Die Kaffeefahrt oder ein tunesisches Reisemärchen

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen: Reiseberichte zum Informieren und Träumen, fotografisch dokumentiert. In diesem Forum findet ihr Reiseberichte als "Fotostreckenführer" zu interessanten Reisewegen.

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Mia
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Re: Die Kaffeefahrt oder ein tunesisches Reisemärchen

Beitrag von Mia »

Fortsetzung
Unermüdlich waren sie jede Erhebung herauf und herunter geklettert. Das war steinhart für Mensch und Gefährt. Als die Courage unsere Kameraden verlassen wollte, näherten sie sich einem unscheinbaren Sandhügel.
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Sie stoppten die Motoren. Winston, Gustav und Lukas mussten zurückbleiben.
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Wildrose, die Schamanin mit dem unerschöpflichen Wissen über Mensch, Pflanze und Getier, konnte die ersten Scherben als römische Hinterlassenschaft identifizieren.
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Fortzetzung folgt
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Alexander
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Re: Die Kaffeefahrt oder ein tunesisches Reisemärchen

Beitrag von Alexander »

Mia hat geschrieben:Wildrose, die Schamanin mit dem unerschöpflichen Wissen über Mensch, Pflanze und Getier, konnte die ersten Scherben als römische Hinterlassenschaft identifizieren.
Über die zahlreich herumliegenden Scherben habe ich mich auch schon gewundert. Den Gedanken hatte ich schon, dass einiges aus der Römerzeit stammen könnte. Aber so viele Scherben? Weiß jemand Genaueres darüber?

Grüsse
Alexander
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Kuno
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Re: Die Kaffeefahrt oder ein tunesisches Reisemärchen

Beitrag von Kuno »

Kaputter Geschirrladen.
Alexander
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Re: Die Kaffeefahrt oder ein tunesisches Reisemärchen

Beitrag von Alexander »

Kuno hat geschrieben:Kaputter Geschirrladen.
Oder römischer Polterabend
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Mia
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Re: Die Kaffeefahrt oder ein tunesisches Reisemärchen

Beitrag von Mia »

Fortsetzung
Unter den angewehten Sandmassen waren vereinzelte Mauerreste zu erkennen.
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Fortsetzung folgt
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Mia
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Re: Die Kaffeefahrt oder ein tunesisches Reisemärchen

Beitrag von Mia »

Fortsetzung
........und noch mehr Scherben............
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Vielleicht könnte bitte Regula Steinhauser, eine Archäologin, ja mal einen Blick auf die Bilder werfen um Wildrose mit ihrem Urteil tatkräftig zu unterstützen :?: :?: :?:
Fortsetzung folgt
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Regula St.
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Re: Die Kaffeefahrt oder ein tunesisches Reisemärchen

Beitrag von Regula St. »

Alexander hat geschrieben: Über die zahlreich herumliegenden Scherben habe ich mich auch schon gewundert.
Mia hat geschrieben:Vielleicht könnte bitte Regula Steinhauser, eine Archäologin, ja mal einen Blick auf die Bilder werfen um Wildrose mit ihrem Urteil tatkräftig zu unterstützen :?: :?: :?:
Hallo Mia, hallo Alexander

die Scherben sind römisch; auf den ersten Blick hat es da sicher schon mal sog. Terra sigillata dabei (die Stücke mit dem leicht glänzenden, feinen roten Überzug und den scharfen Kanten, sind üblicherweise klingend hart gebrannt). Dann hat es aber auch lokal hergestellte Ware (Vorratsgefässe, Kochtöpfe, ohne Überzug, häufig grautonig, manchmal auch orange) und — wie's aussieht — auch Amphorenbruchstücke.

