Hallo,
in Kürze folgende Erklärungen zu den gezeigten Fotos:
Bild 1:
Ein "strand" ("Kette", darf man das übersetzen) antiker, meist neolithischer Amazonit-Perlen (aus der Gruppe des s.g. "Feldspat", Moosgrad: 6.5-7.0 - Nachfragen bei mir lohnen kaum - habe keine fundierten Kenntnisse zu "semiprecious stones").
Amazonit kommt auch aus Südmaerika, sieht neu anders aus - heller, weniger schön! Dieser hier kommt aus Minen des Tschad und ist im gesamten Sahararaum hoch geschätzt. Die Topperle dieses "strands seht Ihr auf der rechten Seit - in Höhe von ca. 3 Uhr. Die zylinder-förmige, oberhalb der eiförmigen ("bicone" genannt), die in dem schönen Grün, was GENAU der gewünschten Farbe entspricht! Als Faustregel gilt: je schöner Farbe und Form, je teurer. Diese Perlen werden in der Sahara (aber auch in USA) per Gramm verkauft, wobei der Grammpreis auf der gerade zuende gegangenen Messe in Arizona, bei 8-10 Dollar lag. So teuer wie Gold - kann man fast sagen! Allerdings kosten die kleineren Perlen und nicht so erwünschte Farben "nur" 2-4 Dollar/gr. Jedoch sind die Perlen, ist Amazonit insgesamt, recht schwer! Diese schöne Perle (rechts) würde demnach geschätzte 70-100 Dollar kosten! Alle haben große Bohrlöcher an den Enden, was sich durch die neolithischen Bohrmethoden erklärt. Es wurde beidseitig gebohrt, bis sich die Bohrlöcher in der Mitte trafen. Solche Bohrlöcher sind ein fast sicherer Hinweis auf die antike Herkunft der Perlen. Vor Fälschungen muss man hier jedoch keine Bange haben - das ist aufgrund des Farbunterschieds zwischen neu und alt unmöglich - auch das Bohrloch wäre bei einer neuen Perle von geringem Durchmesser. Fälschungen sind eigentlich unbekannt (hier)! In der Gesamtheit würde ich die Qualität dieser Kette jedoch als nur mittelmäßig beschreiben. Kostenpunkt: 5 Dollar/Gr. was sich auf einen Gesamtpreis von etwa 1000 Dollar hochrechnen würde!
Keine Bange vor solchen Investitionen. Die Preise für authentischen Schmuck aus der Sahara steigen weiter - wie seit Jahren. Herr Göttler, ausgewiesener Kenner der Szene und ein Altmeister-vom-Fach - wenn ich das respektvoll sagen darf - wird das sicher bestätigen!
Bild 2:
Zwei "Kiffas". Ein Set von drei Stück (blau und rot aussen und einer polychromen Perle mittig, werden sie im Haar, auf Höher der Schläfe getragen/hängend). Meine Anmerkungen zur Grösse, ist für den internen Gebrauch, kann Euch jedoch die max. und min. Grösse dieser Stücke verdeutlichen, wobei die kleine Grösse extrem selten ist. Preis der oberen Perle dürfte bei ca. 40-50 Dollar liegen im gezeigten Zustand. Das Alter ist schwer zu schätzen, sollte jedoch bei 50+ Jahren liegen. Seit ca. 1975 werden ja keine mehr gefertigt. Der grossen Dürre dieser Jahre ist das geschuldet!
Bild 3:
Ein recht schöner Strang antiker Karneol-Perlen aus Indien (Cambay). Karneole sind Achate (wie die weissen Steinchen in Eurem Garten). Die rötliche Färbung wird durch längeres Kochen in heissem Öl. Ein chemischer Vorgang der mit dem Eisengehalt im Stein zusammenhängt. Der Preis für diese Kette dürfte bei annehmbaren 200-300 Dollar liegen. Wäre die Kette neu - würde der Preis auf unter 10 Euro fallen. Neue Karneole sehen jedoch anders aus - sichtbar neuer!
Bild 4:
Das ist eine fantastische Sache. Es handelt sich hier um Muscheln (aus dem pazifischen Raum eingeführt vor 100+ Jahren). Die wurden im Raume Boutilimit auf eine gewisse Weise verziert, wie hier sichtbar.
