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Provokationen: Griechenland und die neue Regierung

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Re: Provokationen: Griechenland und die neue Regierung

Beitragvon Wolfgang K » 08.07.2015 11:25

Trotz Spekulationen um einen Austritt aus der Währungsunion und eine drohende komplette Staatspleite kommt Griechenland weiter zumindest kurzfristig an Geld. Das Land hat sich an diesem Mittwoch gut 1,6 Milliarden Euro geliehen, in dem es sechs Monate laufende Schuldtitel ausgegeben hat, teilte die griechische Schuldenagentur PDMA nach Angaben des griechischen Rundfunks mit.

Quelle: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/e ... 91790.html

Was ist nicht verstehe: wer kauf das?

Ich bin bei den in den letzten Wochen abgesetzten Anleihen davon ausgegangen, dass es die Griechischen Banken selbst sind, die mit ELA Geld dort zugreifen. Derzeit kann ich mir das aber nicht vorstellen.

Weiß jemand wer da "investiert" hat?

Grüße
Wolfgang
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Re: Provokationen: Griechenland und die neue Regierung

Beitragvon Canadier » 08.07.2015 13:46

Was ist eigentlich mit den Menschen in Griechenland?
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Re: Provokationen: Griechenland und die neue Regierung

Beitragvon Turi » 08.07.2015 15:04

jeder hat profitiert, jeder in dem mass was ihm moeglich war,
im uebrigen wie bei uns auch.
nur haben die reichen ihr schaefchen im trockenen, das normale volk zahlt nun die zeche.
gruss turi
Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es umsonst, sie anderswo zu suchen!
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Re: Provokationen: Griechenland und die neue Regierung

Beitragvon Guido3 » 08.07.2015 16:54

Wolfgang K hat geschrieben:Was ist nicht verstehe: wer kauf das?


Habe ich mich auch gefragt. Laut Reuters haben die Banken, die bisher T-Bills mit Ablaufdatum 10.07. hielten, auf die Auszahlung am 10.07. verzichtet und einfach wieder die neuen Papiere gezeichnet. Da Griechenland auch die Summe der T-Bills seit einiger Zeit nicht mehr erhöhen darf, drehen die sich da auch nur noch im Refinanzierungkreis, ohne so zusätzliche Liquidität zu bekommen.

Hätten die Inhaber der T-Bills mit Ablaufdatum 10.07. auf Auszahlung bestanden, dann hätte es wahrscheinlich auch den Default Griechenlands gegenüber privaten Gläubigern gegeben und die EZB hätte wohl zwingend die ELA-Kredite untersagen müssen. Das ganze Spiel wäre unverzüglich aus. Diese Konstruktionen sind wahrscheinlich auch der Grund, warum immer wieder vor dem Graccident gewarnt wurde. Halten Banken nicht mehr still und spielen bei so einer T-Bill-Refinanzierungsrunde nicht mehr mit, dann "isch over" - unabhängig von allen Verhandlungen in Brüssel.
http://www.reuters.com/article/2015/07/ ... 0I20150708

Beste Grüße

Guido
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Re: Provokationen: Griechenland und die neue Regierung

Beitragvon Kuno » 08.07.2015 17:00

Canadier hat geschrieben:Was ist eigentlich mit den Menschen in Griechenland?


Die meisten sind noch da.
Und etwa 60% von ihnen haben erst vor ein paar Tagen recht eindrücklich und unmissverständlich ihre Zustimmung zu der Vorgehensweise der Regierung gegeben.

Die meisten sind noch dort - müsste ich eigentlich sagen- aber dank Schengenabkommen und Personenfreizügigkeit könnten die Griechen wahrscheinlich auch problemlos in eines der anderen "Schengenländer" umziehen... wo sie dann eigentlich auch etwas Geld zum Lebensunterhalt bekommen müssten; oder sehe ich das ganz falsch?
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Re: Provokationen: Griechenland und die neue Regierung

Beitragvon Wolfgang K » 08.07.2015 17:08

Laut Reuters haben die Banken, die bisher T-Bills mit Ablaufdatum 10.07. hielten, auf die Auszahlung am 10.07. verzichtet und einfach wieder die neuen Papiere gezeichnet


Das dürfte die Erklärung sein.
Das klingt auch aus Sicht der Gläubiger sinnvoll. Man verschiebt damit einfach die wahrscheinliche Abschreibung, bzw. hofft sich bis zu einer Besserung durch zu hangeln.
Dann ist allerdings der FAZ Beitrag grob daneben, da hier von „frischem Geld“ gesprochen wird welches fließen soll.

