Sri Lanka, die Träne Indiens

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WolfgangA
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Sri Lanka, die Träne Indiens

Beitrag von WolfgangA »

Nach meinem Wüstenschiff-Debut im letzten Jahr habe ich diesmal keine Ahnung, wie ich mein aktuelles Reiseziel mit Wüste in Verbindung bringen soll. Vielleicht weil ich nun im Herkunftsland vieler in Arabien beschäftigter Fremdarbeiter bin? Oder weil ich mittnächtlich an einer meiner letztjährigen Stationen Flugzeuge wechsle? Nein, das ist alles an den Haaren herbei gezogen, diese tropisch schwüle, üppig grüne, Monsun-beregnete Insel hat überhaupt nichts mit Wüste zu tun. Aber wenn mich Admins und Wüstenpuristen gewähren lassen, liefere ich gerne die nächsten Tage wieder ein bisschen Lektüre für's Fernweh.

Katarische Organisationskunst schwächelt etwas. Der code-gesharte Oman-Airbus steht ganz weit draußen, der Zubringerbusfahrer verfranst sich am Hamad International Airport in Doha hoffnungslos. Dem Gepäckfahrer muss ähnliches wiederfahren sein, in Colombo reihe ich mich in die lange Schlange vor dem Lost-Baggage-Schalter ein.

Ich bin gerne unabhängig und miete daher wider den Rat von schon dagewesenen Freunden ein Auto(lein) zum Selberfahren. Bisher kann ich es schadensfrei auf der "falschen" Straßenseite zwischen Zweirädern, Dreirädern, Kühen und Kamikaze-Bussen hindurch bugsieren. Schnell voran geht es eh nicht.

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Erster Stop zum Ankommen, Körper auf Tropentemperatur bringen und ungeduldig auf den Koffer warten ist das Städtchen Negombo gleich beim Airport mit holländischer Kolonialgeschichte, Kirchen, einem langen Strand mit Resorts ebenso wie Backpacker-Hostels, und einem bemerkenswerten Fischmarkt.

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Unzählige frisch gefangene Fische werden direkt am Strand auf Kokosmatten drei Tage lang getrocknet, um als Trockenfisch in alle Welt verschifft zu werden, wie ich mir für ein Bakschisch sagen lasse.

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Ich habe ein Gespür für Timing und komme unwissentlich am singhalesischen Neujahrsfest an. Die Feiernden vergnügen sich am Strand.

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Oder fahren Riesenrad mit Muskelantrieb.

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WolfgangA
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Re: Sri Lanka, die Träne Indiens

Beitrag von WolfgangA »

Die Neujahrsfeiertage sorgen für leere Straßen, worüber ich nicht böse bin. Für 150 Kilometer zum Wilpattu Nationalpark brauche ich trotzdem 3 Stunden.

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Expectation Management nennt man das wohl neudeutsch.

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Aber das sonstige Getier und die paradiesische Natur lohnen dennoch den teuren Nationalparkeintritt und den Safaripreis.

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Ist da was? Nein, leider Fehlalarm.

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Oder doch?

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Das Safariglück ist mir hold.

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Sogar einen Lippenbär gibt es als Zugabe dazu.

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Uwe Schmitz
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Re: Sri Lanka, die Träne Indiens

Beitrag von Uwe Schmitz »

hallo wolfgang,
schön, wieder interessantes von dir zu lesen!
bist du etwa mit deinem kleinen roten geschoß auf solchen wegen wie da wo das tüpfeltier läuft gefahren? dann waren die vielen toyotafahrer wohl etwas irritiert ...
schreib weiter! :h:
wünscht sich und grüßt
uwe
WolfgangA
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Re: Sri Lanka, die Träne Indiens

Beitrag von WolfgangA »

Natürlich nicht, ich saß schon auch in so einem Toyota :lol:
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Cheldon
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Re: Sri Lanka, die Träne Indiens

Beitrag von Cheldon »

Soviel Glück hatten wir auf unseren Reisen nach Ceylon nicht. Mein Kätzchen habe ich im Pantanal fotografiert.
Ich freue mich auf deine Erlebnisse und Fotos.
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Mit freundlichen Grüßen
Rolf
WolfgangA
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Re: Sri Lanka, die Träne Indiens

Beitrag von WolfgangA »

Auf der Landkarte ähnelt die Insel einem Wassertropfen oder einer Träne und hat eine tränenreiche Geschichte, insbesondere der 25-jährige Bürgerkrieg in jüngerer Zeit mit geschätzten 100.000 Todesopfern zwischen nach Unabhängigkeit strebenden hinduistischen Tamilen aus dem Norden und Osten und der Armee der buddhistischen singhalesischen Bevölkerungsmehrheit im Südwesten und in der Mitte (Muslime und Christen gibt es auch). Die Tamilen wurden 2009 besiegt und es ist Ruhe eingekehrt. Ob von Dauer?

