Karikaturisten kotzen auf alle ihre neuen Freunde

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markus-1969
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Re: Karikaturisten kotzen auf alle ihre neuen Freunde

Beitrag von markus-1969 »

lehencountry hat geschrieben:Markus
Ich seh es eben anders:
meine Zustimmung Markus.
Ich finde es wird unnötig provoziert, zumal es absehbar war, dass Anschläge kommen werden.
War es das wert ? Sind es die nächsten Opfer auch noch wert ? Haben diese Zeichnungen jetzt unsere Meinungsfreiheit, unsere Demokratie verteidigt?
Wenn wir diese Karikaturen nicht mehr zeigen, sind wir dann weniger ?
Warum machen wir uns nicht über die nackten Indianer im Amazonas lustig ? Die leben ja auch nicht wie wir, haben nicht unsere Werte.
Eben. Die Kotzbrocken ("Karitkaturisten") verdienen ihr Geld damit, daß sie sich über andere Leute lustig machen und diese provozieren. Sie suchen sich dazu diejenigen aus, die sich provoziert fühlen, wie etwa die Muslime. Die Indianer im Amazonas interessiert es nicht und sie sind weit weg, Muslims interessiert es aber schon und diese sind Teil unserer Gesellschaft. Und je mehr ein Kotzbrocken austeilt, desto mehr ist er im Gespräch und desto mehr Geld verdient er, geschützt von der "Meinungsfreiheit."

Nun haben wir genug Leute auf der Welt, die z. B. angesichts eines sehr autokratischen Systems gar keine Meinungsfreiheit kennen. Wer seine Meinung klar sagt, wird an die Wand gestellt. So ist es doch in vielen Teilen der Welt. Dort versteht man unsere "Meinungsfreiheit" einfach nicht. Aber man will auch in Ruhe gelassen werden und einfach seinem Glauben nachgehen. Was ist so verwerflich dran ? Jemand der betet wird kaum "austeilen" - er muß nur einstecken und zwar das was hier schonungslos abläuft: Die Beleidigung seines Glaubens insgesamt ist auch eine Beleidigung dessen, der glaubt. Und unsere Gesellschaft tut nichts dagegen und unsere Justiz erst recht nicht.

Ich war 2014 in Moscheen - als Christ. Wer höflich fragt, dem wird Einlaß gewährt - und das auch in Gebetszeiten. Und auch einem Nichtmuslem wird geholfen und sei es auch mitten zur Glaubenszeit mitten in der Pilgerstadt Mashad im Iran mitten in der Moschee. Respekt macht's aus.

Wo bleibt der Respekt, den wir der muslemischen Welt entgegen bringen ? So wie wir uns verhalten, müßte man in den Moscheen rumschreien "Es lebe Jesus Christus". Aber Hand aufs Herz: Wollen wir, daß man in unseren Kirchen rumschreit "Allah ist groß" ?
Wolfgang K
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Re: Karikaturisten kotzen auf alle ihre neuen Freunde

Beitrag von Wolfgang K »

Der politische Islam / Islamismus kommt – erst Recht wenn er grenzüberschreitend / panarabistisch daherkommet – wie alle „*ismen“ nicht ohne eine externe Bedrohung aus. Wenn es diese nicht gibt müssen sich alle „*ismen“ eine externe Bedrohung konstruieren. Mein erster Kontakt damit ist über 20 Jahre her. Lange bevor es diese unsäglichen Islam- Diskussionen gab. Ich war in Libyen bei einem tunesischen Gastarbeiter eingeladen und der zeigte mit ohne weiteren Hintergedanken einen Stapel Publikationen, die man unter der Hand an junge Gastarbeiter verteilte. Der Ursprung dürfte Ägypten und dort wahrscheinlich die MB gewesen sein. Dort wurde u.a. mit Hilfe von Karikaturen des damaligen Papstes, der mit Hammer, Axt und Säge (natürlich nicht Sichel) und wutverzerrtem Gesicht versuchte einen riesigen Halbmond zu zerstören. Bildgewaltiger Beweis der externen Bedrohung. Eigentlich eine unwichtige Anekdote.

Was hat das mit den aktuellen Ereignissen zu tun? Es geht um Ursache und Wirkung.

Allein ein Blick auf die Zeitachse was das Auftauchen von sog. „Mohamedkarikaturen“ und politischen Islam und von ihm ausgesprochenen Drohungen zeigt, dass es nicht an den Karikaturen liegen kann. Auch das Ziel der Bedrohung und daraus resultierender Gewalt hat auch nichts mit Karikaturen zu tun: Zigtausende Muslime und Angehörige anderer Konfessionen die jedes Jahr abgemurkst werden müssen was anderes falsch gemacht haben als Comics zu zeichnen.