Zur Menge: Seit ich mich mit den Römern befasse, wundere ich mich, im Gegensatz zu Asterix & Co., über fast gar nichts mehr 8) Man kann die Römer als die "erste Wegwerfgesellschaft der Weltgeschichte" bezeichnen, vergleichbar mit der McDo-Gesellschaft heute :mrgreen: Keramik war allgegenwärtig; das feine Tafelgeschirr (eben die Terra sigillata) wurde in riesigen Manufakturen arbeitsteilig fast wie am Fliessband hergestellt. Es gibt aus einigen dieser Grosstöpfereien sogar Listen, welche Töpfer in einer bestimmten Zeit wieviele Schüsseln/Teller/Schälchen hergestellt haben: da kommen Werte von Tausenden zusammen. Wenn man das mal hoch rechnet (während des 1. bis 5. Jahrhunderts gab es Manufakturen in Südfrankreich, Mittelfrankreich, Ostfrankreich und Nordafrika, dann aber auch im Osten), müssen Millionen von Geschirrteilen hergestellt worden sein... :shock:
Dazu kommt noch, dass die viel billigere Gebrauchskeramik lokal produziert wurde: In jeder römischen Siedlung gab es Töpferwerkstätten mit den entsprechenden Brennöfen, allerdings wegen der Feuergefahr meist am Siedlungsrand. Amphoren wurden übrigens häufig an jenem Ort hergestellt, wo auch der Inhalt produziert wurde...

Abnehmer für diese Produktion waren natürlich überall zu finden, auch und gerade im militärischen Bereich (und darum dürfte es sich, wenn ich mir die Fotos so anschaue, ja auch handeln). Die Legionäre hatten ihren Sold und setzten den auch um. Und wenn etwas kaputt ging, schmiss man es einfach fort und besorgte sich was Neues...
Alexander hat geschrieben:...römischer Polterabend
trifft es fast. :lach:

Das (Klein-?)kastell mit den vielen Scherben liegt ja offenbar im Wüstenbereich, d.h. im Gebiet des nordafrikanischen Limes. Damit dürfte es ganz grob in das späte 2. bis ins 5. Jahrhundert zu datieren sein. Die Steinbearbeitung und die Löcher in den Steinen für die Verbindungsstücke aus Eisen/Blei passen übrgens ebenfalls bestens in die römische Zeit.

LG Regula
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Re: Die Kaffeefahrt oder ein tunesisches Reisemärchen

Beitrag von Mia »

Danke Regula, Du bist ein Goldstück
LG Mia
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Kuno
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Re: Die Kaffeefahrt oder ein tunesisches Reisemärchen

Beitrag von Kuno »

Mia hat geschrieben:Danke Regula, Du bist ein Goldstück
Womit wir dann bei den Muenzen waeren.
Mia
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Re: Die Kaffeefahrt oder ein tunesisches Reisemärchen

Beitrag von Mia »

Fortsetzung
Der Kaffeevorrat neigte sich dem Ende. Das hatte gesundheitliche Konsequenzen. Bei allen Reisenden brach das Howard-Carter-Fieber aus, verwegen machten sie sich auf die Spurensuche weiterer antiker Ruinen. Überraschend schnell standen sie neuerlich vor Mauerresten.
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Dateianhänge
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Mia
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Re: Die Kaffeefahrt oder ein tunesisches Reisemärchen

Beitrag von Mia »

Fortsetung
Und etwas später vielleicht sogar vor einem Rest des Limes?
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:?: :?: :?:
Fortsetzung folgt
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Regula St.
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Re: Die Kaffeefahrt oder ein tunesisches Reisemärchen

Beitrag von Regula St. »

Mia hat geschrieben:Fortsetung
Und etwas später vielleicht sogar vor einem Rest des Limes?
:?: :?: :?:
Passt schon... Der nordafrikanische Limes war über weite Strecken nicht eine Mauer wie der obergermanisch-rätische Limes, sondern eher eine symbolische Grenze. Er diente v.a. dazu, die Karawanenwege zu kontrollieren. Im Frühjahr und Sommer durften ihn die südlich wohnenden Stämme mit ihren Tieren nicht überqueren; im Herbst nach der Getreidernte waren sie dann aber jeweils willkommen: Die Tiere frassen die Stoppeln ab und düngten gleichzeitig die Felder...

