Gastfreundschaft
Am frühen Morgen erreiche ich die Oase el Hayz. Mit ihren zahlreichen Quellen und Gärten bietet sie eine gute Gelegenheit, meine Wasservorräte zu ergänzen. Die erste Wasserstelle ist schnell entdeckt. Das Wasser ist klar und sauber und schmeckt erfrischend. Weit und breit ist niemand, den ich fragen könnte, also fülle ich meine Flaschen.
In der Wüste stösst man auf vielerlei Spuren. Spuren, die offensichtlich den Verursacher verraten. Andere Spuren hingegen geben Rätsel auf. Hier hat eine Schlange einen deutlichen Abdruck hinterlassen.
Die Schlange wird wohl nicht für diesen Tod verantwortlichsein. Ist es einfach verendet, was war die Ursache. Ich bin mir sicher, dass mich zwischen den Oasen nicht das gleiche Schicksal ereilen wird.
Am Vormittag suche ich im Schatten eines verlassenen Gebäudes etwas Ruhe. Kaum habe ich meinen Rucksack abgelegt, erscheint auch schon der erste Oasenbewohner. Er fragt mich, wo ich herkomme und wohin mein Weg mich führt. Als ich ihm erkläre, dass ich von Baharia nach Dakhla zu Fuss unterwegs bin, hebt er beide Daumen nach oben. Er erkundigt sich, ob ich ein Telefon dabei hätte. Als ich das bejahe ist er beruhigt und zieht mit seinem Esel weiter.
Ich bin nach meiner Pause gerade mal zwei Kilometer gegangen, da winkt mir ein alter Mann zu und fordert mich auf, zu ihm zu kommen. Auch er erkundigt sich, wo mein Weg mich hinführt. Als ich ihm die gleiche Antwort wie dem Mann mit dem Esel gebe, schaut er besorgt. Er hebt meine beiden Feldflaschen, um zu prüfen, ob sie auch wirklich gefüllt sind. Jede Flasche fasst 2,2 Liter. Der Mann deutet mit einer Geste an, dass er mich zum Essen einladen will. Ich folge ihm in sein Haus. In einem kühlen Raum, den der Wind durch die offenen Fenster wohl temperiert hält, bittet mich der alte Mann Platz zu nehmen. Ich lege meinen Rucksack ab und ziehe meine Schuhe aus, bevor ich eintrete. Anscheinend mache ich auf den Mann einen erbärmlichen Eindruck, denn er deutet mir an, dass ich mich waschen solle. Wir gehen vor das Haus, vor dem ein Eimer mit frischem Wasser steht. Er deutet mir an auf die Knie zu gehen und mich nach vorne zu beugen. Der Mann schöpft Wasser aus dem Eimer und giest es über meinen Kopf. Der Mann hält mir ein Stück Seife hin, mit dem ich meinen Kopf einseifen soll. Danach duscht er mich ab, gibt mir ein Handtuch, mit dem ich meine Haare trockne. Zum Schluss gibt er mir einen Kamm, mit dem ich meine Haarpracht wieder ordne und einen Spiegel, in dem ich das Ergebnis bestaunen kann.
Nun gibt es Essen. Mir wird eine Art Bratkartoffel aufgetischt. Der Gastgeber weiss gar nicht, welchen Gefallen er mir damit tut

Dazu gibt es weisse Bohnen und Brot. Ein einfaches, aber sehr schmackhaftes Gericht. Wir versuchen uns weiter zu unterhalten. Mein Gastgeber spricht kein Englisch und ich nur wenige Worte Arabisch. Mit etwas Mimik und Gestik und etwas Phantasie klappt es ganz gut. Ich erzähle ihm von meiner Wanderung und das ich GPS und ein Satellitentelefon dabei habe. Für Verpflegung und Wasser ist auch gesorgt, was den Mann sichtlich beruhigt.
Zwischenzeitlich traf ein Nachbar ein. Der Hausherr erzählt ihm von mir und meinem Vorhaben. Der Nachbar erzählt mir, dass er mit meinem Gastgeber vor einiger Zeit von Baharia nach Farafra gelaufen sei. Daher wuchs die Begeisterung der beiden Männer für mein Vorhaben. Zur Unterhaltung gab es den traditionellen Tee.
Irgendwann verabschiedete ich mich. Wir winkten uns zu, bis wir uns aus den Augen verloren hatten...
Also mache ich mich weiter auf den Weg Richtung Süden. Ich hatte nicht einmal zwei Kilometer zurückgelegt, da hörte ich lautes Rufen. Ein Mann stand etwas 100 Meter mit seiner Familie entfernt von mir entfernt und deutete mir an, näher zu kommen. Der Antwort auf die Frage, wo ich denn herkomme und wo ich hin gehe folgte die Einladung zum Tee
Nachdem ich mich wieder verabschiedet hatte und einige Kilometer gelaufen war, ja, ihr ratet richtig. Freundliches Zurufen und die Einladung in ein kleines kühles Häuschen, wo mir Essen und Tee angeboten wurde.
Ich war schmutzig. Vermutlich sah ich nicht gerade vertrauenserweckend aus. Aber ich wurde eingeladen und war Gast dieser besonderen Menschen. Würde bei uns zu Hause jemand mit meiner Erscheinung an die Türe klopfen, würde mir die Türe wahrscheinlich erst gar nicht geöffnet.
Ich hatte schon Bedenken, dass ich Probleme mit meinem Zeitplan bekommen würde.

Aber unternehmen wir nicht diese Reisen gerade darum, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen und sie kennen zu lernen?
Der Mittag war heiss, doch ein Wind mit Sturmböen sorgte dafür, dass die Temperaturen erträglich blieben. Eine gute Gelegenheit, Schatten zu suchen und für den Nachmittag auszuruhen.
Die Sonne stand nur noch eine Handbreit über dem Westhorizont. Zeit sich ein Nachtlager zu suchen. Bei meiner abendlichen Kontrolle meiner Wasservorräte musste ich feststellen, dass eine PET Flasche beschädigt war und sich 1,5 Liter Wasser in meinen Rucksack ergossen hatten. Der Rucksack und Inhalt trockneten schnell im Wind. Der Wasserverlust war auch keine Problem, da ich immer genügend Reserven mitführe. Trotzdem wollte ich den Verlust ergänzen. Das nahm ich mir aber für den nächsten Tag vor. Ich befand mich immer noch in der Nähe der Oase und Wasserversorgung war kein Problem.
Auf meinen Wanderungen traf ich häufig auf eigenartige Spuren. Sie waren keinem Mensch und keinem Tier zuzuordnen. Ich rätselte lange, bis ich die Lösung fand: Der Wüstenwind spielte mit einem Ast und trieb ihn durch die Wüste, wodurch Kilometer lange Spuren entstanden sind.
Gegen 17:00 Uhr geht die Sonne unter. Es bleibt noch Zeit, mein tägliches Lebenszeichen bei Stefanie per Satellitentelefon abzusetzen, mein Tagebuch zu schreiben und Vorbereitungen für den nächsten Tag zu treffen. Dann schlüpfe ich in den Schlafsack, denn sobald die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist und der frische Wind über die Sandebenen fegt, gehen die Temperaturen relativ schnell zurück.
Fortsetzung folgt