Beide Bevölkerungsgruppen sind vor langer Zeit von Indien eingewandert. Die Legende weiß: Vijaya, auf die Insel vertriebener indischer Prinz mit einem Löwen als Großvater, wurde im 6. Jh. v. Chr. der Stammvater der Singhalesen (Singh = Löwe). Er holte sich eine Prinzessin und Ehefrauen für seine Soldaten aus dem südindischen Königreich Tamil Pandya. Somit hätten eigentlich alle Bewohner Vorfahren aus beiden Stämmen und keinen Grund für einen Konflikt.

Anuradhapura war von 300 v. Chr. bis 1000 n. Chr. die Hauptstadt des singhalesischen Königreichs. Die vielen Dagobas (Stupas) und Tempelruinen aus jener Zeit bieten Buddha in Überdosis, und sorgen für heiße wunde Füße (weil Schuhe auszuziehen sind und die Pflastersteine und Kieselsteine von der Sonne gefühlt auf Herdplattentemperatur aufgeheizt sind).

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Mit der Farbenpracht, den Opfergaben und der inbrünstigen Anbetung kann kein katholischer Wallfahrtsort mithalten.

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Die Jethawanaramaya-Dagoba war zu ihrer Zeit das drittgrößte Bauwerk der Welt, nach den ägyptischen Pyramiden.

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Der Bodhibaum entstammt einem Ableger des Baumes, worunter Buddha in Bodhgaya in Indien seine Erleuchtung erlangt hat, und ist mit 2300 Jahren angeblich der älteste von Menschen gepflanzte und gehegte Baum. Goldene Stützen sichern seine Äste.

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Abends werden unter Getrommel endlos lange Stoffbahnen herbeigetragen und um das Heiligtum gewickelt.

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Das Gebaren ist mir fremd, aber die mystische Stimmung und die freundlichen Menschen sind ein tiefes Erlebnis.

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WolfgangA
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Re: Sri Lanka, die Träne Indiens

Beitrag von WolfgangA »

Noch mehr Buddha heute. Auf einem Berg bei Mihintale, 13 Kilometer östlich von Anuradhapura, hat Mahinda, Sohn des indischen Kaisers Ashoka, den hiesigen König Devanampiya Tissa (warum kann ich mir nur diese Namen nicht merken?) im Jahre 247 v. Chr. bei der Jagd getroffen, ihm die Lehren Buddhas nahegebracht und somit den Ursprung des Buddhismus in Sri Lanka gelegt. Mahindas Schwester brachte genannten Ableger des Bodhi-Baumes aus Bodhgaya mit.

Nach einigen hundert schweißtreibenden Steinstufen, immerhin von einer schattenspendenden Allee gesäumt, ist ein Plateau erklommen, wo der Ort des Geschehens von der zweitältesten Dagoba des Landes markiert wird.

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Kind und Kegel, und ein paar Touristen erklettern barfuß weitere abenteuerliche Steinstufen hinauf zum Meditationsfelsen,

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von wo man weit in die Landschaft blickt und den Sonnenuntergang und das aufziehende Gewitter bestaunen kann.

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WolfgangA
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Re: Sri Lanka, die Träne Indiens

Beitrag von WolfgangA »

Beim Blättern durch die lokalen Medien bin ich auf eine sehr unselige Verbindung zwischen Sri Lanka und meinem letztjährigen Reiseziel gestoßen: https://www.dailymirror.lk/top_story/UN ... 155-257559

Frauen werden von sri-lankischen Schleppern mit Versprechungen auf gute Anstellung in die VAE und den Oman gelockt, werden dort aber auf Auktionen verschachert in Sklavenverhältnisse mit mangelhafter Verpflegung und Unterbringung bis hin zu erzwungenen sexuellen „Dienstleistungen“.

90 davon konnten in der ski-lankischen Botschaft im Oman unterschlüpfen, um dort vom zuständigen Diplomaten erneut zu sexueller Willigkeit erpresst zu werden. Wegen abgenommenem Pass und lang überzogenem Touristenvisum, wofür sie die hohe Strafe im Leben nie bezahlen können, hängen sie fest. Der Diplomat wurde inzwischen verhaftet, aber zuhause in Sri Lanka auf Kaution freigelassen.

