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Reisen in Diktaturen. Eure Meinung bitte

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Re: Reisen in Diktaturen. Eure Meinung bitte

Beitragvon Jürgen Kempe » 08.02.2014 21:02

Schreibfehler; sind nur 50 Jahre! Sorry!
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Re: Reisen in Diktaturen. Eure Meinung bitte

Beitragvon Kuno » 09.02.2014 08:20

50 Jahre ist auch schon eine ganze Menge!

Wahrscheinlich hat PeterCs Frage nicht in diese Richtung gezielt - aber in nicht wenigen Laendern der "eher speziellen Natur" muss man auch als Reisender damit rechnen, dass man mit den Behoerden nicht unerhebliche Probleme bekommen kann. dies fuer Dinge oder Aktivitaeten, die im Heimatland absolut keine Schwierigkeiten machen wuerden.

Dieser Artikel hat mich eben daran erinnert:

"Ein in Nordkorea inhaftierter US-Büger ist nach Angaben der US-Regierung in ein Arbeitslager verlegt worden. Er wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt und soll bei schlechter Gesundheit sein. Die US-Regierung hat keinen direkten Kontakt zu dem Mann."

Aus dem FOCUS: http://www.focus.de/politik/ausland/tro ... 01475.html
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Re: Reisen in Diktaturen. Eure Meinung bitte

Beitragvon Alexander » 09.02.2014 08:43

Nach Darstellung Pjöngjangs handelt es sich bei Bae um einen militanten evangelikalen Christen, der die Nordkoreaner zum Sturz der Führung aufwiegeln wollte.

Paranoja scheint auch zu den Eigenschaften von Despoten zu gehören. Oder man brauchte nur wieder mal einen Grund, auch wenn er noch so an den Haaren herbeigezogen ist.

Grüsse
Alexander
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Re: Reisen in Diktaturen. Eure Meinung bitte

Beitragvon Wolfgang K » 09.02.2014 11:39

schnorr hat geschrieben:
Wolfgang hat geschrieben:und nicht das Regime, für was die Leute nichts können


ein interessanter Gedanke. warum können die nichts dafür? auch in der ddr und in tunesien hat das volk das regime gestürzt.


Interessantes Argument.
In die gleiche Richtung geht meine Frage:

was macht man dann mit einem Land, in dem eine „komische“ Regierung von der Mehrheit gewählt wurde?

man könnte statt "gewählt" auch "unterstützt" schreiben

Etwas überspitzt könnte ich jetzt sagen: Diktaturen an denen die Bevölkerung mehrheitlich schuld ist nennt man auch Demokratien. (bitte nicht wörtlich nehmen)
Im Übrigen kennzeichnen sich Despoten (oder ein entsprechendes System) unter anderem dadurch, dass sie ihre Macht unabhängig von der Mehrheit absichern, sonst wird es nichts mir der Despotie. Die Demokratie kann leider keine unfähigen Anführer verhindern, aber immerhin ist sie ein Werkzeug diese wieder unblutig loszuwerden.

Würde sich hier jemand in einem Land unwohl fühlen, in dem man weitgehend widerstandslos einen rücksichtslosen Despoten walten lässt, also eigentlich erwarten, dass sie die Bevölkerung irgendwie wehrt?

Grüße
Wolfgang
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Re: Reisen in Diktaturen. Eure Meinung bitte

Beitragvon winter » 09.02.2014 20:30

Hallo zusammen,

nicht wenige Menschen sind deshalb arm, weil sich eine Diktatur oder ein ähnlich politisches System einen Großteil der Finanzen persönlich sichert.

Bereist man ein solches Land, hat man zumindest die Möglichkeit, die Bevölkerung im Rahmen seiner Reise ein wenig zu unterstützen - vorausgesetzt natürlich, man reist nicht als "Konserven- und Bierbomber", der alles in der Heimat gekauft hat und im Reiseland entweder nichts oder nur sehr wenig einkauft.

Natürlich haben auch wir ein paar (in der Tat ganz wenige) Dinge dabei - aber wir kaufen fast alles vor Ort. Auf den Märkten und in kleinen Läden. Zudem schließt man auf Reisen - zumindest geht es uns immer so- jedes Mal wirklich interessante und erstaunlicherweise i.d.R. auch dauerhaftere Bekanntschaften und teilweise sogar Freundschaften, die bei weiteren Besuchen immer noch Bestand haben. Kommt man dann ausführlicher ins Gespräch, wenn man sich kennt, hilft das ungemein, das Land besser zu verstehen - und auch in die andere Richtung Interesse und Verständnis zu schaffen.

