung. Nicht einmal eine kleine Sandverwehung.

Und wie Maja ja schon treffend bemerkt:

majasch hat geschrieben:und irgendwann musst du ja sicherlich auch mal Bild und mehr?

Wer sich auf so eine Karawanentour begibt muss sich darüber im Klaren sein, dass es Situationen gibt, wo es auch diesbezüglich keine Privatsphäre gibt. ;-)

Man entfernt sich einfach ein oder zweihundert Meter von der Karawane und der Rest sieht dezent in eine andere Richtung ;-) Das Problem ist nur, dass man nicht zu viel Zeit auf sein Geschäft verwenden sollte, denn die Karawane läuft weiter und man muß sie irgendwie wieder einholen. Und wenn die Beine nicht mehr richtig mitmachen, kann selbst dies zu einer Herausforderung werden. :mrgreen:

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Kadir bereitet wieder Tee zu. In einem kleinen Drahtgestell hat er Holzkohle entzündet. Darauf steht die Teekanne.

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Die erste Pistenmarkierung.

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Wir kreuzen die Piste Agadez Bilma, werden ihr aber nicht folgen. Unser Kurs lautet Timia.

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Ich sitze jetzt auch auf meinem Kamel. Ich bekomme immer mehr Probleme mit meinem Rücken. Aber Ruhe bekomme ich keine. Akelex, Foto! :lol: Meine Kamera hatte ich zwischenzeitlich schon im Gepäck verstaut, aber ich ziehe sie nochmals hervor. Es scheint meinem Fotomodell nicht schnell genug zu gehen, denn er macht schon eine ungeduldige Handbewegung :wink:

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Welcher Wüstenbewohner mach hier seine Heimat gefunden haben?

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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Alexander » 18.12.2016 20:21

Am Horizont tauchen die ersten Bäume auf. Ein Zeichen dafür, dass wir die Ténéré bald verlassen und die ersten Ausläufer des Air Gebirges erreichen werden.

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Manch einer wird sich wohl fragen, wie hält man das nur aus. Die weiten Strecken, die man zu Fuß zurück legen muss. Hat man am nächsten Tag nicht höllischen Muskelkater? Entscheidend ist eine gute Vorbereitung und dabei reicht es nicht, wenn man zwei oder drei Wochen vor der Abreise anfängt.

Ich bin schon immer sportlich aktiv. Aber für diese Reise muss man ein bischen mehr tun. Das wichtigeste ist, dass die Beinmuskulatur belastbar ist. Ich laufe (Joggen, nicht Spazierengehen ;-)) zweimal pro Woche je nach Tagesform zwischen fünf und acht Kilometer. Zusätzlich besuche ich wöchentlich das Fitnessstudio, um besonders den Rücken und die Beinmuskulatur zu trainieren. Nach einigen Monaten Vorbereitung habe ich an einem Wochenende versucht, 50 Kilometer zu laufen. Ich hätte fast aufgegeben und musste feststellen, dass ich falsch bzw. nicht intensiv genug trainiert hatte. Beim Joggen bin ich zu langsam gelaufen, sodass die Oberschenkel nicht ausreichend belastet wurden.

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Also habe ich einen Zahn zugelegt, was ich deutlich an den Oberschenkeln bemerkte. Am nächsten Tag hatte ich Muskelkater. :roll: Dazu ein paar Gewichte an der Beinstreckmaschine im Fitnessstudio draufgelegt und schon wurde es besser.

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Während der Wanderung hatte ich mit meinem Laufapparat absolut keine Probleme. Nur der Rücken spielte nicht richtig mit, was aber weniger an der Vorbereitung lag, sondern an der weniger ergonomischen Haltung beim Reiten auf dem Kamel. Selbst die Tuareg hatten Probleme mit dem Rücken und fragten mich immer wieder, ob ich nicht Schmerztabletten dabei hätte.

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Ich muss auch ganz klar sagen: ohne eine intensive Vorbereitung ist diese Reise nicht möglich oder wird zur Qual. Also, bewegt euch mal ein bischen. 8)

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Je länger ich laufe, um so mehr steigt meine Achtung für diese genügsamen Tiere. Trotz ihrem Gewicht, dass sie auf ihrem Rücken tragen, manchmal zusätzlich mit einem Reiter, dem die Kräfte ausgehen, laufen sie immer im gleichen Trott, von morgens bis abends, ohne Pause.

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Vom Air weg führen einige Baumreihen, die mitten in den Oued wachsen. Wir müssen die richtige Baumreihe erwischen, an der wir rechts abbiegen und dann dem Oued folgen.

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Wir werden durch das Air eine Strecke nehmen, die für Allradfahrzeuge nicht zugänglich ist. Ich bin schon gespannt, denn es ist das erstes Mal für mich in diesem Gebirge.

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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Matthias G » 19.12.2016 18:07

Danke Alex,

für den aktuellen Bericht aus der Region und von der tollen Tour!

Weiterhin gute Reisen

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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Alexander » 19.12.2016 18:20

Hallo Matthias,

vielen Dank!

Grüsse
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Re: Niger: mit der Salzkarawane durch die Ténéré und Air

Beitragvon Alexander » 19.12.2016 18:20

Heute starten wir wieder etwas später. Wie jeden Morgen werden die Kamele beladen und heute habe ich die Gelgenheit, mir das Beladen etwas näher anzuschauen.

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Zunächst werden die Kamel zusammengetrieben. Sie müssen sich auf den Boden setzen. Die Ober- und Unterbei werden so zusammengebunden, dass die Kamele nicht aufstehen können. Die morgentliche Beladungszeremonie geht sehr lautstark vor sich. Die Kamele haben eine ganze Palette an Geräuschen auf Lager. Sie gurren, gluckern, stoßen kurze und tiefe Brummlaute aus oder schreien einfach aus vollem Halse, wenn ihnen irgendetwas nicht passt. :mrgreen: Manchmal habe ich das Gefühl, dass Kamele, ähnlich wie Katzen einen besonderen Charakter besitzen. Kamele lassen sich ungerne berühren, nur wenn es sie irgendwo juckt ist eine kratzende Hand sehr willkommen.

Bei Dunkelheit habe ich erlebt, dass beim Streicheln des Halses heftig Funken über das Fell gesprüht sind. Das Fell war statisch aufgeladen.

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Hier einige Beispiele im Video:

phpBB [video]

https://www.youtube.com/watch?v=pJfnzImoNnk

Deutlich ablesen kann man auch die Stimmung eines Kamels anhand der Mimik. Zusammen mit den Lauten, die es ausstößt merkt man gleich ganz genau, ob das Tier gut drauf ist oder nicht. 8)

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Das gurrende Geräusch entsteht vor allem dadurch, wenn die Kamele das unverdaute Gras hochwürgen und es wiederkäuen. Man sollte sich dabei nicht zu nahe am Kamel aufhalten. Es könnte durchaus sein, dass man von der grünen und stinkenden Brühe etwas abgekommt. :)

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