Danke und Grüße
Wolfgang
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Re: Provokationen: Griechenland und die neue Regierung

Beitragvon PeterM » 09.07.2015 16:32

Ad Personenfreizügigkeit: Aus dem EWG-Erbe heraus gilt die dann, wenn
a) der Betrffende erwerbstätig ist
b) der Betreffende eine Ausbildung absolviert, krankenversichert ist und Unterhalt gaubhaft macht, oder
c) der Betreffende (als "Privatier") Versicherung und Unterhalt nachweist

Soo offen ist Europa also nicht mal intern

Grüsse
Peter
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Re: Provokationen: Griechenland und die neue Regierung

Beitragvon Canadier » 09.07.2015 20:28

Hier mal die Sicht von Dirk Müller auf das Thema .... sooo verkehrt liegt er da nicht.

http://www.handelsblatt.com/video/finan ... 02718.html
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Re: Provokationen: Griechenland und die neue Regierung

Beitragvon Lothar » 10.07.2015 17:33

Nicht schlecht,

... es gibt viele, die so klare Worte (in diesem Falle von D. Müller) nicht gerne hören oder nicht vertragen können.

Da kommt dann schnell die Diffamierungskeule : Rechtsradikal, linksradikal, Verschwörungstheoretiker, Populist, xxx-Versteher etc.

Leute (wie z.B. auch Folker Hellmeyer) die sich mit den Finanzmärkten beschäftigen oder dort tätig sind/waren, scheinen irgendwie ein gutes Verständnis für das Weltgeschehen zu haben. Liegt es vielleicht daran, dass das Weltgeschehen eben massgeblich von den Finanzmärkten bestimmt wird ?!

Gruss

Lothar
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Re: Provokationen: Griechenland und die neue Regierung

Beitragvon Wolfgang K » 13.07.2015 13:28

Wider Erwarten scheint es doch noch zu gelingen das Problem zu retten. :roll:
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Re: Provokationen: Griechenland und die neue Regierung

Beitragvon Canadier » 13.07.2015 17:00

Ja das Problem wird gerettet - es bleibt erhalten. Leider wird nix gelöst. Es gibt wieder etwas Aufschub, während dessen sich die Situation der Griechen vermutlich nicht verbessern wird.
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Re: Provokationen: Griechenland und die neue Regierung

Beitragvon Lothar » 13.07.2015 18:30

Die Mehrheit aller Betroffenen ist zufrieden ..........

Die pfiffigen Griechen tanzen Zirtaki auf ihren Jachten und geniessen weiter ihr süsses Leben.
Auf den Marmortischen liegen die neuesten Verkaufsprospekt von Audi, BMW, Daimler und Porsche. In der Amtsstube für die Beschaffung von Wehrmaterial sitzen sicher schon ein paar Herren, die über die Ausstattungsoptionen eines neuen Leopard 3 diskutieren.

Plopp, Plopp, Plopp - In den Chef- und Vertriebsetagen der Deutschen Wirtschaft knallen die Sektkorken. Juhuu, die Griechen sind wieder liquide ! Auf nach Griechenland, es winken wieder volle Auftragsbücher.

An der Wallstreet und bei Blackrock ziehen die Golden Boys ein paar Extralinien Koks auf den Erfolg, fliessen doch weiterhin Milliardenbeträge an Gewinnen aus deutschen Unternehmen herüber, in die man sich ja mit selbstgedrucktem Monopolygeld eingekauft hat. Einfacher und risikoloser kann man keine Kohle machen - also noch ´ne Linie gezogen .....

Ich werden morgen mal bei einem Lebensmittelchemiker anfragen, wie lange Lebensmittel in Konservendosen haltbar sind. Habe mich entschlossen, meine Altersvorsorge von Euro auf Königsberger Klopse in Dosen umzustellen.

Gruss
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Re: Provokationen: Griechenland und die neue Regierung

Beitragvon Wolfgang K » 14.07.2015 10:14

Naja,

wenn man sich mal die Positionen der politischen Strömungen in den Eurostaaten anschaut, dann würde ich sagen, dass diejenigen, denen man eher „Wirtschaftsnähe“ nachsagt die größten Schmerzen mit jeglichem Abkommen haben. Und alle Anderen die rechnen können. Diejenigen die sich eher „wirtschaftsfern“ (was auch immer das sein mag :mrgreen: ) geben hätten das Geld ja lieber ohne weitere Bedingungen schon direkt freigegeben und finden die Bedingungen ja ganz, ganz furchtbar ungerecht. Da passt also was nicht.

Dass an den Börsen jetzt wieder Kurse steigen ist der kurzfristigen und vorläufigen(!) Abwendung von Turbulenzen geschuldet. Insgesamt ist diese weitere Verschleppung des Problems ein wirtschaftliches Desaster. Und: „Börse“ und „Wirtschaft“ bei Leibe nicht das gleiche.

Die pfiffigen Griechen tanzen Zirtaki auf ihren Jachten und geniessen weiter ihr süsses Leben.
Auf den Marmortischen liegen die neuesten Verkaufsprospekt von Audi, BMW, Daimler und Porsche


Die pfiffigen Griechen, die sich das noch leisten können haben die Kohle schon lange in Sicherheit.
Die Party ist für den „Durchschnittsgriechen“ auf absehbare Zeit vorbei und die Audi, BMW und sonstwas Prospekte können sie erst mal in die Schublade legen. So oder so. Man wird irgendwann davon leben müssen was man erwirtschaftet.