Die hier gezeigten 3-4 Ketten (a 150 Stück) kosten in dieser Qualität ca. 200-250 Dollar/Kette - allerdings werden größere, schönere und ältere Stücke ebenfalls per Gramm verkauft, was zu Preisen von 15-30+ Dollar/Stück führen kann. Auch diese Muscheln sind "Hair-Ornaments" (der dt. Professor Krings hat darüber ein tolles Büchlein veröffentlich/Dumont) und werden in die Haare eingeflochten. Die Designs verteilen sich auf 7 Grundtypen, die ihrerseits alle bestimmten Spezifikationen folgen. Es sind auch hier KEINE Fantasiemuster!! Ich bin leidenschaftlicher Sammler auch dieser Stücke - die hier gezeigten "Strands" sind lediglich Handelsware, gehören nicht zu meiner Sammlung! In Zukunft zeige ich einmal bessere Bilder - in der Masse verwirrt das ziemlich!
BILD 5:
Eine klassische alte Silberperle. Die "Nuppen" (Ursula) sind ebenfalls "Augen" und dienen der Abwehr der "jinns" und dem "bösen Blick", einem weit verbreiteten Mythos der Muslime (und anderer Völker). Links und rechts davon sehr Ihr alte Koralle. Jedoch: Vorsicht! Die ist zwar echt (klar gibt es Fälschungen, reichlich sogar - auch welche aus Glas), allerdings nicht die saharaübliche Koralle. Ein cleverer Händler (oft Gambia) hat sich hier aus den Märkten 10.000 km östlich bedient. Im Himalaya. Das ist nicht erstaunlich, wenn man weis das A: die Sahara fast ausverkauft ist und B: diese Händler auf den US-Märkten Zugang zu Koralle aller Herrn Länder haben. Übrigens ist auch MEKKA ein beliebter Handelsplatz, auf dem während des Hadj reichlich gehandelt wird. So kommt Himalaya-Koralle in die Sahara - erstaunlich, ...oder doch nicht?
BILD 6:
ein vergrößerter Ausschnit einer "KIFFA-Kette", die zwei sehr schöne Exemplare zeigt (und zwei Halbe). Wenn ich Euch nun erklären würde - aus Zeitgründen ein andermal, sorry! - wie gerade diese Perlen hergestellt wurden, würdet Ihr mich vielleicht einen Geschichtenerzähler schimpfen. Geübte Hände benötigen 1-2 Tage für die Perle im Zentrum.
Mit 08/15 Metallnadeln (solchen mit denen man einen Knopf annäht - wie heissen die? Die kleinen, dünnen, vielleicht 4,5,6 cm langen...?) wird zuvor pulverisiertes Glas aufgenommen und auf den Kern der Perle (der ist weis, auch aus Glas und hat die gleiche Form wie die fertige Perle) aufgebracht. Also jedesmal nur ein tausendstel Gramm oder weniger. Fragt Euch selbst, wie viel feiner Pulver auf die angefeuchtete Spitze einer solchen Nadel passen. Man setzt also mit jedem Arbeitsgang nur einen winzigen Punkt auf den Rohling. Dann noch einen Punkt, noch einen und tausende weitere. Am Ende ergibt dass das Design, dass Ihr hier seht. Ist die Perle fertigt, wird sie auf einen Dorn gesteckt und dieser kommt in das Bohrloch einer Tonscherbe. Sind einige fertige aber noch nicht gebrannte Perlen fertig - werden sie mit einer leeren Sardinenbüchse bedeckt (als Often) und das Ganze wird mit Holzkohle bedeckt und 30-45 Minuten gebrannt. Fertig ist die Kiffa! Hört sich einfach an...? Haaaa - ist es nicht, glaubt mir. Ist es nicht! Im Gegenteil. Bisher war Niemand in der Lage, trotz bekannter Technik - eine Kopie herzustellen. Schaut Euch doch in dieem Zusammenhang mal mein erstes gepostetes Foto an. Ihr sehr eindeutig den Unterschied zwischen den alten, den authentischen, die "richtigen" Kiffas und jenen, die ab ca. 1993 von perlenfremden Frauen (aber auch in Kiffa) nur zum (verständlichen) Zwecke des Geldverdienens gemacht wurden und immer noch werden! Wie Tag und Nacht!!!
BILD 7:
Das eindeutig interessanteste Bild dieser kleinen Serie! Was sehen wir hier? Sieben Perlen. Alles Kiffas...? Sieht so aus, stimmt aber nicht!
Teilen wir die Sieben mal in zwei Gruppen.
- rechts liegen drei
- links liegen vier
- in der Mitte liegt eine kleine - mit sichtbarem Perlloch
Die drei auf der linken Seite sind "Kiffas"
Die kleine in der Mitte ebenfalls
Die vier auf der linken Seite sind...? Was meint Ihr? Genau! Das sind die ursprünglichen Perlen, die Prototypen für die Kiffas. Diese vier wurden ab 800 AD aus dem Norden im transsaharischen Handel in die Wüste eingeführt. Diese vier (links) sind aus den Werkstätten al-Fustat's (Kairo), wie die Ausgrabungen (Pinder-Wilson, Mitte der 1980-er Jahre) beweisen.