Denn keiner von uns besucht per se die Diktatur, sondern das Land. Mit einem Wegbleiben unterstützt man eher noch die Abkapselung des Landes nach außen - eine Reise erweitert auf beiden Seiten den Horizont.

Euch allen stets eine gute Reise.
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Re: Reisen in Diktaturen. Eure Meinung bitte

Beitragvon Wolfgang K » 10.02.2014 10:32

Mit einem Wegbleiben unterstützt man eher noch die Abkapselung des Landes nach außen - eine Reise erweitert auf beiden Seiten den Horizont.


Ich glaube das trifft es genau auf den Punkt.

Grüße
Wolfgang
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Re: Reisen in Diktaturen. Eure Meinung bitte

Beitragvon landcruiser. » 10.02.2014 10:51

Ich hab Spanien zur Zeit von Franco erlebt.

Manchmal beschlich einen ein komisches Gefühl, wenn man der Guardia Civil begegnete.

Es war aber deutlich sicherer zu bereisen als heute (Autobahnüberfälle, etc. gabs damals m.W. nicht)

Beim Transit nach Berlin oder Grenzübertritt in die "Zone" war das gefühlt auch eher ungemütlich.

Ich war trotzdem da.

In den USA bin ich den lokalen Sheriffs auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

Dort gibt es oft noch die Todesstrafe und sie befinden sich sich seit ihrer Gründung im Krieg.

Sie marschieren in andere Länder ein, spielen Weltpolizei und spionieren selbst ihre "Freunde" aus.

Ich war trotzdem da.

In Tunesien war ich das erste Mal zu Zeiten von Bourguiba.


Viele Worte, wenig Sinn:

Wenn ich meine Reisen von dem was mir in einem Land politisch/gesellschaftlich nicht passt, abhängig machen würde, wäre ich wohl zuhause geblieben

( ... und hätte mir überlegen müssen wohin ich auswandere :wink: )
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Re: Reisen in Diktaturen. Eure Meinung bitte

Beitragvon Kuno » 10.02.2014 20:36

landcruiser. hat geschrieben:Ich hab Spanien zur Zeit von Franco erlebt. Manchmal beschlich einen ein komisches Gefühl, wenn man der Guardia Civil begegnete.Es war aber deutlich sicherer zu bereisen als heute (Autobahnüberfälle, etc. gabs damals m.W. nicht)


Fuer Reisende ist so etwas ein wichtiger Aspekt - er wird auch im zusammenhang mit anderen Laendern immer wieder gerne erwaehnt.
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Re: Reisen in Diktaturen. Eure Meinung bitte

Beitragvon julandchigo » 10.02.2014 23:12

ich muss leider auch sagen das die meisten "stabilen diktaturen" die wohl sichereren reiseländer sind als so manche "demokratien" (bewusst unter anführungszeichen, weil die grenze ist sehr verlaufend... weil wenn ich jetzt polemisieren wollte würde ich einfach mal behaupten das die diktatur des kapitals für millionen tote sorgt und milliarden unter menschenunwürdigen bedinggungen leben lässt, was ja bedeuten würde das jedes kapitalistische land mit schuld ist und nicht bereist werden dürfte.... ich will aber ned polemisieren, darum behaupt ich das auch nicht, aber mit dem extrembeispiel sei gezeigt das was für den einen eine gute anständige demokratie ist, für den anderen den tod bedeuten kann.)

ich finde es auch schwer zu beurteilen ab wann man ein volk als frei bezeichenen kann, und ob dafür umbedingt demokratische wahlen nach unserem verständniss stattgefunden haben müssen!? es gibt wohl monarchien oder auch stammeskulturen mit anderne hirachischen systemen die durchaus gute lebenbedingungen für ihre menschen bieten, während so manches demokratisch geführte land die hölle auf erden für seine bewohner ist.

auch der durchschnitltiche wohlstand oder das recht auf freie meinnungsäusserung sind schwache indikatoren für gute lebensbedingungen. deutschland ist eine so vorbildliche demokratie, trotzdem ist auf grund seiner vergangenheit die freie meinungsäusserung unter strafe gestellt durch das wiederbetätigungsverbot. nicht falsch verstehn ich mag absolut keine nazis... aber ich möchte nur auf ein paradoxum hinweisen.

wer nimmt sich das recht zu beurteilen was eine gute demokratie oder eine schlechte diktatur ist??? schwarz und weiss gibt es nicht... sondern viel grau... manches dünkler manches heller.