Grüße
Wolfgang
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Re: Provokationen: Griechenland und die neue Regierung

Beitragvon Canadier » 14.07.2015 12:11

Wolfgang K hat geschrieben:
Dass an den Börsen jetzt wieder Kurse steigen ist der kurzfristigen und vorläufigen(!) Abwendung von Turbulenzen geschuldet. Insgesamt ist diese weitere Verschleppung des Problems ein wirtschaftliches Desaster. Und: „Börse“ und „Wirtschaft“ bei Leibe nicht das gleiche.


Exakt, so ist es. Dauerhafte Konkursverschleppung, die Eurokraten gewinnen halt wieder etwas Zeit. Es gibt keine Problemlösung.
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Re: Provokationen: Griechenland und die neue Regierung

Beitragvon Lothar » 14.07.2015 20:12

#Wolfgang

Wolfgang hat geschrieben:wenn man sich mal die Positionen der politischen Strömungen in den Eurostaaten anschaut, dann würde ich sagen, dass diejenigen, denen man eher „Wirtschaftsnähe“ nachsagt die größten Schmerzen mit jeglichem Abkommen haben


Mein Eindruck war:

Ökonomen waren eher „pro Grexit“, während Vertreter der Industrie eher für einen Verbleib in der EURO-Zone plädierten. Die beiden Fraktionen muss man schon auseinanderhalten.
In wie weit ein Grexit von den politischen Protagonisten verhandlungstaktisch genutzt wurde, vermag ich nicht zu beurteilen.

Ich denke, wir sind uns einig darüber, dass die Zeit, in der sich Griechenland mit billigen Euros vollgesogen hat, der (nicht nur) deutschen Exportwirtschaft sehr , sehr gut getan hat.
Warum sollte die Exportwirtschaft also etwas dagegen haben, wenn Griechenland neues Geld erhält. Ob es von Privatbanken oder - wie jetzt - von der EZB oder anderen Finanzkonstruktionen bereitgestellt wird, kann ihnen dabei doch egal sein.
Hauptsache neue Liquidität und in Euro. Liege ich da falsch ?



Wolfgang hat geschrieben:Dass an den Börsen jetzt wieder Kurse steigen ist der kurzfristigen und vorläufigen(!) Abwendung von Turbulenzen geschuldet. Insgesamt ist diese weitere Verschleppung des Problems ein wirtschaftliches Desaster. Und: „Börse“ und „Wirtschaft“ bei Leibe nicht das gleiche.

Da stimme ich uneingeschränkt zu, sollte sich deine Aussage jedoch auf meinen (leicht provokanten :mrgreen: ) Beitrag beziehen - zu Börsenkursen haben ich mich nicht geäussert.


Wolfgang hat geschrieben:Die pfiffigen Griechen, die sich das noch leisten können haben die Kohle schon lange in Sicherheit.


Na klar, dem widerspreche ich nicht, aber willst du damit andeuten, dass sie jetzt möglicherweise glauben, genug Kohle abgegriffen zu haben und der nächsten Versuchung (3. Hilfspaket) aus moralischen Gründen widerstehen ?? Ich vermute mal, das glaubst du nicht .....


Wolfgang hat geschrieben:Die Party ist für den „Durchschnittsgriechen“ auf absehbare Zeit vorbei und die Audi, BMW und sonstwas Prospekte können sie erst mal in die Schublade legen. So oder so. Man wird irgendwann davon leben müssen was man erwirtschaftet

Ja, für den griechischen Durchschnittbürger bleibt es eng, für die übrigen Durchschnittsbürger in der Euro-Zone wird es noch eng.

In unserem Finanzsystem wandert das Geld von „unten“ nach „oben“.
Vor 30 Jahren waren Arbeiter „unten“, Millionäre „oben“
Heute sind für die Milliardäre bereits die Millionäre „unten“
in nicht fernen Zukunft sind für die Multi-Milliardäre die einfachen Milliardäre „unten“.

Diese Aussage entspringt nicht einer ideologischen Verblendung, sondern ist die finanzmathematische Konsequenz unseres Zinseszins-Systems.

Ich fürchte daher, wir brauchen nicht nur zur Stabilisierung Griechenlands immer höhere Beträge; sondern alle nach „westlichem“ Modell gestrickten Wirtschaften benötigen immer größere Beträge zu ihrer Stabilisierung.

In so fern muss man möglicherweise doch mal über Schulden/Verschuldung/Schuldenschnitte und Vermögen grundsätzlich nachdenken - nicht aus ideologischen, sondern finanzmathematischen Gründen - und zur Klarstellung - mir bereiten solche Gedanken kein Vergnügen, sondern eher Schweissausbrüche .... :kotz:

Gruss
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