Man will an der Welt verzweifeln und bemerkt, dass von Buddha gepredigte Entsagung von weltlicher Gier und im Koran formulierte Ethik und Moral nicht überall auf fruchtbaren Boden gefallen sind. Die weißesten Dagobas und die prunkvollsten Moscheen schaffen es offensichtlich nicht, die Menschen menschlicher zu machen.

(Nicht falsch verstehen, die Aufzählung der Gotteshäuser kann man beliebig fortführen und das Thema generalisieren, ich wollte beim konkreten Fall bleiben.)
sysiphus
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Re: Sri Lanka, die Träne Indiens

Beitrag von sysiphus »

WolfgangA hat geschrieben:
Di 18. Apr 2023, 16:26

Man will an der Welt verzweifeln und bemerkt, dass von Buddha gepredigte Entsagung von weltlicher Gier und im Koran formulierte Ethik und Moral nicht überall auf fruchtbaren Boden gefallen sind. Die weißesten Dagobas und die prunkvollsten Moscheen schaffen es offensichtlich nicht, die Menschen menschlicher zu machen.


Ich finde es sehr gut, dass Du Dir diese Gedanken machst! Es gibt leider keine überzeugende kognitive Erklärung für die menschliche Hybris, die Dich da irritiert.

Vielleicht findet man noch eher eine optimistische Antwort, wenn man bedenkt, dass die beeindruckenden Monumente ohne die geistige (manchmal auch mystische) Substanz - die es also immer geben kann - der Planer/Erbauer nie entstanden wären. Als sie gingen, blieb zumindest diese “Hülle”, die ja nun auch nach Generation noch sehr deutlich sprechen kann. (Was übrigens für fast alle Manifestationen der Kunst gilt.)

Festgelegt und gesichert ist damit aber schon deshalb nichts, weil unsere Existenz keine Folge in einer linearen Entwicklung sein kann. Wäre es anders, dann wären wir Sklaven ohne eigene Wahl….
WolfgangA
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Re: Sri Lanka, die Träne Indiens

Beitrag von WolfgangA »

Ich hielte die Menschheit nicht für versklavt, wenn alle (alle!) einem ethischen Grundkonsens folgten, der gerne durch Religionen aber auch durch die UN-Menschenrechtscharta definiert und mittels Symbole, Bauwerke, Schriften, Zeremonien illustriert, kommuniziert und überliefert werden kann.

Aber zurück zum Reisebericht und gleich erneut zur Religion.

Bei den Hindus geht es weniger kontemplativ zu als bei den Buddhisten.
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Trincomalee an der Ostküste wird von den Tamilen dominiert. Deren Hinduismus präsentiert sich äußerst bunt.
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Auch die Fischerboote am Strand sind farbenfroh.
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Da bezahle ich viel Geld für Safaris und mühe mich mit dem Teleobjektiv, derweil laufen die Axishirsche hier frei in der Stadt umher und wollen gefüttert werden.
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Leoparden und Bären glücklicherweise nicht. Jedoch drohen andere Gefahren, wie wohl jeder noch in schlimmer Erinnerung hat.
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Ironischerweise soll der dem Gott Shiva geweihte Koneswaram-Tempel auf einem Felsvorsprung hoch über dem indischen Ozean vor Naturkatastrophen schützen.
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Vielleicht hat das 2004 deshalb nicht geklappt, weil der historische Tempel aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. bereits 1622 von den Portugiesen zerstört wurde und sich danach die Kolonialherren (Portugiesen, Holländer, Briten, Franzosen) die Klinke in die Hand gaben, bzw. gewaltsam entrissen, bevor das Fort Frederick auf der vorgelagerten Halbinsel 1795 endgültig (bis zu Sri Lankas Unabhängigkeit) britisch wurde.
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Eine Straßenszene aus Downtown Trincomalee.
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Ich entfliehe nachmittags dem Trubel und lasse mich vom Nilaveli Beach mit dem Boot zum Nationalpark Pidgeon Island bringen, deren kleine Strände mit Korallen aufgeschüttet sind. Ich schnorchle ein bisschen durchs warme Wasser und bewundere bunte Fische, bin aber für Unterwasserfotos nicht ausgerüstet.
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Abends freuen sich Anusha und Sameera, Ehepaar in meinem Alter aus Hikkaduwa, die ich gestern beim Tempel getroffen habe, über meine Gesellschaft beim Buffet-Abendessen in ihrem Resort am Uppuveli-Strand. Schon lustig, dass der deutsche Tourist im Budget-Hotel in der Stadt absteigt, und die Einheimischen im besten Haus am Platze.
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Das vielfältige Essen ist lecker, der tamilische Alleinunterhalter spielt westliche Evergreens, die Schlacht am Buffet bestreiten Franzosen, Russen und Sri-Lankaer, und ich komme gut ins Gespräch mit den beiden.
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sysiphus
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Re: Sri Lanka, die Träne Indiens