wo jeder selber seine eigene komfortzone in dem grauen sumpf sieht ist zwar interessant aber von aussen wohl kaum nachvollziehbar da es doch eher sehr persönliche gründe sind, und leute die nicht auch in problematische ländern fahren wird man wohl kaum hier in so einem forum finden, weil für die kanns ja eigentlich nur urlaub auf balkonien geben , weil jedesland hat seine schmutzflecken, ob das jetzt die nazis in bradenburg, mafiöse strukturen in neapel, oder ein militärregim in afirka ist ;-)


mich persönlich hat noch kein regim von einer reise in ein land abgehalten, ich habe syrien vor dem krieg geliebt, ich habe zig mal marokko besucht obwohl dort die polisarios seit über 30 jahren unterdrückt werden, und ein international anerkanntes land einfach besetzt ist.

ich persönlich glaub auch das die paar euros die ich in dem land lasse zu einen guten teil der bevölkerung zufliest.

wenn man etwas nicht unterstützen will dann sollte man eher handelsprodukte eines landes wenn man zu hause ist boykotieren (also zb keine früchte aus israel, keine elektronik aus china, kein gold und keine diamanten(da klebt immer blut drauf ;-) ), da diese produkte viel mehr geld in die kassen des staates fördern also die euros der individualtouristen.
gruß
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Re: Reisen in Diktaturen. Eure Meinung bitte

Beitragvon Wolfgang K » 24.02.2014 18:44

Wenn ich es mir recht überlege so ist es doch einen Gedanken wert, dass Reisen und „die Welt verbessern“ evtl. einfach zwei unterschiedliche Dinge sind.
Wenn man sich mal eingesteht, dass nicht alles im Leben Beitrag zu einer „höheren Mission“ sein muss, braucht man sich und anderen auch nicht ständig einzureden, dass man sich auf einer solchen befände.

Ich glaube das macht alles ein wenig unbeschwerter…

Grüße
Wolfgang
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Re: Reisen in Diktaturen. Eure Meinung bitte

Beitragvon schnorr » 25.02.2014 07:56

Wolfgang K hat geschrieben:....dass nicht alles im Leben Beitrag zu einer „höheren Mission“ sein muss,

aber ab und an schon, oder? :roll:
und diese deine erkenntnis sollte kein freibrief sein, immer auf kosten anderer leben zu dürfen. das geht auf dauer in die hose.
Viele Grüße
Jörg

meine Reisen unter http://www.quadridesafrica.de
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Re: Reisen in Diktaturen. Eure Meinung bitte

Beitragvon marylin » 26.02.2014 10:03

Nun- ich lebe in einer Diktatur; daher habe ich keine Probleme, andere Staaten derselben Couleur zu besuchen. Das erweitert den Horizont, und hilft mir zu erkennen wo es noch Verbesserungsbedarf im eigenen Land gibt.
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Re: Reisen in Diktaturen. Eure Meinung bitte

Beitragvon Albatross » 26.02.2014 10:45

In ein Land reisen ist nicht nur "Geld hinbringen"...
man kann erschöpfend diskutieren um wieviel % man der Bevölkerung und um wieviel % man dem Regime unterstützt(falls in Augen des Reisenden nicht "passend")...
(Individual-)Reisen ist meiner Meinung nach haupsächlich der Austausch von Gedanken (und auch Lebenseinstellungen)...mit Menschen... sofern man nicht ein reiner Voyeur ist
Gruß Albatross
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Re: Reisen in Diktaturen. Eure Meinung bitte

Beitragvon Wolfgang K » 26.02.2014 12:47

(Individual-)Reisen ist meiner Meinung nach haupsächlich der Austausch von Gedanken (und auch Lebenseinstellungen)...mit Menschen...


Aber was macht man denn dann alleine in der Wüste? Ich dachte da fahren die meisten hin weil sie eben keinen(!) treffen. Sonst hätte doch die Auflage zum 1., 2. und ggf 25. „Begleiter“ in Anbetracht der formidablen Okkasion auf reichlich interkulturellen Dialog wahre Begeisterungsausbrüche hervorrufen müssen. Ich erinnere mich aber an andere Stimmen :mrgreen:

Also wegen der Natur und der Landschaft alleine sollte man nicht in Diktaturen reisen? :wink:

Grüße
Wolfgang
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Re: Reisen in Diktaturen. Eure Meinung bitte

Beitragvon Albatross » 26.02.2014 16:41

wenn man sagt:
ich reise nicht in ein Land (Diktatur) um dort den Diktator zu treffen
ist die Umkehrung nicht unbedingt gültig: :shake:
ich reise in ein Land um dort den Diktator nicht zu treffen
und die weitere Permutationen
ich reise nicht in ein Land um dort den Diktator nicht zu treffen
oder
ich reise in ein Land um dort den Diktator zu treffen
sind auch nicht unbedingt gültig. Wenn dem so wäre könnte man es auch so schreiben. :mrgreen:
Gruß Albatross
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