Diese Perlen waren bekanntlich den Beidan vorbehalten. Haratin haben sie kopieren müssen. Die Gründe dafür sind meinem Buch vorbehalten, wie Ihr sicher gut verstehen werdet!
BILD 8:
Ebenfalls extrem interessant. Auch diese Perlen sind aus Fustat (ca. 800-1200 AD), die Technik (wie übrigens auch bei den vier Perlen des letzten Bildes, sind völlig anders als bei "Kiffas". Unvergleichbar anders!
Ich habe doch gestern erklärt, wie lange Stangen von Glas "gezogen" werden und dann in kleine Perlchengrössen zerhakt werden. Dabei entstehen scharfe Kanten, wie sich jeder denken kann. Diese Perlen wurden dann auf eine s.g. "HOTPLATE" gelegt, eine erhitzte Metallplatte, wodurch die Ecken und Kanten neu verschmolzen. ERinnert Ihr Euch...?
Schaut einmal auf die grosse (in Wirklichkeit 2-3 mm kleine) Perle im Znetrum des Bildes. Seht Ihr wie auf der rechten Seite eine zweite Perle (auf dem Kopf stehend) angeschmolzen ist durch genau diesen Vorgang der Wiedererhitzens? Das passierte häufig, weil tausende Perlen wiedererhitzt wurden. Da konnte man nicht immer darauf achten, dass alle von einander getrennt lagen!
Jetzt schaut einmal auf die Perle darüber. Sehr Ihr an deren linken Seite diesen "abgehakten" Kragen? Das kommt vom beschriebenen Trennungsprozess des zerteilens der meterlangen Stange, dem Ausgangsmaterial für diese "Seedbeads" (u.a. für Perlenarbeiten oder als Zwischenperlen). Solche Perlen gibt es auch in blau (häufiger), gelb und rot (selten). Eine Kette in tragbarer Länge würde ca. 150-200 Dollar kosten, wenn die Perlchen gleichmässig sind, was dann unglaublich stark und "ethnologisch" aussieht!
Lasst mich an dieser Stelle einmal sagen, dass ich Sammler, kein Händler bin. Einige haben mich in privaten Mails nach Preisen und Verkäuflichkeit gefragt.
BILD 9:
Klassische Goldperlen aus Mauretanien (stark vergrössert). Es handelt sich hier nicht um hochkarätiges Gold, sondern "nur" um eine Goldauflage (gold-washed). Lediglich die rechte Perle ist aus 20-karätigem Gold. Preise? Verhandlungssache. Zu selten werden sie angeboten. Etwa 250 Dollar (rechte Perle)!
BILD 10:
Hier seht Ihr eienen Teil des Herstellungsprozesses, jedenfalls den Teil des Brennens auf den beschriebenen Tonscherben. Dazu vielleicht später mehr (nach meiner erhofften Rückkehr).
BILD 11:
Wen's interessiert, soll sich einmal unter dem Suchwort "AGGREY" oder "AKORI" oder AKKORI" oder "AGGREY BEADS" schlau machen. Das ist die vielleicht mysteriöseste Perle weltweit - definitv aus Afrika. Denn sie wurde vor Jahrhunderten (16/17. JH) in Westafrika hergestellt, Nichts genaues weiss man nicht!
Ihr seht zwei Perlen!
Oder doch nur eine? Genau, es ist ein und die selbe Perle, die hier fotografiert wurde. Die obere, die blaue Version sieht so im Tageslicht aus! Stellt man eine Lichtquelle dahinter (Gegenlicht) ändert sich die Perle in dieses fantastich transparente Grün. Warum das so ist...?
Keiner weiss es genau und es wurden verdammt viele Untersuchungen angestellt, es heraus zu finden. Eine extrem geheimnisvolle Perle, die von den Portugiesen im s.g. Dreieckshandel innerafrikanisch gehandelt wurden. Die Perle, so überhaupt zu finden, wird auch heute noch in Gold aufgewogen. Im wahrsten Sinne des Wortes!
Schaut mal rein in der Wunderwelt von Google. Ihr werdet Euch vielleicht wundern über die vielen Einträge und Meinungen. Vielleicht stosst Ihr dann auch auf einen Artikel von mir zu dieser mysteriösen Perle.
ALAAAAAAAAAAAF...!
Kamelleeeeeee!!!!
urgh!
SANGURU