LG Regula
Mia
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Re: Die Kaffeefahrt oder ein tunesisches Reisemärchen

Beitrag von Mia »

Fortsetzung
Dunkle Gewitterwolken standen inzwischen am Himmel und bald danach fiel Regen,
der zur Sturzflut anschwoll und unsere Gefährten aus der Wüste spülte.
Sie flüchteten in die Berge nach Norden, rastlos wurden die Stahl- und Alugefährten über Stock und Stein gejagt, bis sie in einem Olivenhain Zuflucht fanden.
Ein wolkenlos blauer Himmel mit einer lachenden Sonne zeigte sich, als sie aus ihren teils wunderlichen Unterständen krochen.
Sie sattelten ihre Rucksäcke und machten sich per pedes auf zu einer steinharten Wanderung in die Berge.
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Der Versuch, den Himmel auf Erden zu verwirklichen, produziert stets die Hölle. (Karl Popper)
Alexander
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Re: Die Kaffeefahrt oder ein tunesisches Reisemärchen

Beitrag von Alexander »

Nochmal zurück zu den Scherben.
Ich gehe davon aus, sollte am Ksar vor einigen Jahrhunderten ein Krug zu Bruch gegangen sein, dass die Scherben heute noch, mehr oder weniger, vollständig herumliegen. Hat sich schon mal jemand die Mühe gemacht, so einen Krug, Teller, oder was auch immer wieder zusammen zubauen? Ich kann mir vorstellen, dass es für einen Experten einfacher sein könnte, da er/sie die einzelnen Scherbentypen besser auseinander halten kann.

Grüsse
Alexander
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Regula St.
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Re: Die Kaffeefahrt oder ein tunesisches Reisemärchen

Beitrag von Regula St. »

Alexander hat geschrieben:Nochmal zurück zu den Scherben.
Ich gehe davon aus, sollte am Ksar vor einigen Jahrhunderten ein Krug zu Bruch gegangen sein, dass die Scherben heute noch, mehr oder weniger, vollständig herumliegen. Hat sich schon mal jemand die Mühe gemacht, so einen Krug, Teller, oder was auch immer wieder zusammen zubauen? Ich kann mir vorstellen, dass es für einen Experten einfacher sein könnte, da er/sie die einzelnen Scherbentypen besser auseinander halten kann.
Hallo Alexander

prinzipiell ist Deine Überlegung richtig. Das Problem ist, dass da eben nicht nur jeweils ein, sondern Dutzende bis Hunderte von den Dingern zu Bruch gegangen sind. Ausserdem sind während der letzten 1800 Jahre Menschen und Tiere darauf herumgetrampelt und haben, wenn ihnen das Zeug im Weg lag, es einfach weggekickt. Das bedeutet folgendes: Man müsste mehrere aneinandergrenzende Flächen ausgraben, das Material danach waschen, anschreiben, auf grossen Tischen auslegen und anpassende Scherben suchen.
Da die Römer aber ihre Keramikproduktion weitgehend standardisiert hatten, reicht bei unverzierter Keramik üblicherweise eine etwas grössere Randscherbe aus, um die Form und damit die Zeit bestimmen zu können. Dies gilt v.a. für die unverzierte Terra sigillata. Bei der reliefverzierten Ware gab es ebenfalls Standardtypen, da sie in sog. Formschüsseln hergestellt wurden (eine Hohlform mit eingestempelten Motiven, in die die Schüsselgrundform hineingedreht wurde). Einen guten Einblick geben folgende Webseiten: http://de.wikipedia.org/wiki/Terra_Sigillata und http://www.antike-tischkultur.de/keramiks.html
Das Zusammenbauen ist übrigens nicht so einfach :evil: : Das Zeug muss mit einem wieder lösbaren Leim geklebt werden, der eine gewisse Trocknungszeit braucht. In dieser Zeit können sich zwei geklebte Scherben (auch wenn sie in einem Sandbett fixiert wurden), leicht gegeneinander verschieben bzw. leicht gegeneinander kippen. Und wenn man danach weiter baut, stimmt es irgendwann überhaupt nicht mehr und man darf von vorne anfangen :twisted: Mal ganz davon abgesehen, dass die Leimschicht selbst ja auch schon eine bestimmte Dicke hat, auch wenn sich diese im Zehntel-Millimeter-Bereich bewegt... Noch schlimmer ist die lokal hergestellte Keramik, die meist schlecht gesintert ist: da löst sich die Leimschicht ab und nimmt gleich noch eine Lage Ton mit. Ich habe da auch schon entnervt aufgegeben... :bang:

LG Regula
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