Es gibt noch eine andere Unstimmigkeit in der Mär von der „Beleidigung des Islam“: Die Masse der Muslime fühlt sich nämlich gar nicht beleidigt. Beim ersten Karikaturen Hype 2005 hat selbst der Abdruck in der Ägyptischen Presse schlimmstenfalls ein Kopfschütteln ausgelöst. Es bedurfte der Erfindung einiger zusätzlicher Zeichnungen und viel Agitation islamistischer Prediger, bis es endlich zur gewünschten Empörung kam.

Der Politische Islam ist kein Problem „des Westens“, auch wenn uns die Fokussierung auf den eigenen Nabel das manchmal suggeriert. Es ist eine Auseinandersetzung innerhalb der muslimisch Geprägten Länder. In der Auseinandersetzung liegt der Islamismus als politisches Konzept allerdings inzwischen im Abseits. Eine politische Größe ist er nur noch da, wo er sich mit Gewalt Gehör verschafft. Was wir davon wahrnehmen sind nur Nadelstiche und dienen auch nicht der kurzfristigen Islamisierung des Abendlandes sondern sind vermeintliche Demonstrationen der Stärke zu Propagandazwecken.

Noch mal zu der Aussage, Satire sei der Grund für die angebliche Feinseligkeiten von „beleidigten Muslimen“: Die Satire über die wir hier reden richtet sich gegen den politischen Islam und nicht gegen Muslime oder deren Glauben. Die mit dem Bleistift gepiekten Vertreter des politischen Islam tun aber alles um diese angebliche Beleidigung als einen weiteren Beweis einer feindlichen Bedrohung von außen zu verkaufen.

Es geht dabei um eine Vereinnahmung aller Muslime durch Islamisten, die sich zu deren Vertretern aufschwingen. Wer also diese Mär von den durch Satire beleidigten Muslimen der Welt als Grund für Gewalttaten der Islamisten einfach schluckt fällt genau auf die Vereinfachung Moslem = Islamist rein.
Darin sind sich viele einig, die auch dringend eine externe Bedrohung brauchen:
Wolfgang K hat geschrieben:Jedenfalls bin ich mir sicher, dass ich mit dem Versuch irgendwelche Unterscheidungen zwischen Islamismus, Islam und irgendwelchen Flüchtlingsthemen zu treffen auf einer Pegida-Demo als auch auf der Gegendemo recht einsam wäre.

Wenn es denn Frieden bringen würde, könnte man meinetwegen Karikaturen oder Satire abschaffen. Wer aber einen Anlass braucht wird was anderes finden in Literatur, bildender Kunst oder sonst irgendwas.
Ein schönes Beispiel: Als sich in Tunesien die Salafisten im Aufwind sahen haben sie halt in Ermangelung von Karikaturisten die sie greifen konnten Kunstausstellungen überfallen und zusammengekloppt. Als die Künstler Angst bekamen und niemand mehr Räumlichkeiten zur Verfügung stellen wollte hat man angefangen Konzerte zu überfallen. Es findet sich immer ein lohnendes Ziel, wenn man Aufmerksamkeit erregen und einschüchtern will.
Was hätte man machen solle? Juristisch gegen Ausstellungen und Konzerte vorgehen?


Grüße
Wolfgang

PS:
Noch was zu den Indianern: Ich hab irgendwo in der Mottenkiste zuhause noch einen Comic, den kann ich mal scannen. Aber wenn man unter „Archile Talon, Le trésor de Virgule“ googelt kommen ein par Darstellungen von Indios aus den Band, über die man sich aufregen kann wenn man will. Tut aber keiner.
Wolfgang K
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Re: Karikaturisten kotzen auf alle ihre neuen Freunde

Beitrag von Wolfgang K »

Hier noch mal was aus Tunesien zum Thema:
http://www.dw.de/grenzen-der-kunst-in-t ... v-18242027

Die Ausstellung von -Z- in Paris ist ohne Zwischenfälle gelaufen. Todesdrohungen hat er (natürlich) häufiger bekommen als sonst.

Aber der Kampf Esprit gegen Dummheit geht weiter. Die nächste Ausstellung ist in Tunis. (wird sogar ganz kurz im DW Beitrag erwähnt). vor zwei Jahren wäre das Selbstmord gewesen. Um verhaftet zu werden könnte es aber immer noch reichen.

Viele andere wirklich gute Sachen hier: http://www.yakayaka.org

Mein Highlight der letzten Zeit:
Bild


Grüße
Wolfgang
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