Hallo ... (hier könnte Dein Name stehen

),
bin gerade unterwegs, deshalb nur kurz zum Thema "beste Reisezeit".
Ja, es gibt Zeiten, in denen das Reisen keinen Spaß macht. Und: nein, außerhalb dieser Zeiten ist es nicht furchbar oder gar unmöglich.
Ich habe es nicht nachgeprüft, doch ich nehme an, dass wir inzwischen zu jeder Jahreszeit dort waren. An große Dramen kann ich mich nicht erinnern.
Was ist eine beste Reisezeit? Was die schlechteste? Und warum? Nehmen wir das Beispiel Namibia. Auf Deiner Karte sind Dez.-Jan. schlecht. Doch wir versuchen jedes Jahr, genau dann dort zu sein. Dann es ist warm (wir lieben die Wärme), die meiste Zeit trocken (obwohl es offiziell Regenzeit heißt) und wenn es doch einmal regnet, triffst Du zwei Millionen glückliche Namibier. Wir haben es in all' den Jahren drei Mal erlebt, dass es etwas schwierig wurde. 2011 hat's extrem geregnet, (1500 mm in wenigen Monaten) und zahlreiche Pisten waren zeitweilig gesperrt. Wir sind, obwohl zweiradgetrieben, mitten durch und haben ein paar Mal vor unpassierbaren Flüssen übernachtet oder sind umgedreht. Kein Problem. Ein anderes Mal waren einige Pisten in Etosha wegen Schlamm für größere Fahrzeuge gesperrt. Mit dem VW-Bus galten wir als klein und sind gut durchgekommen. Das Unangenehmste war, hinterher das - äußerlich - komplett verdreckte Fahrzeug wieder sauber zu bekommen. Außerdem müsste vor ein paar Jahren mal ein Staudamm wegen Überlaufgefahr geöffnet werden und eine Stadt stand einen Meter unter Wasser.
Eine normale Regenzeit kommt auf ca. 350 mm Niederschlag in drei Monaten, das ist etwas mehr als wir im Durchschnitt in Deutschland abbekommen. 2015-16 und in den Vorjahren lag es weit unter 300. Natürlich kann es mal einen Tag mit extrem viel Regen geben, dann macht man halt ein Päuschen. Am nächsten Tag ist es wieder fein.
Regenzeit heißt also nicht, täglich tropische Unwetter, sondern Wetter wie bei uns im Sommer, meistens schön, doch es kann auch mal 'ne Woche rumpeln. Und wenn Du ganz viel Glück hast, erlebst Du Namibia grün und blühend, statt staubig, grau und braun. Selbst in der matschigsten Regenzeit siehst Du in den Nationalparks genügend Tiere. Dann stehen sie halt nicht aufgereiht am Wasserloch, sondern Du musst sie ein wenig suchen.
Selbstverständlich kann es mal eine Region kräftig erwischen, so dass sie unter Wasser steht (speziell Nordnamibia). Plötzlich gibt's Flüsse, wo keine waren. Dann suchen wir uns eine andere Route.
Und die beste Reisezeit? April-Mai und Aug.-Okt. wie auf Deiner Karte sind ohne Zweifel gut, wobei es in den höheren Lagen auch im Mai und August schon mal knackig kalt werden kann. Windhoek liegt auf 1600 m und wir hatten dort nachts schon -14°C. Ist kein Spaß und für uns völlig unafrikanisch. Auch die Namibier in ihren ungeheizten Häusern mögen das nicht. Trotz der nächtlichen Kälte ist es am Tage immer 20-25°C warm, denn der Himmel ist stets blau. Wenn die Nächte nicht wären, könnte man es prima aushalten. Wer also Wärme mag, für den ist unsere Sommer da unten nix. Kälteresistente werden das garnicht so schlecht finden.
Lange Rede, kurzer Sinn: die "schlechte" Reisezeit ist nicht wirklich schlecht und die "gute" hat auch ihre schlechten Seiten.
In anderen Ländern sieht das zuweilen anders aus. Zambia kann im Regen ersaufen, auch Malawi und Mocambique, selbst Nordbotswana. Wir mussten schon mehrmals durch die Regenfront, die quasi von Nord nach Süd und wieder zurück wandert (immer hinter dem Sonnenhöchststand hinterher). Dann haben wir halt ein wenig Gas geben, um durchzukommen. Die Hauptverkehrsachsen sind alle asphaltiert. Und wenn es sich lohnt, würde ich auf der Rückreise nochmal vorbeischauen.
Wenn Ihr Mitte November anfangt, würde ich als erstes Namibia, Botswana und Zambia besuchen und dann hoch nach Osten. Wie dort wann die Wetterlage ist, habe ich nicht mehr so genau im Kopf, doch auch hier heißt Regenzeit nicht, dass es ständig regnet. Das kann regional sehr unterschiedlich sein. Wir sind letztes Jahr in Kenia im Meru NP kräftig im Schlamm versackt und mussten da 24 h ausharren. Der Park ist bei Regen nicht zu befahren. Andererseits waren wir ein paar Tage später in der Nähe der äthiopischen Grenze und haben den Regen in den Sanddünen genossen. Etwas Ähnliches hatten wir mal in der Zentralkalahari/Botswana, als uns der Mann am Eingang mit den Worten empfing "Was wollt Ihr denn hier, Ihr seid die ersten seit drei Wochen!". Der Park war leer und dank des Regens waren die sonst tiefsandigen Pisten wunderbar zu befahren.
Ihr habt doch ein Dickschiff mit vielen Gängen und reichlich PS. Wenn wir das mit 50 PS, Viergang und 2 Tonnen Gewicht hinkriegen, dann ist das für Euch sicher kein Problem.
Eines ist aber ein großes und unausweichliches Problem: die südafrikanische Weihnachtszeit. Bei uns sind Weihnachten und Urlaubszeit durch ein paar Monate voneinander getrennt, dort fällt beides zusammen. Für Namibia und Südafrika heißt das, ab Mitte Dezember bis Mitte Januar ist alles dicht, sprich, die Geschäfte sind geschlossen und die touristischen Brennpunkte, speziell die in Meernähe, sind überfüllt. Da hilft nur eines: abhauen.
Und noch eine spezielle Region: wir haben unseren Wagen mehrmals in Mombasa/Kenia stehen gelassen und sind von dort heimgeflogen. Vor und nach jeder Reise habe ich da natürlich einiges am Auto gemacht. Doch man muss es mögen, bei morgens und abends 100% Luftfeuchtigkeit zu arbeiten. Für den Rest Kenias gilt das nicht, da herrscht deutlich anderes Wetter. Man kann also nicht für ein ganzes Land eine gute oder schlechte Reisezeit definieren, da können extreme regionale Unterschiede herrschen (siehe Hinweis von albrecht willems).
Macht's wie die Engländer: es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Und für den Fall, dass ein Etappenziel nicht erreichbar ist, umplanen. Es gibt mehr als genug Alternativen.
Soweit meine zwei Sätze, die ich dazu schreiben wollte

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Schöne Grüße
Wolfgang