Beitrag von sysiphus »

WolfgangA hat geschrieben:
Mi 19. Apr 2023, 19:24
Ich hielte die Menschheit nicht für versklavt, wenn alle (alle!) einem ethischen Grundkonsens folgten, der gerne durch Religionen aber auch durch die UN-Menschenrechtscharta definiert und mittels Symbole, Bauwerke, Schriften, Zeremonien illustriert, kommuniziert und überliefert werden kann.

Aber zurück zum Reisebericht und gleich erneut zur Religion.


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Sicher, sicher, wissen wir doch alle, wie es zu sein hätte wenn....
Ich habe mich halt durch Deine vorangegangene Reflexion spontan verleiten lassen (und dann auch noch als einziger), auf Dein Thema etwas konkreter zu reagieren als in einem netten Reisebericht gewohnt. Soll nicht wieder vorkommen, das Schiff soll ja nicht unnötig ins Schaukeln kommen. :wink:

Leider habe ich zu spät realisiert, dass ich meinen Kommentar dann nicht mehr löschen konnte.
(Wenn die Mod's es jetzt tun würden, wäre es mir sehr recht!)
WolfgangA
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Re: Sri Lanka, die Träne Indiens

Beitrag von WolfgangA »

Schon ok, ich hab den netten Reisebericht ja selber unterbrochen, die Mods dürfen das gerne stehen lassen.
WolfgangA
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Re: Sri Lanka, die Träne Indiens

Beitrag von WolfgangA »

Zu meinem Safariglück fehlen noch die Elefanten. Auf Rat von Freunden steuere ich den Minneriya-Nationalpark an. Ein dienstbereiter Jeep-Fahrer bietet sich gleich an, der Nationalparkbeamte, bei dem der teure Eintrittspreis zu löhnen ist, rät aber ab. Es sei die falsche Saison, die Stauseen sind voll, die Elefanten versteckt oder woanders hingewandert. Gestern wurden keine erblickt. Er empfiehlt den Kaudulla-Nationalpark, 20 Kilometer entfernt. Nach ausgiebiger Mittagspause im Schatten fahre ich also dorthin, aber dort ist komplett tote Hose, noch nicht mal ein Jeep steht da, nur ein einsamer Wärter mit der Botschaft „no elephants“. Ich soll den Hurulu Eco Park versuchen, nochmal 20 Kilometer, so dass ich am Ende einen Kreis gefahren habe. Aber dort bekomme ich auf einer gut zweistündigen Fahrt im Mahindra-Jeep keine hunderte aber ein gutes Dutzend Dickhäuter im saftig grünen Schilfgras zu Gesicht und vor die Linse. Und das zum deutlich günstigeren Eintrittspreis als in den Nationalparks.
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Die restliche Stunde Weiterfahrt nach Polonnaruwa wird ereignisreich. Zuerst ein Elefant auf der Straße.
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Dann eine Begegnung mit der Polizei. Wie schon zig Male zuvor beginne ich einen Überholvorgang schon wo die Linie noch durchgezogen ist. Ein hellbraun uniformierter Arm reckt sich mir entgegen, Mist, erwischen lassen. Nach 10 Minuten geduldigem und freundlichem Beantworten erstaunter Fragen, stolzem Zeigen meines sri-lankischen Führerscheins, nickendem Anhören der Ermahnungen, Zeigen meiner Familienbilder auf dem Handy auf Frage nach Frau und Kinder, einer kurzen Androhung eines „little fine“ von 6 Euro, dann aber Beratung mit dem Kollegen lässt er mich mit guten Wünschen ziehen. Am Ende sogar eine nette Begegnung, und ich werde natürlich nie wieder eine durchgezogene Linie überfahren.

Zu guter Letzt ein Wolkenbruch.
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Nach den bisherigen eher einfachen Hotels und Gasthäusern, gegen die absolut nichts zu sagen war, gönne ich mir in Polonnaruwa nun kolonialen Luxus im EKHO Lake House aus britischer Zeit, immer noch unterhalb des Preisniveaus von Dubai im letzten Jahr. Die Royal Suite, wo 1954 Queen Elizabeth genächtigt hatte, muss es dann aber doch nicht sein, auch wenn der Gedanke lockt, in der gleichen Badewanne zu sitzen wie einst die Queen.
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WolfgangA
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Re: Sri Lanka, die Träne Indiens

Beitrag von WolfgangA »

Es wird Zeit, Buddhas Zahn ins Spiel zu bringen. In Indien wurde 800 Jahre lang Krieg um den Besitz des aus der Asche Buddhas geretteten linken Eckzahns geführt, weil der Besitzer der Zahnreliquie ein göttliches Mandat für die Herrschaft des Landes habe.

Am Ende des Konflikts wurde der Zahn nach Sri Lanka gebracht und in einer Dagoba in der Hauptstadt Anuradhapura aufbewahrt. Als Polonnaruwa im 11. Jahrhundert Anuradhapura als Hauptstadt ablöste, wurde der Zahn hierhergebracht und jeder König hat einen neuen noch schöneren Schrein dafür gebaut. 200 Jahre lang war die Stadt der singhalesische Königsitz, danach wanderte der Zahn mit mehrfachem Wechsel der Hauptstädte weiter und soll sich heute im Zahntempel in Kandy befinden, den ich selbstverständlich auch noch aufsuchen und mich von der Existenz des Zahnes vergewissern werde.

Vorerst streife ich an einem sehr heißen Tag durch die weitläufigen Ruinen von Polonnaruwa.

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Erfrischung zu Mittag. Als ich das Kokosfleisch essen will, reißt es mir ein Affe aus der Hand.

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Vor 900 Jahren aus einem Granitfels gehauene Buddhastatuen sind das Highlight des Geländes.


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Nachmittags braut sich wieder etwas zusammen.

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Im Hotelpool am See lässt es sich auch bei Gewitter aushalten und den Sonnenbrand kühlen.

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WolfgangA
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Re: Sri Lanka, die Träne Indiens

Beitrag von WolfgangA »

Nach dem kurzen Luxus-Intermezzo habe ich meinen Unterkunftslevel wieder auf das vorher übliche Niveau heruntergesetzt. Mein nettes Guesthouse liegt fußläufig zu Sri Lanka’s wohl bekanntester Sehenswürdigkeit.

Sigiriya, der Löwenfelsen, will schweißtreibend bestiegen werden.

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Prinz Kassapa, von einer Nebenfrau des Königs geboren und eigentlich ohne Chance auf den Thron, brachte im Jahre 473 seinen Vater um, riss die Königswürde an sich und erbaute sich aus Angst vor seinem Halbbruder und rechtmäßigen Thronfolger Moggallana eine Festung als Königssitz auf diesen exponierten Monolithfelsen. Die Freude war von kurzer Dauer, knapp 20 Jahre später besiegte Moggallana Kassapa und zog wieder in Anuradhapura ein. Aus Sigiriya wurde ein Kloster.

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Bin ich der Einzige, dem bei Gewitter auf Eisentreppen an einem hoch aus der Ebene ragenden Felsen nicht ganz wohl ist? Ich mache, dass ich wieder runterkomme.

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Auf halber Höhe der Westseite in überhängender Felswand sind wunderbare 1500 Jahre alte Fresken zu bewundern, da oben hinter dem Gerüst. 22 barbusige sogenannte Wolkenmädchen aus allen Teilen der Welt von Afrika über Indien, Sri Lanka bis China. Fotografieren ist leider streng verboten, Ihr müsst die Bilder googlen. Angeblich gab es mal 500 davon, die ganze Felswand hoch und runter.

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Ich schaffe es vor dem heute schon früh einsetzenden Regen wieder runter, gerate aber auf den großen Parkplatz, abseits meines Fußweges zum Guesthouse, so dass ich lieber ein Tuktuk nehme. Der Fahrer kennt eine Abkürzung auf schlammigem mit Pfützen übersätem Weg durchs Gestrüpp, was er grinsend kommentiert mit „Tuktuk-Safari“. Die Fahrt war jede Rupie wert.

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Mein Guesthouse hat einen eigenen Sunset-Felsen hinterm Haus, das wiegt allen fehlenden Luxus auf. Für ein paar Minuten lugt die Sonne vor ihrem Untergang nochmal unter den Gewitterwolken hervor und taucht den Löwenfelsen in magisches Licht.

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